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© Frank Rosenbauer

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3.2.93:

Kreis Altenkirchen.

(fr) Noch vor wenigen Jahren mußten viele Westdeutsche um Verwandte im Osten bangen:

Was die DDR-Diktatur mit Bruder oder Schwester, Onkel oder Tante anstellte, konnten sie nicht beeinflussen.

Doch auch heute, nach dem Fall der Mauer, sind noch viele Bürger in einer ähnlichen Lage.

Ein besonders tragischer Fall spielt sich derzeit in Niederhövels ab.

Dort lebt die türkische Familie Akyol, deren Verwandte in der Heimat von der Staatsgewalt bedroht werden:

Der Bruder des Familienvaters Serro Akyol wurde in der Türkei angeschossen.

Seit über einer Woche hat Akyol kein Lebenszeichen seines Bruders erhalten.

Die Familie Akyol stammt aus dem Weinbauerndorf Yenicer Koy, in dem Yeziden leben - eine religiöse Minderheit, dem Christentum verwandt.

23.000 der 25.000 Yeziden sind mittlerweile geflohen, denn Mitte der 80er Jahre begann die türkische Regierung, sie massiv unter Druck zu setzen.

Auch Serro Akyol bekam dies zu spüren:

"Während meines Militärdiensts", so Akyol zur WR, "fragte man mich:

Betest du Allah an? Als ich dies verneinte, haben sie mir den Arm abgehauen."

Eine 10 Zentimeter lange Narbe erinnert ihn noch heute daran.

100 der 120 Familien im Dorf flüchteten ins Ausland - auch die Akyols.

Zurück blieben die Alten.

"Auch meine Eltern", so Serro Akyol, "sie konnten kein neues Leben mehr anfangen."

Serros Bruder blieb ebenfalls in der Türkei - einer mußte sich um die Eltern kümmern.

"In Deutschland gibt es Altenheime und Sozialversicherungen", erklärt Serro Akyol, "in der Türkei sorgen die Kinder für sie."

Wäre auch der Bruder geflohen, wären Vater und Mutter verhungert.

Die Familie Akyol kam 1985 nach Niederhövels.

Sie bat um Asyl, was abgelehnt wurde.

Akyol legte Widerspruch ein.

Der wurde verworfen.

Mittlerweile läuft das dritte Revisionsverfahren.

Verglichen mit dem, was ihn in der Türkei erwartet, fürchtet Akyol den deutschen Fremdenhaß nicht:

"Ich will in Deutschland bleiben, auch wenn man mich totschlägt."

Im Kreis Altenkirchen, dessen Grenzen er nicht verlassen darf, habe er jedoch auch keine Ausländerfeindlichkeit erlebt.

Sein Onkel, der in Gebhardshain lebt, und die Kusine in Hamm fühlten sich ebenfalls sicher.

Andere Erfahrungen machte seine Schwester, die in Siegen wohnt.

Für 50 Pfennig pro Stunde mußte er für die Sozialhilfe arbeiten.

Seit 20 Monaten hat Akyol nun eine feste Arbeit, mit der er versucht, seine achtköpfige Familie zu ernähren.

"Ich bin jung und gesund, also kann ich arbeiten.

Ich will keine Sozialhilfe."

Der 38jährige kann weder lesen noch schreiben.

Hilfe erhält er von den Flüchtlingsberatern der Diakonie, die vom Kreis finanziert werden.

Für Akyol zuständig ist Berater Manfred Schüller.

"Herr Schüller ist ein guter Mann.

Wenn wir ihn anrufen, kommt er sofort und hilft."

Am 13.

Januar 1993 dann der Schicksalsschlag.

Acht Männer in Armeeuniform überfallen in Yenicer Koy einen Bus und durchsieben ihn mit Gewehrkugeln.

Drei Menschen sterben.

Die restlichen zehn Insassen werden schwerverletzt.

Auch der Bruder von Serro Akyol ist darunter.

Er erleidet einen Schuß in den Hals - doch ist zu arm, um die Kugel entfernen zu lassen.

Er versteckt sich.

Seitdem wissen auch seine Eltern nicht, wo er ist.

Und ob er noch lebt. "Als die Nachricht vom Überfall das Dorf erreichte", so Akyol, "lief mein 90jähriger Vater, der kaum noch gehen kann, auf die Straße, stürzte und brach sich den Oberschenkel."

Serro Akyol bat Außenminister Kinkel um Hilfe.

Beim Briefschreiben half ihm Niederhövels Bürgermeister Heinz Schmidt, der Akyol auch den Arbeitsplatz besorgte.

Eindringlich appelliert der Asylbewerber an den Bundesminister:

"Bitte üben Sie politischen Druck aus!" Die Familie Akyol.

Serros Frau Süsi gebar sechs Kinder.

Das jüngste heißt Bilan und ist 11 Monate alt.

"Sie haben mir den Arm abgehauen":

Mit einer Narbe kehrte Serro Akyol aus dem Militärdienst zurück Seit sieben Jahren hat Serro Akyol seine Eltern und seinen Bruder nicht mehr gesehen.

Ein Familienfoto erinnert an die Verwandten.

16.2.93:

Keine Pointe ohne Lacher, keine Bühnenkostümierung ohne Kreischen:

Wahrlich eine Riesenstimmung im Katzenbacher Bürgerhaus, als die kfd Kirchen ihren Karneval veranstaltete.

Zur eher beschaulich als "Mütterkaffee" deklarierten Feier kamen 180 Frauen - darunter zahlreiche evangelische.

Allein unter Frauen:

die Ehrengäste Pastor Georg Müller und Diakon Heinz Stock.

Die Bühnenakteurinnen bewiesen großes komödiantisches Talent - und Verwandlungsfähigkeit.

So z.B. Elfriede Köhler, die als Rudi Carrell erschien und das im Karneval sehr populäre "Herzblatt" moderierte.

Erst Minuten zuvor war sie als "ön Hond, der schwätzt" unter Beifallsgeschrei von der Bühne gekrochen.

27.9.93:

Betzdorf.

(fr) 70.000 Menschen wurden bisher beim RWE Betzdorf in Energiefragen geschult, informiert, beraten.

"Gute Akzeptanz und hoher Stellenwert in der Bevölkerung" - dieses Fazit zieht die RWE nach zehn Jahren Beratungsstelle Schützenstraße.

Und feierte auch kräftig:

Ein festiver Tag der Offenen Tür machte die Räume eng.

Besonders die Küche weckte Erinnerungen:

Hauswirtschaftliche Fachberaterinnen, Elektromeister und Ingenieure informieren beim RWE über Hauswirtschaft, Installationstechnik und vernünftige Energieanwendung.

Auch Kochen können die Betzdorfer hier lernen - so weckte denn auch die Küche einige Erinnerungen:

"Hier", sagte ein Vater seinen zwei Kleinen, "hat euer Papa schon gekocht!" Vielleicht kennen auch seine Kinder die RWE-Berater.

Denn die ergänzen den hiesigen Schulunterricht, indem sie in den Klassen referieren.

Da machen sie beispielsweise klar, was den meisten Strom frißt:

Ein Berater wäscht sich mit warmen Wasser die Hände - und enthüllt dann:

"Mit der Energie, die ich jetzt verbraucht habe, könnte man euren Klassenraum 24 Stunden lang beleuchten!" Und das alles schon seit zehn Jahren.

Grund genug für ein kleines Fest:

Schön geschmückt die Räume, sogar ein kleines Festzelt, Spiele für die Kinder - und kunterbunte Longdrinks gratis für ihre Eltern.

Eine Riesenattraktion war "Gaby`s Luftballon-Zoo:

Eine Dame war aus Frankfurt angereist und knotete fix mit Spezialballons diverse Tiere zusammen.

Die 52jährige "Gaby":

"Ich mache das schon mein Leben lang."

In ihrer PR-Broschüre bezeichnet sie sich übrigens als "einzige hauptberufliche Ballonkünstlerin Deutschlands."

Besonders war auch das Kulturprogramm:

Neben der FWG-Tanzgruppe Scheuerfeld erfreute die Griechische Folkloregruppe Betzdorf und eine Steinebach/Dickendorfer Zitherband die zahlreichen Besucher.

Gaby knotet für die Kinder:

Reichlich mit Luftballon-Tieren versorgt wurden die kleinen RWE-Besucher.

19.9.93:

Herdorf.

(fr) 14 Menschen gründeten gemeinsam in Herdorf einen Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt (AWo).

Das war vor genau zwei Jahrzehnten - und heute hat die AWo Herdorf rund 230 Mitglieder.

Lange Jahre haben sie sich u.a. um alte Menschen gekümmert, viel wertvolle Hilfe im Stillen geleistet.

Das 20jährige Jubiläum feierten sie im Gasthof Guthardt.

Zahlreiche Ehrengäste, darunter Bürgermeister Hans-Otto Otten mit Beigeordneten und Vorsitzende anderer Ortsvereine, besuchten den Geburtstagsverein - und betonten, wie wichtig seine Arbeit war und ist.

Die Herdorfer freuten sich besonders, daß Emmi Rötzel sie mit ihrem Besuch beehrte.

Die 82jährige Kreisehrenvorsitzende und Trägerin des Bundesverdienst-Kreuzes war aus Hamm angereist.

Sie hatte miterlebt, wie der Herdorfer Ortsverein - geführt von Alfred Kötting - immer größer und damit aktiver wurde.

Köttings Fähigkeiten fielen auch im Kreisverband positiv auf:

Die Delegierten wählten ihn zu ihrem Kreisvorsitzenden.

Dieses Amt bekleidet heute Heinz-Günter Scheel.

Er sieht den Herdorfer Ortsverein "als tragende Säule im Kreisverband."

20 Jahre AWo bedeute "20 Jahre Dienst am Nächsten, 20 Jahre viele Herdorfer Bürger in schweren Stunden begleitet."

Und das "vorwiegend im Stillen", betonte SPD-Stadtchef Norbert Eisel, selbst AWo-Mitglied.

Den Ortsverein leitet seit nun drei Jahren Willi Scholl, "jemand", so Scheel, "der bereit ist, das Erbe von Alfred Kötting anzutreten."

Unterstützt wird Scholl dabei von Personen wie Luise Fuchs und Frieda Nassauer.

"Seit 1974 sind sie bei der AWo aktiv", so Scholl, "haben bei Wind und Wetter die Beiträge eingesammelt und bei jeder Feier mitgeholfen."

Dafür überreichte Scheel den beiden Damen die Silberne AWo-Ehrennadel für besondere Leistungen.

Trotz aller Feier-Freude, Probleme hat die Arbeiterwohlfahrt Herdorf auch:

Immer weniger junge Menschen machen mit, und es mangelt an Platz.

Das AWo-Refugium, der Clubsaal in der Turnhalle, "platzt aus allen Nähten" (Scholl).

Die Mitglieder hoffen, ins Hüttenhaus umziehen zu können.

"Das alte Casino steht leer", meint auch Kreischef Scheel, "es könnte sofort genutzt werden."

Jahrelanger Dienst im Auftrag der Arbeiterwohlfahrt - im Bild hintere Reihe von links:

Ehrengast Max Haeßer vom AWo-Bezirksverband, Vorsitzender Willi Scholl, Kreischef Heinz-Günther Scheel und Gründungsmitglied Hans-Joachim Klein.

Vordere Reihe von links:

Gründungsmitglied Erwin Jacobs, Kreisehrenvorsitzende Emmi Rötzel, die ausgezeichnete Luise Fuchs, Ehrenvorsitzender Alfred Kötting, Gründungsmitglied Josef Solbach und Ortsvereins-Vizin Brigitte van der Zwaag.

6.7.93:

Bindweide.

(fr) Ein Fest mit hundertfach genutztem Besucher-Abholdienst:

Ihr 80jähriges Bestehen feierte die Westerwaldbahn am Bahnhof Bindweide - und transportierte die Gäste stilecht heran und wieder zurück.

Viele Familien nutzten das Angebot, von Scheuerfeld oder Weitefeld per Schiene zur Bindweide zu fahren, um dort nach einer Stärkung die Ausstellungen zu sehen - und wieder zurückgefahren zu werden.

Während zwischen Bindweide und Weitefeld ein Schienenbus pendelte, verkehrte auf der Strecke nach Scheuerfeld eine 83 Jahre alte Dampflok.

Die "P8" beförderte insgesamt rund 1.500 Gäste an den Ort des Festgeschehens.

Die kamen sich wie "VIPs" vor.

Denn während der Fahrt sahen sie in die Linsen zahlreicher Fotografen und Camcorder-Filmer, die die Strecke säumten.

Die Passagiere sahen aber auch die schöne Landschaft, die die Linie zu bieten hat.

Und den Scheuerfelder Friedhof, der unmittelbar an der Strecke liegt.

Da die direkt durch Wohngebiete verläuft, boten sich auch ungeahnte Einblicke in Scheuerfelder Hintergärten.

Die Mitfahrer erlebten das typische Dampflok-Feeling:

Rhythmisches Stampfen der Dieselmotoren, ab und an ein lautes Pfeifen.

Ein uriges Reisen - wenn man daran denkt, im Tunnel die Fenster zu schließen.

Das klappte allerdings nicht so ganz.

Brennende Augen erinnerten dann daran, daß Dampfloks wohl nicht unbedingt schadstoffarme Verkehrsmittel sind.

Aber durchaus flotte:

Zu 100 km/h war die Lok fähig.

Doch sie stampfte recht gemächlich gen Bindweide.

Schließlich mußte das Tempolimit auf der Strecke (30 Stundenkilometer) eingehalten werden.

Nach einer halben Stunde dann die Einfahrt in den Bahnhof Bindweide.

Ungewohnt:

Normalerweise macht er einen mausetoten Eindruck - doch nun bevölkerten ihn Hunderte von Menschen.

Sie sahen Ausstellungen rund um die Eisenbahn.

Und auch das, was die defizitäre Westerwaldbahn derzeit am Leben hält:

Der Betzdorfer Schäfer-Shop, letzter Großkunde der WW-Bahn, hatte einen Waggon mit seinen Waren gefüllt.

Die Besucher kauften kräftig - und unterstützen damit indirekt auch die Westerwaldbahn.

Denn ohne die Schäfer-Werke, die von Bruche mit ihrem Zweigwerk Weitefeld per Westerwaldbahn korrespondieren, hätte die kreiseigene Eisenbahn ihr 80jähriges wohl nicht mehr erlebt.

1.11.93:

Elkenroth.

(fr) Seit nun 85 Jahren besteht der Elkenrother Jungmännerverein.

Grund genug, auf die Geschichte des Vereins zurückzublicken, der das Leben in Elkenroth stark geprägt hat.

Laut Chronik ist er übrigens der letzte Jungmännerverein zwischen Sieg und Westerwald.

Katholische junge Männer treffen sich erstmals am 21.

Juni 1908, eingeladen von Vikar Brungs - und schon eine Woche danach haben sie eine Satzung geschrieben, 29 Jungmänner gründen den Verein.

Der erste Vorsitzende, damals Präfekt genannt, ist Alois Büdenhölzer.

Vorträge werden gehalten, Fuß- und Faustball gespielt.

Der erste Vereinsausflug führt, selbstverständlich zu Fuß, nach Kirchen.

Und das alles mit Segen von ganz oben:

"Der göttliche Jugendfreund", schreibt der Bischof ihrem Vikar, "wird Ihnen alle Mühe reichlichst entlohnen."

Geschlossen empfangen die Jungmänner die Kommunion, und ihr erstes Theaterstück heißt "Unter dem Schutz der Gottesmutter."

Aber auch weltliche Probleme kommen auf die Tagesordnung.

So beispielsweise die Frage "König Alkohol?" und "Wie reklamiert man gegen die Einkommensteuer?" Reichstreue gehört ebenfalls dazu:

Zum Geburtstag des Kaisers lauschen die Jungmänner ihrem Vikar, der zum Thema "Die Verdienste unseres Kaisers" referiert.

Ausschluß droht dem, der öfter fehlt.

Dennoch:

1913 ist eine Feier nur schwach besucht, weil viele Jungmänner lieber nach Mörlen gehen, wo gerade eine Kneipe eröffnet.

Feucht wird es stets auch, wenn ein Jungmann ausscheiden muß, weil er heiratet.

Dann heißt es:

"Junggesellen-Versaufen".

Gerade als die Jungmänner eine Turnabteilung, einen Musikverein und gar eine Sparkasse gegründet haben; eine Fahne als "Symbol der Treue und Einigkeit" eingeweiht ist -da vernichtet der Erste Weltkrieg auch das Vereinsleben.

Fast jeder zweite Jungmann stirbt auf dem Schlachtfeld.

1923 wird der Verein wiedergegründet.

Schon 1924 rufen die 68 Mitglieder eine Tambours-Kapelle ins Leben - und erstmals machen sie auch beim Karneval mit.

Dann ein Höhepunkt in 85 Jahren Jungmännerverein:

Gemeinsam mit dem MV "Harmonie" führen die jungen Christen 1928 ein fünfstündiges Passionsspiel auf - in acht ausverkauften Vorführungen.

"Das Dorf hat ein Fieber erfaßt", notiert der Chronist.

Doch den Verein erfaßt Unruhe:

Die Turnabteilung, nun unter dem Namen "DJK" firmierend, spaltet sich fast ab - und die straffe Führung des Vikars Kühnen sorgt für Unmut.

Und dann die politischen Umbrüche.

Daß "Rote" in ihr Vereinslokal einziehen, können die Jungmänner gerade noch verhindern:

"Entweder findet die Kommunistenversammlung nicht statt, oder wir waren zum letztenmal bei unserem Vereinswirt."

Das wirkt.

Stattdessen referiert nun ein Dauersberger über "Der katholische Jungmann im öffentlichen Leben."

1930 sind 90 Prozent der Jungmänner ohne Arbeit.

Sie sammeln Brennholz, damit eine örtliche Arbeitslosenberatung auch im Winter stattfinden kann; außerdem veranstalten sie Vorträge und Leseabende.

Sie helfen auch mit beim Elkenrother Sportplatz-Bau - schon nach zwei Monaten kann mit dem "DJK-Sturmtag Sieg-Heller" eingeweiht werden.

Die Nazis bringen unterdes den Jungmänner-Vikar Kühnen auf Linie:

Nachdem er mehrmals gegen die Nationalsozialisten gesprochen hat, drohen die ihm 1933 mit dem KZ Siegburg - "auch der echte Katholik", schreibt Kühnen darauf in der Lokalzeitung, "marschiert unter dem Hakenkreuzbanner."

Dennoch wird auch der Elkenrother Jungmännerverein noch im selben Jahr von den Nazis verboten.

1948 ersteht der Verein ein drittes Mal.

Die leere Wiedergründungs-Kasse füllt er mit dem Theaterstück "Mutterlieb hat keine Grenzen" auf.

Langsam pulsiert das Vereinsleben wieder, u.a. wird intensiv bei der Kirchengestaltung mitgeholfen.

Heute hat der Verein 160 Mitglieder - so viele wie nie zuvor; sie dürfen nun auch nach Heirat noch dabeibleiben.

Doch daß nur Männer Mitglieder werden dürfen, "das", so der heutige Vereinschef Andreas Hüsch (24), "soll auch so bleiben."<- Ihr Jubiläum feierten die Jungmänner mit dem MV Harmonie im Bürgerhaus.

Dabei stellte der Vereinsvorsitzende seit sechs Jahren, Andreas Hüsch, die Festchronik vor, die Mitglied Günter Hüsch in gutem Deutsch und grafisch ansprechend erstellt hatte.

Bis heute wäre der Elkenrother Karneval ohne die Jungmänner unvorstellbar.

Schon 1931 sorgte Jungmann Josef Stock als "Nulpe mit seiner Benzinkutsche" für Furore.

Die Jungmänner der Fußballabteilung (DJK) im Jahre 1933.

24.12.93:

Kirchen-Katzenbach.

(fr) Jeder, der jetzt durch Katzenbach fährt, kann es sehen:

Der Katzenbacher Männergesangverein "Einigkeit" wird 100 Jahre alt.

Zwei stilvolle, handwerklich geschickt erstellte Schilder geben davon Zeugnis.

Die beiden Schilder, gefertigt von den Sängern Hugo Bernardi, Karl-Hans Weber und Berthold Schmidt, wurden jetzt aufgestellt.

Das war der Auftakt für das Festjahr 1994, für das sich der MGV, unter Schirmherrschaft von Theo Schmidt, einiges ausgedacht hat - mehr als lediglich einen großen Festakt.

Das Festkonzert "Weihnachten im Waldkirchlein" bildet den Auftakt am 9.

Januar.

Nach dem Gesang in der Katzenbacher Kirche "Maria Himmelfahrt" gibt es am 5.

Februar eine besondere Karnevalssitzung:

Höhepunkte aus bisher 20 Sitzungen werden geboten.

Motto:

"100 Jahre MGV - 20 Jahre Katzenmisch Miau".

Außerdem darf der MGV im Jubiläumsjahr den Delegiertentag des Sängerkreises ausrichten.

Und am 19.

Juni erhält er in Kusel die "Zelter Plakette".

Die Hauptfeier findet vom 19.

bis 22.

August statt:

Festkommers, Freundschaftssingen und Festumzug.

Danach gibt der Katzenbacher MGV noch ein Herbstkonzert und veranstaltet eine Silvesterparty.

Vorsitzender Walter Kipping:

"Wir freuen uns schon heute auf jeden Gast!" Schild am Ortseingang, rechts Walter Kipping 29.12.93:

Herdorf/Köln.

(fr) Ein Herdorfer Fotograf sorgt auch drei Jahrzehnte nach seinem Tod noch für Aufsehen - in der internationalen Kunstszene:

"Sensation um August Sander auf dem Kölner Kunstmarkt" titelte eine Zeitung der Domstadt.

Ein Galerist hatte 59 originale Sander-Portraitfotos zum Verkauf angeboten.

Der posthume Wirbel um August Sander, 1876 in Herdorf geboren, überrascht Fachleute nicht:

Sander hat Fotogeschichte geschrieben.

Besonders mit seinen Portraits.

Mit einem progressiven Kunstgriff revolutionierte er die moderne Fotografie.

Das ging so:

Entgegen allen Standards fotografierte er die Menschen ohne Retusche, vergrößerte die Portraits auf spezielles Glanzpapier.

Dadurch wurden die Fotos derart brillant, detailreich und scharf, wie man es vorher nicht gekannt hatte.

1929, da lebte er bereits in Köln, veröffentlichte Sander einen Bildband mit 60 Portraits.

Das Werk, mit dem Titel "Antlitz der Zeit" und einem Vorwort von Alfred Döblin, wurde zu einem der wichtigsten Fotowerke der Epoche.

Schriftsteller wie Thomas Mann, Kurt Tucholsky und Walter Benjamin waren vom Herdorfer Fotomann begeistert.

Auch deshalb, weil er sich die Lebensaufgabe gestellt hatte, "eine Art Soziologie der Menschen des 20.

Jahrhunderts, nach sieben Gruppen und Ständen geordnet" zu erstellen - mit der Kamera.

Seine Idee erläutert er 1925 in einem Brief:

"Mit Hilfe der reinen Photographie ist es uns möglich, Bildnisse zu schaffen, die die Betreffenden unbedingt wahrheitsgetreu und in ihrer ganzen Psychologie wiedergeben.

Von diesem Grundsatz ging ich aus, nachdem ich mir sagte, daß wenn wir wahre Bildnisse von Menschen schaffen können, wir damit einen Spiegel der Zeit schaffen, in der wir leben."

Den Brief im Original besitzt heute das Agfa-Foto-Historama in Köln.

"Darum", so Leiter Bodo von Dewitz, "beneiden uns viele."

Das Museum ist außerdem im Besitz von zwölf "Vintage Prints" von Sander.

"Vintage Print" bedeutet:

Originale, vom Künstler autorisierte Fotos.

Solche Originale sind weiterhin zu bewundern im "Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe", im "New Yorker Museum of Modern Art", im "Getty Museum" (Santa Monica) und in Ottawa.

Doch kein Museum der Welt kann mit der Sammlung von 59 Originalen konkurrieren, die der Kölner Galerist Rudolf Kicken nun auf der "Art Cologne" zum Verkauf angeboten hat - wahrlich eine echte Sensation.

Auf WR-Nachfrage erklärte die Galerie, daß die Fotos mittlerweile "reserviert" seien.

Über Kaufpreis und die Käufer herrscht vorerst noch Stillschweigen.

Was die Bilder wert sind, wurde kürzlich in London deutlich:

Bei "Sotheby`s" ging ein Sander-Vintage-Print für 31.000 Dollar über den Tisch.

Gerd Sander, ein Enkel des Fotomeisters:

"Ein Bild wie ,Der Konditor` wäre heute nicht mehr unter 50.000 Dollar zu haben."

Die 59 Fotos entstanden übrigens, so wird vermutet, zu Werbezwecken.

Sander wollte damit Käufer für das Buch gewinnen, daß sein Lebenswerk krönen sollte.

Der Titel:

"Menschen den 20.

Jahrhunderts".

Doch der Bildband konnte nie erscheinen:

Die Nationalsozialisten verboten Sanders Arbeiten, beschlagnahmten zahlreiche Negative und zerstörten viele Druckstöcke.<- 27.9.93:

"Am Rande notiert" o.ä.

Ein multikulturelles Fest sollte in der Betzdorfer Fußgängerzone gefeiert werden.

Eine tolle Sache in der "Woche des Ausländers" - doch:

Daß es an einem Herbsttag eventuell regnen könnte, war nicht eingeplant.

Und der Regen kam.

Nur ein Schild an der Friedenskastanie ("Das Fest fällt aus") blieb übrig von der schönen Idee.

Die türkische Folkloregruppe "Yildiz", die Comedy-Rocker von "Coca Brikett", Clowns, Gaukler, Akrobaten, Feuerspeier - sie alle mußten zu Hause bleiben.

Denn an ein Ausweichquartier bei Regen hatte der veranstaltende "Arbeitskreis Fremde brauchen Freunde" nicht gedacht - und wohl auch nicht die am Fest beteiligten Organisationen, 16 (!) an der Zahl.

nun entweder:

Tip der Redaktion:

"Regen braucht Ideen."

fr)-> oder (als Jupp):

"Regen braucht Ideen", empfiehlt Jupp 21.1.93:

Gebhardshain.

(fr) Am 8.

März wird Ministerpräsident Rudolf Scharping die Verbandsgemeinde Gebhardshain besuchen.

Grund:

Die SPD Gebhardshain wird 60 Jahre alt.

Wer sich für ihre Geschichte interessiert, der sollte sich einmal in der Gebhardshainer Volksbank umsehen:

Dort sind historische Schriftstücke ausgestellt, die den Werdegang der Partei im Ort dokumentieren.

Die Ausstellungseröffnung mit viel sozialdemokratischer Prominenz (u.a. MdB Ludwig Eich, die MdLs Eda Jahns und Franz Schwarz, Kreischef Reiner Rühmann) nutzte SPD-Ortschef Rolf Bamberger, um vor Fremdenfeindlichkeit zu warnen:

"Wehret den Anfängen!" Bamberger:

"Heute müssen wir beweisen, daß wir die Gebote von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit verstanden haben.

Wir müssen uns einmischen - ebenso wie 1933 die Gründer unseres Ortsvereins.

Zivilcourage ist gefordert."

Die Anzeichen mehrten sich, so Bamberger hoffnungsvoll, daß Deutschland noch nicht Weimar sei.

Die zahlreichen Veranstaltungen gegen Gewalt und Ausländerfeindlichkeit "sind Aufforderungen an uns alle, aktiv in Gemeinden, Vereinen, Kirchen, Schulen, Unternehmen, Gewerkschaften und Vereinen die Probleme des Zusammenseins anzupacken."

Auch der Ehrenvorsitzende Hans Schrenk war dabei, als SPD-Ortschef Bamberger die historische Ausstellung eröffnete.

8-2-93.

9.546 DM innerhalb von zwei Monaten gewannen jetzt fünf Betzdorfer Realschüler an der Börse.

Leider:

Ihr Startkapital von 100.000 DM war nur Fiktion.

Stefan Wurth, Rene Grübner, Hendrik Gräb, Markus Nassen und Ingo Groß nahmen teil am 10.

"Börsenspiel" der Sparkasse.

Mit Fiat-Aktien versuchten sie ihr Glück - und wurden Kreissieger.

"Über ein Jahr gerechnet", so Betzdorfs Sparkassen-Leiter Dieter Weber, "hätten sie immerhin eine Steigerung von 50 Prozent erreicht!" Landesweit landeten die Betzdorfer auf dem 52., bundesweit auf dem 948.

Platz.

Die Bundessieger kommen übrigens aus Pinneberg:

Sie konnten ihr Startkapital mehr als verdoppeln - ASKO-Aktien brachten ihnen den Erfolg.

Im Die siegreichen Realschüler mit Filialleiter Weber, dem betreuenden Banker Theo Wagener, Vize-Schulleiter Helmut Schlabach und dem begleitenden Lehrer Theo Schultens.

17.1.93:

Hamm/Bad Neuenahr.

(fr) Die Mitglieder des Pro-Pfarrer-Ludwig-Aktionskreises "Offene Kirche" machen jetzt auch überregional Druck.

Bisher kämpften sie lediglich im heimischen Hamm für den Verbleib ihres Pfarrers (die WR berichtete) - doch als nun eine Zentralversammlung der Landeskirche in Bad Neuenahr anstand, mieteten sie sich einen Bus und fuhren mit, so AK-Sprecher Volker Luckenbach, "ein bißchen Bammel" und einem großen Transparent direkt zur Spitze der Landeskirche.

Die Landeskirche Rheinland ist es, die letztlich über den Verbleib von Pfarrer Uwe Ludwig entscheidet.

Während der Versammlung, an der rund 300 Delegierte teilnahmen, platzten sie dann unangemeldet herein:

50 junge und alte Hammer Gemeindemitglieder - in der Hand das Plakat "Rote Karten und Abberufungen fortschrittlicher Pfarrer:

Ist das die Zukunft der Kirche?" Nicht nur der Präses der Landeskirche, Peter Beier, war sichtlich überrascht.

Beier regelte die Basis-Aktion demokratisch:

Er ließ die 300 Landessynodalbeauftragten abstimmen, ob die Hammer ihr Anliegen vorbringen dürfen.

Und nahezu einstimmig waren sie dafür.

Die AK-Initiatoren Volker Luckenbach und Wilfried Seinsche traten ans Mikrofon.

Sie schilderten den "Konflikt zwischen Hardliner-Presbyterium und der Gemeinde".

Sie kritisierten aber auch die Landeskirche und den Landessynodalvorstand:

Er zeige "mangelndes Verständnis" für die Sorgen der Gemeinde Hamm.

Schließlich überreichte der Aktionskreis dem Präses die 2.000 bisher gesammelten Unterschriften - u.a. mit der Bitte, daß die Landeskirche sich nun von kompetenter Seite aus dem "Fall Hamm" annehmen solle.

Luckenbach schloß mit folgenden Worten, die spontanen Applaus auslösten:

"Herr Beier, ich darf Ihre eigenen Worte aufgreifen, die sie bei der diesjährigen Landessynode am 8.

Januar sprachen:

Wo einer steht und Ungerechtigkeit, Feindschaft und Gewalt gegen Minderheiten vertritt, müssen wir 10 sein, die dagegenhalten.

Und wo 10 sind, da müssen 100 sein! Ich darf Ihnen versichern, wir haben ein Problem mit 10 Presbytern - und wir sind 2.000, die dagegenhalten!" Am Mikro:

Luckenbach links, Seinsche rechts 23.11.93:

Mudersbach.

(fr) Krebskranke Kinder haben sie glücklicherweise nicht, die Mitglieder der Mudersbacher "Initiative Krebskranke Kinder" - doch sie denken an die Eltern, die dieser Schicksalsschlag getroffen hat.

Und helfen ihnen:

In nur acht Jahren konnte die Initiative, die einmalig im gesamten Kreis Altenkirchen ist, rund 50.000 DM Spenden sammeln.

Und das ganz ohne Vorsitzenden und Vereinsvorstand.

Nun kamen wieder Tausende DM dazu, diesmal für einen Siegener Verein von Eltern, die krebskranke Kinder pflegen:

Ungezählte Stunden bastelten und werkelten die 16 Mudersbacher Unterstützer und verkauften das Ergebnis auf einem Basar.

Der fand statt im "Rathaus", dem Gemeindebüro.

"Die Gemeinde unterstützt uns sehr", so Edith Velten-Noppe, die im Namen aller sprach, "bei unseren Sommerfesten packen die Ratsmitglieder sogar tatkräftig an - sie bestücken unseren Bierwagen!" Die Mudersbacher Bürger seien sehr hilfs- und spendenbereit, betonte Angelika Becher von der Elterninitiative, wenn es um die gute Sache geht.

Das zeigte auch der Basar:

Der Andrang war trotz Kälte so groß, daß die 18 Kuchen in anderthalb Stunden gegessen waren.

8.2.93:

Bauernball in Betzdorfs Stadthalle:

Geladen hatten der Verein der Fachschulabsolventen, die Erzeugergemeinschaft für Qualitätsgetreide, der Futtermittelprüfring, Landjugend und Landfrauen, Bauernverband und der Maschinenring.

Über 400 Bauern kamen und tanzten.

Die "El Dorado Dancing Band" brachte teils einschlägiges Liedgut, aber auch typische Tanzmusik.

Dazu drehten sich auch die politischen Ehrengäste:

Neben Bürgermeister Michael Lieber und MdL Eda Jahns kam der Bundestagsabgeordnete Ulrich Schmalz.

Organisator Günter von Waechter, Geschäftsführer beim Verein der Fachschulabsolventen, stand am Eingang und begrüßte jeden Gast persönlich.

Als Attraktion konnte er die Landjugend gewinnen.

Sie spielte "Dingsda" auf der Bühne.

9.8.93:

Hamm.

(fr) Das Streitobjekt ist etwa 75 Jahre alt, knapp fünfzehn Meter groß und 60 Zentimeter dick:

Seit nun eineinhalb Jahren wird in Hamm um einen Birnbaum gestritten.

Kürzlich ein vorläufiger Höhepunkt:

Mit einer Kettensäge wurde dem Baum eine etwa zehn Zentimeter tiefe Wunde zugefügt.

Der Täter ist bisher nicht ermittelt.

Hauptverdächtiger ist der Pächter einer nahegelegenen Imbißbude.

Doch der sagt:

"Wenn ich es gewesen wäre, würde der Baum jetzt flachliegen."

Die Vorgeschichte:

Imbißmann Bernhard Friepörtner will eine neue Bude bauen, weil sein Pachtvertrag für die "Schlemmerstube" ausläuft.

Zusätzlich plant er Kegelbahn und drei Wohnungen:

Gesamtkosten rund 400.000 DM.

Friepörtner kauft ein Grundstück an der Lindenallee.

Auf dem Nachbargrundstück steht ein Birnbaum.

Der Gastronom denkt sich nichts dabei - doch plötzlich läßt ein Nachbar den Baum von der Kreisverwaltung unter Naturschutz stellen.

Friepörtner muß dadurch einen sechs Meter großen Abstand zum Baum einhalten:

seine Planungen sind hinfällig.

"Ein einzelner Birnbaum unter Naturschutz", so Friepörtner, "das gibt es in ganz Deutschland nicht noch einmal!" Die Presse berichtete; der Südwestfunk schickte ein TV-Team an die Sieg - der Bericht lief unter der Rubrik "Flop der Woche".

Denn selten ist die Baumsorte ("Gellerts Butterbirne") nicht:

Sie ist im Handel erhältlich.

Während Friepörtner an die Öffentlichkeit ging, gingen seine Kontrahenten vor Gericht.

Baumbesitzer Thomas Kau erwirkte eine Einstweilige Verfügung, wonach es Friepörtner verboten ist, dem Baum zu nahe zu kommen.

Bei Zuwiderhandlung:

500.000 DM Strafe - oder wahlweise sechs Monate Haft.

Der Schlemmerstuben-Chef mußte vor das Oberverwaltungsgericht ziehen, damit diese Verfügung aufgehoben wurde.

Was Friepörtner fordert, ist eine Entschädigung.

"Schließlich muß ich beim Bauen mehr Abstand halten, dadurch gehen mir rund 16 Quadratmeter verloren."

Vor Gericht erklärte Nachbar Kau, er werde keinen Pfennig zahlen.

Denn der Baum gehöre ja nun dem Landkreis, weil der ihn unter Naturschutz stellte.

Das wiederum kann die Kreisverwaltung nicht nachvollziehen.

Sie fordert dafür selbst etwas, und zwar sechs Meter Abstand.

Ein Unding, meint Friepörtner, "das Landesbaugesetz verlangt in diesen Fällen nur drei Meter."

Siegessicher zieht er nun vor das Oberverwaltungsgericht.

40.000 DM habe ihn der Rechtsstreit mittlerweile gekostet.

U.a.

ließ er drei Gutachten anfertigen.

Ein Neuwieder Sachverständiger kam zu dem Ergebnis:

"Der Stamm ist hohl, das Kernholz morsch."

Außerdem gebe es in zwei Metern Höhe eine etwa 45 Zentimeter lange, bis zu 30 Zentimeter tiefe Schnittverletzung.

Ohne Rettungsmaßnahmen werde der Baum weiter faulen und absterben.

Im Gegensatz dazu hatte die Kreisverwaltung die Unterschutzstellung auch mit einem "guten Allgemeinzustand" begründet.

Der Hammer fühlt sich vom Landkreis, gegen den er klagt, benachteiligt.

"Ich durfte nicht mal einen 1,20-Meter-Stromanker nahe am Baum anbringen", so Friepörtner, "dadurch muß ich für den Stromanschluß 6.000 DM mehr bezahlen."

Auf der anderen Seite habe Nachbar Kau einen Stahlpfeiler direkt am Baum einrammen dürfen.

"Andere Leute dürfen machen sie wollen."

Am liebsten würde Friepörtner seinen Neubau wie geplant durchziehen.

"Denn weil mir die Quadratmeter verlorengehen, muß ich die Kegelbahn zwei Meter kürzer bauen."

Und somit zu kurz für eine Kegelbahn, die sich "Bundeskegelbahn" nennen darf.

Der Gastronom betont auch, daß der Bau der drei Wohnungen - Gesamtfläche 180 Quadratmeter - nun unmöglich wird.

"Angesichts der Wohnungsknappheit", so Friepörtner, "sicher keine gute Sache."

Ein Berg von Unterlagen hat sich bei Bernhard Friepörtner angehäuft.

40.000 DM hat ihn der Rechtsstreit bis jetzt gekostet.

Kettensägen-Angriff auf das Streitobjekt:

Ein Unbekannter sägte zehn Zentimeter tief.

13.2.93:

Ehre dutzendweise für Daadener Bürger:

58 Menschen, die freiwillig und kostenlos dem Deutschen Roten Kreuz viele Liter ihres Blutes zur Verfügung stellten, wurden jetzt belohnt.

Und zwar mit Ehrennadeln und kleinen Geschenken.

Zehnmal vergab zunächst der Geschäftsführer des Ortsvereins, Helmut Niedenführ, die goldene Ehrennadel mit Goldkranz.

Die zweithöchste Blutspender-Auszeichnung überhaupt wird an den verliehen, der sich 50mal Blut abzapfen ließ.

In Daaden waren dies:

Norbert Feckler (aus Hof), Günter Schneider (Weitefeld), Helmut Meyer und Karin Schütz (beide Daaden), Gerhard Stumpf, Erika Böttner und Werner Scheel (alle aus Friedewald), Herbert Morr (Nisterberg), Theo Oppermann (Daaden-Biersdorf)und Otto Ströhmann aus Niederdreisbach.

Auch für 40maliges Spenden gibt es die "Goldene" mit Goldkranz.

Sie erhielten:

Gotthard Ermler, Heinz-Walter Haubrich, Wilhelm Pfeil, Karl-Heinz Stollfuss, Probo Giovanella, Alois Hartung und Gerhard Meier (alle aus Daaden) sowie Christa Grau (Weitefeld) und die Langenbacher Dietmar Weinbrenner und Erika Meirich.

Wie Geschäftsführer Niedenführ mitteilte, erbrachten die Spenden in Daaden 1992 genau 1.065 Blutkonserven.

Dies entspricht rund 530 Litern Blut.

Betzdorf.

(fr) Wer einmal gerne in den Kreisvorstand einer Partei gewählt werden will, der hätte am Freitagabend in die Betzdorfer Stadthalle kommen sollen:

Dort gründete sich eine Jugendorganisation der 4.000 Mitglieder starken Kreis-FWG - und sechs von sieben Anwesenden wurden zu Vorstandsmitgliedern.

Erster Vorsitzender - im doppelten Sinne - ist Sascha Fischbach.

Der 19jährige Betzdorfer, momentan Bundeswehrsanitäter, war der einzige Kandidat und erhielt fünf von sieben Stimmen bei zwei Enthaltungen.

Der angehende Bankkaufmann erklärte zum wichtigsten Ziel seiner vorerst zweijährigen Amtszeit:

Mitglieder werben.

Wie kam es dazu, daß sich die "Jungen Freien Wähler" formierten? Nun, einige der gründungswilligen Jugendlichen sind die Kinder von hohen FWGlern und bereits FWG-Mitglied.

So auch der Zweite Vorsitzende Andree Bäcker - sein Vater Josef sitzt für die Freien Wähler im Kreistag.

Andree erledigte bereits die Pressearbeit für den Ortsverband Elkenroth.

Der Banker-Azubi hatte gemeinsam mit Sascha Fischbach die Gründung organisiert.

Die 16jährige Sandra Hammer aus Kausen, Tochter des Gebhardshainer VG-Verbandschefs Gebhard Hammer, wurde zur Geschäftsführerin.

Das Mädchen erhielt übrigens mit drei Ja-Stimmen bei vier Enthaltungen das "schlechteste" Wahlergebnis.

Und ihre Schwester Nadine bekam als einzige keinen Posten ab - ist aber auch mit 12 Jahren das jüngste Mitglied.

Jünger dürfte sie nicht sein:

Zwischen 12 bis 28 Jahren alt muß jemand sein, der den Jungen Freien Wählern im Kreis beitreten will.

Nur bei eigener Enthaltung wählten die Gründungsversammelten den Elkenrother Zahntechniker Torsten Brenner zum Kassierer.

Beisitzer wurden ein Student und ein Maler:

Frank Towet aus Betzdorf und Markus Höfer.

Der Brucher gibt als Motivation u.a. an:

"Meine Eltern sind FWG-Mitglieder."

Auch FWG-Aktionen, wie Wandern und Dauersberger Berghoffest, hätten ihn ein bißchen inspiriert.

Höfer hofft durch die Jungen Freien Wähler, "einen besseren Durchblick zu bekommen, was in Kreis und Verbandsgemeinde passiert."

Außerdem werde so die Meinung der Jugend an die FWG weitergegeben, die sie realisieren könne.

Genau das versprach Reinhold Peters, Vorsitzender der FWG in Stadt, Verbandsgemeinde, Kreis, Bezirk und Vize des Landesverbands.

Er, seit 19 Jahren für die Freien Wähler aktiv, assistierte bei der Gründung und spendierte Getränke.

Peters sagte den Jugendlichen:

"Wir brauchen wirklich eure Vorschläge.

Ihr könnt uns ruhig den Marsch blasen - wir werden euch ernst nehmen.

Ich garantiere:

Ihr werdet akzeptiert."

Der FWG-Kreischef versprach dem Nachwuchs sogar "einen guten Platz auf der Kreis-Wahlliste."

Peters hatte schon vor 15 Jahren versucht, eine FWG-Jugend zu organisieren.

"Denn wir sollten in unserer Altersgruppe nicht so dahinsiechen."

Er zum Beispiel betrachte sich, offenbarte der Betzdorfer, "als in der nächsten Zeit abgängig."

(Falls das Folgende interessant sein sollte, eventuell einblocken:) Das JFW-Programm Die "Jungen Freien Wähler" im Kreis Altenkirchen gaben sich folgende Satzungs-Sätze bei ihrer Gründung mit auf den Weg:

"Die JFW verstehen sich als Forum für die Belange und Interessen der jungen Menschen im Landkreis Altenkirchen.

Hierbei orientieren sie sich ausdrücklich an den gesellschaftlichen Realitäten und lehnen historisch-ideologische Schemata ab.

Aufgabe der JFW ist es, den Prinzipien der Mutterorganisation folgend, unabhängige und sachbezogene Politik auf kommunaler Ebene zu betreiben.

Sie wollen außerdem die Integration und Partizipation der Jugend in unser gemeinsames politisches System durch informativ-aufklärende Arbeit fördern, um so Alternativen zu der sich breitmachenden Politik- und Parteienverdrossenheit zu bieten."

Alle Freien Jungen Wähler im Kreis auf einen Blick (v.l.):

Vorsitzender Fischbach, Vize Bäcker, Geschäftsführerin Sandra Hammer, Kassierer Brenner, Mitglied Nadine Hammer, Beisitzer Towet und Höfer.

Ganz rechts im Bild FWG-Kreischef Peters.

1.9.93 Friesenhagen.

(fr) Schon 1779 bereitete die Bausubstanz im Friesenhagener Kloster einige Probleme:

Es wird berichtet, daß der Speicherboden, auf dem Malz zum Bierbrauen getrocknet wurde, so schlecht sei, daß das Bier immer weniger genießbar sei.

Heute sind die Probleme etwas größer:

Für 3,4 Millionen DM mußte das Kloster, heute nur noch Pfarrhaus, saniert werden.

Am kommenden Sonntag haben alle Bürger die Gelegenheit, das Ergebnis zu besichtigen.

Bereits vor sechs Jahren überlegte der Kirchenvorstand, das Pfarrhaus zu sanieren.

Wie groß das Projekt einmal werden würde, war damals aber noch nicht abzusehen.

Der erste konkrete Plan wurde im Dezember 1988 gefaßt.

Die Bücherei sollte um das Doppelte erweitert und eine Toilette neu gebaut werden.

Dringende Sanierung benötigte das Dach:

der Schiefer vermehlt und vermoost, die Nägel weggerostet, die Pappe teils gar nicht mehr vorhanden, die Dachrinne schadhaft und durchlöchert.

Eine Reparatur, meinte ein Gutachter, würde sich nicht mehr lohnen - ein völlig neues Dach war nötig.

Gleiches galt auch für die verfaulten Bretter des Dachbodens.

Sorge bereitete den Kirchenleuten auch das feuchte Innenmauerwerk aus Bruchsteinen.

Sie entschlossen sich, es zu verputzen - was auch ursprünglich einmal vorgesehen war, doch, wahrscheinlich aus Kostengründen, nie geschah.

Im Februar 1989 wurde bekannt, daß noch mehr zu tun ist.

Ein Kölner Gutachter untersuchte das vom Keller bis zum Dachboden.

Er entdeckte den "weißen Porenhausschwamm" in mehreren Balken und über der Dachverschalung der Küsterwohnung.

Um das Schlimmste zu verhindern, wurde das Holz sofort vom Hausschwamm befreit und konserviert.

Damit nicht genug.

Nachdem sich ein Statiker umgesehen hatte, stand fest:

Einsturzgefahr.

Tragende Eichenbalken waren schadhaft, teilweise sogar angebrochen.

Wie das alles bezahlen? Das Landes-Denkmalamt bot Hilfe an, wies aber darauf hin, daß seine Mittel beschränkt sind.

Auch das Kölner Generalvikariat stellte Zuschüsse in Aussicht.

Diözesanbaumeister Rüenauver hatte sich bei der großen Finanzkommission des Erzbistums für Friesenhagen eingesetzt.

Im Februar 1991 konnte die Sanierung losgehen.

Übergangsweise wurde der Pfarrer am Blumenberg, die Bücherei an der Hauptstraße untergebracht.

Jetzt sind die Bauarbeiten beendet.

Schon von außen ist ein Unterschied zu vorher erkennbar:

Das Pfarrhaus wurde rosa gestrichen - mit Zustimmung von Denkmalamt und Generalvikariat.

Sinn des Farbwechsels:

Im Kontrast zur gelben Pfarrkirche "St.

Sebastianus" soll verdeutlicht werden, daß sie den Mittelpunkt des Ortes darstellt, und nicht das Pfarrhaus.

Weitere Neuheit:

Der Pfarrer und seine Gäste müssen bei ihren Toilettengängen nicht mehr Wind und Wetter trotzen - sein WC wurde von außen nach innen verlegt.

Wo früher die Toilette war, stehen jetzt Mülleimer; das neue Klo ist in der ehemaligen Garage untergebracht.

Das Pfarrhaus steht zukünftig - als Pfarrzentrum - dem Kirchenchor zur Verfügung, ebenso dem kirchlichen Blasorchester, der örtlichen KFD (Katholische Frauen Deutschlands), der Pfarrjugend und der "Katholischen Landjugendbewegung".

Die Finanzierung:

Den dicksten Batzen - 2.688.000 Mark - schoß das Erzbistum aus der Kirchensteuer zu; der Kreis gab innerhalb der Dorferneuerung 120.000 Mark; das Land, mit seinen "beschränkten Mitteln", 77.000 Mark; 5.000 Mark wurden gespendet.

Bleibt noch eine gute halbe Million Mark, die die Kirchengemeinde selbst aufbringen muß.

Hier hofft sie auf das Erzbistum.

Weitere Zuschüsse sollen den Anteil der Friesenhagener auf 10 Prozent (340.000 Mark) verringern.

Falsches Kloster Das Gebäude, landläufig als "Kloster" bezeichnet, war nie ein echtes Kloster mit Abt.

Sondern lediglich, bis 1821, eine Residenz der Thüringischen Franziskanerprovinz.

Dennoch gibt es in der Pfarrkirche echte Spuren dieses Ordens.

Wie das? Nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 konnte der Standesherr bestimmen, welche Konfession in seinem Gebiet gilt.

Die Limburger Franziskaner kamen daraufhin ins Wildenburger Land - zur Missionierung.

Und zwar auf Drängen dreier hatzfeldt`scher Brüder:

Franz, Bischof von Würzburg, Melchior, kaiserlicher Feldmarschall, und Hermann von Hatzfeldt.

Als die Limburger ankamen, war das Pfarrhaus noch von einem protestantischen Pfarrer besetzt - die Patres mußten ins Wasserschloß Crottorf.

Ihre Glaubensarbeit war dennoch erfolgreich:

Schon 1639 - nach drei Jahren - waren alle Einwohner wieder zu Katholiken geworden.

Die Patres erhielten eine eigene Unterkunft, das "Mühlentaler Haus".

Gleichzeitig bekamen sie das Versprechen, daß eine neue, angemessenere Unterkunft für sie gebaut werden würde.

Das Versprechen wurde erst über 100 Jahre später eingelöst:

1749 wurde das "Friesenhagener Kloster" gebaut - kein Kloster im strengen Sinne, aber zumindest von echten Patres bewohnt.

Hamm.

(fr) Nach Birnbaum und Rathaus-Eichen (die WR berichtete) gibt's jetzt in Hamm schon den dritten öffentlichen Baum-Streit in diesem Jahr.

Die Gemeinde will die zwei riesigen Pappeln hinter dem Rathaus fällen - Umweltschützer halten das für völlig unnötig.

1941 wurden die Bäume gepflanzt, aus Anlaß eines deutschen Siegs in Tobruk.

Mittlerweile sind sie mächtig gewachsen, prägen den Ort - doch wurden auch gefährlich.

Nachdem immer wieder kleinere und mittlere Äste abbrachen, stürzten am 13.

August zwei dicke Exemplare ab.

Unstrittig ist, daß die Bäume ihre Äste nicht mehr tragen können.

Das hatte Baumexperte Eckardt Müller schon vor Monaten in einer nichtöffentlichen Ausschußsitzung mitgeteilt.

Doch jetzt will die Gemeinde handeln.

"Man stelle sich vor", so FDP-Ratssprecher Detlef Klein, "die Äste wären auf Menschen gefallen ..."

Baumfachmann Müller begutachtete im Gemeindeauftrag das Objekt.

Seine Diagnose:

Der Boden ist ideal, die Pappeln sind bis auf einige Risse gesund - doch weil sie kaum mehr wachsen, lasten ihre Äste immer schwerer.

Und eine Sanierung mache keinen Sinn.

"Wir können uns nicht immer an Dinge klammern, mit denen wir aufgewachsen sind.

Ich plädiere für Entfernung."

Der Gemeinderat folgte dem einstimmig.

"Es ist jammerschade", so der Bürgermeister, "aber wir haben schließlich eine Fürsorgepflicht für die Bürger."

Niemand wolle "leichtfertig die Säge auspacken und die Pappeln abmachen."

Genau das befürchtet aber der aktive Hammer Umweltschützer Dieter Krämer, Hauptnaturschutzwart des Westerwald-Vereins.

Und Krämer schlägt eine Alternative vor:

Ablichten der gefährdeten Äste.

Dem schließt sich auch Diethard Bales an, der wegen Krankheit momentan dienstbefreite Gartenbaugestalter der Kreisverwaltung.

Baumgutachter Müller jedoch ist dagegen:

"Kaum praktikabel und sehr aufwendig".

Wenn Äste abgesägt werden, müssen die Schnittstellen versiegelt werden.

"Das wird heute kaum noch gemacht.

Und Pappeln können solche offene Stellen kaum selbst schließen."

Dadurch entstehe Infektionsgefahr.

Außerdem sei die Sanierung "sehr aufwendig".

Nach Müllers Schätzung würde es 3.500 bis 4.000 DM kosten, die Bäume zu erhalten.

"Und pro Jahr noch einmal 500 DM Pflege."

Die zweite Alternative - Kronenschnitt - schmeckt ihm auch nicht.

Dadurch würde "der Charakter der Pappeln stark verändert.

Wir sollten sie lieber in Würde sterben lassen."

Danach sollten neue Bäume gepflanzt werden.

"Ich plädiere für Eschen.

In acht Jahren würden die schon etwa 12 Meter hoch wachsen."

Der Gemeinderat beschloß zunächst nur das Absägen.

Dabei befürchtete er wohl Unverständnis der Bevölkerung, vor der Ratssitzung wurde eine informative Bürgerversammlung veranstaltet.

Etwa 20 Bürger kamen - nicht Dieter Krämer:

"Eine Alibiveranstaltung, die Entscheidung steht schon fest."

Er sieht keine stichhaltigen Argumente fürs Fällen.

Der Naturschützer vermutet vielmehr, daß die Gemeinde Platz für die geplante Umgehungsstraße schaffen will.

Denn die soll über das Pappel-Territorium laufen.

Krämer:

"Eine günstige Gelegenheit - nach dem Werbeslogan ,Wir machen den Weg frei`."

Bürgermeister Schmidt:

"Ob an diese Stelle neue Bäume gesetzt werden können, müssen unsere Planer noch prüfen ..."

Den Gutachter hält Krämer für parteiisch:

"Der erwartet den nächsten Auftrag."

Im Fall der Rathaus-Eichen habe er "das Abschneiden der Baumwurzeln toleriert, indem er die Planung akzeptierte."

Das stimmt aber nicht so ganz:

Experte Müller fand die Planung der Gemeinde richtig, nur die Ausführung falsch.

Der Mann aus Nauort bei Montabaur betont denn auch, daß er neutral sei:

"Mit allem Ernst:

Ich bin in Hamm niemanden verpflichtet."

Krämer weist darauf hin, daß die Bäume "Schatten und Sauerstoff spenden - auch für die Rathausbesatzung."

Das danke die aber schlecht:

"Diese Pappeln", so Krämer, "sind der kommunalen Allmacht ohnmächtig ausgeliefert."

Baumexperte Müller informierte die Hammer Bürger.

"Wenn so ein Ast runterkommt, sind das Zentner - ohne Vorwarnung.

Es macht ,klack`, und das Ding ist unten."

Nach siegreicher Schlacht im Wüstensand gepflanzt - und bedrohen heute die Sicherheit der Bürger:

Die Pappeln hinter dem Hammer Rathaus.

Parken ist schon lange verboten:

Immer wieder stürzten kleine und mittlere Äste ab.

21.Sep93:

Herdorf.

(fr) Das Nikolaus-Gross-Haus strotzte nur so vor femininer Intelligenz - und die Schachfreunde der DJK Herdorf konnten sich über etwas freuen, was sicherlich in ihre Vereinsanalen eingeht:

Die DJK Herdorf richtete die erste Deutsche Meisterschaft im Frauen-Schnellschach aus.

Das war vielleicht ein Geburtstagsgeschenk zum 20jährigen Bestehen der Schachabteilung, daß der Deutsche Schachbund da offerierte:

Mit seiner Entscheidung, die Deutsche Meisterschaft in Herdorf stattfinden zu lassen, wurden 20 deutsche Spitzenspielerinnen ins Hellerstädtchen gelockt.

Die DJK Herdorf erhielt durch die Ausrichtung das Recht, auch eine Frau ins Rennen zu schicken - doch tat es nicht.

DJK-Vorsitzender Norbert Buschmann:

"Das hatte keinen Zweck.

Denn wir haben leider niemanden in unseren Reihen, der auch nur einigermaßen mithalten kann."

Alle Teilnehmerinnen spielen in einer Bundesliga, drei von ihnen sind gar Internationale Meisterinnen ...

Erstmals überhaupt fand eine Damen-DM im Schnellschach statt.

Schnellschach ist eine gemäßigte Form von Blitzschach - doch trotzdem flogen die Finger der durchweg jungen Damen nur so übers Brett, bei den ersten Zügen zogen sie ihre Figuren in knappen Sekunden.

Ein Wahnsinns-Tempo, das Schachlaien nicht nachvollziehen können.

Nachvollziehen konnte es neben Turnier-Organisator Karl-Josef Gartmann freilich Hans Göbbels, der Bundes-Schachwart der DJK.

Und er lobte das Turnier als sehr fair.

Zum Verständnis:

Beim Schach gibt es natürlich keine Fouls im eigentlichen Sinne - doch immer wieder knappe und umstrittene Entscheidungen der Schiedsrichter.

So gilt zum Beispiel:

Wer eine Figur berührt hat, muß auch mit ihr seinen Zug machen.

Daß es dabei zu Kontroversen kommen kann, weiß Schachwart Göbbels genau:

"Vor 14 Tagen in Aachen mußte ich als Schiedsrichter entscheiden.

Danach stand ein Spieler auf und wollte mich ohrfeigen."

Die Nerven sind halt angespannt beim Schach.

In Herdorf gab es jedoch - bei insgesamt 110 Partien - keine Tätlichkeiten und Kontroversen.

Kein einziges Mal mußte der Schiedsrichter eine strittige Situation klären.

"Es war ein schönes Turnier", fand denn auch DJK-Chef Buschmann, "und ein familiäres."

Das "gemütliche Beisammensein" am Vorabend des zweiten Wettkampftags - nach bereits sechsstündigem Spiel - dauerte bis 1 Uhr nachts ...

"Und das war ungewöhnlich für Schachspieler", so Buschmann, "denn die mußten ja am nächsten Tag hochkonzentriert sein."

Die feuchtfröhliche "Herdorfer Nacht" machte einer Spielerin offenbar nichts aus:

Gisela Fischdick - ohne Niederlage gewann die Frau aus Wuppertal das Turnier.

Deutsche Vizemeisterin wurde Marina Olbrich vom Schachclub Kitzingen, auf dem dritten Platz landete die erst 18jährige Annegret Weng (Schachfreunde Neuberg).

Auch eine "Schachmieze" machte mit - Kathrin Fichtner von den Rodewälder Schachmiezen wurde aber lediglich 17.

Am Ende gab`s noch ein weiteres Geburtstagsgeschenk für die Herdorfer Schachabteilung.

Diesmal aber nicht vom Deutschen Schachbund, sondern von der DJK:

Bundesschachwart Göbbels kündigte an, daß Herdorf die DJK-Bereichsmeister-schaften Nord-West ausrichten darf.

Siegerfoto von der ersten Deutschen Damen-Schnellschach-Meisterschaft.

Es freuten sich in Herdorf (untere Reihe von links):

Marina Olbrich (Platz 2), Gisela Fischdick (Platz 1) und Annegret Weng (Platz 2).

Dazu gratulierten (hintere Reihe v.l.):

Helga Luft, Damenschach-Referentin des Deutschen Schachbunds, Bürgermeister Hans-Otto Otten, Organisator Karl-Josef Gartmann, DJK-Bundeswart Hans Göbbels und DJK-Vorsitzender Norbert Buschmann.

23.11.93:

Hemmelzen.

(fr) Die neue Kreis-Hausmülldeponie, so viel ist mittlerweile klar, wird nicht im Oberkreis entstehen.

Doch niemanden sollte es kalt lassen, was im Unterkreis passiert:

Immer noch ist dort die "Fläche 21/3 östlich Hemmelzen" im Gespräch - und da leben Dachse.

Nach Expertenmeinung ist diese Dachs-Kolonie einzigartig im ganzen Westerwald.

Der aktuelle Zwischenstand:

Wenn hier eine Mülldeponie entstehen würde, dann nicht direkt im Wohnraum der seltenen Säuger.

Aber nur einen Steinwurf entfernt.

Die WR war vor Ort:

In dem kleinen Waldstück, wo der "Meles meles" lebt, ist die Erde übersät mit sechzig Zentimeter breiten Löchern - das sind die Eingangslöcher der Dachshöhlen, mit starken Grabkrallen in den Boden getrieben.

Wie viele Dachse hier wohnen, ist kaum zu schätzen.

Gezählt wurden indes 80 Höhlen.

So viele, sagt der Altenkirchener Forstrat Franz Kick - das "sucht im gesamten Westerwald seinesgleichen".

Der Haupt-Naturschutzwart des Westerwald-Vereins, Dieter Krämer (Hamm), konstatiert eine "Mega-Stadt von Meister Grimbart."

Die Naturschützer halten den Standort geheim, fürchten, daß die Dachse gestört werden.

So versuchten sie auch nicht, das Gebiet unter Naturschutz stellen zu lassen - denn damit wäre die genaue Dachs-Standort öffentlich geworden.

Bei der ersten Suche nach einem Deponie-Standort war dies ohnehin nicht nötig:

Das Gebiet flog schon deshalb aus dem Rennen, "weil von der Existenz unterirdischer Hohlräume ausgegangen werden muß", wie Gutachter vom Ifeu-Institut erkannten.

Doch diesmal scheint das nicht zu stören:

Hemmelzen ist mit Pleckhausen und Langenholz im "Finale" der Standortsuche.

Unter den drei Gebieten ist das Hemmelzener das größte - und damit, so befürchten die Naturschützer, das attraktivste.

Nun bleibt ihnen nichts anderes übrig, als Naturschutz für die Dachse zu beantragen.

Sie setzten bereits durch, daß die Dachsburgen als Naturschutzgebiet anerkannt ist.

Doch die endgültige Ausweisung als Naturschutzgebiet haben sie bis heute nicht erreicht.

Die Behörden sagen zwar nicht, sie seien dagegen - jedoch nicht zuständig, oder erst später.

"Wir", so Dachs-Schützer Manfred Dahs, "laufen gegen eine Betonwand."

Dabei geht es nicht nur um die gestreiften Nachtwandeln.

Auf dem geplanten Deponiegelände stehen uralte, große Eichen - sogar ein Eichenhain.

Den, sagt man, soll einmal Kaiser Wilhelm angelegt haben.

Den dicksten Baum - Stammdurchmesser 3,82 Meter - kennt man hier als "Kaisereiche".

Daneben gibt es, beschreibt Dahs, "reiche Fauna und vielfältige Flora."

So nutzen heute viele Menschen den Ort zur Erholung.

"Im Winter", so Dachsschützer Rolf Ropte, "kommen sogar Besucher mit Kölner, Düsseldorfer und Siegener Nummernschild."

Die Naturschützer können sich einfach nicht vorstellen, daß hier alles plattgewalzt werden soll, um Müll abzuladen.

Sie haben sich nun an den Petitionsausschuß des Landtags gewandt.

Die Hemmelzener stehen hinter ihnen, wie während einer Bürgerversammlung klar wurde.

Und Alfred Hilkhausen, der Bürgermeister der kleinen Gemeinde, in der kürzlich 300 Aussiedler untergebracht wurden, was die Einwohnerzahl mehr als verdoppelte, kämpft bei den Naturschützern mit.

Auch die Nachbargemeinden, das machten bereits drei Ortsbürgermeister per Unterschrift deutlich, sind gegen die Deponie.

Daß die Entscheidung gerade in Altenkirchen möglich sein könnte, verwundert die Hemmelzener über alle Maßen.

Denn die Stadt liegt nur 1,5 Kilometer Luftlinie entfernt - die Deponie läge buchstäblich direkt vor der Nase des Kreistags.

Die Naturschützer wollen weiterkämpfen, sind aber recht ratlos.

Kürzlich umzäunten sie das Gelände, mit Bändchen und Schildern:

"Sie betreten den möglichen Deponie-Standort."

Doch der Revierförster beendete die stumme Demonstration.

"Sie", sagte er den Umweltschützern, "verschandeln damit den Wald."

Deponie statt Dachs (Bild)? 17.11.93:

Herdorf.

(fr) Die Regionale Schule kam nicht nach Herdorf, sondern nach Daaden - nun wandern Herdorfer Schüler nach Daaden ab, der Hauptschule fehlen noch mehr Schüler.

Ein 10.

Schuljahr gibt es in der Hellerstadt auch nicht.

Der DGB wollte nun mit einer Expertenrunde klären:

"Welche Chancen hat die Herdorfer Hauptschule?" Die Vorsitzende des Landtagsausschusses Bildung und Kultur, MdL Renate Pepper, erklärte in der Gaststätte Christians vor 30 Zuhörern zunächst, die Landesregierung werde in diesem Jahr wieder 200 neue Lehrerstellen einrichten.

Die Bildungsreform "ist keine Frage, sondern lebensnotwendig."

Das Abitur sei nicht mehr der Königsweg, die Hauptschule leiste "bei der Integration Erhebliches."

Dennoch werde diese Schulart von den Eltern nicht gerne gewählt.

Die Landesregierung habe eine neue Broschüre herausgegeben, die zeigen soll:

"Die Hauptschule ist keine Einbahnstraße."

In Herdorf, so Pepper, dürfe keine Schulschließungs-Diskussion aufkommen - "die Hauptschulen müssen, wo immer möglich, erhalten bleiben."

Man könne aber auch nicht die Augen verschließen vor den "tatsächlichen Schülerzahlen."

Dennoch sei Herdorf keine "Hauptschule in Not".

Wer für die Hauptschule plädiere, so Regierungsschulrat Friedhelm Zöllner, "schickt oft weder seine Kinder dorthin, noch stellt er Hauptschüler ein."

Gerade in der Hauptschule Herdorf gebe es eine "besondere pädagogische Aktivität."

Und die "berechtigte Hoffnung", bald wieder zweizügig zu werden.

Von elf Hauptschulen im Kreis Altenkirchen, berichtete Zöllner, verfügten sieben über ein 11.

Schuljahr.

Alle Verbandsgemeinden seien damit versorgt - außer Herdorf.

Hauptschulrektorin Marianne Düber sagte, daß momentan 169 Schüler die Herdorfer Hauptschule besuchen.

9 Prozent davon seien Ausländer, aber fast ausschließlich in Deutschland geboren - "die Integration ist gut."

Die Schülerzahl sei rückläufig.

Das liege zum einen an dem Wahlverhalten der Eltern, die seit zwei Jahren frei bestimmen dürfen, welche Schule ihr Kind nach der Grundschule besucht.

48 Prozent aller Herdorfer Grundschüler erhielten die Empfehlung "Hauptschule", 24 Prozent folgten ihr nicht.

Probleme mache auch die Grenznähe zu Nordrhein-Westfalen.

Als es in Rheinland-Pfalz noch keine Lernmittelfreiheit gab, so Düber, "strömte alles nach Neunkirchen."

Es gebe dabei "ein illegales Grenzgängertum, das durch einen zweiten Wohnsitz in Nordrhein-Westfalen wieder halbwegs legal wird."

Man wisse nicht, wie viele Herdorfer Kinder Hauptschüler sind - "die tauchen in anderen Schulen unter."

Die Übergangsquote zur Hauptschule liege bei 35 Prozent - kreisweit seien dies 27 Prozent.

Die Berufschancen für Herdorfer Hauptschulabsolventen seien "gut bis sehr gut."

SPD-Ortsvorsitzender Norbert Eisel meinte:

"Zwei Drittel aller Lehrstellen könnten von Hauptschülern besetzt werden."

Er sagte aber auch:

"Die Herdorfer können nicht verstehen, wenn Schulen, die für Millionen Mark gebaut wurden, plötzlich zur Disposition stehen."

Die einzige Möglichkeit, die Herdorfer Hauptschule zu erhalten, so ihr Personalrat Dieter Steingrüber, "ist die Zusammenarbeit aller Schulen und aller Beteiligter."

Zur grenzübergreifenden Kooperation sagte MdL Franz Schwarz:

"Es wird derzeit geprüft, ob es die Möglichkeit gibt, darüber zu reden."

Angeregt habe er dies gemeinsam mit den Gemeinden Niederfischbach, Herdorf und Mudersbach.

Vorstellbar sei u.a. eine gemeinsame Orientierungsstufe.

"Doch das", so Schwarz, "geht nur bei einer Zwangslage - wenn die Nordrhein-Westfalen zum Beispiel Räume brauchen."

Hauptschulrektorin Marianne Düber (links):

"Die Berufschancen für unsere Absolventen sind gut bis sehr gut."

24.12.93:

Hamm.

(fr) Die Planung steht nun, ein 13.000-Quadratmeter-Grundstück ist vorhanden, mit der Ev.

Altenhilfe auch ein Träger - und ein Förderverein hat schon 600.000 DM zusammengetragen.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch eins, damit Hamm ein neues Altenheim bekommt:

Zuschüsse vom Land.

Doch die fließen nicht, weil der Kreistag das Hammer Heim auf Platz 2 der Prioritätenliste setzte.

Auf Platz 1 steht Mudersbach.

Und dort gab es, im Gegensatz zu Hamm, einige Probleme.

Doch die Hammer zeigen Fairneß:

"Wir begrüßen, daß dem Bau eines Altenheims in Mudersbach nun nichts mehr im Wege steht", war das erste, was der Vorsitzende des Fördervereins, Franz Herpers, nun bei einer Pressekonferenz sagte.

Schließlich sehen die Hammer auch einen gewissen Vorteil im Mudersbacher Baubeginn:

"Die Landesregierung kann unseren Förderverein jetzt nicht mehr mit dem verzögernden und aufschiebenden Hinweis bescheiden, Mudersbach müsse bei der Entscheidungsfindung vorrangig bedacht werden."

Wann Hamm nun bedacht wird, ist aber weiter unklar.

Der Kreisbeigeordnete Herbert Au:

"Es gibt in Mainz einen Antragsstau von zehn Jahren."

Gleichzeitig wird das Geld immer knapper - "und immer mehr private Anbieter drängen auf den Markt" (Au).

Dennoch ist der Förderverein "guter Hoffnung, daß wir im nächsten Jahr beginnen können."

Schließlich unterstützten 172 Mitglieder im Förderverein und die gesamte Bevölkerung das 11-Millionen-DM-Projekt.

Dabei kamen 600.000 DM zusammen - zwar, so Herpers "nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber ein ansehnliches Polster."

Außerdem hat die Gemeinde Hamm 500.000 DM in ihrem Investitionsplan eingeplant.

Der evangelische Träger wird auch einen großen Batzen dazugeben.

Dennoch appelliert der Förderverein weiterhin an die Hammer Bürger, das Projekt zu unterstützen.

"Wir sind eine Solidargemeinschaft."

Neue Mitglieder kann der Förderverein natürlich auch stets gebrauchen.

Die Mitgliederzahl stagniert derzeit bei 172.

"Wir hatten leider einige Sterbefälle", so Kassenwart Joachim Krug.

Er sieht - angesichts von 12.000 Einwohnern in der Verbandsgemeinde - "noch ein gewaltiges Potential zur Erhöhung".

Auch daher, weil das durchschnittliche Alter der Bürger in der Verbandsgemeinde Hamm über dem Landesdurchschnitt liege.

Die neueste Aktion des Vereins:

eine "Baustein-Broschüre".

In Farbe können sich die Bürger ansehen, wie das Altenheim einmal aussehen soll - doch nur, wenn sie 10 DM zahlen und das Projekt-Prospekt kaufen; es ist erhältlich bei allen Hammer Banken.

Außerdem soll Mitte April eine Benefizkonzert stattfinden, zu dem "namhafte Künstler ihr Erscheinen zugesagt haben", so Herpers.

Der Vorsitzende dankte ausdrücklich allen Spendern.

Jüngst engagierten sich Bürger aus Hämmerholz mit einem Straßenfest (3.000 DM Erlös) - und sogar die US-Armee:

Eine Big-Band der US-Army spielte bei einem Breitscheidter Wohltätigkeitskonzert mit (1.800 DM).

Stolze 5.000 DM kamen in Hamm durch den Weltrekord im Dauer-Darten zusammen (die WR berichtete).

Herpers abschließend:

"Wir sind uns der schwierigen Zeiten bewußt.

Aber wir möchten allen Bürgerinnen und Bürgern ein ,dennoch` zurufen!"<- So soll das neue Hammer Altenpflegeheim einmal aussehen.

Sein geplanter Standort:

zwischen den beiden Friedhöfen.

Präsentation der "Baustein-Broschüre" (v.l.):

Joachim Krug, Ulrich Dietrich (Geschäftsführer der Ev.

Altenhilfe), Herbert Au, Franz Herpers und F.A.

Geimer aus Wissen (Architekt).

29.12.93:

Brachbach.

(fr) Manta-Rückleuchten bauen sie nicht ein.

Denn sie wollen ihn nicht als Disco-Mobil, megabreit und neonfarben - sondern traditionell:

Die "Käferfreunde Brachbach e.V.", die gerade erst ihr einjähriges Bestehen gefeiert haben, mögen das ursprüngliche Antlitz des VW Käfer.

Ein bißchen tiefer und breiter darf es aber schon sein.

Den jungen Verein mit lockerer Satzung gründeten Frank Hoffmann und Thomas Zilgens aus Brachbach.

Hoffmann, heute "Präsi", stieg schon mit 18 Jahren in einen Käfer ein.

Acht Jahre und fünf Käfer später betont er:

"Das Auto bringt mich überall hin."

Seine Frau Sigrid ist auch ein Fan.

Warum Käfer? "Das", sagt sie, "ist das einzige Auto mit Charakter.

Da guckt man dir hinterher."

Besonders, wenn die Käferfreunde zu einem Käfertreffen fahren.

Auf der Autobahn, vier Käfer im Konvoi, das sorgt für Aufsehen.

Angekommen beim Treffen, ist das nichts Besonderes mehr:

Hunderte von Käfern sind bei den Meetings zu bewundern.

"Kürzlich in Osnabrück", erzählt Hoffmann, "fuhren allein bei einer Rallye 150 Käfer mit."

Die Käferfahrer sind schon eine echte Gemeinschaft - das man sich auf der Straße gegenseitig grüßt, selbstverständlich.

Deutsche Vereinsmeierei aber gibt es bei den Brachbachern nicht:

Die freitäglichen Treffen im Clubraum (bei Präsi Hoffmann) sind eher locker:

"Wer kommen will, kann kommen." Das diese alten runden Volkswagen nicht gerade das Bequemste sind, mit dem man sich auf die Piste machen kann, stört nicht so sehr.

Das ist sogar ein Teil der Faszination.

Und außerdem, so Thomas Zilgens, "steckt in dem Auto noch echte Wertarbeit.

Da sind die Stoßstangen angeschraubt - heute wird doch nur noch geschweißt."

Der Kilometerstand von Zilgens Gefährt:

280.000.

Außerdem könne man viel mit dem Käfer machen, so Käferfreunde-Vize Zilgens, "eigentlich sogar alles:

32 Schrauben gelöst, und die Karosserie ist ab."

Er machte sein 71er Modell tiefer und breiter, baute Funk ein (Rufname "Vize 1").

Dies, das Schiebedach, die 400-Watt-Anlage und der Schutzbügel, das sei "gerade noch erlaubt."

Denn sein 1302er solle ein echter Käfer bleiben.

Wie sieht es da mit Ersatzteilen aus? "Die Lage ist wieder sehr gut", so Präsi Hoffmann - Funkname "Präsi 1" -, "mittlerweile gibt es fast wieder jedes Teil - beinahe schon einen Preiskampf unter den Ersatzteil-Anbietern."

Der Käfer ist halt in.

Und das Schrauben daran gehört dazu.

So ist der Verein auch nicht ganz einzigartig im Kreis Altenkirchen.

In Gebhardshain treffen sich ebenfalls seit kurzem Käferfans.

Sie legen indes mehr Wert auf "Sportlichkeit".

Die Brachbacher tunen zwar auch, aber behutsam:

Katja Hummrichs VW 1303 in "verkehrspurpur" beispielsweise verfügt über Schroth-Gurte; Christoph Stinners Käfer hat liegende Scheinwerfer und eine Bügelstoßstange - doch ansonsten gilt, was der Präsi, der Drehzahlmesser und Voltmeter einbaute, so ausdrückt:

"Das Image bleibt erhalten."

Und auch die ursprüngliche Motorisierung:

Alle Vereinsmitglieder fahren mit 44 PS.

Hoffmann (26) betont:

"Wir sind unter unserer Vereins-Telefonnumer 02745/1257 jederzeit bereit, anderen Käferfreunden zu helfen, wenn wir können."

Das vereinseigene Ersatzteillager ist mittlerweile recht groß - darf aber gerne noch wachsen:

"Wir suchen Autos zum Ausschlachten", so Hoffmann, "viele, die einen alten Käfer teuer verschrotten lassen müssen, wissen gar nicht, daß es da jemanden gibt, der sich dafür interessiert."

Nun wissen sie es.<- 24.12.93:

Kreis Altenkirchen.

(fr) Ein Herzinfarkt reißt den Architekten aus seinem Berufsleben.

Die Beine des Diplom-Ingenieurs bleiben gelähmt.

Doch Klaus Tombers verkriecht sich nicht:

Anstatt zu resignieren, beginnt er zu zeichnen.

Unterwegs auf Motivsuche, muß er die Zähne zusammenbeißen, geht ihm manches Mal die Puste aus.

Heute kann er wieder gehen.

Wenn Sie einmal einem sympathischen 65jährigen begegnen, der zeichnend am Wegrand sitzt und in kölschem Dialekt mit seiner Frau schwatzt, die ihm gerade ein Butterbrot reicht - dann könnte das dieser Kölner Klaus Tombers sein, der gerade an seinem Lebenswerk arbeitet.

Sein Ziel:

Alle wichtigen historischen Bauwerke am Rhein, seinen Nebenflüssen und deren Zuflüssen verewigen.

Bisher zeichnete Tombers bereits 3.079 Denkmäler.

Auch im Kreis Altenkirchen ist er unterwegs.

Er hat sich eine neue Aufgabe für sein Leben gestellt - und die verfolgt er leidenschaftlich, seit fast zwölf Jahren.

Den Köln-Bonner Raum hat Tombers in den Jahren so ziemlich "abgezeichnet" und startet jetzt Exkursionen an die Zuflüsse des Rheins.

Dann klingelt sein Wecker, bei längeren Fahrten, nachts um 2 Uhr.

Doch da hat Ehefrau Else schon die Brote geschmiert und die Thermoskanne gefüllt.

Sie ist mit Begeisterung dabei, ob in Amsterdam an der Amstel, dem Scheide-Strom bei Brüssel - oder in Wissen an der Sieg.

Rund 100.000 Kilometer legt das Rentnerpaar so zurück.

Und das pro Jahr.

Das beeindruckende Ergebnis:

Über dreitausend Zeichnungen aus 1.084 Städten und Dörfern in acht Ländern.

Doch für Klaus Tombers ist das nur eine Zwischenbilanz:

"Bis ich mein Lebenswerk vollendet habe", sagt er, "werde ich noch einige Jahre brauchen."

Auch wenn er nicht unterwegs ist, die Feinarbeit zu Hause in seiner kleinen Kölner Wohnung macht, steht er schon um halb vier morgens auf.

Jeden Abend, so Tombers, "bitte ich im Nachtgebet um die Kraft, meine Aufgabe vollenden zu können."

Die Bitte wird offenbar erhört:

"Ich fühle mich so fit", sagt er, "als wäre ich gerade erst 40 Jahre alt geworden."

Angetrieben hatte ihn am Anfang, seinem Schicksalsschlag einen gehörigen Punch zurückzugeben.

Das ist ihm gelungen - er hat den Infarkt überwunden.

Nun ist sein Ziel, den Menschen zu zeigen, wie schön und erhaltenswert die historischen Bauwerke sind.

"Ich möchte die Leute, die hier wohnen, aufrütteln", betont Tombers, "ihnen die Augen für die Schönheit ihrer Dörfer und Städte öffnen."

Die Augen seien oft geschlossen:

"Schade, daß unsere Landsleute lieber nach Mallorca jetten, als im Fichtelgebirge Ferien zu machen."

Jetten will sich Klaus Tombers ohnehin nicht leisten.

Was übrig bleibt von seiner Rente, die nicht groß ist, steckt er lieber in seine Zeichen-Exkursionen.

Und die sind wahrlich keine Luxustrips.

Sondern bescheidene Arbeitsreisen.

Er freut sich, wenn Händler bereit sind, seine Bilder als Briefkarten anzubieten.

"Briefkarten - keine Postkarten", betont Tombers gegenüber der WR, "dafür sind mir meine Zeichnungen zu schade!" Im Kreis Altenkirchen kann man heimische Motive u.a. im Wissener Geschäft Trommer erwerben.

Tombers hofft, daß er am Ende sein Lebenswerk in fünf Bildbänden veröffentlichen kann.

Einen Titel hat er sich schon ausgedacht:

"...

an den Wassern des Rheins."

Sicher ist, daß die Bände mehrere Tausend Zeichnungen enthalten würden.

Unklar indes, wann das Lebenswerk beendet ist.

Der 65jährige hat es abgeschätzt - Ehefrau Else muß noch viele Butterbrote schmieren:

"Bis ins Jahr 2000", so Tombers, "wird es schon noch dauern."<- 21.Sep93:

Kreis Altenkirchen.

(fr) Vor 13 Jahren begannen die evangelischen Christen im Kreis Altenkirchen, die Gemeinde Muku in Zaire zu missionieren und materiell zu unterstützen.

Nun, die "Missionierungs-Quote" liegt bei 15 Prozent, stehen die heimischen Christen vor einem ganz großen Durchbruch bei der Entwicklungshilfe:

4.500 Meter Starkstromkabel wurden - 29 Tonnen schwer - bereits nach Muku geschafft, und wenn der Kreis-Synodalvorstand zustimmt, werden sie Ende des Jahres auch verlegt.

Das würde bedeuten:

Das kleine Krankenhaus und die Schulen von Muku erhalten Elektrizität.

Weil es unmöglich sei, so Partnerschafts-Gründer Hermann Twittenhof aus Betzdorf, "in jede Hütte Strom zu leiten", werden öffentliche Zapfstellen für die 5.000 Einwohner errichtet.

In froher und dankbarer Erwartung flog nun eine Abordnung aus Muku nach Deutschland.

"Das Projekt ist sehr wichtig, wir sind froh", sagte ein Abgeordneter der WR.

"Denn Muku liegt im Gebirge, wir müssen zu den Wasserquellen weit laufen.

Und Strom ist bei uns viel billiger als Petroleum."

Die fünf Afrikaner - übrigens keine Protestanten, sondern Baptisten - besuchten alle 16 evangelischen Kirchengemeinden im Kreis, die insgesamt bisher rund 700.000 DM für Muku spendeten.

Sie waren u.a. beim Bibeltag, im Jugenddorf Wissen und beim Jungschartag.

Die Zairer interessierte besonders die heimische Bibel- und Verkündigungs-Arbeit - es war ein echter Arbeitsbesuch.

Dabei wurde natürlich auch über "weltliche" Themen gesprochen.

Besonders beeindruckten den Lehrer Lugendo Itabo, der wie sie alle, erstmals Deutschland sah, die heimischen Straßen.

"Und, daß sich die Menschen hier an die Verkehrsregeln halten, obwohl weder Polizei noch Militär den Verkehr regeln - wie bei uns in Zaire."

Am letzten Besuchstag, beim Kreismissionsfest im Freusburger Bürgerhaus, gestaltete Muku-Pfarrer Balenwa Nyangaza den Gottesdienst mit.

Und das gemeinsam mit Herdorfs Pfarrer Peter Zahn, im Kreis zuständig für evangelische Weltmission.

Nun liegt es also am Kreissynodal-Vorstand, ob der Strom bald fließen wird.

"Ich hoffe es sehr", so Pfarrer Twittenhof.

Und einer ist bereits startklar:

Rentner Erwin Schneider.

Der 70jährige Müschenbacher, der sein Leben lang Kabel verlegte, wird mit nach Zaire fliegen und als alter Hase mithelfen.

Bei der Daadenerin Hanna Keßler waren die zwei weiblichen Delegierten aus Muku untergebracht.

Die Herren wohnten beim Kirchener Pfarrer Eckhard Dierig.

Recht überrascht schien dieses Baby.

Deutsch-Zairisches Gruppenbild beim Kreis-Missionsfest.

In der hinteren Reihe von links:

Partnerschafts-Gründer Twittenhof und die Pfarrer Zahn, Dierig und Germann (Freusburg).

24.12.93:

Betzdorf.

(fr) Es soll die größte Volkswanderung im Kreis Altenkirchen seit Jahren werden:

Bei gutem Wetter werden an die 4.000 Wanderer erwartet.

Die "Internationale Volkswanderung zugunsten der Multiple-Sklerose-Kranken" findet dieses Jahr in Betzdorf statt.

Am vierten Adventswochenende, am 18.

und 19.

Dezember, heißt es hier:

"Gesunde wandern für Kranke."

Veranstalter ist eine Wandergemeinschaft aus 19 Volkssport-Vereinen.

Mit dabei aus dem Kreis Altenkirchen sind die VSG Alsdorf, die Wanderfreunde Wallmenroth, der TV Jahn Brachbach sowie aus Kirchen der VfL und die Wanderfreunde "Siegperle".

In der "WG" sind daneben Wandervereine aus den Kreisen Olpe und Siegen-Wittgenstein zusammengeschlossen.

Gemeinsam veranstalten die 19 Vereine einmal im Jahr eine große Volkswanderung für Menschen, die an Multiple Sklerose (MS) leiden.

Stolze 96.300 DM sind dadurch den Kranken in neun Jahren zugute gekommen.

Der Leiter des Organisationsteams, Werner Giese von den Wanderfreunden Unglinghausen:" Man kann zum einen etwas für die eigene Gesundheit tun, zum anderen MS-Kranke unterstützen."

Seit der Premiere 1985, als in Niederschelderhütte gewandert wurde, ist es nun das zweite Mal, daß im Kreis Altenkirchen dieses Großereignis stattfindet.

Wanderer u.a. aus Holland, Belgien und Luxemburg haben sich bereits angemeldet; bundesweit sind 15.000 Infozettel verteilt worden.

Die Organisatoren bitten die Menschen im Stadtteil Bruche - wo die Wanderer starten - um Verständnis, daß die Parkplätze dort knapp werden, Autos die Adventsruhe stören könnten.

Die Liste der Schirmherren ist lang:

Landrat Herbert B.

Blank, MdB Paul Breuer (Vorsitzender des MS-Kreises Siegen-Wittgenstein), Petra Lieber (Schirmherrin der MS-Selbsthilfegruppe Betzdorf-Hachenburg) und Bernward Schröter, Geschäftsführer der Kreis-AOK.

Diese Krankenkasse ist eine wichtige Sponsorin der Benefiz-Aktion:

Die AOK hat die Infozettel drucken lassen und auch ansprechende Urkunden, die jeder Teilnehmer gegen Aufpreis erhält.

Die kleinen Wanderer beglückt - ohne Aufpreis - ein Nikolaus.

Daneben helfen Freiwillige Feuerwehr und DRK-Bereitschaft Betzdorf bei der humanitären Aktion mit.

Sie startet am 18.

Dezember um 8 Uhr an der Brucher Grundschule.

Dort beginnen und enden die beiden Wanderrouten - zehn und fünfzehn Kilometer lang -, die landschaftlich schön sind, dabei aber nur kleine Steigungen enthalten.

Auch sind die Strecken gut ausgeschildert, weshalb sie Mitorganisator Jürgen Neitzert (VSG Alsdorf) als "geeignet auch für ungeübte Wanderer" empfiehlt.

Die kleine Route führt nach Dauersberg und Scheuerfeld, die lange enthält einen zusätzlichen Schlenker nach Mittelhof.

Für 4 Mark Startgebühr gibt's wie üblich Tee umsonst sowie belegte Brötchen und Würstchen zu kleinen Preisen.

Loswandern kann man an beiden Tagen von 8 Uhr an, bis um 14 Uhr (zehn Kilometer) bzw.

um 13 Uhr (fünfzehn Kilometer).

Die Veranstalter hoffen, daß viele Menschen mitwandern.

Vielleicht können sie gemeinsam in Betzdorf die 100.000-DM-Spendengrenze überschreiten.<- Die letzte riesengroße Wanderbewegung in Betzdorf war der Lichterzug im Februar.

Eine größere Wanderleistung wird bei der 9.

Internationalen Volkswanderung verlangt - doch auch hier werden Tausende Menschen erwartet.

7.Sep93:

Kreis Altenkirchen.

(fr) Vor knapp 80 Jahren im Kreis Altenkirchen:

Die Menschen horten ihre silbernen Reichsmark-Münzen, "für alle Fälle", gleichzeitig muß immer mehr Sold an die Soldaten gezahlt werden - und die Inflation steigt.

In dieser Situation mußte Notgeld gedruckt werden.

Was mit 20-Pfennig-Scheinen begann, endete mit der Ausgabe von Billionen-Mark-Noten.

Der Scheuerfelder Notgeld-Experte Dipl.-Ing.

Volker Fischer, der u.a. einen ersten einschlägigen Sammler-Katalog erstellte, hat die Geschichte des Notgeldes im Kreis Altenkirchen recherchiert.

Die WR veröffentlicht seine Erkenntnisse.

Im Januar 1918 hat die Mark in vier Jahren 25 Prozent an Wert verloren.

Dann zieht das Inflationstempo zügig an:

Im Dezember ist die Mark nur noch halb so viel wert wie 1914, ein Jahr später nur noch ein knappes Zehntel.

Weil die Reichsbank mit dem Gelddrucken nicht mehr nachkommt, werden "Ersatzwertzeichen" ausgeben:

Papiergeld und Münzen aus den unedlen Metallen Eisen und Zink.

1920:

In nur zwei Monaten sinkt der Mark-Wert um die Hälfte.

Die kupfernen Pfennigstücke werden von Banken und Privatleuten aufgekauft - das Einschmelzen bringt Profit.

Dasselbe gilt für Silbermünzen, die schon im April ganz verschwinden.

Jetzt entschließen sich die Kreise Altenkirchen und Morsbach, gemeinsam Notgeldscheine zu 10, 25 und 50 Pfennigen herauszugeben.

Darauf prangen die Kreis-Wappen.

Das Altenkirchener besteht damals übrigens ausschließlich aus dem doppelschweifigen Löwen.

Auf dem Fünf-Groschen-Schein ist die Kreisverwaltung abgebildet.

Reichsweit ist der Kreis kein Einzelfall:

Von 1917 bis 1920 geben etwa 2.900 Kreise, Gemeinden und Firmen solches Notgeld heraus.

1.600 Stellen gaben Notmünzen ab, im Kreis Altenkirchen das Wissener Sägewerk Johannes Hombach Söhne.

Die Inflation schreitet sprunghaft voran, mal auf, mal ab.

1921 dann ein monetärer Tiefsturz:

In einem Dreivierteljahr sinkt der Umtauschkurs Goldmark-Papiermark von 1 zu 45 auf 1 zu 1800! Dabei laufen die Druckereien noch aus einem anderen Grund immer heißer:

Schon damals sind Sammler hinter den Scheinen her, die Kommunen drucken nach - um ihre chronisch leeren Kassen zu füllen.

Es werden sogar Scheine gedruckt, die ausschließlich für Sammler bestimmt sind, die sogenannten "Serienscheine".

Selbst Vereine und Lokale geben sie heraus, um Reklame zu machen oder um mit dem Erlös ein Fest zu finanzieren.

Der Kreis Altenkirchen produziert eine Serie, auf dem die Schlösser Crottorf und Friedewald sowie die Kreisstadt abgebildet sind.

1922 werden die Serienscheine verboten - denn das Vertrauen ins Geld schwindet durch sie immer mehr.

1923 trabt die Inflation voran, im April, Mai und Juni sinkt der Mark-Wert je um die Hälfte.

1923 dann der freie Fall:

Für einen US-Dollar müssen 4,2 Billionen Mark bezahlt werden.

In Zahlen:

4.200.000.000.000 Mark.

Und die Kommunen müssen wieder Notgeld drucken.

Im August stehen noch fünfstellige Beträge auf den Scheinen - im November sind sie dreizehnstellig.

Folge:

Die Menschen "hamstern" Lebensmittel.

Und:

Wenn die Renten angeglichen sind, ist das Geld schon nichts mehr wert.

Die Banken sind nur vormittags geöffnet - nachmittags werden die Scheine sortiert und gezählt.

Am 7.

August bringt die Charlottenhütte Niederschelden das erste Inflationsgeld heraus.

Kurz darauf folgt der Kreis, der auf seinem 500.000-Mark-Schein die Freusburg abbildet.

Inflationsscheine drucken auch u.a. die Kirchener Lokomotivfabrik Jung-Jungenthal und die Mannesmann Röhrenwerke Betzdorf.

Am 14.

August muß die Charlottenhütte gar Scheine herausgeben, die mit Schreibmaschine geschrieben sind.

Höchstwert:

eine Million Mark.

Ende Oktober muß sie 10-Milliarden-Scheine drucken.

Die 10-Millionen-Note der Gemeinde Wissen ist da nur ein Kleingeld-Ersatz.

Die letzten Inflationsscheine gibt der Kreis heraus.

Höchstwert:

eine Billion Mark.

Kurz darauf wird die Rentenmark eingeführt, die Inflation vertrieben - mit dem Billionen-Schein kann man nun gerade noch ein Pfund Fleisch kaufen.

Viele Menschen haben ihre gesamtes Erspartes verloren - oder ihre Schulden.

Heimischer Notgeldexperte:

Volker Fischer.

Noch bis zum 15.

September stellt er seine besten Stücke in der Betzdorfer Sparkasse aus.

8.Sep93:

Herdorf/Daaden.

Da drehte sich manch ein Passant um:

16 schwere Laster mit insgesamt 5.800 PS donnerten im Konvoi und mit Fanfarenklang von Herdorf nach Daaden.

Dies jedoch ohne Hänger, dafür mit Flaggen geschmückt:

Was wie eine Ausflugsfahrt aussah, war keine - sondern ein Wettrennen.

Das trugen die Trucker der Kirchener Spedition Wolfgang Herrmann aber nicht unter sich aus, sondern gegen Kinder.

Die mußten die Strecke Herdorf-Daaden durch den Wald zurücklegen, per Pferd, Mountainbike und im Laufschritt:

72 Kinder, 38 Brummi-Fahrer, 16 Laster, drei Mountainbikes und ein Dutzend Pferde - die Besetzungsliste der sportlichen "Superwette Trucker gegen Kinder".

Initiiert hatte sie Gerhard Judt, Trainer der Jugendschwimmer des TuS Katzwinkel.

Er ist bekannt dafür, Kinder und Jugendliche mit außergewöhnlichen Aktionen für den Vereinsport zu begeistern.

"Manche halten mich für ein bißchen verrückt", sagt der Katzwinkeler, "aber heutzutage muß man sich etwas einfallen lassen."

Dabei denkt er u.a. an Fernsehen, Computer und Video, die den Jugendabteilungen der Sportvereine eine harte Konkurrenz sind.

Vor diesem Hintergrund ist auch Judts bis dato spektakulärste Aktion zu verstehen:

Eine Superwette im letzten Jahr in Herdorf, zwischen seinen Schützlingen, Reitern und Motorradfahrern.

Das damalige Prinzip hat er 1993 beibehalten:

Während die motorisierten Erwachsenen über die Straße nach Daaden fahren, müssen die Kinder sportiv durch den Wald; beider Ziel ist das Hallenbad Daaden, wo die Fähigkeiten im Wasser gemessen werden.

Der Unterschied zu 1992:

Diesmal war das Spektakel noch größer.

"Das hier", so Gerhard Judt, "werden die Kinder nie vergessen."

Tatsächlich:

Schon beim Start am Reiterhof Hölzer war eine Menge los - rund 100 Kinder erlebten aufgeregt die Ankunft der 16 Schwerlaster, die mit viel Fanfareneinsatz heranrollten.

Das Drumherum konnte ebenfalls beeindrucken:

"Rennarzt" Dr. Jan Peter Hassel (Herdorf) bestieg einen neonfarbenen Jeep, Videoprofi Rolf Klein aus Betzdorf-Bruche streifte mit Kamera umher, die Siegener Firma "Datacom" verteilte derweil Funkgeräte für das Organisationsteam, die Herdorfer Feuerwehr bezog helfende Stellung - und zwischendrin trotteten die Pferde herum.

Schließlich erschien auch noch ein Linienbus der Firma Becker (Niederfischbach), der die jungen TuS-Schwimmer zum Hallenbad fahren sollte.

Ihr Trainer Gerhardt Judt freute sich, daß alle Beteiligten ihr Versprechen einlösten, die Wette kostenlos zu unterstützen.

Doch Judt hatte dazu kaum Zeit, denn er mußte alles koordinieren.

Hilfsmittel:

ein Funkgerät - und viel Geduld.

Fast pünktlich ging es los.

Während der 5.800-PS-Konvoi ohne Zwischenfälle nach Daaden rollte - Kinder kontrollierten dabei, daß die Tempolimits eingehalten wurden -, hatte die Gegenseite eine Panne:

Zwei der drei Radfahrer verfuhren sich im Wald.

Doch am Hallenbad wendete sich das Blatt:

Beim Lauf ums Hallenbad schlugen sich die Trucker noch recht wacker, aber im Wasser waren sie den durchtrainierten Jungschwimmern hoffnungslos unterlegen.

Dabei hatten die Brummi-Fahrer doch eigens im Vorfeld weniger geraucht ...

Auch unterstützt vom Landtagsabgeordneten Franz Schwarz, der in einem Laster mitfuhr, konnten die Trucker am Ende nicht gewinnen.

Am Ende siegten die Kinder.

Doch das war nicht entscheidend, sondern der Spaß an der Sache.

So wollen Sieger wie Besiegte ihre Wetteinsätze einlösen:

Die Trucker fahren die Kinder zum Eisessen, die wiederum werden Laster waschen.

Und Gerhard Judt fährt gratis eine Tour für die Spedition Herrmann.

Den Truckern hat es Spaß gemacht - sie wollen eine Revanche.

Welche Größenordnung die Wette im nächsten Jahr annehmen wird, bleibt mit Spannung abzuwarten.

Doch erst einmal benötigt Organisator Judt eine Ruhepause:

"In der heißen Phase der Vorbereitung", sagte er der SZ, "habe ich drei Kilo Gewicht verloren."

Superwetten-Gruppenbild am Reiterhof Hölzer in Herdorf.

Der Koordinator:

Gerhard Judt Flexible Regelauslegung im Schwimmbad, der Spaß hatte Priorität:

Die letzten Meter vor der Wende bewältigte manch ein Trucker zu Fuß.

Recht wacker schlugen sich die Trucker beim Lauf ums Hallenbad.

Gerhard Judt (l.) überreichte eine TuS-Mütze an den Landtagsabgeordneten Franz Schwarz, der bei der Wette mitmachte.

21.sep93:

Altenkirchen.

(fr) Gyros und Döner kennt man, die Pizza schon lange.

Doch das ist neu zwischen Sieg und Westerwald:

Ein echtes Vollwert-Restaurant öffnete jetzt in Altenkirchen seine Türen.

So etwas gibt's normalerweise nur in größeren Städten, und auch nicht in allen - in Siegen beispielsweise nicht.

Zur erfolgreichen Eröffnung im Kreisstädtchen setzten sich maskierte Kleinkünstler zu den Gästen, Salonmusik live dazu - und die WR schaute sich um.

Und zwar in den Mauern des "Soziokulturellen Zentrums Haus Felsenkeller".

Ein Kneipencafe mit beliebtem Sonntagsfrühstück gibt's hier schon lange, doch nun ist alles sehr gesund:

Erfahrene Vollwert-Köche aus Münster kochen, brutzeln, braten und backen mit Lebensmitteln, die vorwiegend kontrolliert biologisch erzeugt wurden.

Die Kneipe existiert natürlich weiter, beruhigt Chefwirtin Annette Berkholz, doch immer mehr Gäste fragten nach vollwertigen Speisen, weg von der schweren Soße und hin zur leichten Biokost, und jetzt wird die Nachfrage endlich bedient - und so heißt das Restaurant denn auch "Na endlich".

Einige Unkundige mögen Biokost immer noch mit "Körner-Fresserei" gleichsetzen.

Doch Körner, die gibt's nun wirklich nicht im "Na endlich".

Dafür kleine Köstlichkeiten wie Vollkorncrepes, gefüllt mit Spinat und Kräuterschafskäse.

Sie können das Biomenü eröffnen, dessen zweiter Gang vielleicht "Gebratener Tofu mit Zitronensoße und Naturreis" heißt, abschließend mundet eine gebratene Banane inklusive Schokohaube, Sahne und Mandelblättchen.

",Biologisch` nennt sich heute vieles", so Felsenkeller-Mitgründerin Margret Staal, "doch unsere Speisen stammen aus jahrelang kontrolliertem Anbau."

Vollwertig ist dabei zwar nicht jede der 90 Speisen, dafür aber biologisch - nur mit Ausnahme des Eis-Desserts.

Auch Tierschutz wird großgeschrieben:

Komplett Vegetarisches steht natürlich auf dem Speiseplan - aber wenn schon Fleisch, dann wenigstens aus artgerechter Tierhaltung.

Und das dann zum Beispiel serviert auf einer Vollwert-Pizza aus frisch gemahlenem Getreide, das von heimischen Biohöfen stammt.

Allein sieben davon wirtschaften in Altenkirchen.

Pizzen stehen mehr als sieben auf der Speisekarte - und alle originell benamt.

Da findet der Gast beispielsweise die "Pizza Einsamkeit" - mit viel Knoblauch ...

"Pizza Dauerbrenner" heißt eine andere, sehr scharfe Version.

Wer die ißt, muß flüssig nachlöschen.

Und da zeigt sich, daß das Restaurant auch angebotsmäßig vollwertig ist, denn die Getränke passen dazu:

Das Bier "Pinkus Spezial" läuft mit Bioland-Gersten und -Hopfen den Gaumen runter, ebenso beliebt sind "Grüne Veltliner" und "Blauer Zweigelt" - Weine aus biologischem Anbau, sieben, darunter ein Bio-Chianti, stehen zur Auswahl.

Die Kinder bekommen naturreine Säfte, ohne Zucker und Wasser, dafür aber mit echtem Geschmack.

Eine trinkbare Spezialmischung aus sieben Obst- und Gemüsesorten ist besonders beliebt, natürlich auch bei den Erwachsenen.

Nicht nur an Gesundheit und Tierschutz ist gedacht, sondern ebenfalls an Allergiker und Dritte Welt.

Ein Spezialgericht - ohne tierisches Eiweiß - erfreut auch allergische Gäste; Kaffee "Monte de Oro" kommt zu fairen Preisen aus Mexiko.

Genossen wird all dies - naturreiner Tee nicht zu vergessen - im Felsenkeller-Haus.

Das hat übrigens gastronomische Tradition:

Bevor er als Kinderheim und Wäscherei genutzt wurde, war der Felsenkeller ein edles Ausflugslokal.

Besucher lockte der schöne Blick auf die Kreisstadt.

Doch der ist mittlerweile etwas zugewachsen, und wen das stört, der kann sich die Biokost auch in die eigenen Wänden holen:

"Na endlich" bietet sogar Partyservice.

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Samstag 19 bis 23 Uhr warme Küche, Sonntag 10 bis 23 Uhr (morgens Frühstück mit Frischkorn-Müsli, nachmittags Vollwert-Kuchen), Montag Ruhetag.

Monika Hiller, die Chefköchin im "Na endlich".

Sie läßt sich ohne Angst über die Schulter schauen:

Gemeinsam mit dem zweiten Oberkoch, Christoph Weber, führte sie jahrelang in Münster zwei Vollwert-Restaurants.

Also eine erfahrene Dame an der Tofu-Pfanne.

17.11.93:

Hamm.

(fr) Sie haben es geschafft:

Nach 197 Stunden und 25 Minuten legten Rolf-Dieter Dames und Ralf Milde erschöpft und überglücklich die Pfeile aus der Hand - sie hatten den Weltrekord im Dauer-Darten gebrochen.

Während die beiden ihre Namen nun bald im "Guinness-Buch" lesen können, freut sich auch der Förderverein des geplanten Hammer Altenheims:

5.000 DM Spenden kamen durch das Marathon-Werfen zusammen.

Acht Tage lang flogen im Hammer Pub "Journal" die Pfeile durch die Luft.

Der Rhythmus:

54 Stunden Werfen, 4 Stunden Schlafen.

Rund 84.000mal zielten und warfen die beiden Ausdauersportler.

Für den Weltrekord wählten Milde und Dames sogar die schwerste Pfeilart aus.

So schleuderten sie, bei 18-Gramm-Pfeilen, insgesamt über anderthalb Tonnen Stahl auf die Scheibe.

"Nach den ersten Stunden", so Ralf Milde, "tat mir der Arm weh.

Doch schon ab dem nächsten Tag spürte ich keine Schmerzen mehr."

Aber nach vier Tagen kam ein toter Punkt:

"Da wollten wir aufgeben."

Mit Motivation und Koffein, Mineralstoffen und Vitaminpillen hielten sie trotzdem durch.

Dabei halfen ihnen auch Freunde und Bekannte, die immer mal wieder vorbeischauten:

Der Pub war Tag und Nacht geöffnet.

Die beiden Werfer dankten dem Thekenteam um Chefin Marion Au - sowie der Gemeinde, die die Sperrstunde aufgehoben hatte.

Und dem Mediziner Dr. Bernd Reifenrath, der den Gesundheitszustand der beiden Werfer untersuchte.

Dr. Reifenrath:

"Sie waren topfit.

Einen ,Dart-Arm` haben sie auch nicht bekommen."

Nach dem Triumph fühlten sich die frischgebackenen Weltrekordler total glücklich, dadurch auch nicht allzu müde - "aber durstig."

Sehr glücklich war auch Franz Herpers.

Er ist der Vorsitzende des Fördervereins für ein geplantes Hammer Altenheim.

Die beiden Dauer-Darter stellten einige Sammelbüchsen auf, die heimische Wirtschaft spendierte Tombola-Preise.

Am Ende trennten sich die Werfer sogar von ihren Weltrekord-Pfeilen:

Bürgermeister Hans Schmidt versteigerte die Fluggeräte - der letzte Pfeil ging für 100 DM weg.

Letztlich kamen 5.000 DM für das geplante 60-Betten-Seniorenheim zusammen.

"Mit soviel hätten wir gar nicht gerechnet", freute sich Fördervereins-Chef Herpers, "vielen Dank!" Bisher konnten die 182 Mitglieder des Vereins laut Herpers übrigens schon über 500.000 DM zusammengetragen.

Das Altenheim soll zwischen den beiden Hammer Friedhöfen entstehen.

"Träger wäre die Ev.

Altenhilfe mit 1,1 Millionen DM Startkapital, die Finanzierung steht, der Bau ist geplant und genehmigt, ein Grundstück ist da."

Es fehlten nur noch die Landeszuschüsse.

"Und die werden durch die Prioritätenliste des Kreises blockiert", so Herpers; "Mudersbach steht auf Platz 1, wir auf Platz 2."

Das kann Herpers nicht verstehen, schließlich gebe es in Mudersbach Schwierigkeiten - "während wir morgen mit dem Bau anfangen könnten."

Geschafft! Überglücklich - nach 197,5 Stunden Dauer-Darten - freuten sich Rolf-Dieter Dames (l.) und Rolf Milde (r.).

26.11.93:

Mudersbach.

(fr) Sie schlagen immer abends zu - und ohne Rücksicht auf Verluste.

Unbekannte Brandstifter halten die Mudersbacher Feuerwehr in Atem:

Sechs Brände wurden im letzten halben Jahr gelegt.

"Wir haben", so Löschgruppenführer Hans-Joachim Becker, "einen kleinen Feuerteufel in Mudersbach."

Der aktuellste Anschlag:

Fichten im Mudersbacher Hüttenwald wurde angezündet.

Davor gingen Kartons in Flammen auf - an einer Bushaltestelle und am Bürgerplatz.

Offenbar stammten die Kartons von den nahegelegenen Altglascontainern.

Gleich dreimal schlug der Feuerteufel in Niederschelderhütte zu.

Mehrere Reifen brannten auf dem Bundesbahngelände am Industriegebiet, der Keller im Sanitätshaus des Stahlwerks stand in Flammen, im Buchenweg wurden Haubergs-Äste angezündet.

Der bislang spektakulärste Anschlag galt der "Traditionstanne" auf der Hohen Lay.

Was für die Nachbarn in Brachbach die Wernsbergtanne, ist für die Mudersbacher die Traditionstanne:

ein Wahrzeichen.

In ihrem Wipfel thront ein elektrischer Weihnachtsstern - seit Jahren leuchtet er in der Weihnachtszeit idyllisch vom Berg herab.

Das wollte der Feuerteufel vernichten.

Er zündete die Tanne an.

Die Feuerwehr wurde alarmiert.

Sie konnte gerade noch verhindern, daß der Baum abbrannte.

Doch der untere Teil wurde stark beschädigt, die Tanne droht nun umzustürzen.

Dadurch würde die elektrische Anlage völlig zerstört.

Die einzige Chance, den Sternenbaum zu erhalten:

Sein Standplatz muß mit Beton ausgegossen werden.

Das will die Mudersbacher Handwerkerrunde auch tun, die den Stern vor Jahren installierte und das Wahrzeichen heute noch betreut.

"Die Jungs geben sich die größte Mühe", so Becker, "daß der Stern zur Weihnachtszeit wieder leuchtet."

Schlimmer als die etwa 1.000 Mark Sachschaden, die bisher entstanden, wäre das Ende der schönen Tradition.

Zur Hohen Lay, wo der Baum steht, rückt die Wehr nur noch mit Polizeischutz aus - "das ist ein Böser-Jungen-Platz", so Löschzugführer Becker, "wenn wir da erscheinen, riskieren wir Prügel."

Becker vermutet jugendliche Täter.

Er kann das nicht verstehen:

"Gut, wir haben früher auch unsere Festchen gefeiert - aber doch keine Brände gelegt!" Der Sachschaden ist bisher noch nicht erfaßt - und auch nicht die Arbeitsleistung, die die Freiwillige Feuerwehr erbringen mußte.

Sie konnte bisher in allen Fällen verhindern, daß sich die Brände ausbreiteten.

Ihr schnelles Eingreifen verhinderte Schlimmeres.

"Das konnten wir nur", betont Becker, "dank der Bevölkerung, die sehr wachsam war und uns schnell alarmierte."

Er hofft, daß es den Mudersbacher Bürgern mit dieser Wachsamkeit gelingt, die Brandstifter auffliegen zu lassen.

"Ich appelliere an die Bevölkerung, der Polizei zu helfen", so Becker.

"Denn diese Chaoten müssen gestoppt werden."

24.12.93:

Betzdorf.

(fr) Das Betzdorfer Frauenfrühstück, ein, so die Initiatorin Margret Staal, "alternativer Treffpunkt beim Wochenmarkt", ist nach einem Jahr in Gefahr.

Das Altenkirchener "Haus Felsenkeller" veranstaltet das Frauenfrühstück - und die Finanznot des soziokulturellen Zentrums bedroht auch den Fortbestand des alternativen Treffs.

Es wäre schade drum.

Denn hier können sich die Damen vom Einkaufsstreß beim Wochenmarkt erholen, treffen dabei die verschiedensten anderen Frauen - und lernen auch noch was.

Die Felsenkeller-Mitarbeiterin Gisela Brandt informierte bereits über Dinge wie "Essen", "Schönheit" und "Hausfrauengewerkschaft".

Finanziert wurde sie aus einem Zuschuß des Landesministeriums für Gleichstellung.

Nun jedoch, so Initiatorin Staal, Leiterin des Frauenreferats beim Felsenkeller, "ist es uns nicht mehr möglich, eine Fachkraft zu stellen."

Ermutigt durch den großen Erfolg des Altenkirchener Frauenfrühstücks, hatte sich Margret Staal vor einem Jahr nach Betzdorf aufgemacht - mit Kaffeemaschine und Brotlaib unter dem Arm -, um in der Hellerstadt erstmals eine Felsenkeller-Aktion außerhalb von Altenkirchen zu etablieren.

Die Stadthallen-Klause aber erwies sich dafür als zu groß.

Seit die Damen jedoch in den "Grünen Baum" übersiedelten, haben sie ein gemütliches, zentral gelegenes Domizil gefunden.

Doch die Hemmschwelle zu kommen, sagt Margret Staal, "ist immer noch wirklich groß."

Bis zu zehn Frauen treffen sich hier dienstags, reden über dies und jenes.

Hauptthemen, wie die WR erfuhr:

Wechseljahre, Trennung und verzogene Kinder.

"Das ist", so Renate Rademann, die regelmäßig kommt, "wie ein Stammtisch."

Und Frauen jeden Alters sitzen am Frühstückstisch.

29 ist die jüngste, kürzlich war sogar eine fast 80 Jahre alte Dame dabei.

Beim Altenkirchener Treff ergab sich daraus sogar eine Kinderbetreuung "alt für jung".

So weit sind die Betzdorferinnen noch nicht, "es wäre schön, wenn noch mehr Ältere kommen würden", findet Käthe Hanebech (67).

Sie hält das Felsenkeller-Frühstück in Betzdorf für eine "nette Sache, gerade für junge Mütter."

Die können ihre Kinder mitbringen.

So sind "kleine Männer" auch erlaubt - "große" aber nicht.

Margret Staal vom Felsenkeller betont, wie wichtig der ein solcher Treff für Frauen ist:

"Die Frauen sitzen oftmals zuhause, ihnen fehlen die geselligen Kontakte - und wenn sie die haben, dann mit einem festgelegten Bekanntenkreis."

Zur Zukunft des Frauen-Frühstücks befragt, sagt sie:

"Der Treff wird weiterbestehen können, wenn ihn die Betzdorfer Frauen alleine in den Griff bekommen."

Der Felsenkeller könne finanziell kaum noch unterstützen - die Zuschüsse für seine Kulturarbeit werden immer weniger.<- Eigentlich sind nur Frauen zugelassen, aber für den Nikolaus (Rainer Schmitt, rechts im Bild) wurde eine Ausnahme gemacht.

Zuschüsse hatte er leider nicht im Sack.

Initiatorin Margret Staal (2.v.r.) hofft, daß die Betzdorferinnen den Treff in Eigeninitiative weiterführen können.

17.11.93:

Kirchen-Freusburg.

(fr) Malerisch an einem Berghang des Giebelwalds gelegen, steht die Freusburger ev.

Kapelle seit nunmehr 400 Jahren über dem Siegtal.

Die Kirchengemeinde feierte jetzt das Jubiläum, u.a. erstellte der ehemalige Pfarrer Hans Fritzsche, der hier 1938 seine erste Predigt hielt, eine hervorragende Chronik der Kapelle.

Die WR veröffentlicht eine Zusammenfassung.

Die heutige Kapelle wurde 1594 errichtet, nachdem die Burgkapelle verfallen war.

Noch heute klingt das Geläut einer Glocke, die diese Jahreszahl trägt.

Benannt ist sie nach dem Freusburger Grafen Heinrich IV.

von Sayn, der den Bau der Kapelle veranlaßte.

Und die heimische Reformation vorantrieb - nachdem er sein katholisches Amt als Kölner Domdechant abgegeben hatte.

Noch zwei Jahrhunderte später handeln die Freusburger in seinem Sinne, indem sie sich gegen eine Anweisung von oben sperren.

Die Regierung sagt, "daß doch in Bälde alle Kirchspiele mit einer Turmuhr ausgestattet seyn mögen, welche extra von Nöthen, weilen die bis dato in Brauch gewesenen Sonnenuhren der vorangehenden Zeit weniger genügen."

Die Freusburger halten aber an der Sonnenuhr fest, die ihr Graf Heinrich mit den Worten "nit Neumodisches" angebracht hatte.

Über 200 Jahre alt sind die Grabsteine in der Kapelle.

Eine Inschrift lautet "Moder und Asche eines glücklichen und noch jetzt geliebten Paares deckt dieser Stein" - ein anderer "die Gebeine eines (...) zärtlichen Ehegatten und warmen Freundes", den 1780 das Gallenfieber dahinraffte.

Zu Grabe getragen wird er damals zu den Klängen einer Orgel von 1739, auf der Schulmeister Ungewitter aus Fischbach spielt - und dafür mehr Lohn erhält als in seinem erlernten Beruf.

Schon 1809 muß ein Experte konstatieren, "daß die Orgel keinen Ton mehr von sich gibt und der Reparatur nicht mehr wert ist."

Über 60 Jahre hinweg ertönen nun gar keine Orgelklänge mehr in der Kapelle.

Zu dieser Zeit ist man auch davon abgekommen, die Toten in der Kirche zu beerdigen.

Platzmangel hatte dazu geführt, daß mehrere Leichen übereinander gebettet wurden.

In einem Bericht aus dieser Zeit heißt es:

"Während der heißen Jahreszeit machte sich ein unangenehmer Geruch bemerkbar, und zuweilen stürzte während des Gottesdienstes ein Grab mit unheimlichem Geräusch zusammen."

Die Pfarrer finden jedoch weiterhin ihre letzte Ruhestätte nahe Kanzel und Altar.

Darunter auch Pfarrer Bornemann, der 1872 stirbt:

Als treuer Hirte, der auch in der Gefahr seine Schafe nicht im Stich läßt, hatte er Pockenkranken in Fischbacherhütte das Hl.

Abendmahl gereicht - und sich dabei mit der tödlichen Krankheit infiziert.

Auch in der Hitlerzeit ist die Freusburger Kapelle ein Ort, um den sich viel Mut versammelt.

Illegal drucken und verteilen die Protestanten Kirchenbriefe - und als deswegen ihr Pfarrer Hans-Jakob Groß 1935 ins Kirchener Gefängnis gesteckt wird, bringen sie ein Schild in der Kapelle an:

"Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem soll ich mich fürchten?" Der damalige Presbyter Otto Strunk:

"Alle, die den Gottesdienst bespitzelten, sollten immer wieder lesen, daß das Heil vom Herrn kommt - und nicht von Adolf Hitler."

Als die evangelische Schule auf der Struth in "Deutsche Gemeinschaftsschule" umbenannt wird, antworten die Eltern mit Schulstreik.

Sie brechen ihn erst nach Polizeigewalt ab.

1937 soll Pfarrer Groß zum drittenmal verhaftet werden.

Doch die Gemeindemitglieder stehen ihm so energisch bei, daß sich der Polizist bedroht fühlt.

Dennoch:

Ein Butterbrot darf Pfarrer Groß noch essen, dann wird er abgeführt.

Seine Frau wendet sich verzweifelt an den Barmener Präses D.

Humbug.

Der setzt sich für Groß ein, kann den Kirchener Amtsbürgermeister bewegen, den Pfarrer freizulassen.

Erst in unseren Tagen wurde eine Akte vom 2.

Mai 1939 entdeckt, die beweist, wie knapp der Freusburger mit dem Leben davonkam:

Die Gestapo forderte damals "ein gleiches Vorgehen wie bei Pfarrer Schneider" - der Hunsrücker Protestant wurde im Konzentrationslager Buchenwald ermordet.

2.August93:

Mittelhof.

(fr) Wenn Grundschüler Michael auf den Flohmarkt ging, endete das meist lukrativ.

Doch dazu brauchte er keinen Stand.

Seine Eltern erinnern sich gut:

Für 50 Pfennig kaufte Michael, damals acht Jahre alt, einmal ein Micky-Maus-Heft, verhandelte, verkaufte, tauschte - und kam mit zwei Spielzeugen und zwei Mark wieder.

Sein kaufmännisches Talent bewies Michael Harbach aus Mittelhof also schon als kleines Kind.

So ist verständlich, daß er sein Soziologie-Studium nach zwei Semestern abbrach und sich seinen Traum erfüllte:

Selbständiger Markthändler.

Die WR sprach mit dem 24jährigen, der mit blondem Zopf und Nickelbrille seinen Stand nicht nur in Siegen, sondern auch beim Betzdorfer Wochenmarkt erfolgreich aufbaut.

Mit neun Jahren hatte er seinen ersten Flohmarkt-Stand.

Da verkaufte er Schraubenzieher, die er aus einem Ausschuß-Container fischte.

Als Jugendlicher las er Wirtschaftsfachbücher wie andere Romane.

"Eigentlich entstand die Idee mit dem Wochenmarkt in der Schule", so Harbach, "denn da war ich miserabel.

Ich dachte, es müßte doch was geben, was man ohne Abitur machen kann."

Das Abitur schaffte er.

Doch Markthändler wollte er trotzdem werden.

Ein Praktikum bei einem Wissener Gemüsehändler brachte ihm dann erste Einblicke.

In den Semesterferien arbeitete Michael Harbach bei einem Siegener Großhändler - und fuhr mit dem Zug zu Obstauktionen.

"Nur um einmal dabeizusein."

Anfang April wagte er es:

Nachtschichten bei Kautex und ein Kredit vom Papa - damit kaufte er einen gebrauchten Laster mit Anhänger.

Ein Kühlhaus im Schuppen hat er sich selbst gebaut.

Hilfe vom Staat gab`s für den Start nicht, denn Michael Harbach hat keine Ausbildung.

Der Anfang war hart.

"Auf dem Siegener Wochenmarkt stand ich einmal bei minus 12 Grad.

Nach sechs Stunden war mein Umsatz nicht einmal dreistellig - und ich hatte für 30 DM Gas verheizt."

Doch er gab nicht auf.

In der Erdbeerzeit arbeitet der Jungunternehmer, abzüglich einer kaum einstündigen Mittagspause, über 90 Stunden in der Woche.

Da bleibt für sein großes Hobby, das Reiten, natürlich kaum noch Zeit.

Dafür kann er es sich aber auch leisten, drei Verkaufshelfer zu beschäftigen.

Übrigens alle Studenten, und fast alle angehende Lehrer.

Harbachs Erfolg basiert unter anderem darauf, daß er - im Gegensatz zu allen seinen Konkurrenten in Betzdorf - bei der Obstauktion im rheinischen Roisdorf mitbieten darf.

Und das tut der ehemalige Roisdorf-Praktikant fast jeden Tag.

Dann macht sich Michael Harbach in den frühen Morgenstunden auf, die preiswertesten Erdbeeren, Kirschen oder Kohlrabis aus integriertem Anbau zu ergattern.

Der Mittelhofer nennt als sein Erfolgsrezept einen Zeitvorsprung gegenüber anderen und kurze Wege.

"Reife Erdbeeren zum Beispiel sind lecker, müssen aber auch schnell verkauft werden."

Die Gemüse-Giganten wie z.B. Aldi könnten das nicht so gut:

Der Weg von der Auktion zum Großhändler ins Zentrallager bis in die Filialen sei dafür zu lang.

Außerdem reagiert Harbach flexibel:

"Ist eine Obstsorte mal zu teuer, kaufe ich sie einfach nicht ein."

Marktforschung im wahrsten Sinne ist für ihn "lebenswichtig".

"Morgens sehe ich mir die Preise der anderen an.

Täte ich das nicht, wäre es übel.

Wenn es was woanders viel billiger gibt, merke ich das sofort."

Was ist so faszinierend an dem Job? "Einerseits das Jonglieren mit hohen Geldbeträgen", sagt Harbach, "außerdem schwanken nirgendwo die Preise so stark wie in dieser Branche.

Ein Wetterumschwung kann über Nacht alles verändern."

Jeden Tag telefoniert er mit Roisdorf, um die neuesten Tendenzen zu erfahren.

Der Zukunftstraum des Gemüse-Brokers aus dem Wisserland:

ein Kühllaster mit Hebebühne.

Denn momentan ist er noch der einzige unter den Einkäufern in Roisdorf, der seine Paletten per Hand in den Laster wuchten muß.

Wenn Michael Harbach mittags auf dem Betzdorfer Wochenmarkt seine letzten Früchte verkauft, ist er schon neun Stunden auf den Beinen.

Herr der Erdbeeren:

Der Jungunternehmer aus Mittelhof muß seine Paletten noch selbst schleppen.

(WR-Bilder (2):

fr) 24.12.93:

Roth.

(fr) 100 Verkaufsstellen schon eröffnet - und 50 sollen noch dazukommen:

Die bayerische "Freiherr von Reitzenstein`sche Schloßbrauerei Reuth" will die Bierszene in Westerwald, Siegerland und Bergischem Land entern.

Ihr Gerstensaft soll auch in den Kreis Altenkirchen strömen:

Knapp 60 "Zapfstellen" peilt die Brauerei hier für Ende 1994 an.

Bisher investierte sie bereits 600.000 DM - eine süddeutsche Brauerei drängt auf den hiesigen Bier-Markt.

Und ihr Hauptquartier hat sie bei Hamm aufgeschlagen.

Dort, in der ehemaligen Rother Molkerei, stapeln sich die bayerischen Spezialitäten:

Bockbier, Starkbier, Weizen und dunkles Bier.

Wenn es nach Niederlassungsleiter Bernd Seynsche geht, drängeln sich die Flaschen bald auch in hiesigen Kühlschränken - vom "Doppelbock" zum "Altreuther Spezial".

Man attackiert sogar die Softdrink-Giganten:

Statt Fanta und Sinalco soll "Libella" sprudeln, die bayerische Limo mit halbhundertjähriger Tradition.

Die hiesigen Trinkgewohnheiten umkrempeln - ein kühnes Unterfangen.

Der Niederlassungsleiter setzt da auf Ferienerinnerungen:

"Viele", so der 47jährige Seynsche zur WR, "kennen das bayerische Bier aus ihrem Urlaub."

Neben "hervorragender Qualität" führt er auch einen "Preisvorteil von 1 DM pro Liter" ins Marketing-Feld.

Und das wird massiv beackert:

"Wir unterstützen die Vereine in ihrer wichtigen Funktion, u.a. für die Jugend", so Seynsche, "denn die Vereine haben Probleme."

In Wissen z.B., wo die Schloßbrauerei gerade die erste ihrer kreisweit zehn bis fünfzehn geplanten Filialen eröffnete, freut sich der örtliche VfB über bayerisches Sponsoring.

An die 60 Verkaufsstellen sollen im Kreis entstehen - und damit Nebenerwerb für viele Menschen.

Denn die Privatbrauerei setzt auch auf privaten Verkauf, auf "Hausverkauf".

Dabei sind 15 Prozent drin - "für zahlreiche Familien", so Seynsche, gebürtiger Kölner, "ein anständiger Nebenverdienst.

"Anständig auch deshalb, weil die Hausverkäufer "nur zahlen, was sie verkauft haben", so Seynsche, "sogar die Gewerbesteuer übernimmt die Brauerei."

Der Niederlassungsleiter der Schloßbrauerei, die seit 250 Jahren in Familienbesitz ist, sieht im Hausverkauf auch eine Hilfe für alte Menschen:

"Sie ersparen sich weite Wege", so Seynsche, "denn heute gibt es doch in unseren Dörfern oft keine Geschäfte mehr."

Bis Ende 1994 will die bayerische Schloßbrauerei, so ihr Ziel, zehn- bis fünfzehntausend Hektoliter verkaufen.

Bisher vermeldet sie bereits eine "große Nachfrage".<- 12.10.93:

Nauroth.

(fr) Schmalz oder Schwarz? Wer für die CDU um das Bundestagsdirektmandat im Wahlkreis Neuwied-Altenkirchen kämpfen wird, entscheidet sich in den nächsten Wochen.

MdB Stefan Schwarz aus dem Kreis Neuwied war einige Zeit der aussichtsreichste Kandidat.

Doch dann bewarb sich wieder der Wissener MdB Ulrich Schmalz.

Seit dessen Rücktritt vom Rücktritt war es nun das erste Mal, daß sich Stefan Schwarz im AK-Kreis präsentierte.

Die WR war dabei.

Und zwar in Nauroth.

Der CDU-Ortsverband hatte ihn eingeladen - als Schmalz nicht mehr antreten wollte.

Das betonte CDU-Ortschef Wolfgang Klees ausdrücklich.

"Wir werden", so Klees, "auch Herrn Schmalz einladen."

Nachdem das geklärt war, durfte der amtierende MdB, der hauchdünn über die Landesliste einzog, loslegen.

Dies mit Verspätung - er hatte sich bei Hachenburg verfahren.

Das band er in seine Rede ein:

"Ich habe gerade mit Herrn Klees über Beschilderung gesprochen ...

- Die Verkehrswege müssen auch im Westen besser ausgebaut werden."

Seine Themen riß er nur kurz an, spannte dafür aber einen weiten Bogen.

Und enthüllte:

Daß Bundespräsidenten-Kandidat Heitmann so negativ in Erscheinung trete, daran hätten die Medien schuld.

Bei einen sieht Schwarz einen "Verfall der politischen Kultur."

Damit demonstrierte er kritische Distanz zu denjenigen, die ihn bundesweit bekannt machten.

"Ich bin ein Shooting-Star der Medien", erklärte der 34jährige freimütig.

Eine Bundestags-Rede zum Krieg in Ex-Jugoslawien hatte ihn bis in den "Spiegel" katapuliert - sein Plädoyer für Selbstverteidigung machte ihn für alle Talkshows interessant.

Der gelernte Bankkaufmann meinte:

"Ich bin auch interessant für die Medien, weil ich so normal bin."

Er könne gut mit Menschen umgehen, sagt Schwarz von sich - "das liegt wohl daran, daß ich gemeinsam mit fünf Geschwistern aufwuchs."

Und zwar in einem 1.500-Seelen-Dorf, Leubsdorf.

Doch trotz provinzieller Provenienz bekam er hohe Politik hautnah mit:

Sein Vater Heinz Schwarz war Landes-Innenminister.

Daß er eine Sprache spreche, die das Volk versteht, bestätigten Stefan Schwarz auch einige Naurother.

Einige wenige:

Der Einladung der örtlichen CDU (35 Mitglieder) in eine Gaststätte waren nur etwa 15 Menschen gefolgt.

Und ein Dutzend Kneipengänger ließ sich auch von Stefan Schwarz nicht vom Tresen weglocken.

Doch für seine 15 Zuhörer nahm er sich eine Menge Zeit:

viereinhalb Stunden.

Auch als die Uhr gen 1 Uhr nachts tickte, hatte der junge MdB nichts von seinem Elan eingebüßt.

Der Junge-Union-Landeschef krempelte die Arme seinen dunkelgrauen Pullovers hoch - und diskutierte mit drei verbliebenen Naurothern die Jugoslawien-Frage.

Das Sachwissen sprudelte nur so heraus, auf Nauroths Top-Thema Deponieärger - Gestank zieht durchs Dorf, wenn auf der Müllkippe der Bioabfall bewegt wird -, konnte er dagegen kaum reagieren.

Doch er kenne den Kreis Altenkirchen, betonte Schwarz, "als JUler war ich hier viel unterwegs."

Zur Bahnparallelen-Eröffnung war er kürzlich in Wissen, wo ihm die Feuerwehr-Partnerschaft mit dem Osten gefiel.

"So findet die Einheit statt."

Aus Wissen kommt Ulrich Schmalz - wie sind Schwarz` Chancen gegen ihn? "Ich glaub` schon, daß ich das wieder packe", so Schwarz offenherzig zum Thema Bundestag, "ich habe gute Chancen.

Wobei ich bedaure, gegen Ulli antreten zu müssen."

Schwarz kandidierte erst, nachdem Schmalz zurückgezogen hatte.

Wenn bei der Kandidaten-Kür alle Neuwieder Delegierten für Schwarz, alle Altenkirchener für Schmalz stimmen - dann ist Stefan Schwarz der CDU-Kandidat fürs Direktmandat.

Denn die Neuwieder stellen mehr Delegierte, weil ihr Landkreis mehr Einwohner hat.

Doch ob die Kür so ablaufen wird, ist so sicher nicht.

Denn da ist ja noch der Vorsitzende der Neuwieder CDUler, Prof.

Dr. Rüdiger Sterzenbach.

Im Rennen um die Direktmandat-Nominierung warf der Kreischef seinem Mitbewerber Schwarz vor, er habe unerlaubt Geld aus CDU-Kassen erhalten.

Als sich Schwarz in einer Aspiranten-Runde öffentlich erklären wollte, unterbrach ihn Sterzenbach mit den Rufen "Lügner! Lügner!" Ein Eklat.

Querelen in Neuwied - der Kreischef zog seine Kandidatur zurück.

Nun bewarb sich wieder der Wissener Ulrich Schmalz.

Die große Frage somit:

Stehen die Neuwieder CDUler geschlossen hinter Schwarz? "Von einer Spaltung des Kreisverbands", so Stefan Schwarz dazu, "kann keine Rede sein."

27.9.93:

Betzdorf.

(fr) Daß Gäste im noblen "Breidenbacher Hof" auf dem Boden sitzen mußten, hat es wohl nicht oft gegeben.

Doch die Daadener Kabarett-Gruppe "Stocheisen" ist eben gut und beliebt - und als jetzt in Betzdorf ihr neues Stück "Red immer Treu und Üblichkeit" Premiere hatte, mußten einige Gäste auf dem knarzenden Bodendielen der "Tenne" Platz nehmen.

Denn mit über 120 Besuchern war der historische Anbau mehr als ausverkauft.

Die meisten Karten hatte der veranstaltende Kulturverein Lokschuppen - er denkt bereits über einen Wiederholungs-Auftritt nach - schon im Vorverkauf abgesetzt.

Am Anfang wurde es ganz rhythmisch:

"Das ist der, bei dem für alles eine Tonne steht.

Das ist der, der meilenweit zum Glascontainer geht.

Das ist der, der fürs Sortieren stets plädiert.

Und der, der am Ende immer angeschmiert."

Zur "Phantastischen Vier"-Melodie "Die da" be-rappten da die satirischen Vier aus dem Daadener Land die Abfallmisere - "DSD? Ach ja:

Dumme sammeln sich dämlich."

Sie spielen auch in ihrem zehnten Jahr je kurz auf der kompletten Klaviatur des Kabaretts, von der platt-pointierten Thekenplauderei über das Promi-Telefongespräch bis hin zur ernsthaften Satirik-Ballade.

Nur Comedy, beim Kabarett-Nachwuchs schwer in Mode, fehlt.

Dabei überrascht Stocheisen das Publikum zwar mit treffenden Pointen, nicht aber mit ungewöhnlichen Perspektiven:

Man nimmt dem Volke den Frust aus dem Mund - und spricht ihm auch danach.

Populäre Satirik, und das ganz bewußt.

"Wir wollen nicht hochintellektuell sein", so Oberstocherer Walter Ecker, "sondern, daß sich die Leute von uns wiedergegeben fühlen."

Daß Parteilichkeit dabei nicht ihre Sache ist, machen die Daadener schon zu Beginn klar.

In einer verbal genialen Nummer reden SPD und CDU zugleich - und zwar dieselben dummen Sprechblasen.

Dabei steht Globales und Nationales im Vordergrund.

In die lokale Nische, in der sie bequem an der Spitze ständen, flüchten sich die Stocheisener nicht - leider, muß man sagen.

Bezeichnend, daß das Tennen-Publikum den ersten ganz dicken Applaus spendete, als die Satiriker einzig nach einer Stunde einmal über Hiesiges frotzelten.

Als Daadener auf Betzdorfer Boden - da lag natürlich das Thema Daadetalbahn in der stickigen Luft.

"Warum war die CDU denn gegen die Übernahme?" - "Na, weil die SPD dafür war ..."

- "Und die FWG?" - "Ach hör doch auf, FWG, für was gewählt?" Die Straße nach Daaden werde nun dreispurig ausgebaut.

Aber:

"Ab Schutzbach kassieren wir Maut!" Warum nicht mehr davon? "Wir treten schließlich auch anderswo auf", so Walter Ecker, der in fünf Wochen das neue 100-Minuten-Programm schrieb, "in Ludwigshafen und Essen können wir diese Nummern nicht bringen ..."

Fazit:

Stocheisen beschert einen witzigen Abend mit gutem Gag-Timing und kurzweilig viel Abwechslung.

Lokales steht dabei leider wieder einmal zurück - da muß man wohl auf den Karneval warten.

Stocheisen-Besetzung, nach eigener Aussage:

"Drei Lehrer - und einer, der richtig arbeitet."

In Namen:

Walter und Inge Ecker aus Niederdreisbach, Ulrich Höh (Biersdorf) und der Friedewälder Karl-Heinz Buhl.

24.12.93:

Kirchen.

(fr) Nun ist es definitiv:

Kirchen wird wieder Eilzugstation.

Und das zum 29.

Mai, dem nächsten Fahrplanwechsel.

Das teilte die Bundesbahndirektion jetzt der Kirchener Verwaltung mit.

Wermutstropfen:

Der Kirchener Haltepunkt am Schwelbel wird komplett aufgelöst.

Das ist ebenfalls beschlossene Sache.

Vorteile des Eilzug-Entscheids:

Ab Mai halten nicht nur grundsätzlich vier statt bisher zwei Züge pro Stunde - sondern der Kirchener Bahnhof wird auch besser mit anderen Bahnhöfen vertaktet.

Und damit auch das größte Krankenhaus im Kreis, direkt am Bahnhof gelegen; so kann beispielsweise ein Herdorfer bald recht unkompliziert per Schiene Besuche im Kirchener Krankenhaus machen.

Zunächst wurde diskutiert, in der Verbandsgemeinde lediglich einen Eilzug-Halt einzurichten - und das in Kirchen.

Dafür hätte der jetzige Halt Brachbach für Kirchen geopfert werden müssen.

Das mochte die Verwaltung nicht akzeptieren.

So bekommt die Verbandsgemeinde nun zwei Eilzug-Stationen - muß aber die Kröte schlucken, daß am Schwelbel gar keine Züge mehr halten.

Dazu heißt es aus dem Rathaus, daß dies keine Bedingung für den Eilzug-Halt gewesen sei.

Man habe aber kaum dagegen argumentieren können.

Denn am Schwelbel steigen nur relativ wenige Fahrgäste ein oder aus.

Außerdem gibt es hier ein technisches Problem:

Wenn der Zug hält, steht er in einer Kurve.

So kann ihn der Lokomotivführer nur schwerlich überblicken - schlecht beobachten, wenn Bahnfahrer zusteigen.

Wenn die Eilzüge kommen, soll etwas dazukommen, was am Kirchener Bahnhof dringend fehlt:

Parkplätze für Bahnbenutzer, heutzutage "Park-and-Ride-Anlage" genannt.

Die P&R-Anlage ist zwischen den Gleisen und der B 62 geplant.

So ist eine Fußgängerunterführung nötig.Außerdem sollen die alten Häuser gegenüber der Post abgerissen werden.

Optisch schade:

Auch ein originell zebragestreiftes Gebäude, in dem Styropor lagert, ist darunter.

Ob die Parkplätze tatsächlich eingerichtet werden, ist allerdings ungewiß:

Zuschüsse sind noch nicht gewährt.<- 21.Sep93:

Betzdorf.

(fr) Getreu seinem Leitsatz "We serve" ("Wir dienen") will der "Lions Club Westerwald" auch in diesem Jahr Gutes tun:

Er hilft mit, daß blinde Menschen in der Dritten Welt wieder sehen können.

Dazu startet die 28köpfige Westerwald-Gruppe des Lions Club (LC) eine Sammelaktion, bei der ausgediente Brillen gesucht werden.

In den heimischen Arztpraxen, Optikergeschäften und Apotheken werden nun Plakate aushängen, die signalisieren:

Hier kann man alte Brillen abgeben.

Die Sehgeräte werden auf die Philippinen und nach Südamerika geschickt.

Damit unterstützt auch der Lions Club (LC) Westerwald das weltweite Lions-Projekt "Sight First".

Durch eine frühere Sammelaktion konnte er bereits rund 5.000 Brillen an Bedürftige weiterleiten, berichtete Dipl.-Ing.

Werner Schmitt bei einer Pressekonferenz in Betzdorf.

Schmitt ist im LC Westerwald der Beauftragte für "Activities", wie die Lions ihre sozialen Wohltaten nennen.

Hintergrund von "Sight First":

40 Millionen Menschen sind blind; 90 Prozent von ihnen leben in Entwicklungsländern - das macht ihr Schicksal noch schwerer, denn sie sind sozial kaum abgesichert.

Mit einer Operation - die nur 40 DM kostet - können viele Blinde geheilt werden.

Und oft hätte Vorsorge ihre Krankheit vermieden.

Weltweit brachten die Lions in drei Jahren für Operationen und Vorsorge rund 130 Millionen Dollar auf.

Und das Projekt "Sight First" geht weiter.

Der LC Westerwald beteiligt sich daran, neben der Brillensammlung, auch mit Aktionen, die Spenden einbringen sollen.

Der exclusive Club wird dazu u.a. in Betzdorf auf dem Weihnachtsmarkt Glühwein verkaufen und Wein und Schmalzbrote beim Barbarafest anbieten.

Außerdem planen die Westerwälder "Löwen", Weihnachtskarten zu verkaufen und ein Orgelkonzert sowie ein Sportturnier zu veranstalten.

Schon seit Jahrzehnten engagiert sich der LC für blinde Menschen.

"Der weiße Blindenstock zum Beispiel", so Schmitt, "geht auf unseren Club zurück."

Appellieren an die Bevölkerung, ausgediente Brillen zur Verfügung zu stellen:

Die Mitglieder des "Lions Club Westerwald" Dr. Günter Fischer, Dr. Heiner Brunner (Präsident) und Dipl.-Ing.

Werner Schmitt (Activity-Beauftragter).

30.Sep93:

Betzdorf.

(fr) 15 dramatische Werke waren angekündigt, in der Betzdorfer Stadthalle, und kaum eines sollte länger dauern als fünf Minuten - angepaßt dem "biologischen Rhythmus von Menschen und weißen Mäusen."

Dahinter steckte Bernhard Victor, kurz "Vicco", von Bülow - besser bekannt unter seinem Pseudonym "Loriot".

Loriot kam zwar nicht selbst nach Betzdorf, wo 550 Besucher die Stadthalle füllten, dafür zehn minder bis gar nicht bekannte Schauspieler.

Doch die spielten ganz im Sinne des weißhaarigen Meisters, und der Star des Ensembles, Gunnar Möller, sah dem populären Humoristen recht ähnlich - und verkörperte ihn auch in Tonfall, Gestik und Mimik.

Dazu erinnerte eine Schauspielerin namens Ingeborg Kallweit entfernt an die Loriot-Partnerin Evelyn Hamann.

Und ein Akteur, Achim Sauter, konnte gar eine optische Ähnlichkeit mit den Loriot-Cartoonfiguren nicht ganz verleugnen.

Also dann doch eine ganz gelungene Besetzung für Loriots dramatische Werke.

"Dramatisch" nennt sich beim Theater zwar alles, was Dialoge oder Monologe hat, doch "dramatisch" im Allgemeinsinne waren die - natürlich lustigen - Szenen auch:

Alltägliche Situationen steigern sich zu kleinen Katastrophen, weil die Beteiligten entweder pedantisch, dumm, rechthaberisch, verständnislos oder alles auf einmal sind.

"Das Publikum erwartet die dramatische Verarbeitung von Problemen aus dem eigenen Lebensbereich", begründet Loriot diese seine Spezialität, die Alltagsdramen, bei denen sich auch die Betzdorfer fragten:

Wieviel hat der grandiose Beobachter da noch angedichtet? Wenn sie diese Frage nicht bewegte, taten die Zuschauer etwas anderes:

Sie lachten gern und oft.

Kurzweilig war der Abend auch, weil die Szenerie alle paar Minuten wechselte - die veranstaltende Theatergemeinde der Betzdorfer Volkshochschule präsentierte an diesem Abend regelrechte Sketche.

Doch "Boulevard" war das nicht - sondern viel besser, nämlich ein Spiegel für die Betrachter.

Und das hervorragend geschauspielt.

Auch das perfekte Timing, für die Loriots Kinofilme bekannt sind, fand sich in der gelungen Aufführung des Münchner Tournee-Theaters wieder.<- Drei Vertreter-Besuche muß Hausfrau Hoppenstedt ertragen - und am Ende sind alle so vom Probe-Wein erheitert, daß der Staubsauger-Verkäufer mit Staubbeutel auf dem Kopf umherwankt.

27.Sep93:

Daaden.

(fr) Waffeln nach Omas Art, Schmalzbrote, Zwiebelfleisch mit Bratkartoffeln, Schanzenbrot, Wellfleisch mit Sauerkraut:

Nicht nur kulinarisch kommt einiges zustande, wenn alle Daadener Vereine und der Aktionsring zusammenwirken - das bewies nun das Daadener Oktoberfest.

Trotz Wechselwetters drängelten sich die Menschen durch die Mittelstraße und verlustierten sich auf dem Festplatz.

Der trägt übrigens einen Namen, der 1991 das Oktoberfest auslöste:

"Fontenay-le-Fleury".

Im fünften Jahr der Gemeindepartnerschaft war die Idee entstanden, ein Oktoberfest zu feiern.

"Das Verhältnis zwischen den Ortsvereinen ist unheimlich gut", sagte Schützenchef Hermann-Josef Stinner, dessen Kleinkaliber-Schützenverein u.a. Hefeschnaps offerierte.

"Wenn ein Verein Nöte oder Sorgen hat, helfen ihm die anderen."

Und beim Oktoberfest konnten sie ihre Kassen füllen:

"Jeder Verein, der Jugendarbeit betreibt", so Stinner, "ist froh, wenn er eine kleine Einnahmequelle hat - das Geld wird sinnvoll verwendet."

Das Programm war reichhaltig (die WR berichtete im Vorfeld).

Der Tauchclub Daadetal steuerte etwas Besonderes bei:

Die Unterwasser-Freunde schleppten ein Tauchbecken heran, füllten es mit Wasser und sprangen jede halbe Stunde einmal herein.

Dort demonstrierten sie Übungen und winkten den Besuchern durchs Fenster zu.

Das Tollste beim Aktionsring:

Kinder konnten, mit Haft-Montur ausgerüstet, an eine Haft-Wand springen.

Dort blieben sie, dem Klettverschluß-Prinzip gehorchend, hängen - teils gar kopfüber.

Auch Heimatfreund Alfred Schneider erwarb beim Judo- und Ju-Jutsu-Club ein Schanzenbrot.

Da freute sich Vorsitzender Peter Schneider (Mitte).

Stimmung bei den "Schlauchbrüdern":

Die Feuerwehr sorgte für den "Schmierstoff" beim Oktoberfest.

"Alles roger!" Der Daadetaler Tauchclub sprang für die Gäste ins kalte Wasser.

Klettverschluß-Prinzip im großen Stil:

An der Haftwand blieben die Besucher kleben.

15.Juli93:

Kirchen-Wehbach.

(fr) "Wir haben noch nicht ganz Weihnachten", sagte Verbandsbürgermeister Günter Schönhof, "aber es scheint in der Nähe zu sein."

Ganz nah, nämlich direkt am Ort schon lange geplanter Baumaßnahmen, erschien jetzt Staatssekretär Jürgen Debus.

Nach Wehbach kam er - und brachte definitive Zuschuß-Zusagen des Landes über fast zweieinhalb Millionen Mark mit.

Schönhof wertete dies als frühes Weihnachtsgeschenk:

"Das haben wir nicht im entferntesten gehofft."

Auf Einladung des Landtagsabgeordneten Franz Schwarz erschien der Staatssekretär.

Auch kamen der Leiter des Straßenbauamts Koblenz, Peter Moritz, und der Ministeriums-Abteilungsleiter Straßen und Verkehr, Ministerialrat Heribert Nellessen.

Im Kirchener Rathaus verkündeten sie den Bürgermeistern und dem Wehbacher Ortsvorsteher die gute Nachricht, die Debus schon im Vorfeld als "frohe Botschaft" angekündigt hatte.

Auch bei einer Pressekonferenz im Wehbacher Gasthof Bender nannte Debus die Einzelheiten.

Mit 75 Prozent wird das Land den Neubau der Heinrichbrücke bezuschussen.

Gesamtkosten der Maßnahme:

2.037.000 Mark.

Als es um den Ausbau der Kreuzung K94/alte L280 ging, schickte Debus voraus, daß der Bund den alten Bundesländern weniger Geld für Straßenbaumaßnahmen zuweise als geplant - und zwar 400 Millionen Mark.

Das Geld werde in die neuen Bundesländer transferiert.

Für Rheinland-Pfalz bedeute dies ein Minus von rund 20 Millionen Mark.

Dennoch stellte Debus eine Förderung des Knotenpunkts K94/alte L280 in Aussicht.

Letztlich müsse dann die Gemeinde noch 250.000 Mark tragen.

Doch eine Bedingung sei zu erfüllen:

Der Kreisausschuß und auch der Verbandsgemeinderat müssen der Baumaßnahme eine hohe Priorität geben.

Wenn das geschehe, "werden wir uns das Hemd zerreißen", so Debus, "damit wir noch 1994 zum Zuge kommen."

Ein hervorragender Satz, meinte MdL Franz Schwarz.

Dennoch werde es nicht ganz einfach werden, die Bedingung zu erfüllen.

Immerhin müsse der Kreis rund 350.000 Mark für den Knotenpunkt aufbringen.

Er sieht den Kreisausschuß jedoch "in gewisser Weise in einer Verpflichtung.

Seit rund acht Jahren gibt es ein Versprechen an die Wehbacher."

Auch bezuschußt, so Debus weiter, werde die Abstufung der L 280.

Hinter diesem Begriff verbirgt sich der verkehrsberuhigte Ausbau der Ortsdurchfahrt, der rund drei Millionen Mark kosten soll.

1,1 Millionen Mark davon sind zuschußfähig.

Das Land peile eine 70-Prozent-Förderung (770.000 Mark) an.

Aber auch hier verlangt der Staatssekretär zunächst eine "prioritäre Entscheidung".

Und zwar vom Verbandsgemeinderat.

Debus merkte an, daß es in der Verbandsgemeinde Kirchen zehn Straßenbauprojekte gebe.

"Nach einem positiven Beschluß sehen wir zu, daß wir so schnell wie möglich fördern."

Ortsvorsteher Stahl dankte allen Beteiligten für die Zusagen.

Stahl zu Debus:

"Was sie uns hier entgegengebracht haben, wird sich sicherlich in überschaubarer Zeit realisieren lassen."

Er konstatierte eine bestehende "Glaubwürdigkeitslücke" in der Bevölkerung.

Stahl:

"Wehbach ist zwar nicht der Nabel der Welt, aber wir haben lange genug gewartet."

Bürgermeister Dr. Albert Wittine hofft nach den Zusagen, "daß es uns gelingt, die Glaubwürdigkeitslücke, die in der Bevölkerung entstand, zu schließen."

Debus deutete an, daß die Höhe der Bundeszuschüsse in der Zukunft ungewiß seien.

Und Ministerialrat Heribert Nellessen merkte an:

"Wenn es 1994 doch nichts werden sollte, ist das kein Grund für die Wehbacher, schwarze Fahnen herauszuhängen.

Auf meinem Schreibtisch stapeln sich ähnliche Anträge - es gibt viele Ortsdurchfahrten, die in einem schlechteren Zustand sind als die in Wehbach."

Fototermin an der Wehbacher Kreuzung:

Die Ortsbegehung fiel wegen schlechtem Wetter kürzer aus, MdL Schwarz teilte sich einen Regenschirm mit Staatssekretär Debus.

(WR- fr)-> 15.3.93:

Hamm/Mainz.

(fr) Sind die Hammer Rippelmarken, ein 350 Millionen Jahre altes Denkmal der Natur, illegal nach Mainz entführt worden? Rippelmarken:

das sind versteinerte Abdrücke von Wellenschlägen des Devon-Meers.

Fossile "Fingerabdrücke" - aus einer Zeit, als Europa und Nordamerika noch einen Kontinent bildeten.

Nur an drei Stellen im Kreis Altenkirchen sind sie bisher kartiert worden.

Die schönsten befinden sich zwischen Hamm und Au.

Um deren Zustand sorgte sich der freie Bürgerverein "Unabhängige Gruppe Hamm" (UG).

"Der nächste Frost", so UG-Mann Dieter Krämer, "hätte sie zerstört."

Und so machte man sich auf, die Rippelmarken zu retten.

Eigentümer war die Bundesrepublik, vertreten durch das Straßenbauamt.

"Das Amt schenkte mir die Rippelmarken", so Jochem Goecke (UG), "denn sie waren so verwittert, daß das Landesamt sie nicht mehr unter Naturschutz stellen wollte."

Der Kreis habe die Abbau-Pläne der UG begrüßt, da die Rippel den Straßenverkehr gefährdeten - sie befanden sich direkt an der Bundesstraße.

Das Straßenbauamt ließ eine Ampel zur Sicherung der Aktion aufstellen.

Krämer, Göcke und Helfer brachen die obere Rippelplatte ab - "1,5 Quadratmeter, in der Form dem afrikanischen Kontinent ähnelnd."

Sie schenkten sie Landrat Blank.

"Wir waren uns einig, daß sie ins Bergbaumuseum Sassenroth kommen sollte."

Und dann kam der 16.

Februar.

Goecke hatte die fossilen Fingerabdrücke auf seinem Grundstück zwischengelagert.

"Plötzlich, ich war gerade in Leverkusen", erinnert er sich, "rief meine Frau an.

Sie sagte, daß jemand die Rippelmarken mitnehmen wolle."

Goecke:

"Laut schlug mein Herz."

Ein Herr Wuttke vom Denkmal-Landesamt sei es gewesen, der, so Goecke, "auf schnellen Füßen aus Mainz kam", die Versteinerungen mit mehreren Helfern auf ein Auto lud und mitnahm.

"Ohne meine Erlaubnis - eine Nacht-und-Nebel-Aktion."

Wo die Rippel sind, weiß die UG nicht.

"Wir vermuten, daß sie in ein Mainzer Museum kommen sollen", so Krämer.

Auch Hamms Bürgermeister Hans Schmidt habe seine Hand im Spiel.

"Vielleicht will der sein Rathaus damit schmücken."

Beides würde der UG nicht gefallen:

"Sie sollten vor Ort ausgestellt werden", findet Krämer, "und nicht als Rathaus-Dekor, sondern in einem Museum."

Von rechtlichen Schritten habe ein Anwalt abgeraten - "das würde ausgehen wie das Hornberger Schießen."

Sie bieten dem Landrat daher an, die restlichen Rippel zu sichern, damit wenigstens einige heimische Marken nach Sassenroth kommen.

Goecke:

"Von mir aus kann sich der Herr Wuttke seine Rippel übers Bett hängen."

Die WR sprach mit Herrn Wuttke.

Es ist Dr. Michael Wuttke vom Landesamt für Denkmalpflege, Referatsleiter Erdgeschichtliche Denkmalpflege.

Wo sind die Rippelmarken? "Hier in Mainz."

Er habe tatsächlich die Versteinerungen abgeholt.

"Doch vorher rief ich Herrn Goecke an.

Er sagte, er habe kein Interesse an den Rippelmarken - ich könne sie mitnehmen."

Vor Ort habe ihm dies auch Goeckes Gattin gestattet.

Sein Amt habe die Rippelteile "wieder zusammengeklebt".

Dies sei nach der UG-Aktion nötig gewesen.

Nach "unsachgemäßem" Abbrechen habe Goecke die Platte in seinem Garten deponiert - ohne Schutz vor dem Frost, vor dem er sie ursprünglich habe bewahren wollen.

"Die UG hat wesentlich zu der Zerstörung beigetragen", so Dr. Wuttke, "trotzdem spielt sie sich in den Medien als Retter der Rippel auf."

Gegen den Vorwurf des Stümpertums wendet sich die UG entschieden:

U.a.

habe der Vorsitzende des "Naturhistorischen Vereins der Rheinlande und Westfalens" mitgewirkt.

Und die Kreisverwaltung sei mit dem Ergebnis "sehr zufrieden" gewesen.

Der Kreis auf WR-Anfrage:

"Wie kann das sein, wir wurden doch gar nicht in die Aktion mit einbezogen."

Wer durfte die Rippel denn nun retten? "Wir waren zuständig", so Dr. Wuttke, "das wußte die UG auch."

Goecke kann sich an einen Anruf erinnern:

"Der Wuttke wollte mich an die Wand drängen.

Da sagte ich:

Wenn Sie Rippelmarken wollen, dann kommen Sie doch her und machen Sie sich welche ab!" Wuttke kam tatsächlich - "auf schnellen Füßen."

Ob er da was falsch verstanden hat? Aussage steht gegen Aussage.

Wuttke beruft sich auf eine Vereinbarung mit der Gemeinde.

Die bestätigte der Bürgermeister auf WR-Anfrage.

Dagegen die UG:

"Wuttke hätte sich mit dem Kreisamt abstimmen müssen!" Er wittert die Arroganz der Macht:

"Höchste Behörde, Herr über Alles."

Auf WR-Anfrage erklärte der Kreis jedoch, das Landesamt sei zuständig gewesen.

Der WR liegt ein Brief des Kreises vor.

Vor der Aktion schrieb er der UG, daß das Landesamt die Marken für nicht mehr erhaltenswert hält - empfahl ihr aber auch, es zu kontaktieren.

Goecke heute:

"Wir gingen davon aus, daß das Landesamt nicht interessiert war."

Goecke:

"Warum ist es das jetzt?" Wuttke:

"Interessiert waren wir immer, doch niemand hat sich vor der Abbruchaktion an uns gewandt, auch nicht die Kreisverwaltung."

Man sei erst von der Gemeinde "alarmiert worden", was Bürgermeister Schmidt bestätigte.

Des Rätsels Lösung:

Die UG und daraufhin auch der Kreis wandten sich nicht an Dr. Wuttkes Behörde, das Denkmal-Landesamt - sondern an das Geologische Landesamt, das zum Landesamt für Naturschutz gehört.

"Doch wir sind zuständig", so Dr. Wuttke.

Die UG muß das erstaunen.

Denn ihr riet die Kreisverwaltung (Untere Landespflegebehörde), wie das Schriftstück beweist, sich ans Geologische Landesamt zu wenden.

"Für uns kann die Angelegenheit damit als erledigt angesehen werden."

Wohin gehen die Versteinerungen jetzt? "Wir haben kein Interesse", so Dr. Wuttke.

"Ein Stück bekommt Sassenroth, das andere die Gemeinde."

Was die mit dem Stein tun wird, "wird noch mit den zuständigen Stellen beim Kreis entschieden", wie der Bürgermeister auf Anfrage sagte.

Fazit:

Einige Rippelmarken kommen also doch noch - über den Umweg Mainz - nach Sassenroth.

Ein Happy-End? Nicht für die Rippel-Retter.

Bürgermeister Schmidt ist "sauer auf die UG" - und Dr. Wuttke sagte wörtlich zur WR:

"Wenn Goecke seine Behauptungen aufrechterhält, werden wir ihm selbstverständlich mit einer Klage wegen übler Nachrede etc.

antworten."

Eine Anzeige wegen der "unsachgemäßen Entfernung" habe das Landesamt gegen Goecke und Krämer bereits erstattet.

4.10.93:

Kirchen.

(fr) In der Sauna des Freizeitbads Betzdorf-Kirchen wurde jetzt erstmals eine "Miß Monte Mare" gekürt.

Dabei genügte es nicht, daß die acht Titel-Aspirantinnen ihre Schönheit präsentierten - übrigens "mindestens mit Bikini bekleidet", wie Bad-Leiter Klaus Bender schon im Vorfeld betonte -, sondern sie mußten richtig hart ran.

In einem "Saunathron".

Zunächst sollten sie ein Baby wickeln, pudern und füttern.

Die Überraschung war recht enorm, als sich die Babys als junge, mit Pampers bewehrte Männer herausstellten.

Da kreischte das Publikum - nicht zum letztenmal.

Die nächste Aufgabe im Schwitzbad-Dreikampf:

Karaoke.

Whitney Houston, Marianne Rosenberg und der Song "Er hat ein knallrotes Gummiboot" - sowie entsprechende Kostüme - standen zur Auswahl.

Eine Kandidatin beendete ihre Vorstellung, indem sie, mit Gummiboot in der Hand, in den saunaeigenen Whirl-Pool hüpfte.

Dafür setzte es Originalitäts-Punkte der Jury.

Die bestand übrigens aus Saunagästen und wurde nach jedem Durchgang ausgetauscht.

Auch vor dem Finale.

Drei Damen waren noch übrig - und da kam Rudi Carrell.

Allerdings nur in Gestalt des Friedewälders Wolfgang Spiller, der den Niederländer aber täuschend echt imitierte.

Mancher ahnte, was nun kommen würde:

"Herzblatt" war angesagt.

Schließlich gewann Rita Hof aus Bruche - gegen internationale Konkurrenz:

Auch Damen aus Holland, Ungarn, Italien und der CSR stellten sich der Wahl.

Eine Niederländerin wurde Zweite:

Marijan Veldhanizzen - hübsche holländische Fußballspielerin beim TSV Siegen.

Doch nur Rita Hof darf sich nun "Miß Monte Mare" nennen, erhielt als Siegerinnen-Prämie eine stilechte Schärpe und ein komplettes Kosmetikset.

Zweiter Preis war ein Friseurgutschein, dritter ein Elfer-Abo im Sonnenstudio.

Doch die Gewinne waren nicht so wichtig:

Der Spaß an der Sache viel mehr.

Froh Überrascht zeigte sich Miß-Wahl-Organisatorin Sylke Weigelt über die Resonanz:

So viele Damen wollten mitmachen, daß der Saunathron drohte, zum Marathon zu geraten.

So wurde die Zahl auf acht beschränkt.

Und auch an eine nächste Wahl gedacht:

Herren, aufgepaßt - beim nächsten Karneval wird ein "Mister Monte Mare" gekürt.<- Rita Hof (2.v.l.) ist die erste "Miß Monte Mare"! Weiter im Bild (nach l.):

Vize-Miß Marijan Veldhanizzen, die Teilnehmerinnen Camilla Wollek aus Dahlbruch und Francesca D`Apostino (Freudenberg), Jurymitglied Christoph Klein (Wilnsdorf).

Ganz links im Bild die Saunathron-Organisatorin Sylke Weigelt.

*** bis hierher RECHTSCHREIBUNG durchgeführt *** 21.9.93:

Betzdorf-Bruche.

(fr) Recht aktiv ist die Brucher Christophorus-Grundschule:

In ihrer "Integrativen Klasse" lernen Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam, und neben dem Unterricht fungiert sie als "Betreuende Grundschule".

Die jungen Schüler können außerdem Französisch in einer Arbeitsgemeinschaft lernen sowie bei der kecken Schülerzeitung "Christophorus-Meise" mitmachen.

Auch eine Bibliothek, finanziert von einem Förderverein, existiert.

Aber eins paßt nicht dazu:

der Pausenhof.

Denn öd und leer empfängt er die Schüler, wenn sie ihn zur wohlverdienten Pause beströmen.

Und auch den Kindern, die hier am Nachmittag spielen könnten, bietet er nur aufgezeichnete Hüpffelder.

Das soll sich ändern, findet nicht nur Schulleiter Günter Waschow.

Sondern auch seine Lehrerkollegen, die 197 Schüler und ihre Eltern.

Gemeinsam engagieren sie sich dafür, daß der Schulhof zum Spielplatz wird.

Die Kinder malten auf, wie sie sich ihren Pausenhof wünschen würden.

Lehrer und Eltern sahen sich das an, ergänzten eigene Gedanken - und schließlich brachte ein Vater, der Architekt Johannes Strasser, die Ideen gratis in eine Form, die man der Verwaltung präsentieren konnte.

Das wurde getan - und Bürgermeister Michael Lieber gefielen die Entwürfe und Ideen.

Letztlich entscheiden muß freilich der Verbandsgemeinderat als Träger der Schule.

Erste Tendenzen werden im nächsten Monat erwartet - da tagt der Schulträger-Ausschuß.

Wie sehr sich Schüler, Lehrer und Eltern einen schöneren Pausenhof wünschen, wurde beim letzten Schulfest deutlich, dessen Erlös für diesen Zweck bestimmt ist.

Die Schüler sowie 70 Eltern und Lehrer halfen mit, toll schmückten sie den Schulhof mit Girlanden, bedruckten Buttons und Jutetaschen mit dem Festmotto "Wir wollen unseren Schulhof gestalten", veranstalteten zahlreiche Spiele - und die Mütter machten 40 (!) Salate.

"Wirklich eine enorme Beteiligung der Eltern und des Fördervereins", freute sich Schulleiter Waschow.

In einem Klassenraum, umgestaltet als "Café Zum hungrigen Löwen", verspeiste man die zahllosen Kuchen, in einem anderen, der "Pizzeria Christopheria", gab`s warmes Essen.

Und auch Betzdorfer Geschäftsleute halfen mit:

Sie spendierten für eine Tombola nicht weniger als 2.000 Preise.

Öd und leer ist der große Schulhof der Brucher Grundschule.

Schüler, Eltern und Lehrer engagieren sich dafür, daß das anders wird.

23.11.93:

Alsdorf.

(fr) In der Volkssportgemeinschaft (VSG) Alsdorf fühlen sich nicht nur über 300 Breitensportler wohl - sondern auch Leistungssportler:

Deutsche Meistertitel im halben Dutzend errang die Läuferin Hildegard Mockenhaupt 1993 für die VSG; ihr Mann Fred Mockenhaupt sowie Sybille und Erich Link waren ebenfalls höchst erfolgreich.

Bei der letzten Jahreshauptversammlung zog Laufwart Thomas Meyer Bilanz.

Er führte die beeindruckende `93er Leistung seiner Schützlinge auf.

Vorneweg die 39jährige Hildegard Mockenhaupt.

Sie konnte in ihrer Altersklasse folgende Titel auf Deutschlandebene erlaufen:

Mannschaftsmeisterin und Zweite im Crosslauf, Mannschaftsmeisterin in Marathon und 6.

in der Hauptklasse, auf der 5000-Meter-Bahn Seniorenmeisterin, im Halbmarathon Mannschaftsmeisterin und Seniorenmeisterin.

Von den acht Ausdauer-Cup-Läufen, bei denen sie startete, konnte sie alle gewinnen.

Dafür wurde sie nun im "Haus Hellertal" von der VSG geehrt und erhielt auch einen Scheck.

Doch der war nicht allzu hoch - der Hauptgrund, daß die Wilnsdorferin dem Alsdorfer Verein treu bleibt, ist "die Kameradschaft und die Geselligkeit in der VSG", so Pressesprecher Jürgen "Charly" Neumann, "außerdem sind wir ja auch sehr aktiv."

U.a.

veranstaltet die VSGjede Woche einen Lauf.

Das gefällt auch den anderen Spitzenläufern des Vereins.

Geehrt wurde Fred Mockenhaupt, der Vize-Rheinland-Pfalz-Meister 1993 im Crosslauf.

Bei der Deutschen Marathonmeisterschaft belegte er in der Klasse M40 den vierten Platz, wurde Zweiter mit der Mannschaft bei den Deutschen Halbmarathon-Meisterschaften.

Als erster lief er bei den Polizei-Meisterschaften im Waldlauf durchs Ziel.

Auch Sybille Link ist, nach längerer Wettkampfpause, wieder da.

In diesem Jahr erreichte sie bei den Rheinland-Pfalz-Crossmeisterschaften den zweiten Platz mit der Mannschaft, den fünften im Einzel.

VSG-Läufer Erich Link kann als beste Leistung einen elften Platz bei den Deutschen Halbmarathon-Meisterschaften mit der Mannschaft verbuchen.

Kaum verwunderlich - bei seiner erfolgreichen Arbeit -, daß Laufwart Thomas Meyer einstimmig in seinem Amt bestätigt wurde.

Die geehrten Läufer mit VSG-Vorsitzendem Fritz Bauschert (Erich Link war nicht anwesend).

23.11.93:

Mudersbach.

(fr) Ein Mann, der das Mudersbacher Leben entscheidend mitgeprägt hat, feiert heute seinen 75.

Geburtstag:

Otto Wellinghausen - besser bekannt als "Wähnersch Otto".

Dieser Name rührt von seinem Beruf, den er in der elterlichen Werkstatt erlernte:

das Handwerk des Wagners - was in ,Mooraschbier Platt` zu "Wähner" wird.

Noch während Otto Wellinghausen zum "Wähner" wurde, starb sein Vater.

Als einziger Sohn der Familie muß sich Otto mit seiner Mutter alleine durchschlagen.

Die Wagner-Lehre kann er mit Sondergenehmigung noch absolvieren - doch im Oktober 1938 wird er zum Arbeitsdienst einberufen.

Im März 1939 kommt es noch schlimmer:

Er muß an die Ostfront.

Als Pionier in Polen gerät Otto mitten in das Kriegsgeschehen - und obwohl er fünfmal verwundet wird, gelingt es ihm, eine Meisterprüfung als Wagner abzulegen.

Dann gerät er in Gefangenschaft, aus der er im Januar 1946 in die Heimat zurückkehrt.

Noch im selben Jahr heiratet er Katharina Hamann aus Kotzenroth (heute Rosenheim), eine Frau, die ihm auch heute noch zur Seite steht.

Otto Wellinghausen führt damals den Betrieb seines toten Vaters weiter, doch 1950 wirft das Geschäft nicht mehr genug zum Überleben ab.

In der örtlichen Erzquell-Brauerei findet er eine Anstellung.

Ab den 60er Jahren engagiert sich Otto Wellinghausen stark in den Mudersbachen Vereinen und Verbänden.

Zwar hat er sich mittlerweile aus Gesundheitsgründen von einigen Aktivposten getrennt - doch nach wie vor zählt sein Rat und seine Erfahrung.

Er ist Ehrenbrudermeister der Schützen und Ehrenmitglied der Männergesangvereine "Liedertafel" Mudersbach und "Liederkranz" Birken.

Heute ist er u.a. immer noch Vorsitzender des Bürgervereins - mittlerweile seit 21 Jahren -, steht dem VdK-Ortsverband vor und ist - seit 1964 (!) - Erster Beisitzer der Mudersbacher Haubergsgenossenschaften.

Daneben sitzt er im Haubergs-Schöffenrat des Kreises, im Vorstand des Kreis-Waldbauvereins und im Kirchener Forstbeirat.

Bekannt ist Otto Wellinghausen auch durch ein anderes Ehrenamt:

Er verteilt seit zwölf Jahren "Essen auf Rädern."

Da steuert er Katzenbach, Brachbach, Mudersbach und Niederschelderhütte an - und das ohne Bezahlung, und ausschließlich an Sonn- und Feiertagen.<- 6.3.93:

Niederfischbach.

(fr) "Niederfischbach ist noch nicht raus, was die Suche nach einem Standort für die Kreismülldeponie angeht!" Darum wies Bürgermeister Ewald Heckner während der letzten Ratssitzung hin.

Zwei Standorte in der Nähe der Gemeinde sind noch im Suchverfahren verblieben, berichtete Heckner.

Der eine liegt nahe Friesenhagen.

Und der andere befindet sich unweit Tüschebachsmühle.

Ein Bach durchfließt zwar das betreffende Gebiet, eine Siedlung ist nahe, und auch der Schwarstorch lebt hier.

Doch nur im westlichen Teil - der östliche Teil wäre für eine Deponie groß genug.

"Es gibt", so der Bürgermeister, "keinerlei Anlaß zur Entwarnung."

Er riet allen Bürgern:

"Aufpassen und Argumente sammeln!" 24.12.93:

Betzdorf.

(fr) Eine der absoluten Topbands der deutschen Blues-Szene, "Das dritte Ohr", sollte in die Betzdorfer Scheune kommen.

Alles lief glatt, der Vorverkauf laut Veranstalter Lokschuppen gut - doch am Abend erwartete die Bluesfans nur eine geschlossene Tür.

Und kein Zettel, kein Hinweis - nichts.

Dabei hat das "dritte Ohr" hat den Ruf, Auftritte nur in äußersten Notfällen abzusagen:

Von bisher über 1.000 Konzerten fielen nur 2 aus.

Und das jeweils wegen Massenkarambolagen auf eisglatten Autobahnen.

Eine WR-Nachfrage bei Lokschuppen-Pressesprecher Peter Seel brachte des Rätsels Lösung:

Der Drittohr-Drummer hatte einen Unfall - bei Glatteis.

Der Kulturverein will nun auf jeden Fall noch einmal versuchen, die Blueser zu präsentieren - diesmal im ersten Halbjahr 1994.

Betzdorf.

(fr)Hartes Debüt im Jugendtreff:

Thrash-Metal, einer der härtesten Spielarten des Heavy Metal, ist die Sache von "Disorder".

15 bis 16 Jahre jung sind die Betzdorfer Schüler, die seit anderthalb Jahren zusammen spielen, und sich - nach Aula-Auftritten - nun erstmals öffentlich präsentierten.

Und das gar nicht in "Disorder" (engl.

"Unordnung").

Dabei machten immerhin 100 Fans die Luft im Jugendzentrum stickig:

Nicht schlecht für einRock-Debüt in Betzdorf! Die Hörer schüttelten ihre Köpfe - beim Metal bekanntlich die größte Lobesbekundung - zu klaren, eingängigen Riffs, mächtigen und mächtig schnellen Soundschocks.

Die produzierten Stefan Weger (voc.), Jan Lindlein (git.), Mario Mernberger (git.), Oliver Schilling (bass) und Christophe Kötting (drums).

Stefan Weger löste vor einem halben Jahr den Gründungs-Sänger Deniz Jeni Matzmann ab.

Als Vorbilder nennen die Jungen einstimmig Slayer und die frühen Metallica-Songs.

Neben zwei Coversongs, "Sweet leaf" von Black Sabbath und "Independent" von Sacred Reich, präsentierten die Betzdorfer auch elf eigene Stücke.

Daß ihre Lieder "sozialkritisch" seien, klingt ihnen zu hochgestochen.

Selber hören, meinen sie - hier eine Textprobe aus ihrem besten Song "Disordered":

"Alles ist schlimmer geworden, Politiker sind unser Fluch.

Sind alle Menschen erblindet - oder ihre Gedanken in Unordnung?" "Disorder" wäre eigentlich ein Kandidat für das Betzdorfer Rockforum.

Doch leider:

Die Thrasher verpaßten den Bewerbungsschluß.

Wie Jugendpfleger Frieder Spies der WR sagte, haben sich 23 Bands für einen Auftritt beim großen Nachwuchsfestival beworben.

<- 8.

Sep 93:

Schönstein.

(fr) Fortsetzung der WR-Serie über Denkmäler im Oberkreis Altenkirchen, die im Kriegsfall nach Den Haager Konvention geschützt sind:

Schloß Schönstein.

Alte Bäume umwachsen es dicht, der Park lädt zur Rast ein.

Durch das Fachwerk-Torhaus aus Bruchstein gelangt der Besucher in den Vorhof, die "Freiheit", die von gepflegten Nebengebäuden umgeben wird.

Ein steiler Weg führt durch ein Renaissance-Tor in einen kleinen Innenhof mit guten barocken Gebäuden.

Das Schloß selbst kann nicht besichtigt werden.

Nur zweimal im Jahr findet im Innenhof, über dem eine zweigeschossige Holzgalerie schwebt, ein Serenadenabend statt.

Schloß Schönstein wurde 1255 erstmals erwähnt als Burg "Sconensteyne".

Begründet wurde sie von den Herren von Arenberg, Burggrafen zu Köln.

Als sie ausstarben wurde Schönstein der Sitz eines kurkölnischen Amts.

Ab 1589 waren die von Hatzfeldt-Wildenburg damit belehnt, die das Schloß noch heute besitzen.

Es beherbergt heute die Hatzfeldt-Wildenburg`sche Kammer und wird von der Familie des Grafen von Dönhoff bewohnt.

Sicher gab es hier schon früher eine Burg, die der Felsnase zwischen Sieg und Elbbachmündung stand - und dadurch umseitig durch Wasser gesichert war.

Auf den Kellermauern und Gewölben von damals ist das heutige Schloß im Laufe von Jahrhunderten aufgebaut und gepflegt worden.

9.

Sep 93:

Krottorf.

(fr) Das Wasserschloß Krottorf ist durch die Den-Haager-Konvention denkmalgeschützt.

Die WR stellt das Schloß heute im Rahmen ihrer Serie kurz vor.

Die Zeichnung stammt wieder von Heinrich Groß, der die Burg mit den Augen eines jahrzehntelangen Architekten sah.

Von Friesenhagen aus begleiten den Wanderer Reliefs mit der Darstellungen der sieben Fußfälle, bevor er die malerische Wasserburg erreicht.

Eine Steinbrücke führt durch den Torbogen zur Vorburg.

Sie ist u-förmig und birgt Wohnungen, Stallungen und Remisen (Unterstellräume für Wagen).

Das Obergeschoß ist in Fachwerk mit zwei Erkern ausgeführt.

Über einen weiteren Graben erreicht man die Hauptburg.

Sie besteht aus drei Flügeln mit schwerem Mansarddach.

An jeder Ecke des Gevierts ist ein Rundturm, auf dem eine barocke Haube und eine Laterne sitzt.

Im Inneren - das der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist - schmücken schwere Stuckaturen des Jahres 1661 von Domenico Rosso die Decken.

Unweit des Schlosses steht die Kapelle der von Hatzfeldschen Familie.

In dem achteckigen Zentralbau beeindruckt unter anderem ein Schnitzaltar aus der ersten Hälfte des 16.

Jahrhunderts.

Der ursprüngliche Lehenshof der Herren von Wildenburg wurde als wehrhafte Burg ausgebaut.

Wassermauern mit Zinnen und Schießscharten zeugen davon.

Doch ein Blick in die Geschichte zeigt:

Das Krottorfer Schloß wurde niemals belagert.

Die Schießscharten mußten nie benutzt werden - so können wir heute die unzerstörte, originale Schönheit des im 16.

und 17.

Jahrhundert entstandenen Renaissance-Schloßes genießen.

8.

Sep93:

Hamm.

(fr) Bei der neuesten Folge der WR-Denkmal-Serie steht die Hammer evangelische Kirche im Mittelpunkt.

Sie gehörte 1131, als sie erstmals urkundlich erwähnt wurde, dem Stift St.

Cassius zu Bonn.

Die Kirche war wahrscheinlich - wie so oft im Westerwald -, eine romanische Basilika.

Doch davon ist nur der Westturm erhalten geblieben.

Der Dreißigjährige Krieg zerstörte viel, nichts wurde restauriert.

Freunden historischer Stücke sind die gußeisernen Grabplatten aus dem 17./18.

Jahrhundert zur Besichtigung zu empfehlen.

1560 wurde die Kirche lutherisch, 1605 reformiert.

Beide Konfessionen nutzten das Gotteshaus simultan.

Der Ostchor wurde 1707 neu errichtet, und fünfzig Jahre später beschloß die Kirchengemeinde, zwischen Turm und Chor einen Kirchenraum zu bauen.

Die Pläne des Architekten Rothweil waren den Kirchenoberen nicht genehm, sie bevorzugten den Altenkirchener Baumeister Braunstein.

1871 wurde eine katholische Rektoratskirche im neugotischen Stil gebaut.

Bis dahin mußte der Gottesdienst lange Jahre in einer Scheune stattfinden.

8.

Sep 93:

Hamm.

(fr) Bei der neuesten Folge der WR-Denkmal-Serie steht die Hammer evangelische Kirche im Mittelpunkt.

Sie gehörte 1131, als sie erstmals urkundlich erwähnt wurde, dem Stift St.

Cassius zu Bonn.

Die Kirche war wahrscheinlich - wie so oft im Westerwald -, eine romanische Basilika.

Doch davon ist nur der Westturm erhalten geblieben.

Der Dreißigjährige Krieg zerstörte viel, nichts wurde restauriert.

Freunden historischer Stücke sind die gußeisernen Grabplatten aus dem 17./18.

Jahrhundert zur Besichtigung zu empfehlen.

1560 wurde die Kirche lutherisch, 1605 reformiert.

Beide Konfessionen nutzten das Gotteshaus simultan.

Der Ostchor wurde 1707 neu errichtet, und fünfzig Jahre später beschloß die Kirchengemeinde, zwischen Turm und Chor einen Kirchenraum zu bauen.

Die Pläne des Architekten Rothweil waren den Kirchenoberen nicht genehm, sie bevorzugten den Altenkirchener Baumeister Braunstein.

1871 wurde eine katholische Rektoratskirche im neugotischen Stil gebaut.

Bis dahin mußte der Gottesdienst lange Jahre in einer Scheune stattfinden.

8.

Sep 93:

Friesenhagen.

(fr) Mit der katholischen Kirche Friesenhagen setzt die WR in der heutigen Ausgabe ihre Serie fort, die Den-Haag-geschützte Denkmäler im Oberkreis vorstellt.

Von der ursprünglichen Kirche steht heute nur noch der Turm, im romanischen Stil, der früher jedoch niedriger war.

So alt wie der Turm soll auch der "Triumphbogen" sein.

er dreiseitige Chor mit Netzgewölbe dagegen gehört der späten Gotik an, ist rund 400 Jahre alt.

Vollkommen ohne Kriegseinwirkung verschwand das ursprüngliche Kirchenschiff:

Als die Kirche zu klein wurde, riß man es ab und baute zwischen 1740 und 1742 ein neues.

Schon neun Jahre später war alles umsonst gewesen:

Die Kirche brannte nieder.

Das neue, nun dritte, Schiff, wurde ein schlichter barocker Saalbau.

Der Turm erhielt eine Haube mit wohlgeformter Laterne.

Über dem Chor wurde am First ein Dachreiter errichtet.

Der Innenraum ist es wert, besichtigt zu werden.

Da ist der barocke Hochaltar, erschaffen vom Attendorner Bildhauer Peter Sasse.

Harmonisch fügt sich der Altar in den gotischen Chorraum ein.

Sehr interessant sind auch die Grabkapelle der Familie Hatzfeld, der Altar des Hl.

Franziskus und ein romanischer Taufstein des 13.

Jahrhunderts.

Die Madonna, aus Sandstein gefertigt, stammt aus dem 15.

Jahrhundert.

Wer die Stufen hinabsteigt, gelangt in den Weiheraum mit einem gut gelungenen modernen Fenster.

Lange Zeit wurde die Kirche von Protestanten und Katholiken simultan genutzt.

Das änderte sich, als 1637 zwei Franziskaner-Mönche nach Friesenhagen kamen:Sie führten die gesamte Bevölkerung zum katholischen Glauben zurück.

8.

Sep 93:

Freusburg.

(fr) Freusburg steht heute im Mittelpunkt der WR-Serie über Den-Haag-geschützte Denkmäler im Oberkreis, die der 83jährige Architekt a.D.

Heinrich federzeichnete.

Geschützt im Kriegsfall ist selbstverständlich die Burg, die romanischen Ursprung hat.

1048 wurde sie erstmals aus "Fruodesbra hderofanc" erwähnt.

Sie entstand aus einem Hofgut, das bereits 914 in alten Dokumenten genannt wird.

Ohne den kunstsinnigen Grafen Heinrich IV.

von Sayn wäre die Burg heute wohl nur noch eine Ruine:

Er restaurierte die Freusburg, als sie zu verfallen drohte.

Und baute an:

1580 ließ er den nach ihm benannten Heinrichsbau im Renaissance-Stil errichten.

Die Burg wird dominiert von ihrem sechsseitigen Erker.

Ihn trägt ein Bogenfries, dessen Rippen in kunstvoll gestalteten Schlußsteinen enden.

Eine Haube schließt den zweigeschossigen Erker in Dachhöhe ab.

1815 ging die Burg in preußischen Besitz, wurde Verwaltungssitz - und kaum gepflegt.

Das mußte auch der kleine Dachreiter "miterleben", der auf dem gewaltigen Walmdach des Nordost-Bau steinern wacht.

Der viergeschossige Anbau stammt aus dem 16.

Jahrhundert.

Den alten und neueren Teil der Burg verbindet ein Mitteltrakt, der erst 1926 aufgestockt wurde.

Damals machte der Jugendherbergs-Verband aus der Burg das, was sie heute ist:

eine Jugendherberge.

Aus dieser Zeit stammen auch die Fachwerkbauten der Innenhöfe.

Ein wichtiges Jahr in der Burg-Historie ist 1981.

Da wurde sie für 11 Millionen DM modernisiert.

Heute ist sie eine der schönsten und meistbesuchten Jugendherbergen Deutschland - und neben der Burg Altenahr die älteste der Welt.

Ebenfalls unter Den-Haag-Schutz stehen das Bergamtliche Haus und die evangelische Pfarrkirche.

Ersteres wurde in den 1770er Jahren errichtet, das Sockelgeschoß in Bruchsteinen, das Obergeschoß in Fachwerk und mit Mansardendach.

Die evangelische Pfarrkirche steht außerhalb des Burgrings.

Auch auf ihr sitzt ein Dachreiter, und wie die Burg stammt sie aus romanischer Zeit.

Somit natürlich ehemals katholisch, wurde sie 1592 für den protestantischen Gottesdienst umgestaltet.

Besonders sehenswert sind ihre Wandmalereien, die noch aus dem 16.

Jahrhundert stammen.

Und natürlich die bis zu 300 Jahre alten Grabtafeln.

Zweifellos hörenswert sind die Glocken - denn wie sie heute klingen, so klang es auch schon vor 400 Jahren am Fuße des Giebelwalds:

Die Glocken tragen die Jahreszahlen 1594 und 1619.

8.sep93:

Daaden.

(fr) Daaden steht heute im Blickfeld der WR-Serie über Denkmäler im Oberkreis, die nach Den Haager Konvention geschützt sind.

In Daaden ist dies die Evangelische Kirche.

Ihr Turm ist das Überbleibsel einer romanischen Kirche aus dem 12.

Jahrhundert, die abgerissen wurde, um das heutige Gebäude zu schaffen.

1722 wurde mit dem Bau begonnen, Architekt Julius Ludwig Rothweil hatte ihn geplant, und schon 1724 stand die neue barocke Kirche.

Sie ist eine einschiffige Predigerkirche auf kreuzförmigem Grundriß, weitläufig und mit Emporen.

Die Orgelempore in Dreieckform ragt tief in die Halle, um auch den Gläubigen in den Seitenteilen gute Sicht zu geben.

Monumental zu nennen ist der senkrechte Aufbau von Altar, Kanzel und Orgel.

Der schwere Baukörper hatte einen allzu gedrungenen Turm.

Man beauftragte 1784 den Baumeister Skell d.J., ihn aufzustocken und mit barocker Haube zu krönen.

Drauf sitzt ein eiserner Engel, der "Hahnengel".

Besonders ist nicht nur die stilistische Einheit der Kirche, sondern auch der Zuspruch, den die Gottesdienste in ihr erfahren:

Nach einer aktuellen Statistik der Kreissynode ist der prozentuale Kirchenbesuch in keiner evangelischen Kirchengemeinde so gut wie hier.

9.Sep93:

Birken-Honigsessen.

(fr) Zahlreiche Staaten verpflichteten sich in der Den-Haager-Konvention, bei einem Kriegsangriff auf Deutschland etwas zu verschonen:

Die katholische Kirche in Birken-Honigsessen - und natürlich noch zahlreiche andere Denkmäler.

Die WR stellt sie in einer Serie vor.

In der heutigen Ausgabe geht es um die Kirchenpyramide in Birken-Honigsessen.

Eine architektonische Beschreibung sähe etwa so aus:

"Achteckige steile Pyramide über quadratischem Grundriß mit zwei halbrunden Apsiden."

Man erreicht das Hauptportal über einen ruhespendenden Vorhof mit altem Baum, dessen eine Hälfte durch die Umfriedungsmauer wächst.

Der Turm steht seitlich mit freihängenden Glocken.

Der große Baumeister Dominikus Böhm plante die Kirche 1930.

Schon wenige Jahre später wurde sie unter strengen Denkmalschutz gestellt.

Die Fenster des überwältigenden Innenraums sind mit Schwarzlot scherenschnittartig gezeichnet.

Auch dieses Detail verdanken wir Dominikus Böhm.

Der schwäbische Architekt, der 1955 im Alter von 75 Jahren in Köln starb, gilt als bedeutender Erneuerer der katholischen Sakralarchitektur.

Während er moderne Materialien verwand, blieb er dem monumentalen Stil früherer Jahrhunderte treu.

So auch in Birken-Honigsessen.

13.10.93:

Hachenburg.

(fr) Kölscher Hardrock im Westerwald - und 550 Menschen kamen:

Die Band "Brings", derzeit schwer angesagt, erschien auf ihrer "Hex`n`Sex-Tour" in der Hachenburger Stadthalle.

Sie zwängten ihre Profianlage in Licht und Sound in die kleine Halle, die bis in die letzte Reihe gut beschallt war.

Fast bis in die letzte Reihe war die Stimmung riesig - und stieg und stieg.

Am Ende verabschiedeten sich Bringsnach zwei Stunden mit ihrem Tophit "Ali", Musik vom Band lief schon wieder - doch das Publikum schaffte es überraschenderweise, die Band noch einmal auf die Bühne zurückzubrüllen.

Brings brachten alles, die Fans waren restlos begeistert:

ein Superkonzert.

16.2.93:

Frauen, die sich gelbe Pappschilder umhängen, sind nun immer öfter zu sehen.

Die Damen mit den Brustschildern verkaufen Papierstücke a 2 DM.

Zweck der Übung:

Kroatische Waisenkinder sollen ein Heim finden.

25 verkaufte Schnipsel bringen 50 DM - und das ist genau der Preis, den die Umwandlung eines Zagreber Militärhotels in ein Waisenheim pro Quadratmeter kostet.

Die Idee kommt von der Caritas; sie bat zahlreiche Vereine und Verbände um Unterstützung.

Die Helfer setzen auf den Karneval:

"Gerade in den Tagen des Frohsinns und der Geselligkeit", so die Betzdorfer Caritas in ihrem Unterstützungs-Gesuch, "haben viele Menschen auch Verständnis dafür, etwas gegen die Not in Bosnien und Kroatien zu unternehmen!" Im Auch die kfd Kirchen - hier ihre Vorsitzende Margarete Hombach - unterstützt die Aktion.

Allein bei einem kfd-Karneval in Freusburg kamen rund 1.000 DM zusammen.

12.

Sep 93:

Kirchen-Herkersdorf.

Die bekannten Herdorfer "Bröselhäppchen", das singende, blödelnde und moderierende Duo, gibt's bald digital:

Vor 280 tobenden Zuhörern in Herkersdorf nahmen die Stimmungsmacher Peter Schlosser und Christoph Düber jetzt eine Live-CD auf.

Angefeuert von der Jazztänzerinnen von "just for fun", die als Cheerleader bei jedem Gag die Bändchen wirbeln ließen, feierte das Publikum die Herdorfer Spaßvögel.

Die sangen "Paula Fürchtlich", "Meene Mamma" und "Einer geht noch" - der Bröselhäppchens Klassiker, die auf einer CD natürlich nicht fehlen dürfen.

Aber auch neue Songs wie "Freibiergesicht" kamen hervorragend an.

Auf der Eintrittskarte hatten die Bröselhäppchen verlangt:

"Für die Live-Aufnahme brauchen wir Klatschen, Schreien und Kreischen!" Das bekamen sie.

Die Herdorfer nahmen bereits eine Kassette mit ihren besten Liedern auf, doch nur "live" sind sie eben wirklich am besten.

Und so gingen sie in die Druidenhalle, wo auch das Herkersdorfer Kirchweihfest gefeiert wurde.

Da traten sie nämlich ohnehin auf - und so war es rein terminlich bedingt, daß die Stimmungsbomben ihre Aufnahme in dem Kirchener Ortsteil machten.

Und nicht in ihrem Heimatstädtchen Herdorf, wo sie vor acht Jahren in einer Karnevalslaune entstanden.

"Mittlerweile sind wir jedes Wochenende unterwegs", so Bröselhäppchen Peter Schlosser, "auch viel in den neuen Bundesländern."

Die Herkersdorfer Live-CD wird bei den Bröselhäppchen selbst und in den örtlichen Schallplattengeschäften erhältlich sein.

Die Bröselhäppchen bei ihrem umjubelten Auftritt in der Herkersdorfer Druidenhalle.

Links im Bild Christoph Düber, rechts Peter Schlosser.

"Cheerleader" (vorne im Bild) heizten die Stimmung zusätzlich an.

19.10.93:

Kirchen-Freusburg.

(fr) Blues der ganz natürlichen - und hochklassigen - Art erklang in der Freusburger Musikkneipe "Zur Burg".

Da wurde eine Samstagnacht zur "Acoustic Blues Night", mit Interpreten, die zwar "unplugged" spielten - aber "plugged" auch sonst ohnehin nie.

Stargast war der Amerikaner Paul Geremia, der "beste lebende weiße Blues-Gitarrist", wie hochrangige Kollegen ihn loben.

Einer, John Hammond, sagte gar:

"Ich würde 1.000 Meilen gehen, um ihn spielen zu hören."

Nun, die heimischen Fans hatten es nicht so weit, die Musikkneipe servierte den Gitarristen greifbar nah - 120 Zuhörer zahlten die 26 DM Eintritt, um Geremia spielen zu hören.

Und er begeisterte sie mit seinem Spiel.

Schon bei der Vorband hatten einige Zuschauer rhythmisch auf den Zehenspitzen gewippt, ihre Kniegelenke im Takt gebogen.

Denn da bot das "Country Blues Project" (im Bild) eine ganz außergewöhnliche Blues-Art:

Mit Steel-Gitarren, Kontrabaß und Mandolinen ausgerüstet, spielte die deutsche Band traditionellen US-Blues der 30er und 40er Jahre - romantisches Farm-Feeling! Am Ende traten alle zusammen auf die Bühne, die deutschen Country-Blueser und der amerikanische Gitarrenstar.

Ein umjubeltes Ende einer wahrlich unverfälschten, hautnahen und hochklassigen Blues-Nacht.<- 8.

Juli 93:

Camping:

Jugendleiter Leukel sehr zufrieden "Supersache ging unheimlich ab" von unserem Reporter Frank ROSENBAUER Ehrlich.

(fr) "Das war eine Supersache, die unheimlich abging."

Dieses Fazit zog der Jugendleiter der Tischtennisspieler im VfL Kirchen, Matthias Leukel, nach dem ersten Camping-Wochenende seiner Schützlinge.

Zeltlager-Olympiade mit Sackhüpfen und Eierlaufen, Wettpaddeln mit Lkw-Reifen auf der Nister und nicht zuletzt eigenständiges Essenkochen brachten viel Spaß, auf dem Campingplatz in Ehrlich.

"Drei neue Spieler aus anderen Vereinen sind dem VfL Kirchen beigetreten", so Leukel zum Sinn der Aktion, "die wollen wir integrieren - und die Geselligkeit pflegen."

Und auch die Erfolge der Jugendspieler waren es wert, gefeiert zu werden.

So wurde unter anderem Leukels Sohn Stefan Rheinland-Meister in seiner Klasse.

Daß das Zelten in einigermaßen geordneten Bahnen verlief, dafür sorgte nicht nur Jugendleiter Leukel, sondern auch Tischtennis-Abteilungsleiter Georg Fischer, Jugendtrainer Ralph Kipping - und eine selbsterstellte Lagerordnung.

Spaß in und an der Nister:

Erstmals erlebten die jungen Tischtennisspieler des VfL Kirchen ein gemeinsames Freizeitwochenende.

21.1.93:

Gebhardshain.

(fr) "Keine sozialdemokratischen Bewegungen im Amt Gebhardshain."

Das wurde an den "Königlichen Landrath Herrn Boehm, Hochwohlgeboren" am 20.

März 1889 gemeldet.

Auch sechs Jahre später erhält er die Botschaft:

"Die Sozialdemokratie hat hier noch keinen Eingang gefunden."

Doch schon um 1900 fühlen sich die Militärbehörden veranlaßt, im Amt Gebhardshain zu warnen - und zwar vor der "Einstellung von Sozialdemokraten, Anarchisten und Ausländern" in die Armee.

Im April 1932 ist es dann soweit:

In der Steinebacher Gaststätte Gerhardus findet die erste SPD-Veranstaltung statt.

Und am 18.

Januar 1933 - zwölf Tage vor der Machtergreifung Hitlers - wird sie gegründet, die SPD-Ortsgruppe Gebhardshain.

Heute kann die Gebhardshainer Sozialdemokratie ihr 60jähriges Bestehen feiern.

Dabei sah es zu Beginn gar nicht so aus, als ob sie dieses Alter erreichen würde:

Schon 155 Tage nach Gründung mußte die Ortsgruppe ihre Arbeit wieder einstellen.

Denn Hitlers "Ermächtigungsgesetz" verbietet die SPD reichsweit.

Doch der erste Gebhardshainer SPD-Ortschef, Wilhelm Neubert, gibt nicht auf - er steht zu seiner politischen Meinung.

Als am 12.

November der Steinebacher Gemeinderat gewählt wird, stimmen 68 Bürger gegen die linientreuen Kandidaten.

Neubert kommentiert das Ergebnis mit den Worten:

"Uns sind die Genossen in Steinebach treu geblieben."

Dieser Satz bringt ihn ins Gefängnis:

Ein Stahlhelm-Mitglied zeigt ihn als "Hetzer gegen unsere Regierung" an.

Der Landrat beantragt kurz darauf, Neubert in ein Konzentrationslager zu überführen.

Der Siegener Hauptstaatsanwalt rettet den Sozialdemokraten:

Er stellt das Verfahren ein.

Nach dem Krieg gründet Karl Fuchs die SPD Gebhardshain neu.

Eisenbahner Fuchs kandidiert 1946 für die Kreisversammlung, seine Partei erhält im Amt Gebhardshain 18,7 Prozent.

1952 wird Fuchs Kreistagsmitglied.

1953 erfaßt der bundesweite Niedergang der SPD auch Gebhardshain:

Die Ortsgruppe löst sich auf.

1954 zieht der Scheuerfelder SPD-Ortschef Hans Schrenk nach Gebhardshain.

Der gelernte Kellner aus dem Sudetenland wird zum Glücksfall für die "Roten":

Schrenk, zunächst einziges SPD-Mitglied im Gebhardshainer Land, gründet 1964 die Ortsgruppe neu.

Der Widerstand in dieser, so Schrenk, "schwarzen Gegend" war stark - "am Wahlsonntag wurde ich vom katholischen Pastor sowohl in der Frühmesse als auch im Hochamt massiv angegriffen", erinnert sich der heutige Ehrenvorsitzende und Bundesverdienstkreuz-Träger.

1965 kann in Kausen ein eigenständiger Ortsverein gegründet werden, der Kausen, Dickendorf, Molzhain, Steineroth, Elkenroth und Nauroth umfaßt.

1967 fusionieren die Verbände Kausen und Gebhardshain zum "Ortsverein Amt Gebhardshain" - für die Ortsgruppe Gebhardshain fand sich kein neuer Vorsitzender.

Der 8.

Juni 1967 gilt als Geburtstag des jetzigen "SPD-Ortsverein in der Verbandsgemeinde Gebhardshain".

Aber auch heute hat es die SPD hier nicht leicht:

Bei der Kommunalwahl 1989 erreichte sie magere 23,5 Prozent - und in keiner anderen Verbandsgemeinde im Kreis Altenkirchen ist der Prozentsatz an SPD-Mitgliedern so klein.

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