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© Frank Rosenbauer 1991-2017

Kontakt: https://www.redegold.de

 

 

 

21.10.94:

Grünebach.

(fr) Vom Kofferträger am Betzdorfer Bahnhof, der nebenher für sechs Mark pro Grube auf dem Grünebacher Friedhof die Gräber schaufelte, machte sich Paul Lück zum Farmer mit 1.800 Morgen Landbesitz in Kanada.

Die Geschichte des heimischen Auswanderers und Aufsteigers beschreibt die WR ab heute in einer kleinen Serie.

Seine Lebensgeschichte hat Paul Lück wenige Jahre vor seinem Tod 1993 noch niedergeschrieben.

Der WR liegen diese Berichte nun vor.

Lück, damals 83 Jahre alt, konnte sich noch in vielen Einzelheiten an seinen Lebensweg erinnern, der um die Jahrhundertwende in Grünebach begann.

Seinen Heimatort beschreibt er als von - "wenn auch nicht extra hohen" - Bergen umgeben; "wo immer ein freier Platz ist, haben die Leute ihre Häuser gebaut."

Geboren wurde Paul Lück im Jahre 1902, als Kind des Grünebachers August Lück und Gattin Berta, geb.

Stinner aus Offhausen.

Die Schulzeit ist zeitgemäß brutal:

Um das Geständnis des kleinen Paul zu erzwingen, daß er ein Vogelnest zerstört hätte, prügelt ihn der Klassenlehrer mit einem Stock auf Hände, Rücken und Hinterteil.

Paul Lück beweist schon als Kind Charakterstärke:

Er bleibt bei seiner Unschuld.

"Die letzten Schläge spürte ich nicht mehr", erinnert er sich, "ich war schon ganz daub."

Mit 13 Jahren nimmt ihn sein Vater von der Schule.

Zwei der Söhne sind im Weltkrieg gestorben - Schrankenwärter August Lück kann seine Familie kaum noch ernähren.

In Zwölf-Stunden-Wechselschichten arbeitet er am Grünebacher Streckenposten 74.

Hier, einen Steinwurf vom Elternhaus entfernt, beginnt auch der bergige Fußweg zum Friedhof, einem Arbeitsplatz von Paul Lück.

Wenn der jugendliche Totengräber frei hat, spaziert er mit den Kameraden vom Verein "Wanderlust" durch die Wälder.

Ansonsten gibt`s einmal pro Jahr auf dem "Hobborn" ein Waldfest des Männergesangvereins.

Doch viel Zeit zum Feiern und Wandern hat Paul Lück nicht.

Denn das Grubengraben macht er nur nebenher - nach einem Zwölf-Stunden-Arbeitstag.

Paul Lück beginnt seinen Berufsweg in Kirchen, in einer kleinen Ofenrohrwerkstatt nahe der Sigambria-Gaststätte.

Stets versucht er, sich "zu verbessern":

Nach einem Jahr in Kirchen fängt er im Wissener Walzwerk an - und wechselt schon nach sechs Wochen, weil er bessere Chancen bei der Deutschen Reichseisenbahn in Betzdorf sieht.

Von morgens bis abends schleppt Paul Lück die Gepäckstücke von einem Reisezug zum anderen.

Bei der Bahn in Boomtown Betzdorf erlebt er immer wieder schreckliche Unfälle:

weggerissene Arme, abgetrennte Beine, zerfetzte Leiber.

Daß ein junger Mann, der sich von seiner Liebsten nicht trennen mag und dann eilig auf einen fahrenden Zug springt und abrutscht, nur einen Daumen verliert - das kommentiert der Grünebacher mit den Worten:

"Bei allem Unglück kann ein Mensch aber einmal Glück haben."

Sein privates Glück trifft Lück in der Betzdorfer Löwen-Apotheke.

"Das Mädchen war mir fremd, doch meine Augen blieben auf sie gerichtet."

Günstigerweise kennt er eine Kollegin der Unbekannten, ein Treffen kann arrangiert werden.

Sie, Paula Becher aus Scheuerfeld, findet Gefallen an ihm - Paul und Paula werden ein Paar.

Das fällt umso leichter, da ihre beiden Eltern einander bekannt sind.

Dann die Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg.

In Güterwagen kommen junge Männer am Betzdorfer Bahnhof an, die vergebens nach Arbeit suchen.

Abends muß Lück mit seinem Tageslohn in die Geschäfte eilen, um einzukaufen - am nächsten Morgen ist das Geld kaum noch etwas wert.

Paul Lück faßt den Entschluß, auszuwandern.

Er denkt an Kanada:

die Schwester und ein Onkel seiner Freundin Paula leben dort.

Mit Paulas Bruder Josef macht er sich auf den Weg.

Die Geliebte bleibt zunächst zurück.

Dem Arbeitgeber Reichsbahn verschweigt er seine Pläne.

Dadurch bekommt Paul Lück, ganz clever, noch einen Freifahrtschein zum Hamburger Hafen.

Am Bahnhof Betzdorf sind die Beamten irritiert, daß ihr Grünebacher Gepäckträger verschwunden ist.

"Doch alles Hin und Her machte nichts mehr aus", so Paul Lück, "denn ich fuhr schon auf hoher See."

An Bord stimmt Lück, gemeinsam mit anderen deutschen Wirtschaftsflüchtlingen, spontan ein Lied an:

"Nun ade, du mein lieb Heimatland."

Sieben Tage dauert die Überfahrt.

Dann geht Paul Lück in Quebec an Land.

"Die Leute um einen herum sprachen", erinnert sich der Siegerländer, "und wir verstanden kein Wort."

Nächste Folge:

14-Stunden-Plackerei auf kanadischen Kornfeldern - Wiedersehen und Dreifachhochzeit mit Paula - Lück-Besitz wächst Morgen für Morgen 28.5.94:

Rosenheim.

(fr) "Das ist ein historischer Tag für unsere Gemeinde", meinte der Bürgermeister zur Einweihung, "ein Markstein in unserer Geschichte":

Die 760 Einwohner von Rosenheim können ab sofort über ein 2,25 Millionen Mark teures Mehrzweckgebäude verfügen.

Der erste Eindruck des örtlichen Pfarrers:

"Ich bin überwältigt."

Das in hellem Pink gehaltene Bürgerhaus birgt zahlreiche Möglichkeiten:

Eine große, unterteilbare Halle mit Küche im Erdgeschoß - und dazu im Keller ein Jugendraum, Toiletten, ein Sitzungssaal, daneben Probenraum mit Umkleideraum sowie einDienstzimmer für den Bürgermeister.

Vor dem Gebäude soll noch ein Kinderspielplatz entstehen.

Vor zehn Jahren war das Haus erstmals konkret eingeplant worden, im Rahmen der Dorferneuerung.

Nach dem ersten Spatenstich im November 1992 ist das Gebäude nun bezugsfertig.

Das rosa Rosenheimer Bürgerhaus weihte Bürgermeister Peter Hahmann jetzt ein, passend in dunklem Rosa gewandet.

Er dankte besonders "unserem Freund Dr. Alfred Beth":

Ohne die Hilfe des CDU-Landtagsabgeordneten sei der Bau nicht möglich gewesen - das Land schoß 810.000 Mark zu.

Geplant hat der Betzdorfer Architekt Hans-Georg Brass, der von einem Versuch spricht, umweltfreundlich zu bauen:

"Es wurde viel Holz verwendet."

Unter den beteiligten Firmen habe es leider "einige schwarze Schafe" gegeben - "das sollte man so schnell wie möglich wieder vergessen."

Das fällt leicht, angesichts der "herrlichen Halle", so Pfarrer Franz-Josef Hohn, der sich "überwältigt" zeigte.

Dennoch:

In Rosenheim, sagte Verbandsbürgermeister Günter Schneider, seien "viele kritische Stimmen laut geworden, die da fragten:

,Brauchen wir überhaupt ein Mehrzweckgebäude? Muß dies so viel kosten? Können wir uns das überhaupt leisten?`" Schneider begrüßte ausdrücklich diese Sensibilität der Bürger "in Zeiten, in denen die öffentlichen Kassen schrumpfen."

Gleichwohl betonte der Gebhardshainer Verwaltungschef, daß diskutiert und reiflich überlegt worden sei - nicht nur, wie groß das Gebäude werden solle, sondern auch, ob es notwendig und zweckmäßig sei.

Alle politischen Parteien in Rosenheim hatten hinter dem Projekt gestanden - und wünschten sich noch mehr im und am Bürgerhaus.

Einige Dinge fielen jedoch dem Rotstift zum Opfer.

Aber "gegen weitere Abstriche", so Schneider, "setzte sich der gesamte Rat vehement zur Wehr."

Wie hartnäckig das geschehen sei, habe ihn "eigentlich verwundert."

Aber es sei auch nicht einfach gewesen, eine finanzierbare Lösung zu finden, die allen gerecht wurde.

Das Ergebnis, so der Verbandsbürgermeister, könne sich sehen lassen.<- "Markstein in der Geschichte Rosenheims":

Bürgermeister Hahmann mit dem symbolischen Türschlüssel.

Links im Bild Architekt Hans-Georg Brass.

Bürgerhaus Rosenheim (Baukosten 2,25 Millionen Mark):

"Brauchen wir überhaupt ein Mehrzweckgebäude?" 6.4.94:

Daaden-Biersdorf.

(fr) Das Jugendzentrum der Verbandsgemeinde Daaden war lange Jahre nicht gerade ein Vorzeigeobjekt:

Recht heruntergekommen präsentierten sich die Räume im ehemaligen Feuerwehrhaus Biersdorf.

Und immer wieder war das Zentrum zeitweilig geschlossen, neue Jugendpfleger mußten sich einarbeiten.

Doch nun hat die Verbandsgemeinde das Gebäude renoviert - und der motivierte Jugendpfleger Thilo Heß, seit einem halben Jahr im Amt, will die Jugendarbeit ankurbeln.

Anfangen will er damit in Biersdorf.

Hier soll sich ein Stammpublikum entwickeln - und daraus dann ehrenamtliche Mitarbeiter, die unter der Regie des Jugendpflegers agieren.

Eine entsprechende "Initiative jugendlicher Besucher des Jugendzentrums Biersdorf" hat sich bereits gegründet, eine Fußball-AG unter Leitung von Ünal Sari ebenfalls.

Wenn viel Leben ins Jugendzentrum gekommen ist, will sich Jugendpfleger Heß verstärkt um die anderen Ortsgemeinden kümmern.

Nach den ersten Erfahrungen ist der 28jährige Diplom-Sozialpädagoge recht optimistisch.

Die Renovierung brachte Räume, in denen man sich wohlfühlen kann (montags bis donnerstags, 14 bis 22 Uhr), viele neue "freizeitpädagogische Spielgeräte" wurden angeschafft:

Dart-Automat, Billard, Kicker und Gesellschaftsspiele.

Die Unterstützung durchs Rathaus sei sehr gut, u.a. wurde der Arbeitsetat unter Vorbehalt auf 15.000 Mark verdoppelt.

Auch das Verhältnis zu den Nachbarn im Daadener Ortsteil sei positiv.

Das erlebte Heß, der aus Mainz stammt, bei der ersten großen Veranstaltung, einem Heavy-Metal-Konzert im Winter:

"Es gab keine Beschwerden."

Mit 150 zahlenden Zuhörern - trotz Glatteis - war der Abend gleichzeitig ein Erfolg, einmal im Jahr sollen auch weiterhin Konzerte stattfinden.

Heß will die Richtung Kulturpädagogik einschlagen.

Sessions sind möglich, Proben leider nicht - dafür fehlt es an Platz.

Die nächste Aktion:

Am kommenden Donnerstag können sich die Besucher im Kickerspiel messen.

Teilnehmen beim Turnier dürfen Kinder von 9 bis 13 Jahren.

Heß plant außerdem ein großes Go-Kart-Turnier:

In allen Ortsgemeinden sollen Ausscheidungsrennen stattfinden, das Finale dann am Jugendzentrum Biersdorf.

Der Jugendpfleger, der zuvor in Siegen arbeitete, betont:

"Das Jugendzentrum soll offen sein."

Das Alter der Besucher beginnt bei neun Jahren, "die Obergrenze will ich offen gestalten."

Zur Akzeptanz soll auch die lange Öffnungszeit - bis 22 Uhr - beitragen.

Viele ausländische Kinder und Jugendliche kommen ins Zentrum - und bisher, freut sich Heß, seien keine Rassismus-Probleme aufgetreten.

"Offenes Jugendzentrum" bedeutet für ihn auch:

"Wenn zum Beispiel einmal der Schützenverein am Wochenende die Räume benutzen möchte", meint Heß, "dann ist das in Ordnung."

9.1.94:

Kreis Altenkirchen/Kroatien.

(fr) Stephan Weitershaus aus Elkhausen und Heinrich Moritz (Katzwinkel) opferten die Weihnachtsfeiertage, fuhren bei Schnee und Kälte mit einem alten Laster los - um Lebensmittel und eine Feldküche in ein kroatisches Flüchtlingslager zu bringen.

Doch als sie die Alpen überqueren wollten, war die Hilfsmission erst einmal zu Ende.

Grund:

Deutsche Zöllner verlangten ein Passier-Papier, das die beiden Helfer nicht hatten.

Der Skandal:

"Heute wissen wir definitiv", so Stephan Weitershaus, "wir hätten dieses Papier überhaupt nicht gebraucht."

Doch damals wußten das die beiden Helfer noch nicht.

Aber ahnten es:

Gemeinsam mit dem Betzdorfer Zollamt hatten sie den Hilfstransport vorher geplant.

U.a.

erhielten sie auch eine Sonderfahrerlaubnis für die Lkw-Fahrt an den Feiertagen.

Dennoch:

An der Grenze bei Bad Reichenhall wurden sie von den Zöllnern festgehalten - "und sogar auch noch beschimpft", so Weitershaus.

"Wir trafen auf eine Feiertags-Schicht mit Unkenntnis und Unvermögen."

Zwei Stunden mußte er und Heinrich Moritz in der Winterkälte warten.

Obwohl die Papiere vollständig waren.

Erst dann ging es weiter.

Mit dem dreißig Jahre alten Magirus-Lkw kämpften sich die Helfer durch den dicken Schnee.

An der slowenischen Grenze dann der nächste Schreck.

"Ich erledigte die Formalitäten", erzählt Weitershaus, "und Heinrich hatte gerade einen Ölwechsel gemacht.

Plötzlich war der Lkw weg."

Weitershaus erinnert sich:

"Wir dachten:

Jetzt ist alles aus."

Doch dann kam der Lkw wieder - mit lautem Hupen schoß der Laster heran, blinkte mit allen Lampen.

Und drehte wieder ab.

Dann für fuhr weiter, drehte enge Kurven, kam zurück, donnerte in der Zollanlage herum.

Dann stoppte er - und die beiden Deutschen stellten erleichtert fest:

Ein slowenischer Zöllner war begeistert in den Laster eingestiegen.

Denn er hatte früher Magirus-Lkw repariert ...

Nun konnten die Helfer weiterfahren, schafften es bis Zagreb.

Dort wurde das Laster von lokalen Unterstützern übernommen.

Sie schafften ihn in ein Flüchtlingslager an der bosnischen Grenze.

Dort wurde er stationiert, denn der Lkw, der ehemals dem Malteser-Hilfsdienst gehörte, verfügt über eine große Feldküche.

"Damit können 1.000 Menschen bekocht werden", so Weitershaus, "wegen den Kochgeräten - u.a. einen 200-Liter-Kessel - an Bord konnten wir aber nur 1,4 Tonnen Lebensmittel zusätzlich mitnehmen."

Die Rückfahrt mit dem Zug war, so Weitershaus, "bedrückend."

Mit Taschenlampen und Stöcken wurden die Waggons und Fahrgestelle nach Deserteuren abgesucht.

Und ein Student, der vor Abfahrt des Zuges durch alle Abteile ging, wollte den Deutschen ein Buch verkaufen - der Erlös sollte für Waffen verwendet werden.

Weitershaus und Moritz engagieren sich bei der privaten Organisation "NEXUS", die den tödlich bedrohten Menschen in Ex-Jugoslawien hilft.

Für die Organisation hatte u.a. Stephan Weitershaus kürzlich in Kirchen einen alten Bundeswehr-Lkw repariert (die WR berichtete).

Weitershaus konnte mitteilen, daß der Lkw nun einen neuen Motor hat, bereits wieder im ehemaligen Jugoslawien eingesetzt wird:

"Vielen Dank an alle Spender!" Er dankt auch der Hammer Firma Gallo, die einen Lieferwagen bereitstellte, damit Lebensmittel eingesammelt und zu dem Lkw transportiert werden konnten, der von München aus startete.

"Es ist toll, wie die Menschen gespendet haben", freut sich Weitershaus, "rund 6.000 DM kamen zusammen."

U.a.

hatte die SG Katzwinkel/Wehbach des TuS Katzwinkel den Erlös ihrer Weihnachtsfeier, über 300 DM, zur Verfügung gestellt.Die Spenden machten es möglich, daß in Kürze wieder ein Hilfstransport stattfindet.<- 2.2.94:

Scheuerfeld.

(fr)Der Traum eines jeden Hobby-Schriftstellers hat sich für Matthias Berndt erfüllt:

Der Scheuerfelder konnte seine Werke in Buchform veröffentlichen.

Dafür mußte er jedoch die Rolle des Lektoren, Verlegers und Herausgebers selbst übernehmen.

Im Eigenverlag "mbh-Textservice" brachte er 300 Stück seiner "Phantasie & Schlimmeres" heraus.

"Aufs Schreiben", so Berndt im WR-Gespräch, "hat mich niemand gebracht.

Ich war ein ziemlich verschlossener Mensch - und das Papier mein bester Freund."

Das gibt es nicht selten.

Nur:

Statt ins Tagebuch zu schreiben, schrieb der Scheuerfelder lieber Gedichte.

Nicht nur über sich, sondern auch über andere.

"Ich habe manchmal die fast unheimliche Gabe", meint der 31jährige, "andere Menschen gut einzuschätzen."

1984 machte er seine Gedanken öffentlich:

Für Freunde und Verwandte schrieb er Lyrik.

Dann gründete er mit der Katholischen Jugend Bruche das "Mut?Los!-Theater".

Seine Texte gehen mit ihnen seit nunmehr fünf Jahren über die Bühnen.

Berndt bietet mittlerweile auch "Textservice" an:

Slogans, Titel, Büttenreden, Gutscheine und sogar Liebesbriefe - all das produziert der Scheuerfelder auf Anfrage.

Und nun, sagt er, "habe ich den Wahnsinn gewagt."

Ein eigenes Buch, selbst herausgegeben.

"Ich habe kein besonderes Bestreben, damit einen großen Bekanntheitsgrad zu erlangen", betont er, "es ist auch keine Exhibitionismus."

Er wolle vielmehr seinen Texten ein Forum schaffen.

Was steht denn nun drin, was ist dran am kleinen roten Buch, 40 Seiten dick? Man findet:

Gedichte und Gedanken, Sprüche, Storys und Splitter.

In allen Textarten versucht sich der Autor.

Positiv:

Berndt versucht nicht, einfache Gedanken mit verkünsteltem Vokabular zu tunen.

Er bleibt bei dem, was er beherrscht - und drückt seine Gedanken klar aus.

Wohltuend, denn nichts ist bekanntlich schlimmer zu lesen als ein Möchtegern-Verbalartist.

Dennoch klingt einiges freilich recht banal.

"...

Rot.

Rotes Licht.

Rote Schwüre.

Rote, heiße Lippen.

Rotes Neglige.

Rote, heiße Körper ..."

Doch Überraschungen, wenigstens inhaltlich, mag man als Leser ja trotzdem.

Und da liegt ein Schwachpunkt des Buchs:

Berndt transportiert mit seiner aufgeräumt wirkenden Diktion sehr oft ein vorhersehbares Ende.

Eine große Überraschung findet man allerdings unter dem Titel "Memminger Prozess" - denn dazu fällt dem Scheuerfelder ein Witz ein.

"Nach der Urteilsverkündung wurde der verurteilte Gynäkologe gefragt, ob ihn das Strafmaß besonders hart träfe.

Er antwortete:

Geh wissen Sie, ich habe im Leben schon viele Abstriche machen müssen."

Ein echter Glanzpunkt ist dagegen das Gedicht "Fast wie im richtigen Leben".

Einfache, schlanke Worte - ohne Popanz und mit Substanz:

"Er braucht es.

Sie braucht ihn.

Er gebraucht sie.

Sie verbraucht sich.

Er möchte mit ihr schlafen.

Sie möchte schlafen.

Er wird nicht müde, mit ihr zu schlafen.

Sie ist müde, weil sie nicht schlafen kann.

Er steigert sich in Phantasien.

Sie verweigert sich in ihrer Phantasie.

Er zweifelt an ihr.

Sie verzweifelt an ihm.

Er liebt durchwachte Nächte.

Sie läßt seine Nächte überwachen.

Er liebt sie oft.

Sie liebt ihn."<- Autor Berndt:

Kein verkünsteltes Vokabular 17.12.94:

Kirchen.

(fr) Es war kein Scherz, die Kirchener haben es wirklich getan:

Sie stellten sich eine lebensgroße Schweineherde vor ihr Rathaus.

Schon am ersten Tag reagierte die Bevölkerung auf die bronzenen Wildschweine, die materialisierten Wappentiere.

Paare, die frisch getraut aus dem Standesamt kamen, benutzten den dicken "Beobachtungs-Eber" am Eingang kurzerhand als Glücksschwein - und ließen sich mit ihm fotografieren.

Hausherr Günter Schönhof deutet dies noch weitergehender:

"Eber waren bei den Kelten ein Fruchtbarkeitssymbol", schmunzelte er, "die Paare haben das wohl erkannt ..."

Und so soll es auch sein, findet der Verbandsbürgermeister:

"Ich würde mich freuen, wenn die Bevölkerung eine Beziehung zu diesen Tieren herstellen könnte."

So ganz ungewöhnlich seien Tierplastiken ja auch nicht - "ich erinnere nur an die Bremer Stadtmusikanten!" Bei einer, so Schönhof, "vorweihnachtlichen Einweihungs- und Begegnungsstunde" feierten die Ratsmitglieder nun bei Sekt und Süßigkeiten die neuen Plastiken.

Und auch, daß das Rathaus jetzt endgültig fertiggestellt ist.

Denn die "Kunst am Bau" fehlte noch.

Sie sei vorgeschrieben, betonte Schönhof mit Blick auf leere Kassen.

Er dankte der benachbarten Sparkasse, die einen zusätzlichen Frischling beisteuerte.

In welcher Weise die rund 60.000 Mark für Kunst ausgegeben wurden, dafür zeichnet eine kleine Spezial-Kommission des Verbandsgemeinderats verantwortlich:

Maria Hannen (Federführung), Ludwig Löb, Heribert Meyer, Hilmar Plate und Kurt Möller.

Ihre Entscheidung pro Schweinefamilie - die Idee hatte übrigens Verwaltungsmann Reinhold Koch - wurde vom Verbandsgemeinderat goutiert.

Aber auch andere Einfälle hatte es gegeben.

So zum Beispiel, ein modern gestaltetes Edelstahl-Kreuz vor dem Sitzungssaal aufzustellen.

Oder das Kirchener Wappen per Sandstrahler in die Fensterscheiben zu ritzen.

Auch an heimische Künstler war gedacht worden, konkret an die Harbacherin Marlies Hof.

Doch ihre Riesenkugel mit eingelassenen Konterfeis toter Bürgermeister schied aus:

zu ortsbezogen.

Denn nicht nur Kirchen, der "Perle an der Sieg" (so die Symbolik der Riesenkugel) sollte ein Denkmal gesetzt werden -schließlich ist das Rathaus für die ganze Verbandsgemeinde zuständig.

Nun also die Schweineherde.

"Im Eingangsbereich", freut sich Hausherr Schönhof, "ist der mächtige Eber präsent".

Er wiegt, obwohl hohl, 130 Kilogramm.

Am Brunnen stehen eine Bache, drei Frischlinge und ein Schweine-Jüngling, im Fachjargon "Überläufer" genannt.

"Das ist nicht politisch gemeint", so Schönhof; Sparschweine sollten das auch nicht sein, die tiefere Symbolik liege woanders.

Die Herrschaft Freusburg, in deren Rechtsnachfolge man sich sieht, führte schon im Jahre 1050 drei "aufstrebende Eberköpfe" im Wappen.

Daß ausgerechnet ein Freusburger Künstler die Tiere anfertigte, macht die Symbolik rund:

Rainer Aepfelbach gewann den Wettbewerb um die Herden-Herstellung.

Weil er eigentlich Keramik-Experte ist, gab es am Anfang kleine Bedenken im Rathaus.

Die zerstreuten sich aber nach einem Beobachtungs-Besuch in Aepfelbachs Atelier.

Der Freusburger fertigte in dreimonatiger Arbeit die Plastiken, die in Bronze gegossen und mit einer Messing-Kupfer-Legierung überzogen wurden.

Eine Oxidschicht macht die gegen Diebstahl fest verankerten Schweine rostfrei - und haltbar:

"Das ist ein Werk", so Aepfelbach, "nahezu für die Ewigkeit."

Und eines, bei dem sich Bürgermeister Schönhof nach eigener Aussage auf "Spott und Ironie" gefaßt macht.

Doch zu einem bißchen Selbstironie sei man ja auch fähig, so Schönhof.

Allerdings in Grenzen:

Die Schweine ins Rathaus hinein zu stellen, so weit wollte man dann doch nicht gehen.

"Das", meinte der Verwaltungschef, "wäre wohl nicht so glücklich gewesen."

7.7.94:

Langenbach.

Ein "Hilferuf" aus dem Westerwald wurde in Koblenz erhört:

Zwei Tischtennisplatten in Turnierqualität, vier Schläger und Bälle spendete jetzt der Tischtennisverband Rheinland (TTVR) der Drogenklinik "Haus Wiesengrund" in Langenbach.

Damit unterstützt der Verband das Konzept "Sport als Drogentherapie", das in diesem Therapiezentrum gemeinsam mit dem TuS Weitefeld/Langenbach verwirklicht wird.

Seit anderthalb Jahren trainieren die Fußballer des TuS zusammen mit Patienten der Drogenklinik (evtl.

siehe auch Lokalteil).

Das Team des Therapiezentrums, als Unterabteilung des TuS geführt, hat bereits Vergleichsspiele mit anderen Mannschaften durchgeführt und an der Kreis-Hallenmeisterschaft teilgenommen.

Ab der kommenden Saison werden die Süchtigen auf Entzug sogar im Meisterschaftsbetrieb mitspielen, in der Kreisliga D, als dritte Mannschaft des TuSWeitefeld/Langenbach - laut DFB eine deutschlandweit einmalige Sache.

Im Winter dehnte der Sportverein sein Engagement zur Wiedereingliederung von therapierten Drogenabhängigen aus:

Seit einem halben Jahr sind die Patienten der Drogenklinik auch beim Tischtennis-Training dabei.

"Das läuft reibungslos", so Vorsitzender Friedel Hees, "allerdings bringt es sehr viel Arbeit.

Und finanziell läßt sich das nicht aus dem Ärmel schütteln."

Ein knappes Dutzend Patienten trainieren einmal pro Woche unter der fachkundigen Führung von Übungsleiter Jochen Pfeil; zusätzliche Platten und Schläger habe man anschaffen müssen, so Hess.

Nun sei auch Sportkleidung nötig.

"Wir wollen sie voll integrieren", so der Vorsitzende, "und das geht nicht, wenn sie in Jeans spielen - während die anderen in schicken Trikots trainieren."

Der TuS habe darum einen "Hilferuf an den Verband" geschickt.

Der TTVR reagierte prompt, unterstützte die gute Sache:

Zwei neuwertige Tischtennisplatten, die bisher lediglich bei Turnieren benutzt wurden, Schläger und Bälle übergab Verbandsgeschäftsführer Franz Homscheid (Koblenz) nun stellvertretend an den sichtlich glücklichen Ralf Kranz, Sportlehrer des Therapiezentrums.

Trikots und Shorts werden noch nachgereicht.

Aufgestellt werden die Platten in der Drogenklinik.

Dort gibt es eine Turnhalle -die bisher eine Tischtennisplatte beherbergt, welche die Drogenabhängigen in Therapie selbst gebaut haben.

Auch das Training der Patienten in den Hallen des TuS wird nun intensiviert.

Denn ab der kommenden Saison, so das Ziel, sollen sie in den Vereins-Mannschaften mitspielen, je nach Spielstärke in die 18 TuS-Tischtennis-Teams aufgenommen werden.

Sportlehrer Kranz betonte jedoch, daß seine Schützlinge nicht zu oft trainieren dürfen - "denn sonst", so der Mitarbeiter des Therapiezentrums, "schlägt die Sucht zu."<- Im Therapiezentrum "Haus Wiesengrund" (Bildhintergrund) kann nun auf guten Platten (gerade ausgeladen, links) trainiert werden.

Die Freude über die Unterstützung durch den Tischtennisverband Rheinland war groß (im Bild v.l.):

TuS-Vorsitzender Friedel Hees, Sportlehrer Ralf Kranz, Verbandsgeschäftsführer Franz Homscheid und Übungsleiter Jochen Pfeil.

1.5.94:

Nassen b.

Eichelhardt.

(fr) Ein Reitunfall machte Bernd Käsgen (40) querschnittsgelähmt.

Doch er gab nicht auf.

Sondern ist als Gespannfahrer weiterhin im Reitsport aktiv.

Und jetzt ist es ihm sogar gelungen, sich für die Weltmeisterschaften im Behinderten-Fahrsport zu qualifizieren.

"Bernd Käsgen", sagt die Reiterin Ulla Schwalm (Birnbach) über ihn, "hat Zähigkeit, Ausdauer und einen eisernen Willen."

Sie will mithelfen, daß er an der Weltmeisterschaft im Juli teilnehmen kann.

Denn ob Käsgen nach England fahren kann, ist noch ungewiß.

Er ist auf Spenden und Sponsoren angewiesen, um die enormen WM-Kosten aufbringen zu können.

"Mein Trainer will bezahlt sein," so Käsgen zur WR, "jeden Tag trainiere ich ein bis zwei Stunden, alle vier Wochen muß ich fürs Training bis nach Darmstadt fahren.

Und nun würden die Kosten für die Weltmeisterschaft hinzukommen."

Ulla Schwalm hat ein Spendenkonto eingerichtet:

Raiffeisenbank Asbach, BLZ 570 690 18, Kontonummer 37 18 48, Kennwort "WM BK".

"Die Resonanz bisher", so Schwalm, "könnte besser sein.

Gerade die Firmen, auf die wir gebaut hatten, halten sich sehr zurück."

Positiv dagegen das Beispiel des ADAC:

Der Automobilclub wird Käsgens Kutsche kostenlos transportieren.

Schwalm appelliert an die Bevölkerung, "unseren Lokalmatador zu unterstützen".

Die Gesamtkosten werden auf 20.000 Mark geschätzt, "doch auch kleine Beiträge können mithelfen."

Ein Sport-Verband kann den Behinderten nicht unterstützen - denn es gibt keinen.

"Momentan sind wir im Verband der therapeutischen Reiter organisiert", so Käsgen, "aber da sind wir nur eine kleine Arbeitsgruppe."

So mußten die Sportler sogar ihre Schiedsrichter selbst bezahlen, als es vor wenigen Wochen in Neu-Isenburg um die WM-Qualifikation ging.

Es ist das erste Mal, das Deutsche an der Behinderten-Weltmeisterschaft im Fahrsport teilnehmen.

Obwohl Käsgen nicht weiß, ob er teilnehmen kann, trainiert er beharrlich auf das große Ziel hin.

Seine Lebensgefährtin Eva Hübbe unterstützt ihn dabei.

Sie fährt sofort nach Dienstschluß zum Stall, reitet die Pferde zweimal die Woche in der Altenkirchener Reithalle.

Bernd Käsgen läßt es sich aber nicht nehmen, die Pferde so weit wie möglich selbst zu versorgen.

Ausmisten, Putzen, Anschirren - all das schafft er vom Rollstuhl aus.

Der Sport hilft ihm, seine Behinderung zu verkraften.

Durch Wald und Flur fahren, mit seinen Pferden die Natur erleben, das gibt Bernd Käsgen immer wieder neuen Lebensmut.

Er wünscht anderen Behinderten, daß auch sie dies erleben können.

Und so hat Käsgen neben der WM einen noch größeren Traum:

Er setzt sich dafür ein, daß es eines Tages eine therapeutische Reitschule im Westerwald geben wird.<- Für die WM qualifiziert - doch er kann sich die Teilnahme nicht leisten:

Bernd Käsgen mit Lebensgefährtin Eva Hübbe beim Training.

2.5.94:

Daaden.

(fr) Wovon viele Mädchen träumen - eine Daadenerin hat es geschafft:

Eva Gontermann lächelt wöchentlich und in Farbe von den Seiten einer großen Frauenzeitschrift.

Eva ist die Glücksfee von "Echo der Frau".

Gegen 300 Konkurrentinnen setzte sie sich durch; nicht einmal beworben hat sie sich - das tat die Mutter, indem sie ein Foto losschickte:

"Ich", so Eva (22), "wußte von nichts."

40 von 300 Mädchen und Frauen kamen in die enge Auswahl, wurden jeweils zu acht in fünf Ausgaben mit Foto vorgestellt.

"Eva, die sportliche Powerfrau, macht täglich Aerobic ...

Sie hat zwar einen Freund, denkt aber nicht ans Heiraten" stand unter ihrem Bild.

Während alle sieben Konkurrentinnen in dieser Ausscheidungsrunde mehr oder weniger körperbetonte Bilder einsetzten, erschien Eva mit einem Portraitfoto.

Die Leserinnen entschieden sich für sie.

So durfte Eva zum Finale nach Fuerteventura fliegen.

Sie und die vier anderen Leserinnen-Favoritinnen mußten sich vor 600 Zuschauern vorstellen, tanzen und spontan Fragen beantworten.

Eva Gontermann, jüngste Finalistin, tanzte zu "One" aus "A Chorus Line".

Die Jury, unter anderem besetzt mit einem RTL-Moderator, hatte zu entscheiden, "welches der Mädchen die beste Ausstrahlung hatte, charmant und natürlich wirkte.

Qualitäten", heißt es in der Postille, "die sie zu unserer neuen Glücksfee machten."

Die Jury sprach der Daadenerin diese Qualitäten zu.

Und nun ist Eva Gontermann eine Glücksfee - und die "Echo der Frau" im Daadener Land notorisch ausverkauft.

Bei Evas erstem Auftritt als Gewinn-Ermittlerin, als es galt, einen Kleinwagen zu verlosen und den Schlüssel zu überreichen, erschien sie ganze sechs Mal auf einer Seite.

Doch ihre auf ein Jahr beschränkte Tätigkeit bringt noch andere Aufgaben mit sich.

Glücksfee Eva repräsentiert die Zeitschrift bei gesellschaftlichen Anlässen.

So überreichte sie, vor laufenden Fernsehkameras, dem Moderator der ZDF-Hitparade, Uwe Hübner, einen Blumenstrauß zum Geburtstag.

Auch eine Statistenrolle bei der Endlos-Serie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" brachte ihr der Glücksfee-Job ein.

Außerdem stellt Eva Gontermann Mode vor und wird wahrscheinlich Schönheitstips geben.

Da kennt sie sich aus:

Seit viereinhalb Jahren leitet sie ein Kosmetikstudio in Daaden.

Gerade hat Eva ein größeres Studio mit Sauna und Fitneßraum eröffnet.

Dort offeriert sie sogar "Permanent Make-Up":

Schminke für Augenbrauen, Lippen und Augenrand plantiert Eva ein - was drei bis fünf Jahre hält und sehr akkurat aussieht.

Bei all dem bleibt wenig Zeit für Hobbys (Lieblingshobby:

Jazztanz).

Doch eines läßt sich Eva nicht nehmen:

den beinahe täglichen Gang ins hiesige Bistro "Ambiente".

Dort kann sie auch einer Leidenschaft frönen, die ihr niemand glaubt, wenn er die schlanke Schöne sieht:

"Ich", gesteht Eva lächelnd, "esse Unmengen von Eis!"<- 6.4.94:

Kirchen.

(fr) Über 10.000 Tonnen Kalk sind in den letzten vier Wochen auf den Kirchener Wald herabgerieselt -die Kalkaktion im Bereich des Forstamts ist in diesen Tagen erfolgreich beendet.

Besonders Kinder wundern sich, warum der Helikopter kreist und Staub verstreut.

Vize-Revierleiter Jürgen Michl versuchte es ihnen nun zu erklären:

"Das ist so, als ob ihr Zucker auf eine Zitrone streut."

Kinder der Jugendschwimmgruppe Katzwinkel hatten sich im Imhäuser Tälchen versammelt, an einer Basisstation des Hubschraubers, und lauschten den Erklärungen.

Michl legte los:

"Der Hubschrauber macht das nicht als Weihnachtsbäcker, damit die Plätzchen weiß werden.

Er tut es, weil der Wald länger leben soll."

Denn die Luft sei ziemlich verschmutzt.

"Wenn ihr Zucker auf eine Zitrone streut, ist sie nicht mehr so sauer.

So ähnlich ist das, ganz einfach erklärt, mit dem Waldboden:

Kalk wird verteilt, der Boden ist weniger sauer."

Die Bäume könnten dadurch die Nährstoffe besser aufnehmen.

Michl, der den Revierleiter und Forstoberamtsrat Peter Schäfer vertrat:

"Vielleicht wißt ihr, daß Kalk normalerweise weiß ist.

Der Staub ist aber rot oder grau - weil auch Sand und Magnesium dabei ist."

Die Sache mit dem Kalk müssen die Kirchener Förster manchesmal auch Anwohnern erklären, die den Staub im eigenen Garten finden.

"Es ist", betont Michl, "nichts Schädliches - im Gegenteil."

Eher selten seien dagegen Beschwerden von Joggern oder Spaziergänger, die eine "Kalkdusche" abbekommen.

Am eigenen Leib hat Michl den Kalk "ein paarmal" gespürt - und nach dem Abwaschen einen interessanten Nebeneffekt entdeckt:

"Es macht", schmunzelte er, "trockenes Haar."

Flecken blieben jedoch in der Kleidung nicht zurück.

Probleme hatten vielmehr die Hubschrauberpiloten:

"Das Wetter war schlecht, der Wind stark - und das bei den vielen Steilhängen", berichtet Einsatzleiter Robert Rücker.

Die Piloten der westfälischen "Agrarflug Ahlen" flogen in einem 1.400 PS starken Bell 205 - Verbrauch:

330 Liter Kerosin pro Stunde (!).

Mit bis zu 100 Stundenkilometern donnerten sie über die Baumspitzen, verstreuten die 1,5 Tonnen Ladung jeweils in anderthalb Minuten.

Wie Kirchens Forstamtsleiter Mario Schneiderhöhn der WR erklärte, wurden 3.000 der 10.000 Hektar des Forstamtsbereichs "behandelt".

Die Aktion, hier zum zweitenmal durchgeführt, habe eine runde Million Mark gekostet, die die Waldbesitzer, hauptsächlich aber Bund und Land aufbrachten.

Hat das Kalken tatsächlich etwas gebracht? "Sichtbare Erfolge", so Schneiderhöhn, "sind in zwei, drei Jahren zu erwarten."<- Vize-Revierleiter Michl (r.) erklärte den Kindern, warum der Hubschrauber den Kalk verstreut.

Die jungen Schwimmer hörten aufmerksam zu - und der Hubschrauberpilot versprach ihnen, sie das nächste Mal in Katzwinkel zu besuchen.

23.2.94:

Betzdorf.

(fr) Er lebt allein, enthaltsam und bescheiden - seit über dreißig Jahren.

Mitten in Betzdorf wohnt ein Schriftsteller, wie man sich einen Schriftsteller vorstellt:

Lothar Sauer.

Rund 100.000 Exemplare seiner Bücher gingen bereits über die Ladentische.

Und er sagt:

"Ich schreibe für die Ewigkeit."

Doch damit ist jetzt Schluß.

Sauer hat seine alte Schreibmaschine im Schrank verstaut.

Er will nicht mehr schreiben.

Im vierstündigen Gespräch mit der WR erklärt er warum.

Zuallererst betont Lothar Sauer, daß er sich gar nicht als Schriftsteller bezeichnen lassen möchte.

"Ich veröffentliche ja nicht jedes Jahr ein Buch."

Ein Fabulierer sei er, ein Erzähler - und, nach eigenen Angaben, "in ganz Deutschland als Gruselfachmann bekannt."

Sauer, Jahrgang 1930, stammt aus Essen.

Mit elf Jahren schreibt er seinen ersten Roman:

"Die beiden Adler".

Und das ganz im Stile von Karl May, "dem Vollbluterzähler, meinem großen Idol."

Doch das 150-Seiten-Werk wird bei einem Bombenangriff verschüttet.

Im Frühjahr 1943 zerstören Fliegerbomben das Haus seiner Eltern.

Die Familie flieht nach Betzdorf, bleibt dort - weil hier das Hamstern einfacher, das Überleben leichter fällt als in der Großstadt.

Auf dem Gynasium lernt Sauer das Dichten "von der Pike auf".

Fasziniert saugt er die klassische Literatur auf.

"Mit 17 Jahren war mir klar:

Ich werde Dichter oder Schriftsteller."

Doch erst einmal studiert er, Germanistik und Französisch - auf den "handfesten" Beruf Lehrer hin.

Doch kaum Assessor, schmeißt er die Brocken hin.

"Die Schüler waren nach dem Krieg anders.

Wirtschaftswunder und Kapitalismus:

Die Schüler hatten Mädchen im Kopf, aber nicht die deutschen Dichter.

Bei mir war das anders gewesen."

Sauer geht nach Frankreich.

Dort findet er Schüler, die freiwillig Deutsch lernen.

"Das hat mir Spaß gemacht."

Doch bald zog es ihn zurück.

Der Schuldienst war für ihn abgehakt - und Sauer 32 Jahre alt und ohne Beruf.

Sein Vater, Kinderarzt in Betzdorf, ermöglichte Lothar Sauer, sein Autorentum auszuleben.

Noch heute lebt er - "wie ein Mönch" - von dem Erbe seines Vaters.

Und fragt sich, ob er wirklich gelebt hat.

"Das Schreiben war für mich immer eine Art Ersatz", so Sauer, "als Kind war ich ein Feigling - und habe eine rauhe Jungensgeschichte geschrieben, in der Jungen als Helden vorkamen ..."

Diese Story ("Die Chronik des Staates Neulati") war sein erstes Buch, das veröffentlicht wurde.

Ein großer Erfolg war das nicht, dafür aber seine späteren Gruselgeschichten für Jungen.

1970 wurde seine "Geisterkogge" zum Bestseller, weitere Erfolge folgten.

Sauer hatte, als Gruppenleiter inZeltlagern, Jungen alte englische Gruselgeschichten erzählt.

"Bald merkte ich, was ankommt und was nicht.

Ein Gespenst muß echt sein - und lebensgefährlich."

Derlei Marktforschung hat Sauer nie wieder betrieben.

Und auch nie wieder Erfolg gehabt.

"Für mich ist das Wichtigste, daß meine Werke gut sind.

Alles andere zählt nicht."

Auch für seine zweite Leidenschaft, die Fotografie, gilt:

Dem Zeitgeist will sich der Philologe nicht unterwerfen.

Das hielt er drei Jahrzehnte lang durch.

Doch nun ist Schluß.

Vor zwei Jahren begann Sauer, ein altes französisches Jugendbuch zu übersetzen.

Anderthalb Jahre später war er fertig.

Doch kein Verlag wollte das Werk kaufen:

Sauer hatte die altmodische Sprache nicht in eine moderne übersetzt.

"Ich war sehr enttäuscht."

Lothar Sauer gab auf.

Doch er ist immer noch der festen Überzeugung:

Gute Literatur wird die Zeiten überdauern.

"Von mir ist nichts mehr auf dem Markt, aber das stört mich nicht.

Denn ich habe nie für den Tag geschrieben."

Sauer hofft, daß seine Werke irgendwann einmal gewürdigt werden.

"Zwar werden nur drei Bände in meinem Nachlaß sein", meint der 63jährige, "doch Kleist hat auch nicht mehr hinterlassen."

* Wer den Autor kennenlernen möchte:

Am 27.

Februar liest Lothar Sauer aus seiner Bücherkiste (Buchhandlung Sarrazin, 17 Uhr).

6.4.94:

Kirchen.

Sechs der zwölf Mitglieder des Kirchener Pfarrgemeinderats sind zurückgetreten - darunter der Vorsitzende, Klemens Kipping -, weitere drei Mitglieder des Verwaltungsrats schlossen sich an.

Ihre schriftliche Begründung, die sie dem Pfarrbrief beilegten, zeigt Probleme in der katholischen Pfarrgemeinde "St.

Michael" Kirchen auf.

"Wir hatten uns durch den neuen Pfarrer einen Motivationsschub für die ganze Gemeinde erhofft", schreiben die zurückgetretenen Ratsmitglieder.

"Heute müssen wir enttäuscht feststellen, daß trotz guten Willens und großen Einsatzes auf Seiten der Laien wenig greifbare Ergebnisse vorliegen."

"Die Mitarbeit von Laien in beiden Gremien erscheint uns in wesentlichen Punkten nicht erwünscht."

Vorschläge und Anregungen seien wiederholt ignoriert oder als unangemessen abgetan worden.

Die Gemeindeleitung habe Beschlüsse und Zusagen mehrfach nicht eingehalten.

Insbesondere der Verwaltungsrat sei vor allem von Diakon Heinz Stock wiederholt vor vollendete Tatsachen gestellt worden.

Vergeblich habe man eine attraktivere Gottesdienst-Gestaltung angemahnt.

"Viele nicht nur jüngere Menschen besuchen mittlerweile die Gottesdienste der Nachbargemeinden.

Eltern haben Schwierigkeiten, selbst Kommunionkinder für einen Gottesdienstbesuch zu motivieren."

Die abnehmende Zahl der Kirchengänger "ist sicherlich nicht nur auf den allgemeinen Trend zurückzuführen."

Wohlgemeinte Sachkritik von Seiten der Laien sei wiederholt als "zerstörerisches Nörgeln, als Mißtrauen oder als persönlicher Angriff ausgelegt worden.

Wenig hilfreich war auch die Aussage von Herrn Pastor Müller, negativen Gerüchten in den Gemeinde gegebenenfalls gerichtlich zu begegnen."

Diese Drohung habe seit der ersten gemeinsamen Pfarrgemeinderatssitzung im Raum gestanden - und sei mehrfach erneuert worden.

Die Ex-Mitglieder:

"Von Anfang an litt das Klima unter dem aus unserer Sicht unbegründeten Verdacht, Menschen in der Gemeinde wollten Pastor Müller ,kaputtmachen`."

Versuche des Regionaldekans ab Herbst 1992, die Spannungen in den Gremien aufzuarbeiten, "scheiterten aus unserer Sicht hauptsächlich an der mangelnden Bereitschaft der Diakone und des Pastors, sich auf das Konzept der kooperativen Pastoral einzulassen.

Dieser neue Ansatz unseres Bischofs wirbt für mehr Mitverantwortung, Mitarbeit und Mitentscheidung von Laien."

Doch davon sei wenig zu spüren.

So habe es den "hartnäckigen Versuch" gegeben, einen Diakon zum Vorsitzenden des Pfarrgemeinderats zu machen - obwohl dieses Amt "in der Regel von einem Laien wahrgenommen werden soll."

Das sei "ein Beispiel für den Klerikalismus und das Machtdenken unserer Diakone."

"Wir können und wollen die aufgezeigten negativen Entwicklungen in unserer Gemeinde nicht länger mittragen."

Die neun zurückgetretenen Ratsmitglieder zeigen sich tief besorgt um den Zustand und die Zukunft der Pfarrgemeinde.

Die Gemeindeleitung wollte sich auf WR-Anfrage zu den Vorwürfen nicht äußern.

Pastor Georg Müller versuchte vielmehr, die WR durch Androhung rechtlicher Schritte an einer freien Berichterstattung zu hindern.<- 13.11.94:

Betzdorf.

(fr) "Hat uns das die Geschichte nicht gelehrt? Faschistische Bastarde schicken uns den Tod!" So lautet in deutscher Übersetzung der Refrain des Songs "Sieg shit", den die Band "Denomination" eigens für ihren jüngsten Auftritt im Betzdorfer Kolpinghaus geschrieben hatte.

Denn dort, im katholischen Pfarrzentrum, ging jetzt das erste "Betzdorfer Anti-Festival gegen Faschismus und Gewalt" über die Bühne.

Initiiert und organisiert hatten es die jungen Musiker der Betzdorfer Gruppe "Mortal Wrath".

Sie plakatierten weitflächig, hielten die Eintrittspreise niedrig und engagierten ausschließlich Metal-Bands, durchweg mit lokaler Zugkraft (die WR berichtete).

Lohn der Mühe und der sinnvollen Planung:

Weit über 300 Zuhörer füllten nun das Kolpinghaus.

Dort begrüßte sie die absolute Newcomerband "Denomination" mit trashig vorgetragener - und darum akustisch kaum verstehbarer - Sozialkritik.

Für ihren Musikstil haben sie einen eigenen Namen kreiert ("Splatter-Core") - und sind auch sonst recht selbstbewußt:

Die jugendlichen Debütanten verbreiteten auf Flugblättern in englischer Sprache, ihre Band sei eine "neue Religion gegen Rassismus, Krieg, Todesstrafe und Hungersnot".

So bedeutet der Name "Denomination" übersetzt denn auch "Sekte".

Als "Guru" fungiert bei ihnen eindeutig Sänger Mükerrem Taspinar:

Der Wehbacher, besser bekannt als "Mocca", präsentierte sich bei seinem ersten öffentlichen Auftritt kraftvoll und souverän.

Mit der Feinabstimmung haperte es bei der Premiere erwartungsgemäß ein wenig - doch Gitarrist Frank Bornhütter (Biersdorf) überraschte positiv mit schönen Soli; ebenfalls gefiel Drummer Stefan Winkler, ehemals bei "Mortal Wrath", durch abwechslungsreiche Fell-Bearbeitung.

Bühnenerfahrung hat auch der Vierte im Bunde vorzuweisen, Bassist Manuel Rost aus Wallmenroth.

Er spielte schon beim kreisweit größten Rock gegen Rechts, im Anschluß an den Betzdorfer Lichterzug, vor voller Stadthalle mit nepalesischen Trashern in der Band "Carishma", die sich leider auflösen mußte.

Nach der "neuen Sekte" zogen im katholischen Pfarrzentrum "seelenlose" Westerwälder ein.

Die Hachenburger Formation "Mindless" (der Name kann auch "gehirnlos" bedeuten) betrat die Bühne - und die mitgereisten Fans sprangen davor.

Beide sorgten für die erste Riesenstimmung des Abends, überall flogen die Haare zackig im Takt.

Auch das Betzdorfer Publikum überzeugten die Westerwälder - spätestens, als sie Slayers "Seasons in the abyss" zum Besten gaben.

Der kurzhaarige und gleichwohl kompromißlos harte Mindless-Sänger putschte die Menge auf, charismatisch provozierte er eine wilde Metalparty im Kolpinghaus.

Derart aufgewärmt, empfing der Saal die Stars des Abends.

Jetzt standen Hunderte vor der Bühne - bereit für "Mortal Wrath", die neues Songmaterial angekündigt hatten.

Die Betzdorfer machten es erst einmal spannend, schoben eine minutenlange, theatralische Ouvertüre vor.

Dann enterten sie die Bühne - und der erste Einsatz ging daneben.

Egal, brüllte Sänger Oliver Gritschke, gleichzeitig Hauptorganisator des Festivals.

Beim zweiten Versuch klappte es dann:

Mortal Wrath zeigte sich mit zahlreichen Soli und kniffligen Breaks in deutlich gesteigerter Form.

Den Schlußpunkt setzten die Betzdorfer Power-Metaller "Disorder" (von der WR ebenfalls bereits vorgestellt).

Leider hatten sie als letzte Band nur noch wenige Zuhörer.

Ein Trost:

Beim Betzdorfer Rockforum am kommenden Samstag, wo "Disorder" als einzige Band den Heavy Metal vertreten wird, werden es sicher mehr sein.<- 5.11.94:

Kreis Altenkirchen.

(fr) Die Wirtschaft krankt, immer mehr Menschen werden arbeitslos, die Kriminalität ist so groß wie nie zuvor - ein Rückblick auf das Jahr 1993 im Oberkreis fällt nicht gerade positiv aus.

Doch es gab auch Positives, Neues und Kurioses.

Januar Die Polizei teilt mit:

1992 gab es 5.550 Straftaten im Kreis Altenkirchen - so viele wie nie zuvor * 1.350 Aussiedler werden auf dem Truppenübungsplatz Stegskopf untergebracht * Symbol für zurückgehendes Engagement im Ehrenamt:

Der MGV "Frohsinn" Brachbach findet kein Mitglied, das die Ehrenfahne tragen will * 18jährige wird in Emmerzhausen von zwei Männern vergewaltigt - Die Täter hatten eine Autopanne vorgetäuscht * Ulrich Schmalz neuer Sprecher der CDU-Kreistagsfraktion * Hochwasser:

In Betzdorf steigt die Sieg so hoch wie seit sieben Jahren nicht mehr * Das soziokulturelle Zentrum "Haus Felsenkeller" präsentiert sein bisher umfangreichstes Programm * Neue Postleitzahlen vorgestellt - Betzdorfer Postamtsleiter spricht von "historischem Moment" Februar Kreisweit größte Demo gegen Ausländerhaß:

2.000 Menschen ziehen beim Betzdorfer Lichterzug mit * Untersuchung der IHK Koblenz:

"Düstere Aussichten für drei von vier Firmen" * "Kleiner Solidarpakt" in Alsdorf:

Die Gemeinde will u.a. bei ihrem Seniorennachmittag sparen * In Hamm soll eine Integrierte Gesamtschule entstehen - das Land muß nun entscheiden * Lehrergewerkschaft kritisiert Schulreform:

"Hunderte von Stellen sollen eingespart werden" * Amalgan-Geschädigte gründen Bürgerinitiative in Scheuerfeld * 32jähriger überfährt seine Ehefrau mehrmals mit dem Auto - die 39jährige aus Niederschelderhütte überlebt nur knapp März Der Hammer Pfarrer Uwe Ludwig soll gehen - das beschließt das Presbyterium, obwohl eine Bürgerinitiative fünf Monate für den Geistlichen gekämpft hatte * Streit:

Bürger gegen geplante Denkmalzone Freusburg * Kein Zuschuß mehr für die Müllkosten:

Kreis schafft "Windelerlaß" ab * Herdorfer gewinnt 68.120 Mark im "Sat.1-Glücksrad" * Stahlarbeiter demonstrieren in Wissen und Niederschelderhütte gegen Arbeitsplatz-Abbau * Riesenrutsche im Kirchener Freizeitbad renoviert * Ministerpräsident Rudolf Scharping besucht Gebhardshain zum 60jährigen der Orts-SPD * 46 Prozent der Unternehmen wollen Arbeitsplätze abbauen * Unlauter bereichert? CDU-Fraktion in Birken-Honigsessen chasst ihren Vorsitzenden April Entscheidung in Birken-Honigsessen:

Bei St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft dürfen Frauen immer noch nicht auf den Königsvogel schießen * 23jährige Prostituierte bei Elkenroth überfallen und mit Messer verletzt * Westerwälder Frauenhaus soll eingerichtet werden * Mieten im Kreis stiegen in den letzten drei Jahren um 27 Prozent * Stadt Betzdorf vergibt erstmals einen Umweltpreis Mai Rechtsanspruch auf Kindergartenplatz kostet den Kreis 15 Millionen Mark * Neues Kirchener Rathaus wird eingeweiht - Baukosten:

rund 16 Millionen Mark * Raubüberfall auf Herdorfer Petz-Markt - 10.000 DM erbeutet * In Wissen soll ein Einkaufzentrum entstehen - auf dem Bahnhof * Rockkonzert in Betzdorf:

1.300 Zuhörer drängeln sich in der kleinen Tiefgarage der Siegpassage * Betzdorfer Schwarzparker chancenlos:

Erstmals im Kreis Altenkirchen bewachen Schranken einen öffentlichen Parkplatz * Scheuerfelder SPD wirft Bürgermeister Franz Karst in 29 Fällen Amtsvergehen vor Juni 25 alte BMWs:

Kfz-Meister gründet inSteinebach ein Motorradmuseum * Zwei von drei Sozialdemokraten im Kreis beteiligen sich an Vorschlagswahl für SPD-Bundeschef - 77 Prozent stimmen für Scharping * Kirchener Traditionsunternehmen "Jung-Jungenthal" macht dicht - 312 Menschen verlieren ihre Arbeit Juli Feuerwehrübung am Stegskopf endet mit simuliertem "Atompilz als Belustigung" * Motorradfahrer starb in Emmerzhausen, Autofahrer wird schuldig gesprochen - und kommt mit 5.000 DM Geldstrafe davon * Arbeitslosigkeit im Kreis:

55 Prozent mehr ohne Job als vor einem Jahr * Entscheidung pro Struthhofspange fällt * SPD-Kreischef Reiner Rühmann zum Spitzenkandidaten für das Amt des Daadener Verbandsbürgermeisters nominiert * Der letzte Industrie-Schornstein Betzdorfs wird am Struthof gesprengt * Kommunalaufsicht weist Betzdorfer Bürgermeister Michael Lieber zurecht - er hatte sich geweigert, auf SPD-Antrag eine Dringlichkeits-Ratssitzung einzuberufen August Bewährungsstrafe für Mann aus dem Wissener Land, der einen Jungen vier Jahre lang sexuell mißbraucht hatte * Oberverwaltungsgericht muß Fest-Streit in Kirchen schlichten - MGV "Liederkranz" darf nun bis 1 Uhr feiern * Gemeinde Niederfischbach muß 9-Millionen-DM-Sanierung der Hauptstraße vorfinanzieren * Betzdorfer gründet Selbsthilfegruppe für Spielsüchtige * WR-Untersuchung:

Gemeinden im Kreis kassieren jährlich Knöllchen in Höhe von 320.000 DM * Hartmut Tielmann wird neuer Bürgermeister von Derschen * Nach großem Wirbel:

Stadt Betzdorf verhindert Saniuerung und Erhalt der Daadetal-Bahn * Kuriosum in Gebhardshain:

Doppeltes Drillings-Trio eingeschult * Sensationelle Jahreshauptversammlung:

Daadener DRKler steht ohne Vorstand da * Kreis hebt Naturschutz für einen Birnbaum wieder auf September Freispruch für Gebhardshainer Lehrer, der eine Schülerin sexuell belästigt haben soll * Daadetalbahn gerettet - Kreis schießt mehr Geld zu * Riesenaktion für Jugendarbeit:

Superwette "Trucker zeigenHerz für Kinder" in Herdorf und Daaden *Raubüberfall auf Wehbacher Sparkasse - 34.000 DM erbeutet * Erste Deutsche Meisterschaftschaft im Damen-Schnellschach findet in Herdorf statt * Wissener Bahnparalle eingeweiht - Baukosten:

40 Millionen Mark * Ludwig Eich wieder zum heimischen SPD-Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl nominiert Oktober Beschäftigte der Daadener Firma Krämer demonstrieren gegen Fabrik-Anlieger, die wegen Lärmbelästigung klagen * Gegen Gewalt und Mißbrauch:

Kreis-Kinderschutzdienst nimmt in Kirchen seine Arbeit auf * DRK Daaden hat wieder einen Vorstand - Vorsitzender wird der Bürgermeisterkandidat Rainer Rühmann * Kulturzentrum "Haus Felsenkeller" muß Angebot radikal einschränken - Zuschüsse bleiben aus *"MacDonald`s" plant Filiale in Betzdorf * Kölner Punkclowns gastieren in Betzdorf - in der Stadthalle verbrennen sie eine Deutschlandflagge * 30 Meter hohe Pappeln hinter dem Hammer Rathaus gefällt November Arbeitsmarkt:

Auf jeden Bewerber kommen zwei offene Lehrstellen * Wasserqualität der Sieg verschlechtert - Fluß gilt als "stark verschmutzt" * Trotz Protest- und Unterschriften-Aktionen:

Herdorfer Stadtrat beschließt Abriß der Gaststätte Steinau - damit der Verkehr flüssiger fließen kann *Dart-Weltrekord in Hamm:

197 Stunden warfen zwei Männer auf eine Scheibe * Blutplasma-Skandal auch im Kreis Altenkirchen:

Fünf Jahre lang wurden im Kirchener Krankenhaus HIV-verdächtige Blutkonserven verwendet * Demo gegen Postreform - allein in Betzdorf sollen 40 Arbeitsplätze wegfallen * In Wissen:

Doppelt so viele Arbeitslose wie vor einem Jahr * Nach 30 Jahren:

Wieder Wochenmarkt in Kirchen * Nach langen Querelen:

Ulrich Schmalz wieder zum heimischen CDU-Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl nominiert Dezember Baubeginn für neues Daadener Rathaus - geplante Kosten:

5,6 Millionen Mark * Erstmals im Kreis:

Tagesklinik für psychisch Kranke in Kirchen eingerichtet * Bezirksregierung teilt mit:

Für 1,5 Millionen Mark wurde im Kreis 1993 "Dorferneuerung" betrieben *Land bewilligt Zuschuß - Altenheim in Mudersbach kann gebaut werden - erwartete Kosten:

16 Millionen Mark * In Betzdorf wird eine neue Kneipe mit Magnetkarte vor unliebsamer Kundschaft gesichert - das System ist, wie die Wirte erklären, einmalig in Deutschland * "Jahrhunderthochwasser" in Deutschland - der Kreis Altenkirchen bleibt verschont.

Ein Ereignis aus dem Dezember bleibt noch nachzutragen - es macht klar, wie die Prognosen für 1994 stehen:

Zeichen der Rezession in Kirchen:

Die größte Verbandsgemeinde imKreis erwartet, im nächsten Jahr statt 12 nur noch 7,5 Millionen Mark Gewerbesteuer einzunehmen.

* 19.4.94:

Betzdorf.

Auch im Kreis Altenkirchen gibt es, nach Informationen des Junge-Union-Kreisvorsitzenden, Mitglieder der Scientology-Sekte.

JU-Kreischef Josef Rosenbauer:

"Es sind eine Handvoll Mitglieder, die kräftig spenden."

Kräftig spenden bedeutet bei den Scientologen:

sechsstellige Dollarbeträge.

Rosenbauer erklärte dies gegenüber der SZ am Rande einer Scientology-Informationsveranstaltung der Jungen Union.

Namen wollte der Kreisvorsitzende nicht nennen, sagte nur soviel:

"Es sind Selbständige aus der Wirtschaft."

Warum Rosenbauer so vorsichtig war, wurde während des Infoabends im Betzdorfer Kolpinghaus klar.

Dort sprach Norbert Potthoff, ehemaliger Führungsmanager der Scientologen.

Er war 1985/86 als Leitender Direktor für die Sekte tätig:

Von Hannover bis in die Eifel organisierte er die Mitgliederwerbung und PR.

Erst bei einer weiterführenden Ausbildung in Kopenhagen gingen ihm die Augen auf:

"Ich merkte, daß Scientology ein totalitäres System ist."

Er stieg aus.

"Potthoff hat Glück gehabt", sagt der katholische Sektenbeauftragte Christoph Bussen über ihn, "ich kenne mehr tote als lebende Aussteiger."

Auch Potthoff weiß:

"Hunderte von Aussteigern sind auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen."

Aber er schweigt nicht - sondern enthüllt seine intimen Kenntnisse aus dem Inneren der Scientology-Sekte.

Und klärt die Menschen auf:

In Betzdorf sprach er vor 100 Zuhörern zwei Stunden.

Es war für ihn der Beginn einer vierwöchigen "Info-Tour" durch Rheinland-Pfalz.

JU-Rosenbauer wollte die Veranstaltung bei einem Landes-Privatsender ankündigen lassen.

"Doch das wurde abgelehnt", so der Niederfischbacher, "von ganz oben."

Wichtig war es Potthoff, auf die faschistischen Gedanken und Strukturen von Scientology hinzuweisen.

"Ihr Ziel ist die totale Kontrolle der Welt.

Religiöses macht jedoch nur 3 bis 4 Prozent ihrer Aktivität aus."

Vielmehr propagiere die Sekte einen brutal kapitalistischen Kurs, für den sich heutzutage viele begeistern könnten.

Mindestens 100.000 Scientologen gebe es in Deutschland.

Weltweit sei "Dianetik", das Buch des Gründers Ron Hubbard, bereits 17 Millionen mal verkauft worden.

Die Werbeanzeige (Einstein-Bild, "Sie nutzen nur 10 Prozent Ihres Gehirnleistein") hatte auch einen der Zuhörer animiert, das Buch zu kaufen.

Er berichtete:

"Seitdem lassen die mich nicht mehr in Ruhe."

Die wirtschaftliche Macht von Scientology zeige sich u.a. darin, so Potthoff weiter, daß es Scientology gelungen sei, die Hollywood-Produktion "Kuck mal, wer da spricht" ausschließlich mit Sektenmitgliedern zu besetzen.

Ist Scientology "nur" eine Sekte? "Bis 1980 ja", so Potthoff, "keiner hat gemerkt, daß sie seitdem auch einen politischen Anspruch entwickelt haben.

Jetzt erst wachen die Politiker auf."

Potthoff erwähnte in diesem Zusammenhang lobend Stefan Schwarz (CDU), den parteiintern gescheiterten Bewerber für die Bundestags-Spitzenkandidatur im Wahlkreis Neuwied/Altenkirchen.

Schwarz hatte in Worms zu einem "Scientology-Tribunal" eingeladen.

Potthoff:

"Scientology ist eindeutig staatsfeindlich.

Und sie stellt eine neue Art von organisierter Kriminalität dar."

Wie erkannt man Scientologen? "Sie lächeln ständig", meinte der Abtrünnige, "und suchen bei Gesprächen engen Kontakt."

Gerate ein Mensch in die Sekte, seien "plötzliche Verhaltensänderungen" zu erkennen:

"Zum Beispiel die abrupte Aufgabe von Alkohol - oder ein Aufflammen von Disziplin."<- Norbert Potthoff beim Diavortrag in Betzdorf (im Hintergrund ein Bild des Scientology-Gründers Ron Hubbard).

2.4.94:

Brachbach.

(fr) Das 300.

Mitglied der Brachbacher Heimatfreunde ist ein ganz junges:

Ann-Katrin Mockenhaupt, gerade mal fünf Jahre alt.

Nicht nur Vorsitzender Werner-Georg Albrecht (l.) und Kassierer Karl Rummler freuten sich über den Vereinszuwachs.

Georg schmunzelte:

"Endlich mal ein junges Neumitglied!" Denn die meisten Heimatfreunde sind über 35, "aber es liegt in der Natur der Sache", so Georg, "daß ein Traditionsverein eher Ältere anspricht."

Gründungsvorsitzender Georg wertet es eindeutig als Erfolg, daß "ein solch junger Verein wie der unsere nun schon 300 Mitglieder hat."

1986 gegründet, traten in den ersten beiden Jahren etwa 120 Brachbacher bei, danach stagnierte die Mitgliederzahl.

Seit 1990 sei sie aber stetig nach oben gegangen.

Die nächste große Aktion des "Vereins für Heimat- und Naturpflege" - so der korrekte Vereinsname der Heimatfreunde - ist ein Heimatfest am 29.

Mai, das unter dem Thema "Schmieden" steht.

25.4.94:

Marienthal.

(fr) Der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse, Siegfried Klaus, feierte jetzt seinen 60.

Geburtstag.

Optimismus und Einfühlungsvermögen seien seine besonderen Charaktereigenschaften, so Vorstandskollege Hans-Dieter Weber.

Seine Lehre als Bankkaufmann absolvierte Siegfried Klaus bei der Kreissparkasse Ahrweiler.

Mit 35 Jahren wurde er deren Vorstandsmitglied.

Seit 1985 ist er Vorstandschef der Kreissparkasse Altenkirchen.

Außerdem ist er Aufsichtsrats-Vorsitzender der Sparkassen-Informatik-Gesellschaft sowie Verwaltungsratschef der Landesbank Rheinland-Pfalz.

Mehreren Vereinen stellt er seinen finanztechnischen Fachverstand als Kassenwart zur Verfügung:

Klaus ist Schatzmeister des DRK-Kreisverbands, des Verkehrsvereins Westerwald-Touristik und des Fördervereins Bergbau- und Hüttentradition.

Er fungiert weiterhin als Vorsitzender des Fördervereins der Kreismusikschule.

Bei der Geburtstagsfeier in Marienthal bei Hamm waren zahlreiche Ehrengäste anwesend, u.a. die CDU-Abgeordneten Ulrich Schmalz (MdB) und Dr. Alfred Beth (MdL).

Prominentester Gratulant:

Landes-Finanzminister Gernot Mittler (links im Bild).

1.Juni94:

Niederfischbach.

(fr) Drei Tage lang werden die Niederfischbacher das 75jährige Bestehen ihres Männergesangvereins feiern.

Los geht`s im Festzelt am Bahnhof mit einem Kommers am Freitag, den 10.

Juni, um 20 Uhr.

Am späten Abend wird die Niederfischbacher Musikkapelle zum Tanz aufspielen.

An dem Freundschaftssingen am folgenden Samstag um 14.30 Uhr werden 18 Chorgemeinschaften teilnehmen.

Ab 20 Uhr sorgt das "Original Steiermark-Sextett" für Stimmung.

Einen Festgottesdienst in der katholischen Kirche am Sonntagmorgen, 9.30 Uhr, wird der MGV mitgestalten.

Anschließend zieht er gemeinsam mit der Musikkapelle in`s Festzelt ein.

Dort schließt ein Frühschoppen mit Tanz die Feierlichkeiten ab.<- 5.juli94:

Hachenburg.

(fr) Etwa 17.000 Menschen besuchten das Fest - doch die Veranstalter waren mit der Resonanz unzufrieden.

"Wäre es nicht so heiß gewesen, hätten wir sicherlich rund 30.000 Besucher verzeichnen können."

Das sagt eigentlich schon alles aus über das Spektakel, das die Hachenburger in ihrem Burggarten, diesmal auf dem gesamten Arreal, auf die Beine stellten.

Das Burggartenfest war kein Fest, es war ein drei Tage langes Happening - und eine Reise in eine andere Welt.

"Wildwest" lautete das Motto.

Umgesetzt wurde es so:

Westernstadt, hochwertige Country-Musik live (in einem Festzelt, durch das ganz selbstverständlich Cowboys mit ihren Pferden ritten), großes Zeltdorf - tanzende und reitende Indianer, mexikanisches, chinesisches sowie indianisches Essen und vieles mehr (die WR berichtete im Vorfeld).

Doch es war heiß, zu heiß.

"Der größte Andrang war Freitagnacht, nach dem WM-Spiel", so der Allgäuer Werner Reichenberger, Wirt des "El Margarita", einer mexikanischen "Bodega" (Kneipe).

An dem Abend sei es auch ziemlich hoch her gegangen, so Reichenberger:

"Hier war ein Haufen Fixer, die wollten das Heu anstecken, haben eingebrochen - Country-Fans waren das nicht."

Solche "Kleinigkeiten lassen sich bei einem so großen Fest nicht vermeiden", so Hauptorganisator Jürgen Hardeck, der Hachenburger Kulturreferent.

Mit der Resonanz jedoch ist er nicht zufrieden.

Vor zwei Jahren, beim Motto Mittelalter, kamen 30.000 Besucher an zwei Tagen.

Diese Zahl hätte auch diesmal erreicht werden können - bei ein bißchen weniger Hitze.

Sicherlich, so Hardeck, habe der "Spaß auf der Gass" in Betzdorf einige vom Kommen abgehalten, was aber nicht entscheidend gewesen sei.<- Auch den Variete-Girls - übrigens von der Hachenburger Kirmesgesellschaft - wurde es recht heiß.

11.

April 1994:

Daaden.

(fr) Gleichberechtigung - auf dem Fußballplatz ein Fremdwort? Im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen fühlen sich die Damen oft benachteiligt.

Eine Spielerin der Sportfreunde Daaden berichtet:

"Die Vereinsführung stellte uns nicht einmal Bälle zur Verfügung."

Jeanette Kern, 20jährige Studentin aus Brachbach, kickt für die Sportfreunde Daaden in der Bezirksliga Ost.

Und das erst seit einem Jahr - doch was sie in dieser kurzen Zeit bereits erlebt hat, macht sie wütend.

"Unsere Mitgliedsbeiträge werden dafür verwendet, um unsere Schiedsrichter zu bezahlen."

Doch das sei ein Fortschritt:

"Zuvor mußten wir die Schiris aus der eigenen Tasche entlohnen."

Nicht einmal Fußbälle habe man vom Verein bekommen - erst nach einem halben Jahr der Bitten.

"Vorher mußten wir mit Bällen spielen, die wir irgendwo gefunden haben."

Immer noch keine Unterstützung von ihrem Verein erhalten die "Sportfreundinnen" für die Fahrten zu den Spielen.

"Wir müssen bis nach Dietz und Ellingen fahren", so Jeanette Kern, "doch für ein Büschen ist kein Geld da.

Kilometergeld bekommen wir auch nicht.

Aber bei den männlichen Spielern, da funktioniert das."

Probleme auch mit den Trikots.

Der Verein habe zwar welche zur Verfügung gestellt, und zwar abgetragene der Herren - allerdings mit V-Ausschnitt ...

Die 20jährige:

"Auf der anderen Seite werden für die Herrenmannschaft Spieler aus Rußland eingeflogen! Nun gut, die Herren spielen in der Verbandsliga, wir dagegen in der untersten Klasse.

Aber trotzdem ist das insgesamt doch nicht gerecht."

Einmal wollten die Damen trainieren - doch, Überraschung:

Auf dem Platz war ein Jungenspiel angesetzt.

"Und das, obwohl wir unser Training angemeldet hatten."

Da die Gastmannschaft der Daadener noch nicht angekommen war, wollten sich die Frauen in der Gästekabine umziehen.

"Doch das wurde uns verboten.

Wir mußten uns in der Stadion-,Kneipe` umziehen - ein Ding der Unmöglichkeit!" Gebe es nicht die "gute Seele" der Elf, Trainergattin Hertha Bienemann, die sich um vieles kümmert, "würde die Mannschaft nicht mehr existieren."

Nicht einmal informiert sei man gewesen, wenn der Platz gesperrt ist.

"Bei einem Meisterschaftsspiel erfuhren wir erst am Stadion, daß der Platz gesperrt war."

Letztlich mußten die Damen in Emmerzhausen kicken - "auf einem grünen Acker.

Da hab` ich mich", gesteht die sportliche Studentin, "echt geärgert.

Ich komme extra zwanzig Kilometer von Brachbach herangefahren, und dann so etwas!" Erst nachdem sich die Damen vor versammelter Mitgliederschaft beschwerten, habe sich dies gebessert.

Außerdem bekamen die Frauenfußballerinnen einGeschenk:

zwanzig Plakate für die Spielankündigung.

"Ein Zugeständnis", so Kern, "dennoch:

Als Damenmannschaft muß man betteln."

Aber auch symbolische Unterstützung sei in Daaden nicht vorhanden:

"Der Vorstand läßt sich bei unseren Spielen nie blicken."

Und dies, obwohl die Daadenerinner aktueller Tabellenführer sind.

Doch einen Aufstieg, meint Kern, "könnten wir uns - wegen der längeren Fahrten - gar nicht leisten."

6.4.94:

Betzdorf.

(fr) Die Situation der heimischen Wirtschaft gibt oft Anlaß zu negativen Schlagzeilen - gute Nachrichten kommen dagegen von der Betzdorfer "Elco".

Wie Geschäftsführer Hartmut Gaul der WR mitteilte, rechnet das Unternehmen in diesem Jahr mit einer Umsatzsteigerung von 20 Prozent.

Bereits 1993 hatte es bei der Leiterplatten-Firma ein Umsatzplus in dieser Höhe gegeben.

"Die 230 Arbeitsplätze sind sicher", so Gaul.

"Ob Arbeitskräfte zusätzlich angeheuert werden, wird man sehen."

Als Grund der positiven Lage nannte Gaul u.a. den Zusammenschluß von Elco mit Kyocera (Japan) und AVX (USA), was Synergie-Effekte bewirkt habe.

So sei Elcos Einstieg in den Automobilmarkt erfolgreich gewesen - trotz Rezession.<- 27.6.94:

Katzwinkel.

Etwa 100 Kinder waren beim Turnier "Wer wird Fahrrad-Champion?" an der Katzwinkeler Grundschule dabei.

Vierzig von ihnen waren noch zu jung, um teilnehmen zu dürfen - und fuhren dennoch, außer Konkurrenz, mit.

Trotz großer Hitze zeigten auch eine Handvoll Jugendlicher großes Engagement:

Die 20-Kilometer-Strecke fürs Sportabzeichen, die parallel absolviert werden konnte, fuhren sie mit dem Ziel, die Vorjahres-Bestzeit zu brechen.

Das gelang Sascha Schwarz, dem alten Rekordhalter:

Er fuhr von Katzwinkel durch den "Grund"nach Wissen und zurück in 33 Minuten.

Die Gewinner bei dem Fahrrad-Turnier, das von ADAC, AOK und Jugendschwimmgruppe TuS Katzwinkel veranstaltet wurde:

Andre Schröder, Elkhausen (Altersklasse 8 bis 10 Jahre); Anna Karina Schäfer, Katzwinkel (10 bis 12 Jahre) und Conny Fritzen (12 bis 15 Jahre).

Die Schwester der Katzwinklerin, Constanze Fritzen, hatte im letzten Jahr gewonnen.

Bei den Gaumeisterschaften, für den sich alle drei Erstplazierten qualifizierten, hatte sie mit nur einem Punkt Rückstand auf den Sieger einen beachtlichen zweiten Platz erreicht.

Diesmal konnte sie in Katzwinkel nicht teilnehmen.

Dafür machte ihr Bruder Peter mit, der einen vierten Platz in der höchsten Altersklasse belegte.

Organisator Gerhard Judt, Trainer der Jugendschwimmgruppe, konnte erfreut mitteilen, daß an den Fahrrädern der Teilnehmer so gut wie keine technischen Mängel festgestellt werden mußten.<- Siegte in der Altersklasse 10 bis 12 Jahre:

Anna Karina Schäfer aus Katzwinkel.

11.10.94:

Über zahlreiche Beförderungen können sich die Aktiven des Feuerwehr-Löschzugs Kirchen freuen.

Nach ihrer Jahresabschlußübung am evangelischen Kindergarten (die WR berichtete) wurden am Gerätehaus in der Katzenbacher Straße folgende Wehrleute befördert:

Andreas Schwan zum Hauptfeuerwehrmann, Jens Eckermann, Stephan Dücker und Michael Stark zum Oberfeuerwehrmann sowie Klaus-Dieter Weber zum Löschmeister.

Im Bild (v.l.):

Zugführer Hensel, stellvertretender Wehrführer Hans-Werner Grimmig, die beförderten Wehrmänner Schwan, Eckermann, Weber, Dücker und Stark mit Wehrleiter Michael Lanfer.

22.

Aug 94:

Betzdorf.

Aus Betzdorf werden Änderungen in einer aktuellen Schach-Weltrangliste gemeldet:

Peter Böhm aus Minden schob sich - durch seinen Sieg bei einem Turnier in der Stadthallen-Bibliothek - auf Platz 1 der "Gambit-Weltrangliste" vor.

Berechnet wird sie von dem Betzdorfer Wolfgang Greiner, der nun zum siebten Mal ein Schachturnier veranstaltete, bei dem ausschließlich agressive Gambit-Eröffnungen ("Bauernopfer") gespielt werden dürfen.

Das ist Greiners Wissen nach immer noch eine einmalige Sache - und folgerichtig führt er eine "Weltrangliste", auf der alle 35 bisherigen Teilnehmer verzeichnet sind.

Greiner, selbst übrigens auf Rang 20 plaziert:

"Der Spaß steht dabei im Vordergrund.

Startgelder müssen keine gezahlt werden - und mitmachen darf, wer durch mich persönlich eingeladen wurde ..."

Sieger und Weltranglistenerster Böhm gewann das Turnier bereits zum dritten Mal.

So durfte er den Wanderpokal mit nach Minden nehmen.

Der Cup wurde überreicht durch den Bürgermeister der Stadt und Verbandsgemeinde Betzdorf, Michael Lieber - und der stiftete bereits einen neuen, für nächstes Jahr.

Dann wird in Betzdorf wieder um Weltranglisten-Punkte gekämpft.<- Mit nur einem Punkt Rückstand landete Detlef Kirwald (Bielefeld) auf Platz 2, hinter dem neuen Weltranglisten-Führenden Peter Böhm, der von Bürgermeister Michael und Organisator Greiner den Pokal erhielt (im Bild v.l.) 2.2.94:

Betzdorf.

(fr) Der Sieger des 15.

Betzdorfer Hallenfußball-Turniers heißt Lignotock! Im Finale besiegten die "Werkskicker" das Überraschungs-Team "Hobbykicker" klar mit 4:0.

Und die Veranstalter sind hochzufrieden:

Noch mehr Spenden als im letzten Jahr kamen für die Kinderkrebsstation Gießen zusammen - über 10.000 DM.

Über eine "ganz enorme Spendenbereitschaft" freute sich Organisator Werner Zidar (Rathaus-Elf).

"Sogar stifteten viele Spieler ihr Verzehrgeld."

Und die Resonanz war groß.

"Wir hatten an allen drei Tagen tollen Besuch!" Dafür sorgten nicht nur die 16 teilnehmenden Mannschaften, sondern auch Attraktionen wie der Windecker Rock`n`Roll-Club und eine Einlagespiel mit Deutschlands besten Fußballspielerinnen (die WR berichtete).

Eine faustdicke Überraschung gelang dem Team "Hobbykicker":

Entstanden aus einem Stammtisch der Betzdorfer Fußballerkneipe "Zur Post", gelang ihnen der Einzug ins Finale.

Dort war aber Endstation:

Auch mit dem überragenden Lutz Göldner konnten sie die "Lignotocker", gespickt mit Oberliga-Spielern, nicht knacken - die Kondition der "Hobbykicker" ließ am dritten Turnier-Tag etwas nach ...

In der ersten Halbzeit fingen sie zwei Tore von Colin Marshall ein, der nach dem Wiederanpfiff noch einmal nachlegte.

Für den 4:0-Endstand sorgte Dirk Martin.

Das Team der Firma Lignotock gewann den Hallencup-Pokal damit zum vierten Mal, ist die erfolgreichste Mannschaft aller 15 Turniere.

Absoluter Publikumsliebling des Turniers war der Nigerianer Angus Iketi (VfB Wissen).

Der Torwart schaltete sich immer wieder in die Angriffe ein, wobei ihm sogar ein Tor gelang.

Die meisten Treffer - acht - schoß Dirk Teubert.

Der Verbandsligaspieler (SG Betzdorf) startete für das Team des Schäfershops, das den dritten Platz belegte (3:1 gegen Kreissparkasse).

Vorjahressieger Pagnia trat nicht an.

Aufgrund des Todes von Pagnia-Geschäftsführer Harald Buhr hatte man auf eine Teilnahme verzichtet.

Das Turnier-Reglement führt leider dazu, daß das erfolgreiche Möbelmarkt-Team im nächsten Jahr nicht ohne weiteres wieder starten kann:

Nur wenn eine Mannschaft nicht antritt, die beim letzten Turnier gespielt hat, kann ein anderes Team wieder mitmachen.

"Und die Wartelisten sind lang", so Organisator Zidar.

Über eine Ausweitung des Turniers denkt man aber nicht nach:

"Das würde den zeitlichen Rahmen sprengen - drei Tage sind lang genug."<- Freude beim "Lignotock"-Team:

Zum vierten Mal den Cup geholt - und damit die erfolgreichste Mannschaft aller Betzdorfer Hallenfußball-Turniere.

19.juli94:

Betzdorf.

Trend zum Umweltschutz, auch auf dem Arbeitsmarkt:

118.000 neue Arbeitsplätze im Bereich Umweltschutz sind allein zwischen 1984 und 1990 bundesweit neu entstanden.

Die heimische IHK bietet nun neuerdings eine Ausbildung zum "Umweltcontroller" an, nach den Sommerferien wird der Lehrgang "Industriefachkraft Umweltschutz" hinzukommen.

Und eine regelrechte "ökologische Konversion" vollzieht sich derzeit in einem alteingesessenen Betzdorfer Unternehmen.

Seit 1926 existiert die Farbband-Firma Karl Isenböck, die Spezialfarbbänder für Meß- und Regeltechnik herstellt.

Zum Kundenkreis gehörten viele Behörden und so renommierte Abnehmer wie Bayer-Leverkusen - "doch der Trend", so Hans-Werner Isenböck, der den Betrieb in der dritten Generation führt, "geht immer mehr zum Laserdrucker."

Die Zukunft liegt im Umweltschutz, erkannte der Unternehmer, stellt nun um - von der Fabrikation auf Recycling.

Ähnlich der Konversion bei Wehrtechnik-Firmen, die von Kriegs- auf Zivilgerät umsteigen, wandelt sich der Betzdorfer Betrieb seit Anfang des Jahres um - und zwar ökologisch.

Zwar werden einige Bänder schon heute mit Nachfüllpack angeboten, "doch daß an die 80 Prozent aller Drucker-Farbbänder wiederverwertet werden können", so Isenböck, "ist nicht allgemein bekannt.

Vieles landet einfach im Müll."

Mancher versucht es auch mit Kreativität:

"Ich kenne Studenten, die füllen ihre Tintenstrahldrucker mit Füllhalter-Tinte nach", schmunzelt Isenböck, "die Qualität des Ausdrucks und der Drucker leiden jedoch darunter."

Kaum jemand weiß, daß sogar die meisten Tonerkartuschen von Laserprintern, Kopierern und Tintenstrahldruckern neu gefüllt und benutzt werden können.

Der Benutzer selbst kommt jedoch mit dem staubigen Material nicht zurecht, da muß schon ein Fachmann ran.

Isenböck, mit Fabrik in Bruche, hat das erkannt, bietet den Service an.

Er hat sich - einzigartig im Kreis Altenkirchen - darauf spezialisiert.

Und die Resonanz nach einem halben Jahr ist bereits so gut, berichtet der Fabrikant, daß neue Arbeitsplätze entstehen können.

Seine Kunden sind große Firmen, denn kleine Stückzahlen zur Wiederverwertung rechnen sich für den Betzdorfer Unternehmer nicht.

Er will nun gemeinsam mit den heimischen Fachhändlern ein Sammelstellen-Netz aufbauen, so daß auch private Benutzer ins Recycling eingebunden werden.

Die Kartuschen werden allesamt aufgearbeitet und wieder gefüllt.

"Die sind dann wie neu" - mit Garantie.

Fünf- bis sechsmal ist die Wiederverwertung möglich.

"Umweltschutz kostet" - das sagen viele, erklärt Isenböck.

Doch ein Recycling komme hier etwa 20 Prozent günstiger als ein Neukauf.

"Und die Qualität", so Isenböck, "ist diesselbe."

23.10.93:

Altenkirchen/Hachenburg.

(fr) Es war eine große Geburtstagsfeier:

Zum achtjährigen Bestehen des "Haus Felsenkeller" engagierte man einen medienbekannten Künstler aus Übersee, den Hendrix-Imitator Randy Hansen.

Doch die Riesenfete mit über 600 Besuchern täuschte über die miese Lage des soziokulturellen Zentrums hinweg.

Den Gitarrenvirtuosen Hansen aus Seattle zu verpflichten, das konnte nur gewagt werden, indem der Geburtstag gemeinsam mit der Stadt Hachenburg organisiert wurde, die das 15jährige Bestehen ihres Jugendzentrums feierte.

Denn Geld, das ist beim Felsenkeller knapper denn je:

"Wenn nicht ein Silberstreif am Horizont erscheint, werden wir unser Programm Ende nächsten Jahres einstellen."

Das erklärte gegenüber der WR die Felsenkeller-Mitgründerin Margret Staal.

Immer weniger staatliche und kommunale Zuschüsse führen zu einer drastischen Reduzierung von Angebot und Mitarbeiterzahl.

Kürzlich mußte wieder einer gehen, nur noch sechs Kräfte sind aktiv.

Auch Margret Staal von der "Urcrew" arbeitet mittlerweile nur noch ehrenamtlich für die Einrichtung, ist arbeitslos.

Das Ziel, in der Kreisstadt ein umfassendes, vernetztes Beratungsangebot bieten zu können, scheint nach nun acht Jahren illusionärer denn je.

Sogar laufende Projekte wie Suchtprävention und Frauenberatung können nicht mehr weitergeführt werden.

Und der Kreis Altenkirchen hat in diesem Jahr noch keinerlei Zuschüsse gewährt, mit Ausnahme von projektbezogener Förderung durch das Kreisjugendamt (zum Beispiel für das Theaterstück "Linie 1").

Ob der Kreis mithilft, die weithin einzigartige Einrichtung am Leben zu erhalten, wird in Kürze bei der Nachtragsetat-Debatte entschieden.

Um sich selbst zu helfen, rief der Felsenkeller vor zwei Jahren die sogenannte "Fördermitgliedschaft" ins Leben.

"Doch das lief nicht so, wie wir es uns erhofft hatten", gesteht Margret Staal, tätig in der Geschäftsführung des Vereins.

Denn lediglich 145 Felsenkeller-Fans fanden sich bisher zur Fördermitgliedschaft - "bei 4.000 Personen, die unsere Einrichtung pro Jahr frequentieren, eigentlich recht wenig", so Staal.

Die Bilanz nach acht Jahren:

"Es wird immer zäher."

Ändert sich nichts, soll das Programm zum Jahresende 1995 eingestellt werden.

Von dem soziokulturellen Zentrum, das aus einer Arbeitslosen-Initiative entstand und dann beachtlich anwuchs, bliebe dann nur noch die kommerzielle Weiterbildungs-Schiene übrig - und das Cafe mit Vollwert-Restaurant.

Margret Staal:

"Es geht nicht mehr anders.

Da wir keine Kirchensteuer oder ähnliches bekommen, reicht es hinten und vorne nicht."<- Randy Hansen gab alles - doch die gute Stimmung, die er verbreitete, täuscht:

Dem Felsenkeller geht es finanziell sehr schlecht.

1.12.94:

Betzdorf.

(fr) Die Betzdorfer Stadthalle erlebte jetzt ihren ersten kompletten Mannes-Striptease.

Doch nicht die unsäglichen "California Dream Men" machten Station, sondern ein "Detroit Chaos Man" - und das war noch weitaus witziger.

Als er am Schluß sich und sein Geschlechtszeichen in blaues Satin hüllte, ins Publikum ging und die Fans abküßte, da war es der heimische Clown Manfred "Kessi" Keßler, der das erste Bussi bekam.

Kessi saß in Zivil in der ersten Reihe, war hin und danach weg hinter die Bühne, für ein Autogramm.

Keßler, der auf derselben Bühne einmal einen Fast-Striptease hingelegt hatte, der war am Ende vor Faszination.

Den 300 anderen Besuchern erging es ähnlich.

Denn wer gerade eine anderthalbstündige Audienz gewährt hatte, war der König des chaotischen Comedy:

Jango Edwards.

Der Meister.

Ein bißchen alt geworden, aber immer noch mit der vollen Satirekraft genialer Übersteigerung, dem ungebrochenen Willen zum totalen Overstatement - unberechenbar, ungezügelt und unglaublich furios.

Der Detroiter überrollte die Betzdorfer mit immer neuen, exzessiv überdrehten Charakteren; tat ihnen Stimmgewalt als Fernsehprediger an, machte den gewichtigen "Super-Jango" und schleuderte dem Auditorium gigantisch gestopfte Hüften als Rock`n`Roll-Rollmops entgegen.

300 Charaktere hat Jango Edwards bisher beobachtet und dann bühnenreif exaltiert.

In Betzdorf zeigte er auch, als Zugabe, den nackten Mann - das Geschlecht zwischen den Schenkeln nach hinten geklemmt.

Dann spannende Minuten des Wartens:

Macht er es oder nicht? Natürlich - schwupp, da flutschte der Mannesstolz hinten raus und wedelte vorne auf und ab.

Das hatte dann schon etwas Anarchiches, in der Kleinstadt-Halle.

Nach all dem wurde der "Anarcho-Clown" ernst.

Er sprach vom Neue-Freunde-Gewinnen und Herzen-Öffnen.

Und dafür müsse man auch mal Geld ausgeben, tröstete er den Veranstalter (Kulturverein Lokschuppen), denn der Star war sicher, "ihr habt heute abend keinen Profit gemacht".

300 Besucher, überraschend wenig, in der Stadthalle; doch Jango war nicht traurig und versprach sogar die Rückkehr:

"It was my first time in Betzdorf.

But not my last."<- 2.5.94:

Der Alleinunterhalter bei der Familienfeier im Gebhardshainer Land hatte alles fest im (Tasten-)Griff - bis ihn junge Familienmitglieder fragten, ob er denn nicht etwas Flotteres spielen könne.

"Let`s twist again" war seine Antwort.

Als dann jedoch nach "Guns`N`Roses" verlangt wurde, war er ratlos:

Die kannte er nicht.

Auch deren Song "Knockin` on heavens door" war ihm fremd.

Das konnten die jugendlichen Feiergäste nicht verstehen:

"Aber den Song kennt doch jeder, der ist von Bob Dylan!" Da geriet der Alleinunterhalter ins Grübeln.

Schließlich hatte er seine Fassung wiedergefunden.

"Bob Dylan", meinte der Tastenvirtuose, "so`n Disco-Zeug spiel` ich nicht!" Der Alleinunterhalter hat seine Aufgabe erfüllt, findet Jupp 4.3.94:

Die "ehrlichen Finder" haben es manchmal ganz schön schwer, was Jupps Kollege Thomas erfahren mußte.

Während einer journalistischen Reise in den Unterkreis kam ihm plötzlich eine Brieftasche entgegengeflogen - in dem Auto vor ihm saß ein kleines Kind ...

Thomas stoppte - freilich - sofort und sicherte das Fundstück.

Kfz- und Führerschein, ec-Karte, Schwangerschaftspaß etc.

- die Zahl der Karten war groß.

Obwohl ein extrem wichtiger Termin in Altenkirchen zu absolvieren war, entschloß sich Thomas, die Brieftasche sofort zurückzubringen.

Die Besitzerin wohnte in Neitersen - ein Ort, den Thomas nun erstmals kennenlernen sollte.

Um den Lageort der Straße herauszufinden, fuhr er zum hiesigen Postamt.

Dort erhoffte er Auskunft - doch stieß auf eine telefonierende Postbeamtin, die gerade ausgiebig Nachhilfe in Buchhaltung in Anspruch nahm.

Da wollte Thomas natürlich nicht stören, doch langsam wurde er hektisch:

der Termin rückte immer näher.

Als sich mittlerweile vier Kunden im kleinen Postamt drängten, legte die Beamtin endlich den Hörer auf.

Thomas also:

Wo ist die Straße? Antwort der Postdame:

Weiß nicht, bin fremd hier ...

(!) Mit bajuwarischer Beharrlichkeit und journalistischem Ehrgeiz gelang es Thomas schließlich, die Straße zu finden.

Schon von weitem sah er das komplett auf den Kopf gestellte Auto - und die verzweifelte Frau.

Er:

"Suchen Sie was?" Den generösen Finderlohn - 1 Tasse Kaffee - konnte er leider nicht mehr in Empfang nehmen, denn die Pflicht rief, weiß Jupp 22.Aug94:

HATTERT.

(ROSE) Meist ausverkauft ist der Stern-Saal in Hachenburg, wenn der dortige Blues-&-Boogie-Club (BBC) zum Konzert lädt.

Der BBC, wie alle Kulturvereine potentiell in Finanznot, versuchte es nun in einer größeren Halle.

Mit Blueslegende Luther Allison in der Stadthalle war das gelungen (so gut wie ausverkauft) - doch in der Turnhalle Hattert, mit "Hans Blues & Boogie" aus Berlin und "Juke" aus Liverpool, ging es ein bißchen daneben.

Geschäftsführer Wolfgang Spickermann blickte zu Beginn in die recht leere Sporthalle - und erkannte richtig:

"Heute ist nur der harte Kern hier."

Beim fachkundigen Stammpublikum konnte Spickermann indes Begeisterungsjuchzer ernten, als er mitteilte, der BBC verhandle derzeit mit "Omar & The Howlers" (USA).

Nicht so begeistert war man allgemein von der Atmosphäre in der Hatterter Turnhalle:

Blues vorm Basketballkorb - da hat der Stern-Saal mit seinen Gründerväter-Bildern doch mehr Stil.

"Das nächste Mal", beruhigte Spickermann, "sind wir wieder im Stern."

Am Ende waren es doch noch etwa 120 Besucher, die den funkigen, teils ohne Gitarrenbegleitung gespielten Klamauk-Blues von "Juke" hörten.

Den deutschen Bluesveteranen Hans aus Berlin, der solo, nur mit seinen alten Gitarren auf die Bühne kam, sich auf traditionelle Bluesart den Frust wegsang, hatten leider nur knapp die Hälfte erlebt.<- Bilder:

Hans Blues/Juke 21.

Juni 94:

Betzdorf.

(fr) Thomas Blickheuser ist der neue Wehrführer des Löschzugs Betzdorf.

Beim Fest zum 20jährigen Bestehen der Betzdorfer Jugendfeuerwehr (die WR berichtete) wurde er zum Nachfolger von Jürgen Nocker ernannt.

Zuvor hatte Blickheuser fünf Jahre den Betzdorfer Feuerwehrnachwuchs geführt.

Neuer Jugendfeuerwehrwart ist nun Frank Müller (25).

Er war bereits mit elf Jahren, also zum frühestmöglichen Zeitpunkt, in die Betzdorfer Feuerwehr eingetreten.

Zu seinem Stellvertreter wurde Uwe Hellinghausen ernannt.

Im Bild (hintere Reihe von links):

Frank Müller, Thomas Blickheuser und Uwe Hellinghausen.<- 9.Juli94:

Betzdorf.

(fr) Ein ganz besonderes Wiedersehen gab`s, unbeobachtet von den Fernsehkameras, bei "Spaß auf der Gass":

Eine SWF-Mitarbeiterin und ehemalige Erzieherin entdeckte in Betzdorf ein Kindergartenkind wieder, das sie letztmals im Alter von vier Jahren gesehen hatte - im Jahre 1976 ...

Beate Adam-Gerhard, die heute nahe Rüdesheim lebt, hatte Mitte der 70er Jahre im ev.

Kindergarten auf dem Betzdorfer Bühl als Praktikantin gearbeitet.

Anläßlich des TV-Städtespiels "Spaß auf der Gass" kam die gebürtige Elkenrotherin nun als SWF-Mitarbeiterin zurück in den Westerwald.

Kurz vor der Live-Sendung entdeckte sie im Team der Stadt Betzdorf ein bekanntes Gesicht.

Unglaublich:

Nach fast zwei Jahrzehnten erkannte die Kindergärtnerin den damals vierjährigen Timo Roskamp wieder! Mittlerweile - siehe Bild - ist das Kindergartenkind ganz schön gewachsen:

Sehr bodygebuildet, kam Roskamp, momentan bei der Bundeswehr aktiv, beim TV-Städtespiel als Muskelmann zum Einsatz - mit Lorbeerkranz in einer Badewanne sitzend.<- 24.4.94:

Kirchen-Freusburg.

(fr) Herbert ist so richtig einer aus dem Volk.

Sein erster Blick in die Tageszeitung gilt selbstverständlich der Seite mit den Kreuzen:

"Woll`n mal sehen, wen hat's denn heute umgekloppt?" Die Else also.

"Die war doch schon 83", kommentiert Herberts Kumpel.

"Dann brauch sie sich ja nicht beschweren."

Das war Comedy pur, was "Herbert Knebels Affentheater"als neues Programm "Lecko Pfanni" in der Freusburger Musikkneipe "Zur Burg" präsentierte.

Schrille, kaputte und einfach nur ganz schrecklich normale Typen wurden vorgeführt -und das im kabarettistischen In-Dialekt, dem westfälischen.

Dazu spielte eine total abgefahrene Band.

Die überragende Beobachtungsgabe, die hinter des Affentheaters Dialogen steht, aber auch die Fähigkeit zum hemmungslosen Klamauk, wie vom wilden Affen gebissen - da haben es die fünf Westfalen gar nicht nötig, auf Kabarett-Nummer Sicher zu gehen, also:

Promis zu veralbern oder Politiker populistisch lächerlich zu machen.

Gut 120 Zuschauer lachten sich - auch ohne diese Stilmittel des Mainstream-Kabaretts - kaputt.

"Das Publikum war gut", lobte Affentheater-Mann Martin Breuer, "hier in der Gegend ist das auch fast immer so.

Aber das hier ist ja auch ein guter Laden."

Im Publikum saß übrigens das komplette Team von "Coca Brikett", dem heimischen Pendant zum Affentheater.

Auch sie waren durchweg begeistert.

Viel abgucken konnten sich die "Briketts" aber nicht:

Ihr neues Programm steht schon.

Sie werden es u.a. beim Betzdorfer Ausländertag und auf dem Kirchener Umwelttag präsentieren - die Newcomer konnten sogar einen Auftritt in Österreich ergattern.<- Wie vom wilden Affen gebissen:

Martin Breuer als Zauberer.

24.4.94:

Scheuerfeld.

(fr) Filmmusik aus 007 und Italo-Western, David Bowie, Opernvorspiel, aber natürlich auch ein zünftiger Marsch:

Langeweile konnte gar nicht aufkommen, beim Frühjahrskonzert des Musikverein 1890 Scheuerfeld (die WR berichtete im Vorfeld).

Über 220 Menschen hörten in der Turnhalle ein überaus abwechslungsreiches Konzert - dessen Eröffnung bereits höchst anspruchsvoll war.

Das Vorspiel zum 3.

Akt von "Lohengrin" stellte hohe Ansprüche an das Ensemble unter Leitung des Herdorfers Klaus Weller.

Doch der Auftakt glückte.

Weiter ging es mit irischen Tönen ("Irish Tune from County Derry"), dann folgte eine große Liebesmelodie:

die Prälude zu Verdis Oper "La traviata".

Erst als vierter Punkt stand ein Marsch auf dem Programm ("Marsch Großherzog von Baden").

Vor der Pause erschien das Jugendorchester unter Georg Braß, der im zweiten Teil das Solo bei "Il Triello" spielte - einer Italo-Western-Komposition ("The good, the bad and the ugly") von Ennio Morricone.

Ein echter Höhepunkt sicher ebenfalls die Soli von Manuela Lang und Nina Holschbach, die bei "Twinkling Flutes" nuancierte Flötentöne anstimmten.

Und auch mit "Life on Mars" von David Bowie und einem Medley von James-Bond-Streifen, abgeschlossen mit dem "Goldfinger", bewiesen die Scheuerfelder eindrucksvoll, wie variantenreich moderne Orchestermusik sein kann.

(Keu wird freundlicherweise noch das eine oder andere Fachkundige ergänzen!) 6.12.94:

Kreis Altenkirchen.

(fr) Er entscheidet, wohin das Geld fließt, daß der Kreis Altenkirchen für Kinder und Jugendliche ausgibt:

der Jugendhilfeausschuß.

In dem Gremium sitzen elf Kreistagsmitglieder, der Landrat - und acht Vertreter von heimischen Organisationen, die Jugendliche betreuen.

Diese wurden nun vom Kreistag neu gewählt.

Folgende Personen aus dem Oberkreis Altenkirchen wurden in geheimer Wahl nominiert:

Matthias Leyendecker, Steinebach (Sportjugend); Hubert Latsch, Herdorf (Kreismusikverband); Alfons Hassel, Kirchen (Caritas); Alfons Lang, Scheuerfeld (Rotes Kreuz) und Gerda Rühmann, Betzdorf (Arbeiterwohlfahrt).

Kritik an der Wahl kam von Josef Rosenbauer, dem Kreisvorsitzenden der Jungen Union.

Rosenbauer, der als Kreistagsmitglied dem Jugendhilfeausschuß selbst angehört, merkte irritiert an:

"Dieser Ausschuß soll über Jugend-Fragen entscheiden.

Doch fast alle, die zur Wahl anstanden, sind über das jugendliche Alter bereits weit hinausgeschossen!"<- 6.12.94:

Kreis Altenkirchen.

(fr) "Wir", so Kreistagsmitglied Günter Schneider, "zaubern wieder was Neues aus dem Hut."

Und zwar die vierte Mülltonne.

Sie ist nicht blau, nicht braun, nicht grau - sondern gelb-grau.

Die erste zweifarbige Tonne ersetzt den gelben Sack und kommt, wenn alles glatt geht, in drei Wochen.

Das entschied jetzt der Kreistag einstimmig.

Die CDU bat sich jedoch aus, wie ihr Abfallexperte Schneider meinte, "bei der Entscheidung Sack/Tonne möglichst großzügig zu verfahren."

Denn langsam wird's eng vor manchen Häusern.

Wo die erweiterte Tonnenvielfalt nicht hinpaßt, soll auch weiterhin der Sack verteilt werden.

Unter dieser Bedingung stimmte die CDU zu.

Sie bemerkte allerdings, daß die Bürger von der neuen Tonne überrascht würden.

Sie komme, so Schneider, "urplötzlich".

Zustimmung unter den Kreispolitikern herrscht angesichts der Tatsache, daß die neue Tonne ein Umweltproblem beseitigt.

Denn der gelbe Sack schuf ein solches, obwohl er eigentlich aus ökologischen Gründen eingeführt wurde.

Die stolze Zahl von 1,2 Millionen Plastiksäcken mußte allein für den Kreis Altenkirchen jährlich hergestellt - und wieder entsorgt - werden.

Auf die Dauer sind Tonnen außerdem billiger - weil sie mehrfach verwendet werden können.

Die Frage stellt sich:

Warum wurden überhaupt Säcke eingeführt? Denn mit ihnen gab`s zudem Probleme bei der Verteilung und beim "Handling".

Josef Bäcker von der FWG berichtete von zerplatzten Säcken - "und dann lag alles auf der Straße."

Müll, wo er eigentlich nicht hingehört:

Dieses Bild zeigt sich auch an manchen Sammelcontainern.

Das könnte sich nun ebenfalls ändern.

Das DSD, das bisher die Sammelstellen sauber halten sollte, überträgt diese Aufgabe an die Gemeinden, die dafür ein Entgelt bekommen.

Allgemein wird darum erwartet, daß die Container-Standplätze nun bald ordentlicher aussehen werden.<- 6.12.94:

Kreis Altenkirchen.

(fr) Einen Verlust von rund 230.000 Mark hat die "Westerwald-Touristik" 1992 eingefahren.

Beinahe um das Fünffache ist damit das Defizit dieses kreiseigenen Betriebs gestiegen, der Touristen in den Landkreis locken soll und das Bergbaumuseum Sassenroth betreibt.

Statistisch gesehen zahlte somit 1992 jeder Einwohner für die Fremdenverkehrsförderung etwa 1,75 Mark drauf.<- Altenkirchen.

(fr) Der Landkreis Altenkirchen verhandelt weiter um Millionenzuschüsse für die Sanierung seines St.-Lukas-Krankenhauses.

Das Angebot der Landesregierung - 15,8 Millionen Mark Zuschüsse für die dritte Sanierungsphase - hat der Kreistag nun einstimmig abgelehnt.

Etwa 28 Millionen soll der aktuelle Bauabschnitt kosten.

Der Kreis speckt seine Planung nun um 3 Millionen ab - und hofft, im Gegenzug mehr Zuschüsse zu erhalten.

Wie teuer die Sanierung des Altenkirchener Krankenhauses insgesamt kommt, soll im Frühjahr klar werden.

Dann werden die Kosten für die vierte und letzte Sanierungsphase ermittelt.

Altenkirchen.

(fr) Ein Minus-Loch von zwei Millionen Mark klaffte im 94er Haushalt des Landkreises Altenkirchen.

Nun konnte das Defizit auf eine halbe Million korrigiert werden.

Den Nachtragshaushaltsplan 1994 beschloß der Kreistag denn auch beinahe einstimmig (zwei Gegenstimmen); nennenswerte Diskussionen gab es lediglich um einen nachträglichen Zuschuß für die HIBA (die WR berichtete).

Der korrigierte Etat des Kreises hat ein Volumen von rund 173,46 Millionen Mark.

1,3 Millionen Mark weniger als erwartet nahm der Kreis ein.

Dafür gab er im Gegenzug 2,8 Millionen weniger aus, obwohl er für den Bereich Jugendhilfe (hauptsächlich Zuschüsse für Kindergärten) rund 1 Million mehr zahlen mußte.

Am meisten gespart werden konnte bei der Sozialhilfe (1 Million).

Für das kommende Jahr existiert bereits ein erster Haushaltsentwurf.

Landrat Herbert B.

Blank verriet:

"Die Situation stellt sich als nach wie vor schwierig dar."

In den Bereichen Sozial- und Jugendhilfe, Schülerbeförderung sowie bei den Personalkosten seien "erhebliche Mehrbelastungen" zu erwarten.<- Kreis Altenkirchen.

(fr) Einen Verlust von rund 230.000 Mark hat die "Westerwald-Touristik" 1992 eingefahren.

Beinahe um das Fünffache ist damit das Defizit dieses kreiseigenen Betriebs gestiegen, der Touristen in den Landkreis locken soll und das Bergbaumuseum Sassenroth betreibt.

Statistisch gesehen zahlte somit 1992 jeder Einwohner für die Fremdenverkehrsförderung etwa 1,75 Mark drauf.<- 2.2.94:

Hachenburg.

(fr) 54 Jahre alt, über zweieinhalb Stunden ohne Pause gespielt - und immer noch nicht müde.

Als Blueslegende Luther Allison die Bühne verließ, glitzerten keine Schweißtropfen auf seiner Stirn.

Dennoch hatte er alles gegeben.

Ein Phänomen.

600 Fans drängten sich in der Hachenburger Stadthalle - ausverkauft.

Sie erwarteten Allison, den "King of Delta Blues".

Zunächst bekamen sie als Vorprogramm nur die Westerwälder Band "Soa Blues".

Die Rengsdorfer spielten funkig, mit guter Technik - aber ohne Feeling.

Keine Wallung in der Menge.

Dann sollte endlich der Meister kommen.

Seine beiden schwarzen Saxophonisten erschienen zunächst, heizten die Fans vor.

Der Drummer kam nun, auch ein headbangender Bassist - und ein cooler Keyboarder mit weißen Schlangenleder-Cowboystiefeln. Plötzlich:

Ein Wahnsinns-Gitarrensolo im Hintergrund.

Luther Allison, der Altmeister, erschien.

Schon beim ersten Song zeigte er seine Klasse, die Menge tobte.

Und dann Bluesfeeling pur, zweieinhalb Stunden - ohne Pause! Allison präsentierte sich topfit.

Und, trotz jahrzehntelanger Bühnenerfahrung, mit immer noch unbändiger Spielfreude.

Für den Veranstalter, den Hachenburger "Blues- & Boogie-Club" ("BBC"), war es das bisher bestbesuchte Konzert.

Solche Erfolge kann der BBC gut gebrauchen:

Wegen Finanznot muß er von Konzert zu Konzert planen, kann kein Programm mehr erstellen (die WR berichtete).

Doch am 4.

März geht es erstmal weiter:

Die Chicagoer Blueslady Angela Brown wird im Stern-Saal ihre Aufwartung machen.<- 21.6.94:

Kirchen.

(fr) Nach einem runden halben Jahr ist der Besuch beim Kirchener Wochenmarkt eher flau.

Und die wenigen Kunden zeigen offenbar wenig Kaufwillen:

"Die Leute hier", so eine Marktfrau, "gucken ja nur - und kaufen nichts."

Direkt neben Betzdorf einen weiteren Markt etablieren - ein mißlungenes Experiment? Davon will die Gemeinde offiziell nichts hören.

"Die Zahl der Stände", heißt es aus dem Rathaus, "ist mit 25 konstant geblieben."

Bisher zahlen die Marktbeschicker indes noch keine Standgebühr.

Über die Zahl der Kunden werden keine Angaben gemacht.

Der Leiter des Gemeindebüros, Berthold Pracht, betont:

"Wir sind immer noch in der Testphase."

Der letzte Versuch, einen Wochenmarkt einzurichten, schlug in den 60er Jahren fehl - was allerdings auch an der topographisch mißlichen Lage lag:

Das Marktgeschehen fand in der steilen Brückenstraße statt.

Ob es nun, am neuen Rathaus, klappt, soll in den nächsten Monaten entschieden werden.

Dann wird zur Debatte stehen, ob eine Marktordnung erlassen wird - und damit die Frage, ob die Markthändler auch in dem Fall ihre Stände in Kirchen aufstellen, wenn sie dafür zahlen müssen.<- 15.11.94:

PRACHT.

RO.

Zum Tanz aufgespielt werden Rock und Reggae, Wave, Metal, progressive Oldies - in der einzigen alternativen Disco im Landkreis, dem "Master" in Pracht.

Hier treffen sie sich, die Langhaarigen, Lederbekleideten und Schwarzgewandeten der Region, um auf Musik zu tanzen, wie sie im Umkreis von 50 Kilometern in einer Disco nicht zu hören ist.

Nun aber wird der dunkle Tanzclub, wie die WR erfuhr, sein Antlitz verändern.

Verschwindet die einzige alternative Tanzmöglichkeit zwischen Sieg und Westerwald? "Insidertreff" steht auf den hauseigenen Feuerzeugen.

Es ist ein spezielles Publikum, das sich hier trifft - und darum auch ein kleines.

Lediglich einmal pro Woche, nur montags, wird die Musikanlage angeheizt.

Überleben kann der Laden, weil er ein Familienbetrieb ist.

An der Tür steht Vater Christian Richter, 63, auch zuständig für die Kasse; vorbei an einer Schaufensterpuppe, alten Spielgeräten und einer Theke außer Betrieb geht es zu einer zweiten Theke, wo Mutter Marianne, ebenfalls 63 Jahre alt, die Drinks mixt.

Den Discjockey macht Sohn Horst - "just for fun", wie er sagt.

Er kann sich noch an bessere Zeiten erinnern.

1980 entstand der Club, damals als "Disco 2000", aus einem Supermarkt:

Wo heute vor der Spiegelwand getanzt wird, war früher der Verkaufsraum.

Und, ein Kuriosum:

Der Grundriß der Tanzanlage entspricht einem Roboterfigur - die Füße sind die Tanzfläche.

So wurde als Wahrzeichen denn auch ein zweieinhalb Meter großer Roboter aufgestellt.

1983 kam die Familie Richter und machte aus der normalen Disco das progressive "Master" - "mit einer Fostex, der damals teuersten Musikanlage Deutschlands", so DJ Horst.

So errang man dreimal hintereinander einen Titel als "Deutschlands beste Disco".

Videos wurden hier gedreht, die DJs produzierten eigene Platten.

"Wir waren einschlägig bekannt in einer Szene, die in Deutschland eine Minderheit ist", umschreibt DJ Horst die damalige Kundschaft.

Bis zu tausend Leute füllten Ende der 80er den Club.

Die Goldenen Zeiten in der dunklen Disco sind vorbei.

Zwar hat das Master überlebt, als einzige der alternativen Tanzclubs zwischen Sieg und Westerwald.

Doch nur weil die ganze Familie mithilft, neuerdings unterstützt von der tanzenden Serviererin "Flummy", kann ihr Treff bestehen bleiben - in dem, ausgelegt für 1.200 Besucher, oftmals der Eindruck einer Leere entsteht.

Und der Riesenroboter, ehemals blinkender Blickfang, liegt schon lange zersägt im Keller.

"Aber nur", so der DJ, "weil unser Nachbar bei dem Geblinke aus dem Bett fiel ..."

Der Roboter soll bis Januar wieder stehen, eine "Space-Kanone" seine Umrisse kilometerweit sichtbar in den Himmel zeichnen, wenn das Master nun umgestaltet wird:

Strobolights, Nebel - und Kunstwerke an den Wänden.

Ausstellungen in der Disco sind fest geplant.

Was bleiben wird, neben den gemütlichen Sesselbänken, ist der alternative Musikstil.

"Mit einer Techno-Fete hätte ich den Laden zwar ruckzuck voll", meint DJ Horst, "doch das Master wird niemals ein Schicki-Micki-Laden, wir bleiben alternativ."

Außerdem, bei Techno, grinst Horst, "könnte es Probleme mit Drogen geben ..."

Ihr Redenschreiber

 

 

 

 

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© Frank Rosenbauer, http://www.rosenbauer.de