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Sie finden hier einige meiner früheren journalistischen Veröffentlichungen. Heute schreibe ich Ihre Rede zum Firmenjubiläum, Ihre Geburtstagsrede, Hochzeitsrede als Brautvater, Büttenreden etc.

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© Frank Rosenbauer 1991-2017

Kontakt: https://www.redegold.de

 

 

 

16.11.92:

Betzdorf.

(fr) Schüsse vom Kaliber 32 und mehr wurden jetzt in der Betzdorfer "Klingelsbach" abgefeuert.

Die Betzdorfer Schützen hatten zum Großkaliber-Schießen geladen, versprachen Sachpreise über 2.000 DM - und aus zwei Bundesländern reisten daraufhin Teilnehmer an.

Am Ende waren es auch Nordrhein-Westfalen, die im Einzel wie im Mannschaftswettbewerb die Scheiben am exaktesten getroffen hatten.

Die drei besten Schützen:

Josef Hatzig, Freudenberg (276 Ringe), Patrick Wytz, Salchendorf (275) und Horst Saßmannshausen, Freudenberg (270).

Mannschaft:

Freudenberg 967 Ringe, Daaden 940 und Herdorf 838.

Im Einzel bekam sogar der 38.

noch einen Sachpreis.

Auch Schußleiter Ralf Dabelstein und Schießwart Chatchai Jarusaen waren zufrieden - die Resonanz war gut:

Sieben Mannschaften hatten teilgenommen.

16.11.92:

Gebhardshain.

(fr) Vier Pfund Kaffee und fünfzig Kuchen - am Sonntag nahmen viele Gebhardshainer ihren Nachmittagskaffee im Katholischen Jugendheim ein.

Eingeladen hatte die große Katholische Frauengemeinschaft Gebhardshain, die hier ihren Jahresbasar veranstaltete.

Schon recht weihnachtlich bestimmt war das Angebot, darunter Engel, Kugeln, Tropfen, Sterne - "diese vier Sachen sind gleichzeitig auch Dinge, die wir erstmals seit langem gebastelt haben", so kfd-Chefin Margret Nitzpon.

Das war mit Arbeit verbunden:

"Allein mit dem Engelbasteln haben wir drei Nachmittage verbracht, wir waren bis abends aktiv!" Der Erlös geht übrigens teilweise ins erdbebengeschüttelte Kairo.

Pastor Ferdinand Christ, der kürzlich sein silbernes Priesterjubiläum feierte, war gerade in Ägypten gewesen - und schlug dann vor, ein dortiges Projekt zu unterstützen, an dem die heimische Nonne Schwester Maria mitarbeitet.

Doch auch rumänische Kinder wollen die kfd-Frauen wieder unterstützen.

Schon früher hatten sie für diesen Zweck nicht nur Geld gespendet, sondern auch Mützen und Strümpfe gestrickt.

Dabei hilft übrigens auch Weltklassesportlerin Brunhilde Hoffmann, die eine der 800 Frauen der kfd Gebhardshain ist.

22.11.92:

Betzdorf.

(fr) 11.000 DM für soziale Zwecke brachte der Weihnachtsbasar der Betzdorfer kfd (Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands) im letzten Jahr - und dieses Jahr wird es wohl noch mehr:

"So einen Andrang habe ich noch nicht erlebt", so kfd-Vorsitzende Irene Morgenschweis am Sonntagabend, "hier im Kolpinghaus war die Hölle los!" Das ganze Jahr basteln 15 der rund 600 Betzdorfer kfd-Frauen - die "heiße Phase" beginnt für sie schon nach den Sommerferien.

Besonderheit in diesem Jahr:

Eine aufwendige Winterdekoration auf der Kolpinghaus-Bühne, in der sich die Weihnachtsbasteleien noch besser verkaufen ließen.

Zu dem Erlös trug natürlich auch der Verkauf von Kaffee und Kuchen bei:

Die kfd-Frauen brühten dreieinhalb Pfund Kaffeepulver.

Den Reinerlös ihres Basars spenden sie an zwei heimische Missionsschwestern in Kenia, die Lebenshilfe Steckenstein, die Sozialstation Betzdorf/Kirchen und an eine Kairoer Krankenstation.

22.11.92:

Kirchen.

(fr) Basteln für Rumänien:

Auch einige Kirchener kfd-Frauen haben in diesem Jahr wieder ihre Freizeit geopfert, um soziale Einrichtungen und Projekte zu unterstützen - und die Kirchenrenovierung.

Drei Bastelgruppen erstellten Hobbykunst.

Darunter auch der im Januar ins Leben gerufene kfd-"Frauentreff", der seine Produkte als "weihnachtliche Dekorationen im aktuellen Design" im Pfarrheim anpries.

Daneben gab es auch noch eine Buchausstellung.

In der Bücherei im benachbarten Küsterhaus stehen rund 2.500 Bände zur Ausleihe bereit (jeden zweiten Sonntag von 10 bis 12 Uhr).

Die kfd-Vorsitzende Margarete Hombach, die rund 800 Mitgliedern vorsteht, konnte als Ehrengäste nicht nur Pfarrer Georg Müller, sondern auch Verbandsbürgermeister a.D.

Fritz Greßnich begrüßen.

22.11.92:

Betzdorf.

(fr) Das richtige Buch fürs Kind - damit Eltern das bekommen, dafür engagiert sich der Ev.

Kindergarten in der Betzdorfer Gontermannstraße nun schon seit Jahren:

In Zusammenarbeit mit einer Buchhandlung stellen die Erzieherinnen jeweils Ende November weit über 1.000 Bücher aus.

"Wir wollen Eltern und Kindern gute Literatur nahebringen", so Kindergartenleiterin Petra Schmidt, "und sie animieren, auf gute Qualität zu achten."

Den guten Zuspruch zu dieser Initiative am Sonntag nutzten die Erzieherinnen, um einige Basarteile abzusetzen, die noch vom Sommerfest übriggeblieben waren.

22.11.92:

Grünebach.

(fr) Psychotraining erhielten jetzt die Frauen von der kfd Alsdorf-Grünebach-Daadetal:

Beim traditionellen "Elisabeth-Kaffee", der in diesem Jahr mit der kfd-Jahreshauptversammlung zusammenfiel, wurden beim Eröffnungs-Gottesdienst mit Dechant Thomas Gerber Zettel verteilt - darauf stand "Ich kann organisieren", "Ich kann Vertrauen erwecken" u.ä.

Jede Frau kreuzte die Fähigkeiten an, die sie ihrer Meinung nach besitzt.

Ziel:

die eigenen Stärken sich selbst deutlich machen.

Nach soviel rudimentärer Selbstanalyse wurde es dann aber lustig:

Die Alsdorfer Theatergruppe zeigte "Engel in Alsdorf" - und den "schüchternen Hannes" die Grünebacher kfd-Frauen.

Original "Gröhmier" Platt beim Theater um den zurückhaltenden Hannes.

22.11.92:

Betzdorf.

(fr) Weit über 200 meist jugendliche Menschen besuchen derzeit den Musikunterricht des Betzdorfer Musikhauses Wolf - in Betzdorf, Daaden, Altenkirchen und bald in Unnau.

Einmal im Jahr dürfen sie zeigen, was sie gelernt haben:

Beim Musikschulfest stehen sie vor 400 Zuhörern auf der Bühne der Betzdorfer Stadthalle.

Dabeisein zählt, die Vorträge sind zwar zahlreich, aber angenehm kurz und abwechslungsreich, es ist ein nettes und lockeres Fest:

Väter dokumentieren den kleinen Auftritt in der großen Halle mit der Videokamera (mindestens mit einer Fotokamera), und kleine Geschwister klatschen aufgeregt, wenn die große Schwester zum "Guantanamera" oder "Ave Maria" auf der Bühne erscheint.

Alle bekommen kostenlose Getränke und ein kleines Geschenk - manche auch ein großes:

Bei einer Verlosung winkte als Hauptgewinn ein kleiner Fernseher.

Am beliebtesten bei den Schülern ist offenbar das Keyboard.

17 Nachwuchskünstler zeigten damit was sie können.

Höhepunkt:

Die jüngste und die älteste Musikschülerin gemeinsam auf der Bühne.

Jennifer Knautz, 6 Jahre, spielte zweimal den "Kuckuck" und Frau Reifenrath (weder Alter noch Vorname wurde verraten) versuchte sich am Schneewalzer.

Leichte Verwirrung dann im Saal, als drei Jungen in schwarzen T-Shirts auf die Bühne traten - doch schon nach wenigen Takten von Metallicas "Enter Sandman" bekamen sie das lauteste Mitklatschen des Abends.

Fotos:

Dem Anfängertum entwachsen:

Tina Kühr und Hans Peter Bruch spielten "Fly me to the moon" - womit sie aber keinesfalls ihrem Publikum aus der Seele sprachen Bei einer "Miniplayback-Show" agierte Jochen Theis als Roxette-Sänger Björn Saul, Mario Merenberger und Oliver Schilling gaben "Enter Sandman" von Metallica zum Besten 22.11.92:

Altenkirchen.

(fr) Härter als kürzlich im Ev.

Jugendzentrum Altenkirchen geht es kaum.

Drei- bis viermal im Jahr erhalten hier Bands eine Chance, die als Gage nicht mehr als die Eintrittsgelder verlangen - nach finanziellen Bauchlandungen mit teuren Acts wird nun der lokale Nachwuchs gefördert.

Die Gelegenheit nutzten diesmal zwei Punkbands und eine Metal-Formation.

Den Auftakt besorgten die Wissener und Wickhausener Punks von "Ganja Gush Irafastar", die seit einem Jahr zusammen sind.

Wie man auf den Namen kam, konnte Gitarrist Falko Schneider leider nicht erklären.

"Irafastar" heißt umgedreht jedenfalls fast Rastafari - "und unser erster Sänger war Reggae-Freak", so Schneider.

Wie auch immer - die Band hatte Pech:

Drummer Jan Winkel reiste mit einer Nagelbettentzündung und ohne Fingernagel an - tapfer versuchte er es trotzdem, mußte aber leider nach dem ersten Lied aufgeben.

Schneider freute sich aber trotzdem, und zwar darüber, daß in Altenkirchen solche Konzerte überhaupt stattfinden können - "hoffentlich auch weiterhin!" Nach den Punks kamen die Altenkirchener "The Uncultured".

Die "Kulturlosen" mit Hendrix und Clapton als Vorbilder spielten bereits auf dem Wäller-Festival und im Haus Felsenkeller.

Sänger Oliver Hilse:

"Meine Texte fallen mir im Delirium ein.

Ernsthaft:

Am kreativsten bin ich mit Sauerstoff-Überschuß - ich setze mich in den Wald und atme tief durch!" Völlig entfesselt und ultrahart dann der Abschluß:

Die Anti-Rassismus-Band "Synthetic Humans" aus Altenkirchen und Neuwied.

Sie bezeichnen ihre Musik zwischen Trash, Speed und Death Metal als "progressiven Hardcore".

Den präsentierten sie u.a. bereits im Koblenzer Club "Hot".

Selbstbewußt sind die "synthetischen Menschen" auch:

"Wir haben keine Vorbilder.

Wir wollen die beste Band Deutschlands werden - aber nicht von Großdeutschland, sondern von Kleindeutschland."

Die "Synthetic Humans".

Bei ihrem wilden Auftritt reduzierte sich die Light-Show auf eine rote Alarmlampe und einen Stroboskopblitzer.

Gitarrist Oliver Vogel.

26.11.92:

Kreis Altenkirchen.

(fr) Das Land soll die Kommunen bedarfsgerecht fördern, wenn es jetzt darum gehen wird, die durch Stürme entstandenen Waldschäden wieder aufzuforsten.

Das fordert die FWG Rheinland-Pfalz.

Während der FWG-Landesversammlung in Betzdorf (die WR berichtete) stimmten die Delegierten einer entsprechenden Resolution einstimmig zu.

Die Resolution enstand aus der Befürchtung, daß wohl nur mit Fichte aufgeforstet wird - angesichts der schlechten Finanzsituation der meisten Gemeinden.

Denn:

"Das Land drückt sich offenbar davor, sich weiterhin daran zu beteiligen, die Schäden zu beseitigen", so die Landes-FWG sinngemäß.

Das Land lasse die Kommunen alleine, obwohl das Landesforstengesetz eigentlich die Unterstützung vorschreibe:

Bei erwarteten Kosten von 46 Millionen DM wolle das Land viel weniger zahlen - nur 23,3 Millionen, inklusive Fördermittel von Bund und EG.

Und dieses Geld, so die FWG, solle vorrangig an private Waldbesitzer fließen.

Nun sei solidarisches Handeln gefragt.

26.11.92 Hamm.

(fr) Der Marburger Soziologe Hans-Werner Retterath äußert sich zu der Unterschriftenaktion pro Pfarrer Ludwig in Hamm (die WR berichtete mehrmals).

Refferath:

"Die Problematik ist nicht nur eine kirchliche, sondern auch eine allgemein gesellschaftliche.

Die Menschen haben dieses Defizit an Demokratie erkannt und fordern die Mitentscheidung in relevanten Bereichen.

Hierbei wird gerne auf die Nicht-Machbarkeit solcher Begehren und die Hemmung des Verwaltungshandelns hingewiesen.

Zumeist steht allerdings dahinter das Streben nach Machterhalt, besonders bei den jeweiligen Mandatsträgern."

Der Soziologe erklärt weiter:

"Bei einer solch wichtigen Angelegenheit wie bei einer Pfarrerabberufung müßte es einer Kirchengemeinde möglich sein, eine Abstimmung der Gemeindemitglieder durchzuführen.

Eine andere Lösungsmöglichkeit wäre eine Verfahren nach dem Konsensprinzip.

Da die Evangelische Kirchengemeinde Hamm glücklicherweise mehrere Pfarrerstellen besitzt, müßte es doch möglich sein, mehrere theologische Ansätze gleichrangig nebeneinander bestehen zu lassen.

Damit wäre auch das problematische Mehrheitsverdikt (extrem gesprochen:

51 % zwingen 49 % ihren Willen auf) auf eine christliche und minderheitenfreundliche Weise umgangen.

Wer eine engagierte Kirche will, muß auch eine kritische Kirche wollen."

Da bisher eine öffentliche Diskussion, bei der beide Seiten ihre Argumente vortragen konnten, noch nicht stattgefunden habe, müsse eine solche gefordert werden, so Refferath.

Refferath zur Relevanz der Unterschriftenliste:

"Es wird noch weiter gesammelt, doch die bereits erreichte Unterschriften-Zahl" (über 2000, gleich ein Drittel der erwachsenen ev.

Christen in Hamm) "kann durchaus als repräsentativ gelten."

Somit sei auch eine Hochrechnung möglich:

"Wenn 60 Prozent der Gemeindemitglieder die Liste vorgelegen hat, und von ihnen 80 Prozent unterschrieben haben, so kann durchaus der Prozentsatz von 80 Prozent auf die Gesamtzahl der Gemeindemitglieder hochgerechnet werden."

Die Liste besitze eine besondere Qualität, da sie im ländlichen Raum zustandegekommen sei.

Denn die Unterzeichner müßten damit rechnen, "daß die Tatsache ihrer Unterschrift in ihrer Nachbarschaft und den umliegenden Dörfern die Runde macht" - und sie eventuell zur Rede gestellt werden könnten.

Daraus lasse sich folgern, so Refferath, daß die Unterzeichner sehr bewußt unterschrieben.

14.12.92:

Auch nach Katzenbach kam der Nikolaus in diesem Jahr - und er war ein bekannter Lokalpolitiker:

Zur Weihnachtsfeier des Katholischen Altenwerks Kirchen streifte sein Vorsitzender, der FWG-Gemeinderatssprecher Edmund Mertens, den purpurroten Dress über.

Er unterhielt 140 Senioren und die Ehrengäste Pastor Georg Müller und Diakon Heinz Stock.

Sichtlich gefiel die Feier ebenfalls der ältesten Teilnehmerin, Helene Bender (92).

Dazu trug Hubert Molzberger an der Zither bei, ebenso wie eine Kindergruppe der Grundschule Offhausen/Herkersdorf.

Aus diesen Kirchener Ortsteilen kam auch eine Abordnung der Druidenmusikanten:

Das Geschwisterpaar Phillip und Janine Hauck brachte einschlägiges Liedgut auf der Trompete - Oma Margarete saß im Publikum und hörte, wohl nicht ohne Stolz, gerne zu.

Bilder:

Neg 21:

Wirklich nicht wiederzuerkennen:

Mertens vermummt als Nikolaus.

Neg 22,23:

Trotz ihrer 94 Jahre immer noch feierfähig:

Helene Bender (links im Bild) 14.12.92:

Kirchen-Freusburg.

(fr) 2.000 Menschen lockte der Volkswandertag des Kirchener Wandervereins "Siegperle" ins Siegtal.

Sogar aus Fulda reisten einige Wanderer an.

Sie alle fanden eine schwierige Wegstrecke vor:

Der Regen hatte den Boden aufgeweicht - daran änderte auch der prächtige Sonnenschein nichts mehr.

"Doch alle sind gut zurückgekommen", so Siegperlen-Chef Werner Rudelt.

Am Ende der Tour (vom Bürgerhaus Freusburg nach Büdenholz über Niederschelderhütte zurück durch den Giebelwald) wartete auf die Wanderer ein großer Schuhwascheimer.

Das war nur ein Teil der generalstabsmäßigen Planung:

60 Helfer waren im Einsatz, darunter allein fünf Parkplatz-Einweiser.

Siegperlen-Chef Rudelt holte allein 50 auswärtige Wanderer persönlich vom Bahnhof ab.

Im Bürgerhaus hingen sogar Bundesbahn-Fahrpläne aus.

Die drei stärksten Wandergruppen:

Wittgenstein Weidenhausen mit 69 Teilnehmern, Bischofsdrohn (Hunsrück) mit 61, Kroppacher Schweiz (60 Teilnehmer).

Die rotgekleideten Wanderfreunde "Hui Wäller" Marienberg kamen mit 54 Aktiven.

Auch stark vertreten der zweite Kirchener Wanderverein, aus dem sich die "Siegperle" abspaltete, die Wanderer vom VfL Kirchen (46 Starter).

Ehrengäste:

Bürgermeister Dr. Albert Wittine und Verbandsgemeinde-Beigeordneter Willi Stahl.

Bilder:

Schuhwascheimer der Siegperle:

Rund 4.000 Schuhe wurden so gereinigt Die erfolgreichsten Wandergruppen beim Volkswandertag des Wandervereins "Siegperle" Kirche 9.12.92:

Kirchen/Kreis Altenkirchen.

(fr) Die Finanzmisere der Bundesländer trifft die Städte und Gemeinden im Kreis Altenkirchen in diesem Jahr so hart wie nie zuvor.

Denn noch vor Monaten schien die Zuschußfreudigkeit des Landes ungebrochen, es gewährte Finanzspritzen so großzügig wie in den Jahren zuvor.

Schon damals war den Gemeinderäten aber klar, daß dies nicht mehr lange anhalten würde.

Und so mahnten die Bürgermeister zur Eile.

Sie appellierten an die Einsicht der Ratsfraktionen, sprachen gegen Parteiengerangel - mit Erfolg:

Projekte wurden ungewöhnlich einverständlich und damit schnell durchgedrückt, immer nach dem Motto:

"Wer zuerst kommt, mahlt zuerst."

Und das schien auch zu funktionieren.

Doch jetzt wird allen klar:

Es war doch zu spät.

Denn nun, am Jahresende, wenn die Haushalte den zwischenzeitlichen Ereignissen angepaßt werden - der sogenannte "Nachtragshaushalt" wird erstellt - müssen die Kassenmeister der Gemeinden berichten:

"Der Zuschuß wurde zwar genehmigt, aber das Geld ist noch nicht überwiesen."

Und wann das sein wird, wissen sie nicht.

Die ungeheuren Belastungen des Bundeshaushalts führte dazu, daß auch die Länder die Notbremse zogen.

Für die Gemeinden, die auf Zuschüsse für den Kindergarten oder die Straßensanierung warten, heißt das:

Entweder Geld vorstrecken ("Vorfinanzierung") - oder das Projekt auf Eis legen.

Kommunen, die ohnehin finanziell angegriffen sind, entscheiden sich für Letzteres.

So z.B. die Verbandsgemeinde Gebhardshain, die vor riesigen Investitionen im Schulbereich steht.

Für verschiedene andere Projekte, die 1992 realisiert werden sollten, gab es nicht die versprochenen Zuschüsse.

Der Rat entschied gegen Vorfinanzierung - alle Vorhaben wurden gestoppt.

Bürgermeister Günter Schneider konnte dem noch abgewinnen:

"Wir müssen 1992 somit doch keine neuen Kredite aufnehmen."

Er betonte aber gleichzeitig, daß dies nicht unbedingt ein Anlaß zur Freude sei.

Seinen Nachtragsetat verabschiedete jetzt am Dienstag auch der zweitgrößte Ort im Kreis, die Gemeinde Kirchen.

Hier wurden gleich sechs Bauvorhaben vorerst ad acta gelegt:

Asdorfbrücke Wehbach (Heinrichstraße), Parkplatz am Wehbacher Freibad, Bürgersteig vom Friedhof zur Wartehalle in Offhausen, Erschließung der Straße Herrenwiese, Ortsdurchfahrt Winnersbach, Bürgersteig B 62 Freusburg.

Auch die Umwandlung des riesigen Altlastenterrains "Friedrichshütte" in ein attraktives Gewerbegebiet gerät ins Stocken, wie CDU-Rat Hermann Bitzer bemerkte.

Ingesamt muß Kirchen mit zwei Zuschuß-Millionen weniger rechnen - 18 Prozent des Etats.

Besonders hart traf es die Gemeinde beim dringend benötigten Kindergarten Herkersdorf/Offhausen:

Von bewilligten 430.000 DM Zuschüssen von Land und Kreis, mußte Kämmerer Werner Becker berichten, erhält die Gemeinde 1992 lediglich 170.000 DM.

Hier entschieden die Fraktionen einstimmig für Vorfinanzierung:

Der Kindergarten steht bereits kurz vor der Einweihung.

In Kirchen fragte CDU-Sprecher Hans Schölzel den SPD-Bürgermeister Dr. Albert Wittine:

"Was haben Sie getan, um die Zuschüsse doch noch zu bekommen?" Solche Fragen sind zwar typisch für Kirchen, wo ein praktizierender Arzt und Ratsneuling das Verwaltungs-Steuer in der Hand hat - aber eher untypisch für die jetzigen Nachtragsdebatten in anderen Gemeinden.

Eher schon schimpfen CDUler auf die SPD-Landesregierung, sie halte ihre Wahlkampf-Versprechen nicht - und die SPDler erinnern an die gigantische Bundesverschuldung von 1.600.000.000.000 DM.

Worin sich jedoch in diesen Tagen alle einig sind, drückte der Bürgermeister der einwohnerstärksten Verbandsgemeinde im Kreis, Günter Schönhof (Kirchen), kürzlich so aus:

"Der Dezember 1992 ist ein Monat der zerbrochenen Träume."

Foto:

Beim Kindergarten Herkersdorf/Offhausen finanziert die Gemeinde vor:

Die Zuschüsse versiegten unmittelbar vor der Einweihung.

12.12.92 Hamm.

(fr) Morgen wird in Hamm ein neuer Verbandsbürgermei ster gewählt.

Und dort, in der traditionellen Hochburg der SPD, bahnt sich eine Sensation an:

Einiges spricht dafür, daß der neue Bürgermeister ein Christdemokrat sein wird.

Und dies, obwohl die Sozialdemokraten ihren Kreisvorsitzenden Reiner Rühmann ins Rennen schicken.

In der Verbandsgemeinde Hamm fand 1910 die erste Versammlung der SPD im Kreis Altenkirchen statt.

Und auch von Hamm ging die Wiedergründung der Kreis-SPD im Jahre 1945 aus.

Daß jetzt ein CDU-Mann hier Bürgermeister werden könnte, liegt daran, daß sich die komplette Opposition im Rat einig sind:

Rühmann darf nicht Verwaltungschef werden.

Bei der letzten Wahl 1989 verlor die SPD nach vier Jahrzehnten ihre absolute Mehrheit, seitdem haben CDU, FDP und FWG im Rat eine Stimme mehr als die SPD.

Und alle drei Fraktionen einigten sich im Vorfeld der Wahl auf einen gemeinsamen Kandiaten.

Nach Aussagen der Ratssprecher war der Beschluß innerhalb der Fraktionen sogar einstimmig.

Fraktionsabweichler bei der geheimen Abstimmung erwarten sie offenbar nicht.

Wenn sich das bewahrheitet, wird Rühmann scheitern.

Die Oppositionsparteien begründeten ihre Entscheidung nun öffentlich während einer gemeinsamen Pressekonferenz im Hammer Raiffeisen-Haus.

Alle betonten die persönliche Integrität von Rühmann.

"Es ist eine Entscheidung aus sachlichen Erwägungen", so Hans Schmidt (FWG).

Denn Rühmann habe kaum Berufspraxis, "null Verwaltungserfahrung" (FDP-Sprecher Detlef Klein) - und der Jurist, der gerade in seinem zweiten Staatsexamen stehe, habe bisher noch keine Führungsqualitäten entwickeln können.

Sogar der Grüne Hans-Günter Schmitt, formell Mitglied der FWG-Fraktion, will gegen Rühmann votieren.

"Ich habe mich dabei von allen am schwersten getan", gestand Schmitt ein, "schließlich arbeiten wir Grüne auf Kreisebene sehr gut mit der SPD zusammen.

Doch diese Überlegung sollte in der Gemeinde keine Rolle spielen."

CDU, FDP und FWG favorisieren den 40jährigen Diplom-Ingenieur Rainer Buttstedt aus Wöllstein bei Bad Kreuznach.

Sie wollen den Amtsoberbaurat beim Landesministerium für Wirtschaft und Verkehr nicht nur wählen ("wir sind keine Bürgermeister-Wählgemeinschaft") - sondern auch weiterhin unterstützen:

Sie einigten sich, in verschiedenen Sachproblemen (u.a. Kläranlage, Schulen) am gleichen Strang zu ziehen.

Ihre größte Hoffung in Buttstedt:

Er soll die, so CDU-Sprecher Karl-Ulrich Paul, "mehr oder weniger desolate Verwaltung" für rund 10.700 Bürger wieder auf Vordermann bringen.

Denn das sei dringend nötig, was auch die letzte Ratssitzung wieder bewiesen habe.

Dort sei es u.a. zu "Mittelvergaben ohne Deckungsvorschläge" gekommen.

Im Klartext:

Geld wurde ausgegeben - ohne zu wissen, wie es beschafft werden soll.

Die Verwaltung werde, meint FDP-Klein, von einer Person dominiert.

Und die Mitarbeiter ständen nicht hinter ihr.

Reiner Rühmann traut die Opposition einen Neuanfang nicht zu.

Nicht nur aufgrund mangelnder Qualifikation:

Rühmann werde auch auf einen SPD-Ortsverein stoßen, dessen Führungsspitze offenbar nicht bereit sei, Verbesserungsvorschläge für die Verwaltung aufzunehmen - seit zehn Jahren stieße Kritik auf taube Ohren.

"Der Mann", so Klein, "mag noch so gut wollen".

9.12.92:

Hachenburg.

(fr) Manchmal findet man nichts, was man an einer Band aussetzen könnte.

Und ganz, ganz selten hat man nach einem Konzert gar den Eindruck:

Sie könnte nichts besser machen.

Ein solches Konzert fand jetzt in Hachenburg statt.

Der erst sechs Monate junge "Blues- und Boogie-Club Hachenburg" (BBC) hatte die derzeit erfolgreichste deutsche Blues-Band in den Westerwald gelockt.

Die "Blues-Company" aus Osnabrück überrollte 150 begeisterte Hörer regelrecht.

Sänger Todor "Toscho" Todorovic hat mit der Blues-Company bereits vor insgesamt 500.000 Menschen gesungen - u.a. beim weltgrößten Blues-Festival in San Francisco.

Bei seinem ersten Gastspiel im Westerwald machte er das Publikum noch vor dem ersten Ton heiß.

Das ging so:

Die fünf Bluesmänner steigen auf die Bühne, Todorovic zählt an - doch plötzlich sagt er:

"Wir haben doch was vergessen ..."

Und schon kommen sie raus, die fünf dunkelschwarzen Sonnenbrillen.

"Eigentlich", so Toscho, "kriegen wir an dieser Stelle immer schon den ersten Applaus."

Keine Reaktion von den Westerwäldern.

Darauf Todorovic:

"Okay, das üben wir nochmal."

Sonnenbrillen aus, alle wieder runter von der Bühne - dann wieder rauf, bluestypischer Lichtschutz angezogen.

Und da war er, der erste Applaus.

Dann legen sie los.

Erst nach fast drei Stunden hören sie wieder auf.

Professionellster Blues im traditionellen Gewand, manchmal leitete Toscho mit einem coolen "Get busy" eine funkigere Nummer ein.

Zischendurch spricht der Jugoslawe Todorovich gegen Fremdenhaß, was begeistert aufgenommen wird.

Die Ballade "Silent Nite" widmet er den Opfern rechter Gewalt.

Ein Jamaikaner an der Gitarre, der sein Instrument zwar exakt in der Art hält, die das Fachblatt "Metalhammer" kürzlich als schon etwas zu cool bezeichnete, gefiel besonders mit seinen Sliding-Künsten.

Und wenn Drummer "Mr.

Party" seine metertiefe Stimme auspackte, holte er die Texasrocker ZZ Top in den Westerwald.

Dann die Zugabe-Zeremonie.

"Die nächsten zwei Lieder hätten wir sowieso noch gespielt", so Todorovich, "aber wenn ihr dann noch mehr hören wollt, muß der gesamte Saal tanzen."

Und Toscho holte "Johnny B.

Goode" heraus.

Und Toscho schaffte das Unmögliche.

Im Saal des Gasthauses "Stern", kaum von Teenagern bevölkert, war die Hölle los.

Am Schluß drückte Todorovich seine Hochachtung vor dem Veranstalter aus.

"Ich finde es toll, was ihr hier leistet!" Und, wie BBC-Chef Hubert Kohlhaas verkünden konnte, der Club macht weiter.

Das Programm für ein weiteres Jahr mit hochklassigem Blues in Hachenburg steht bereits.

12.12.92:

Hamm.

(fr) Rainer Buttstedt hat eine Vision:

Sachentscheidungen ohne Parteipolitik.

"Das muß auf kommunaler Ebene doch möglich sein!" Auch er selbst habe schließlich zu seiner Partei ein sehr kritisches Verhältnis - "obwohl ich natürlich zu ihr stehe."

Als Verbandsbürgermeister von Hamm will er jedenfalls alles dafür tun, um seine Vision zu realisieren:

"Ein Bürgermeister muß in erster Linie Verwaltungschef und Repräsentant sein", findet er, "und dann erst Politiker."

Buttstedt verspricht allen Ratsfraktionen höchstmögliche Neutralität.

Nicht gerade ungewöhnlich, der erste öffentliche Auftritt Buttstedts im Kreis Altenkirchen - und auch nicht seine Familiensituation, die für solche Bewerber schon fast typisch ist:

Verheiratet, zwei Kinder (übrigens zwei Mädchen).

Außergewöhnlich jedoch, wie er seine These vertritt:

Sehr dynamisch und überzeugend, schon leidenschaftlich.

Der 40jährige tritt nicht so auf, wie das Klischee den Beamten beschreibt.

Bevor er Oberamtsrat wurde, war er in der freien Wirtschaft.

Das betont er.

Und er ist kein stiller Typ - von der cool-zurückhaltenden, schlitzohrigen Intelligenz seines ausgebufft wirkenden Gegenkandidaten Rühmann ist er weit entfernt.

Dafür ist Buttstedt einer dieser Menschen, die begeistern können.

Die nahe am "Volk" sind:

Bei einer Pressekonferenz in Hamm diskutierte er plötzlich lebhaft über Fußball, obwohl es darum eigentlich überhaupt nicht ging.

Oder auch doch:

Der scheidende Verbandsbürgermeister Hans Klarmeyer ist Vorsitzender des VfL Hamm.

Und wenn Buttstedt das auch werden sollte, hat er eine Vorstandstätigkeit in einem 1250-Mitglieder-Sportverein vorzuweisen.

Er gab übrigens zum zweitenmal die Bewerbung für ein Bürgermeister-Amt ab.

Beim ersten Mal hatte er schlechte Karten:

"Nur 3 von 23 Ratsmitgliedern waren Christdemokraten", erinnert sich der CDU-Mann.

Doch immerhin gewann er damals bei der Abstimmung jedes zweite Ratsmitglied für sich.

Das blieb jedoch bis zum vierten Wahlgang so - und dann mußte das Los entscheiden.

"Es ging", so Buttstedt, "unglücklich aus."

14.12.92:

Herdorf-Sassenroth.

(fr) Spaß, Schweiß und Rock n Roll:

Wo immer die Hachenburger "Booze Brothers" auftauchen, ob beim Dreisbacher Bikertreffen vor Fünftausend oder vor Hundert in der kleinsten Kneipe - diese drei Dinge bringen sie mit.

Das durften jetzt auch rund 150 Menschen, auf Einladung des Betzdorfer Kulturvereins Lokschuppen, in der Sassenrother Musikkneipe "bebop" erleben.

Das Erfolgsrezept der "Booze Brothers" seit mittlerweile vier Jahren:

im Programm nur bekannte Knaller, von Westernhagen bis Status Quo.

Und dann einen nach dem anderen, ohne Pause - nur am Nordpol würde da keine Fetenstimmung aufkommen.

Erst nach drei Stunden war im "bebop" Schluß:

Da hatten die Brüder alles gegeben und kippten in Springsteen-Manier auf die Bühnenbretter.

Den langen Auftritt überstanden sie nur mit mächtig viel Bier - doch wie "Saufbrüder" ("Booze Brothers") spielten sie nicht:

Der Name rührt in erster Linie her von ihrer optischen und musikalischen Verwandtheit zu den Kultfiguren "Blues Brothers".

8.12.92:

Altenkirchen/Kreis.

(fr) Eines der kontroversesten Themen im Kreis Altenkirchen war 1992 die Förderung für das Altenkirchener "Haus Felsenkeller".

CDU und FWG wandten sich im Kreistag scharf dagegen, daß der Kreis die Altenkirchener Einrichtung unterstützt - nur eine überraschende Fraktionsabweichung durch Friedhelm Zöllner (CDU) machte einen Zuschuß möglich.

Diese knapp 100.000 DM stören die Gegner immer noch.

Dem Felsenkeller halten sie nicht nur vor, kaum von Oberkreislern besucht zu werden - auch inhaltlich sind sie nicht so ganz mit dem progressiven Angebot zufrieden, das teilweise feministische und esoterische Elemente enthält:

CDU-Sprecher Heinz Neuhaus sprach von "Unkultur".

Die WR hat sich das mal näher angesehen.

Vier Stunden besuchte ein WR-Mitarbeiter den wohl außergewöhnlichsten Felsenkeller-Kurs:

"Derwisch-Tanz".

Erkenntnis nach dem ekstatischen Drehen um die eigene Achse:

"Unkultur" war nicht auszumachen.

Samstagnachmittag.

Viele nehmen sich da Zeit für die Autowäsche, während der Fußball im Radio rollt.

Doch ich im Schneidersitz auf einem Polster, im Kreis mit über 20 Menschen.

Vertrauensvolle Menschen:

Alle sind einverstanden, daß ich über die folgenden vier Stunden berichten darf.

Eigentlich nicht selbstverständlich, wie ich bald merke - denn es geht um das "Lösen von Energieblockaden".

Und so rollen bald die ersten Tränen.

Doch von vorne.

Ich will natürlich wissen:

Woher kommen die Kursteilnehmer? Ergebnis der Stichprobe ist, daß je ein Drittel aus dem Unterkreis, dem Oberkreis und anderen Landkreisen stammen.

Drei nahmen sogar eine Anreise aus der psychosomatischen Klinik Bad Dürkheim auf sich.

Und dann geht es los.

Zunächst autogenes Entspannen.

Obwohl der Raum von externen Geräuschen nicht abgeschottet ist:

Bei einer Unterwesterwälderin fallen schon jetzt Energieblockaden.

"Laß eure Tränen zu", sagt Kursleiterin Brigitte Duck.

Die Diplompsychologin mit hellroten Haaren, die im Felsenkeller kürzlich über "Glücksgefühle ohne Drogen" referierte (Unkultur?), schafft eine gelöste Atmosphäre.

Der Höhepunkt ist die folgende Übung:

Je zwei Kursteilnehmer halten ihre Handflächen aneinander, sollen sich in die Augen sehen.

Wir drehen uns und singen lächelnd einen englischen Text.

Der beginnt mit etwas wie "Thy is the love" ("Dein ist die Liebe").

Dann legen wir eine Hand auf das Herz des anderen.

Danach wird - wie in der Tanzschule - der Partner gewechselt.

Mir ist das Ganze etwas fremd, kann mir auch den Text zunächst nicht ganz merken.

"Die energetischen Wellen können auch ohne das Singen fließen", beruhigt mich mein weibliches Gegenüber.

Auch sie hat, wie die meisten, den Kurs schon öfter absolviert.

Völlige Neulinge in solchen Dinhgen sind offenbar keine darunter.

Einer erzählt von seiner Selbsterfahrungsgruppe.

Nach der Übung sagt eine Seniorin aus dem Unterkreis, was wohl alle denken:

"Ich habe nur schöne Menschen gesehen."

Und dann endlich der Derwischtanz.

Es ist eine uralte Tradition, die heute besonders in der Türkei praktiziert wird.

Die Technik ist einfach:

Wie ein Brummkreisel dreht man sich stundenlang um die eigene Achse.

Aus verständlichen Gründen müssen wir zunächst das schmerzlose Hinfallen üben.

"Seit drei Jahren biete ich den Kurs an, verletzt hat sich noch keiner", beruhigt die Kursleiterin.

Für alle Fälle wird ein Polsterkreis aufgebaut.

Erstmal aber sollen wir "die Himmelsrichtungen spüren".

Dazu strecken wir unsere Arme im Takt in die vier Richtungen karateähnlich aus - rund eine Viertelstunde lang, wobei wir immer "Wush" sagen.

Dann geht es los.

Wir sitzen im Kreis, drehen unseren Kopf und nicken kräftig.

"Wie headbangen", bin ich mir mit meiner Pfälzer Nachbarin mit "Metallica"-Shirt einig.

Wer mag, kann aufstehen und mit dem Derwisch-Tanzen anfangen.

Das Drehen, wobei hypnotische Musik läuft, erzeugt tatsächlich einen angenehmen Ekstasezustand.

Nur selten verheddern einige ihre Füße - und kippen natürlich sofort wie volltrunken um.

Nach einer Stunde wieder Entspannungsübungen.

Einige haben dabei die tollsten Phantasien.

Brigitte Duck berichtet von einem früheren Kurs:

"Ich habe das Tanzen nicht abgebrochen - und die Leute drehten sich vier Stunden, ohne hinterher müde zu sein."

Fazit:

Es hatte für viele offenbar einen positiven, therapeutischen Effekt.

Für mich war es eine neue spannende Erfahrung - die wohl kaum in jedem Landkreis möglich wäre.

Das "Haus Felsenkeller" leistet ohne Zweifel eine Arbeit, die den Kreis Altenkirchen interessanter und lebenswerter macht.

Den gesamten Kreis Altenkirchen.

8.12.92:

Hundertfach sind solche Szenen in diesen Tagen wieder zu beobachten.

So auch z.B. bei der Nikolausfeier des mit 1399 Mitgliedern größten Sportvereins im Kreis, des VfL Kirchen:

Allein hier holten sich rund 200 Kinder ihr Säckchen ab (im Bild die achtjährige Linda Galle vom Kirchener Brühlhof).

Vereinsvize Udo Arnal machte diesmal den Nikolaus in der vollen Jahnhalle.

Nicht über alle Feiern, liebe Leser, berichten wir für Sie - denn dann würden Nikoläuse über Nikoläuse schließlich jedes andere Thema verdrängen.

30.11.92:

Schülerball am Betzdorfer Freiherr-vom-Stein-Gymnasium:

die von der SV (Schülerverantwortung) organisierte Tanzveranstaltung, die die Aula füllte, war bei den Schülerinnen und Schülern ein voller Erfolg.

Höhepunkt des Abends:

der Auftritt der beiden Schulbands "Disorder" (im Bild) und "Old Shoes" zs (WR- nic) 30.11.92:

Betzdorf.

(fr) "Schon vor über zehn Jahren hat der Privatdozent Dr. Peter Kröling, ein überaus angesehener Arbeitsmediziner, durch Untersuchungen nachgewiesen, daß Klimaanlagen Krankheiten verursachen können.

Nach meiner Auffassung hat die Branche sich dieser vermeintlichen Kampfansage nicht gestellt, sondern den Kopf eingezogen und versucht, solche Vorwürfe zu ignorieren und unter den Tisch zu kehren."

Das sagt Hubertus Klingel, der Geschäftsführer der angesehenen Betzdorfer Klimageräte-GmbH Heinrich Nickel.

Doch er betonte bei einer Jubilarehrung in Betzdorf gleichzeitig:

"Wir von Nickel sind da anderer Meinung!" Nickel sei daran interessiert, daß dies - das sogenannte "Sick Building Syndrom" -, öffentlich erörtert werde.

Man habe zu diesem Zweck eine Aktion gestartet, bei der auf Symposien das Thema "Klimaanlagen und Gesundheit" diskutiert werde.

Inzwischen seien sich alle Fachleute einig:

"Klimanlagen können krank machen, wenn sie von den falschen Leuten geplant, von den falschen Anlagenbauern erstellt, gewartet und gereinigt werden", so Klingel.

Nickel wisse, wie man das macht.

Er rief alle Mitarbeiter auf, dafür zur sorgen, daß die von Anlagen von Nickel und die Geräte von Rox nicht zum "Sick Building Syndrom" führen.

"Wir können nicht zulassen, daß unsere Branche in Verruf gerät."

Klingel konnte für 1992 bilanzieren:

"Wir haben eine überdurchschnittliche Steigerung im Auftragseingang, was zu einer guten Beschäftigungslage 1993 heute schon beiträgt."

Das Engagement in den neuen Ländern laufe ebenfalls gut:

Die "Thüringer Lüftungs- und Klimatechnik-GmbH" mit 70 Mitarbeitern, die nun zu 100 Prozent Nickel angehört, habe eine wirtschaftliche Genesung erfahren.

Einen "besonders erfreulicher Geschäftsverlauf" konstatierte Klingel bei den Beteiligungsgesellschaften in Potsdam und Dresden, zufriedenstellend sei die Lage in Uelzen.

Mehr Schwierigkeiten bereite der Export.

Gründe, so der Nickel-Geschäftsführer:

ein restriktives deutsches Exportgesetz, die Situation in den ehemals sozialistischen Ländern und die Dollarschwäche.

"Trotz eines mehr als befriedigenden Auftragseingangs im Export werden wir abrechnungsbedingte Schwierigkeiten im Umsatz haben."

Ausgebaut habe Nickel seine Forschungsabteilung.

Die Firma Rox könne nun zum ersten Mal seit Jahren einen Gewinn vorweisen.

Der Einbruch am Markt, den Nickel kaum gespürt habe, sei jedoch bei Rox "voll durchgeschlagen".

Im Werk Oberdreisbach sei Kurzarbeit angesagt.

Klingel zur Gesamtsituation der Nickel-Gruppe, die zwanzig Firmen ganz oder teilweise besitzt:

"Wir konnten in diesem Jahr unseren Umsatz um 25 Prozent auf 300 Millionen DM steigern."

1992 hat die Gruppe drei Düsseldorfer und eine Münchener Firma, so Klingel, "dazugekauft".

30.11.92:

Kirchen.

(fr) Die Verbandsgemeinde Kirchen blieb in diesem Jahr von finanziellen Überraschungen weitgehend verschont:

Ihr Haushalt mußte lediglich von 16,74 auf 16,86 Millionen DM korrigiert werden.

Mit dieser Korrektur zeigte sich der Verbandsgemeinderat während seiner jüngsten Sitzung einverstanden, indem er den Nachtragsetat einstimmig bei einer Enthaltung genehmigte.

Bürgermeister Günter Schönhof:

"Der Haushalt ist, Klammer auf, noch, Klammer zu, gesund."

Eine der unerwarteten Veränderungen in der Gemeindekasse:

Es fließt ihr mehr Geld aus der Kfz-Zulassungsstelle zu - statt den zunächst erwarteten 390.000 DM werden es nun 432.000 DM sein.

Ein weiteres Plus:

180.000 DM aus höheren Zinseinnahmen.

Und 200.000 DM vom Kreis, der einen Teil der Hilfe zum Lebensunterhalt für Asylbewerber erstattet - dadurch ermäßigt sich der Gesamtbetrag von 2 auf 1,8 Millionen DM.

"Der Anteil der Verbandsgemeinde an den Gesamtsozialhilfeleistungen", so Schönhof, "beträgt in 1992 voraussichtlich 472.250 DM."

Ins Kontor der größten Verbandsgemeinde im Kreis schlägt unerwartet stark die Versorgung ihrer beamteten Mitarbeiter:

Die "Rheinische Versorgungskasse für Beamte" hat ihre Sätze erhöht.

Nun zahlt die VG Kirchen in diesem Jahr dort 110.230 DM mehr ein als veranschlagt, nämlich 6.891.976 DM.

26.11.92:

Kirchen.

(fr) Alle Mandatsparteien der Verbandsgemeinde Kirchen appellieren eindringlich an die Bürgerinnen und Bürger:

"Stellt Euch der Gewalt entgegen!" Einstimmig verabschiedete der Verbandsgemeinderat während seiner letzten Sitzung im Bürgerhaus Birken eine Resolution gegen Fremdenfeindlichkeit.

Der Text lautet:

"Die ausländerfeindlichen Ausschreitungen der letzten Tage und die eskalierende Gewalt rechtsextremer Gruppen fordern deutliche Zeichen aller Demokraten, diesen alarmierenden Warnzeichen zu widerstehen und aktiv gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt einzutreten.

Wir rufen alle Mitbürgerinnen und Mitbürger auf:

Stellt Euch der Gewalt entgegen.

Gewalttätigkeiten sind kriminelle Handlungen und müssen als solche unter voller Ausschöpfung bestehender Gesetze verfolgt und geahndet werden.

Es ist nötiger denn je, den Begriff einer demokratischen und humanen Gesellschaft vor dem Hintergrund zunehmender Ausländerfeindlichkeit, von Gewaltbereitschaft und Rechtsextremismus neu zu definieren.

Alle sind aufgerufen, den grundlegenden Wert der Achtung vor der Würde eines jeden Menschen deutlich zu machen.

Wer jetzt schweigt, macht sich mitschuldig!" 26.11.92:

Kirchen.

(fr) Der Standesamtsbezirk Friesenhagen wird zum 31.12.1992 aufgelöst.

Von dieser überbehördlichen Entscheidung unterrichtete Verbandsbürgermeister Günter Schönhof den Verbandsgemeinderat während seiner letzten Sitzung.

"Trauungen werden jedoch weiterhin in Friesenhagen möglich sein", so Schönhof.

Kirchen.

(fr) Eine Jugendfeuerwehr für den Löschbezirk Kirchen wird gegründet.

Das beschloß der Kirchener Verbandsgemeinderat in seiner letzten Sitzung.

Am 17.

Dezember soll eine Gründungsveranstaltung stattfinden.

Am 23.

Juni 1992 hatte der Rat zum ersten Mal über das Thema beraten.

Schon im Sommer war er grundsätzlich dafür.

Damals stellte sich jedoch heraus, daß die Kirchener Wehr nicht über speziell ausgebildete Jugendwarte verfügt.

Weil dies versicherungstechnische Probleme hätte mit sich bringen können, machte der Rat zur Bedingung, daß geeignetes Fachpersonal zur Verfügung stehen muß.

Dies ist mittlerweile der Fall.

Somit wird die größte Verbandsgemeinde im Kreis, die lange Zeit gar keine Jugendfeuerwehr unterhielt, bald über zwei verfügen.

Denn vor kurzem gründete sich die Jugendwehr "Siegtal", die die Löschbezirke Mudersbach und Brachbach abdeckt.

27.11.92:

Hamm.

(fr) Seit Monaten kämpfen nun viele Hammer Bürger dafür, daß ihr Pfarrer Uwe Ludwig bleiben darf.

Wiederholt äußerte der Pro-Ludwig-Aktionskreis (AK) "Offene Kirche" dabei, daß es nicht das erste Mal sei, daß ein unliebsamer Kirchen-Mitarbeiter vom Presbyterium entlassen worden sei.

Der aus Betzdorf stammende AK-Mitinitiator Volker Luckenbach, der in Wickhausen lebt, hat nun nachrecherchiert, und dabei stieß er tatsächlich auf einen seiner Meinung ähnlich gelagerten Fall aus dem Jahr 1974.

Damals mußten gleich drei Kirchenmitarbeiter ihren Hut nehmen:

die Leiterin des ev.

Jugendzentrums, Frau Sonnentag, und die Pfarrer Finke und Rosenkranz.

Auch damals taten sich einige, zumeist jugendliche Hammer Bürger zusammen, um etwas gegen die drohende Entlassung zu tun.

Luckenbach übergab der WR mehrere Protokolle ihrer Treffen.

Daraus geht hervor:

Auch damals spielte Presbyteriums-Vorsitzender Werner Windel (Hämmerholz) eine exponierte Rolle.

Laut Sitzungsprotokoll bezeichnete er, 1974 noch Presbyteriums-Vize, die andersdenkenden Gemeindemitglieder als "Spinner" sowie als "Rechts- und Linksradikale" - was er jedoch später öffentlich bestritt.

Luckenbach an die Bürger:

"Urteilen Sie selbst, wer damals die Fäden gezogen hat und sie jetzt immer noch zieht.

"Wiederholt sich die Geschichte - oder lernen wir aus ihr?" Das fragt sich heute Volker Luckenbach.

Auch damals habe man den Beschuldigten die selben Vergehen vorgeworfen.

Noch heute gebe es Menschen, die die heutige Situation als Wiederholung von 1974 erlebten.

Luckenbach weist auf den Schaden hin, der damals entstand:

"Viele Menschen sind aus der Kirche ausgetreten.

Wieviele weitere sind tief enttäuscht worden?" Wenn wieder nachwachsende Christen der Kirche den Rücken kehrten - "macht das gar nichts?" Übrigens wurden schon 1974 Parallelen zu ähnlichen früheren Fällen gezogen, wie aus den Sitzungsprotokollen hervorgeht.

Damals mußte das Presbyterium die Frage beantworten, warum die beiden Vorgänger der später entlassenen Pfarrer aus der Gemeinde ausschieden.

Gelächter erntete Presbyter-Vize Windel damals, als er den Grund "Pensionierung" angab:

Einer der beiden, Pfarrer Wirtz, war, als er die Gemeinde Hamm verließ, erst 23 Jahre alt.

29.11.92:

Betzdorf.

(fr) Keine Verbandsgemeinde im Kreis tut so viel für die Förderung von Rocknachwuchs wie Betzdorf.

So erhalten u.a. junge Bands alle acht Wochen die Möglichkeit, im städtischen Jugendtreff zu spielen.

Der jährliche Höhepunkt der Förderung, mittlerweile schon seit drei Jahren:

das "Rockforum".

Dann mietet die Verbandsgemeinde-Jugendpflege, unterstützt von Land und Kreis, Betzdorfs größte Halle an - als großes Forum für Nachwuchsmusiker.

So auch am Samstag.

Fünf Bands präsentierten sich dem Publikum.

Um es vorwegzunehmen:

Zwar war es für den Oberkreis das längste Rockfestival in diesem Jahr (über fünf Stunden) - aber eine rauschende Rock-Fete wie in den vergangenen Jahren war es nicht.

Echte Festival-Stimmung wollte selten aufkommen - was jedoch sicher nicht an den Bands lag.

Die zeigten sich nämlich ganz und gar nicht anfängerhaft:

Ob "Exec Justice", die "Queensryche"-ähnlichen Metal brachten, "Bianco e Nero" mit Rockpop, "Alive" mit gecoverten Songs von Europe bis Joe Cocker oder "Scenery", die Mainstream-Rock mit Background-Chor boten.

Regelrecht schlecht war nur die Abstimmung der Anlage, bei der am Schluß Gesang und Gitarre regelrecht untergingen, wofür das Schlagzeug dominierte.

Vielleicht hatte die Akzentsetzung auf Rhythmus aber auch ihr Gutes:

Um Mitternacht tanzten einige vor der Bühne.

Das war jedoch die Ausnahme.

Viele der 420 zahlenden Zuschauer fand man im Foyer - dadurch wirkte die große Stadthalle recht leer.

So versuchte denn auch die fünfte Band ihr Glück im Foyer - und was zunächst wie ein Umbaupausengag aussah, entpuppte sich als Knaller des Abends.

"Coca Brikett" aus Betzdorf - Spaß pur mit selbstgebastelten Instrumenten.

Allen voran der Sänger mit lila Perücke.

Er entlockte seinem Zwei-Saiten-E-Bass dank wirkungsvoller Verstärker die tollsten Töne, wenn er nicht gerade gekonnt durch ein Plastikrohr blies.

Ihn unterstützten u.a. zwei Damen mit Nickelbrille und blonden Zöpfen, die auch schon mal zwei Kokosnuß-Schalen aufeinanderklopften.

Und dann machten sie vor nichts halt:

"Texas" von Helge Schneider bis Queens "We will rock you" - so hatte man das noch nie gehört.

Das Publikum bedankte sich mit begeisterten Pfiffen und lauten Lachern.

Positiv auch:

Den Nachwuchs auf die teure Bühne zu holen, wurde nicht zum finanziellen Mißerfolg.

Für den Veranstalter, die Verbandsgemeinde, bedeutete das Überschreiten der Besucherzahl 400 auch das Überschreiten der Rentabilitätsgrenze.

Fotos:

erst "Exec Justice", dann "Coca Brikett" 3.12.92:

Brachbach.

(fr) "Ihr redet nicht nur, Ihr handelt auch!" Das sagte Brachbachs DRK-Ortschef Felix Groß zahlreichen Mehrfach-Blutspendern, die der DRK-Landesverband jetzt im Gasthof Euteneuer mit Ehrennadeln auszeichnete.

Zum Blutspenden nach Brachbach kommen durchschnittlich immer 130 Freiwillige - und nicht nur "Einheimische", sondern auch Kirchener und Katzenbacher.

Brachbachs Bürgermeister Alex Maag sagte, es sei ihm eine Ehre, den Blutspendern, "die ihr entscheidend helft, wenn es um Leben oder Tod geht", die volle Anerkennung der Ortsgemeinde zu übermitteln.

Er appellierte an die Jugend, Blut zu spenden.

"Jeder muß wissen, daß er eines Tages selbst in die Lage kommen kann, auf die freiwilligen Spenden angewiesen zu sein."

Maag sagte der WR, daß ihm Blutspenden im Krieg selbst zweimal das Leben retteten.

Der Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Kirchen, Altbürgermeister Fritz Greßnich, betonte das gute Beispiel, daß jeder einzelne Spender gebe.

Dr. Horst Ludwig (Blutspendedienst Koblenz) kam im Auftrag des DRK-Landesverbands.

"Das Deutsche Rote Kreuz wird Ihre Blutspende immer als eine Schenkung betrachten, daß Sie uns treuhänderisch u.a. mit der Auflage geben, daß sie nicht zu einem finanziellen Gewinn mißbraucht werden darf."

Hier alle Namen der Vielfachspender:

Hubert Mohr, Paul Klaas, Jürgen Siebel (spendeten 75mal Blut in Brachbach), Margot Link, Hubert Stausberg (je 50mal), Elfriede Durt, Ulrich Roth, Gerhard Latsch, Josef Zimmermann, Georg Müller (40mal), Veronika Langenbach, Marianne Hensel, Brigitta Klaas, Birgit Baldus, Anni Kölzer, Adelheid Schuhen, Zita Stausberg, Wolfgang Hensel, Stefan Pfeifer, Erhard Voigt, Bruno Klaas, Albert Pontes, Georg Krämer, Bruno Schmidt (25mal), Doris Neumann, Brigitte Schneider, Margarete Becker, Claudia Canelada, Ursula Mahrt, Volker Schneider, Bernhard Morgenschweis, Hugo Klein, Reiner Both, Christoph Heidemann, Guido Malasch, Dirk Plack, Martin Pracht, Antonio Padovano und Simon Schleyer (15mal).

Foto:

Die eifrigsten Geehrten:

Hubert Mohr, Paul Klaas und Jürgen Siebel (v.r.).

Die Ehrung nahm DRK-Ortsvorsitzender Felix Groß (l.) vor.

17.12.92:

Kirchen.

(fr) Schon seit 1983 darf die Fußgängerbrücke hinter dem Kirchener Krankenhaus nicht mehr benutzt werden.

Während sie früher lediglich eine Verbindung zum Waldweg entlang der Sieg am "Alexander" herstellte, könnten die Krankenhaus-Patienten heute über sie auch die neue Freizeitanlage "Am Riegel" erreichen - wenn sie denn dürften.

Und auch die Ordensschwestern im Krankenhaus haben seit 1983 einen weiteren Weg, wenn sie zu den Bildstöcken am anderen Ufer gelangen wollen.

Warum ist die Brücke eigentlich gesperrt? Eine Diskussion im Kirchener Gemeinderat offenbarte kürzlich, daß darüber eine gewisse Unkenntnis besteht.

Völlig unklar bleibt indes immer noch, ob und wann die Brückenverbindung wieder hergestellt wird.

Die Brücke gehört dem Kreis Altenkirchen.

Er sperrte sie erstmals 1983 aus Sicherheitsgründen, als die Baumaßnahmen fürs neue Krankenhaus begannen.

Als das fertig war, war die Brücke jedoch schnell wieder zu.

Die Gemeinde Kirchen fordert nun, daß sie wieder geöffnet wird.

Sie bot der Kreisverwaltung am 4.

Juni an, 50 Prozent der Sanierungskosten zu übernehmen.

Und die CDU-Kreistagsfraktion kam der Gemeinde zur Hilfe und stellte einen Antrag auf Sanierung.

Doch der zuständige Kreisausschuß lehnte ab.

Nun will es die Kreistags-CDU noch einmal versuchen.

Fraktionsmitglied Claudia Schuhen (Wehbach), auch im Kirchener Gemeinderat, rechnet sich dafür bessere Chancen aus, wenn sie einen aktuellen einstimmigen Ratsbeschluß pro Brücke vorweisen kann.

Doch es dauerte eine Stunde, bis sie den bekam.

Denn die SPD stellte sich zunächst quer.

Fraktionssprecher Helmut Ermert sagte, daß seine Fraktion für die Brücke sei - aber es gebe keine Expertenaussagen darüber, wie sie eigentlich saniert werden solle.

Die Kosten, deutete er damit an, sind ungeklärt.

Da tauchte sie erstmals auf, die Frage:

Warum ist die Stahlbrücke eigentlich gesperrt? Statische Gründe zweifelte Norbert Morgenschweis (FWG) an:

"Warum sollte die Brücke plötzlich zusammenbrechen, wenn ein paar Fußgänger darüber gehen?" Vielleicht hängt es mit dem nahen Hubschrauberlandeplatz zusammen:

"Nach meinen Informationen", so der Liberale Otto Wellnitz, "wurden Kinder bei startendem Helikopter fast von der Brücke geweht!" Und Christdemokrat Hermann Bitzer führte medizinische Gründe an:

"Bei Patienten mit Schädelhirntrauma kann der Hubschrauber nicht senkrecht starten."

Dann müsse er diagonal und damit knapp über die Brücke hinweg fliegen.

Verbandsgemeinde-Bauamtsleiter Ulf Roman Netzel pflichtete ihm bei - nicht aber FWG-Morgenschweis:

"Beim Siegener Marienkrankenhaus startet der Hubschrauber auch immer senkrecht!" SPD-Sprecher Ermert mochte sich mit all dem nicht zufriedengeben ("Sind Sie jetzt plötzlich Hubschrauber-Experte, Herr Bitzer?" - Bitzer darauf:

"Ich bin als Sanitäter drei Jahre mitgeflogen.

Nicht diese Gangart, Herr Ermert!") - Ermert forderte für die SPD-Fraktion ein Gutachten über die Brücke.

Das gefiel der CDU gar nicht:

"So ein Gutachten kann mehr kosten als die ganze Brücke.

Das kennen wir", so Bernhard Böhmer.

Er attackierte den Kreis:

Er kann nicht von uns verlangen, daß wir 100 Prozent der Sanierung zahlen sollen, das ist der absolute Gipfel.

Denn der Kreis hat seine Brücke nicht gepflegt und verkommen lassen."

Ist die Brücke also vielleicht baufällig? Wie auch immer:

Nach langer Diskussion beschloß der Rat - einstimmig -, seine Forderung nach 50-Prozent-Beteiligung des Kreises zu bestätigen.

18.12.92:

Kirchen.

(fr) Die erfreuliche Entwicklung, die der Kämmerer schon bei der Nachtragsetat-Debatte angekündigt hatte, konnte der Bauamtsleiter dem Rat nun definitiv mitteilen:

Die Gemeinde erhält nun doch überraschend 925.000 DM sofort vom Land.

Wie berichtet, hatte auch in Kirchen das Land bereits bewilligte Zuschüsse nicht überwiesen (inklusive der 925.000 DM insgesamt drei Millionen DM).

Netzel:

"Auf intensives Bemühen der Verwaltung bekommen wir einen 925.000-DM-Zuschuß, der eigentlich auf vier Jahre gestreckt werden sollte, nun doch sofort!" Die Verwaltung habe sich dafür "mächtig ins Zeug gelegt".

Verwandt wird das Geld, davon geht Netzel aus, "zu 100 Prozent für das Rathausumfeld."

In sechs andere Bau-Projekte, die die Gemeinde aufgrund der Nicht-Zuweisung vorerst ad acta gelegt hatte (darunter u.a. ein Bürgersteig an der B 62 in Freusburg), wird das Geld nicht gesteckt.

Das bestätigte Netzel auf Nachfrage von CDU-Fraktionssprecher Hans Schöltzel.

Schöltzel:

"Davon wird z.B. der Friedhofsweg Offhausen nicht berührt?" Netzel darauf kurz und knapp:

"Nein."

18.12.93:

Daaden.

(fr) Während andernorts noch über den Nachtragsetat 1992 debattiert wird, verabschiedete die Verbandsgemeinde Daaden nun bereits ihren Haushalt für 1993.

In der selben Sitzung billigte der Rat zunächst einstimmig den Nachtragsetat, dessen Einnahmen und Ausgaben nicht vom Geplanten abweichen.

Der 93er Haushalt - Gesamtvolumen rund 14,4 Millionen DM - wurde kontrovers diskutiert.

Während SPD, CDU und FDP schließlich zustimmten, versagte die FWG dem Haushalt ihre Unterstützung.

Der Etat, so Hartmut Stein (SPD), sehe positiv aus.

Dies aber auch deshalb, weil die neun Ortsgemeinden 967.000 DM mehr abführen müßten als 1992.

Das betonte auch Verbandsbürgermeister Günter Wolfram - sah es aber positiv:

Denn der Prozentsatz, den die Ortsgemeinden an die Verbandsgemeinde abgeben müssen, sei nicht erhöht worden, vielmehr sei "die Finanzlage unserer Ortsgemeinden gesund."

Stein begründete das "Ja" seiner Partei zum Etat damit, daß nicht mehr ausgegeben werde als unbedingt nötig:

"Neben den Schulkosten ist der Rathausneubau dringend notwendig."

Bei dem Großprojekt geht man von 5,5 Millionen DM aus, die die Gemeinde aufbringen muß.

Zwei Drittel davon sollen geliehen werden.

Laut Bürgermeister Wolfram wird die Pro-Kopf-Verschuldung dann mit 46 DM über dem Landesmittel liegen.

CDU-Sprecher Werner Knautz fand, daß der Rathausbau zur rechten Zeit kommt.

Man stehe vor einer Konjunkturflaute - die Bauaufträge kämen der heimischen Wirtschaft zupaß.

Knautz lobte die Verwaltung, für die im nächsten Jahr 3,56 Millionen DM ausgegeben werden:

"Trotz Arbeitszeitverkürzung wurde keine neue Stelle geschaffen!" Er dankte auch der "fleißigen Arbeitnehmerschaft":

Nachdem die Steuerkraft im letzten Jahr bereits um ein rundes Zehntel gestiegen war, erhöhte sie sich noch einmal um 27 Prozent (gleich 2,88 Millionen DM) auf 7,8 Millionen DM.

Als Negativpunkt werteten alle Fraktionen, daß die Wassergebühren angehoben werden.

"Schmutzwassergebühr von 1,85 auf 2,45 DM - das ist schon eine gewaltige Kröte", so Knautz.

SPD, CDU und FDP waren sich jedoch einig, daß es nötig sei - denn die Baumaßnahmen seien nötig.

Mehr als vier Millionen DM werden verbaut, u.a. sollen Über acht Kilometer Kanäle neu verlegt werden.

Noch nicht berücksichtigt ist der Daadener Zuschuß für die Zwischenfinanzierung der Kläranlage Muhlau, die erweitert werden soll.

Doch auch der kommt noch auf den Daadetaler Steuerzahler zu:

"Wenn wir nicht die dritte Klärwerks-Stufe bauen, kommt der Staatsanwalt", so Bürgermeister Wolfram.

Die FWG fand die meisten Gebührenerhöhungen trotz allem "nicht akzeptabel" (Günter Merckel).

Die vier FWGler stimmten auch deshalb gegen den Haushalt, weil das Hallenbad mit einem Defizit von 362.000 DM zu Buche schlägt.

Bürgermeister Wolfram suchte dies zu relativieren:

"Das sind monatlich 3 DM pro Einwohner."

Es sei ein "solider Haushalt", so Wolfram.

Die Rücklagen betragen 5,77 Millionen DM.

1,87 Millionen neue Kredite werden aufgenommen, was Hans-Artur Bauckhage für die FDP als "vertretbar" bezeichnete.

Dennoch kritisierte er die Steigerung des Haushalts als "eindeutig zu viel":

Es sollen 13,63 Prozent mehr ausgegeben werden als 1992.

18.12.92:

Niederfischbach.

(fr) Einen "ganz herzlichen Dank den Steuerzahlern" sprach der Niederfischbacher Bürgermeister Ewald Heckner aus.

Bei der Nachtragsetat-Debatte konnte er einen "warmen Regen" vermelden:

Die Gemeinde erhält 703.000 DM mehr Gewerbesteuer-Einnahmen als erwartet - statt über 1,4 kann sie sich nun über 2,1 Millionen DM freuen.

Und durch die Einkommensteuer erhält sie ebenfalls mehr:

70.000 DM (ingesamt nun rund 2.495.000 DM).

Die Einnahmen und Ausgaben des Etats erhöhen sich entsprechend von 5 auf 5,7 Millionen DM.

500.000 DM fließen in die Freie Finanzspitze (jetzt über 1 Million).

Das Land bezuschußt den Ausbau der Kirchhofstraße mit 242.000 DM weniger als erwartet, Land und Kreis den Kindergarten mit 339.000 DM weniger.

Fast dreimal soviel wie geplant muß die Gemeinde für die Personalkosten ausgeben, die bei den Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft entstehen (statt 35.000 DM nun 86.618 DM).

Die Fraktionen akzeptierten den Nachtragsetat einstimmig.

SPD-Sprecher Helmut Meyer stimmte dem Haushalt "uneingeschränkt zu".

Positiv bemerkte er die höheren Steuereinnahmen - ebenso wie Benno Burghaus (CDU), der "ein Wort der Besinnung" sprach:

Nur eine florierende Wirtschaft sichere auf Dauer die Lebensqualität.

Negativ bemerkte Burghaus die "hohen Umlagen" (1,2 Millionen für den Kreis, 794.000 für die Verbandsgemeinde), die "teilweise in personelle Planstellen" fließen würden.

20.12.92:

Daaden.

(fr) Gar nicht weihnachtlich war sie, die Diskussion im Verbandsgemeinderat über das Obdachlosenhaus in der Daadener Lamprechtstraße.

Während die einen dafür votierten, das Dach des Hauses auszubauen, waren die anderen strikt dagegen - es handele sich nur um eine Person, die überdies gar kein echter Obdachloser sei.

"Das ist eine geschmacklose und gefährliche Diskussion", so FDP-Rat und MdL Hans-Artur Bauckhage, "eine Diskussion, die wir nicht führen sollten."

Die Verwaltung hatte angeregt, das Dach des Obdachlosenhauses zu renovieren und auszubauen.

Der Bauauschuß schrieb die Maßnahme daraufhin aus.

Damit die Arbeiten noch im Winter zügig ausgeführt werden können, landeten die eintreffenden Angebote ohne Ausschuß-Vorberatung direkt auf den Tischen der Verbandsgemeinderats-Mitglieder.

Und dort entfachten sie eine heftige Diskussion.

Günter Böcking (SPD) eröffnete sie, indem er nach dem langfristigen Sinn des Ausbaus fragte:

"Wenn das neue Rathaus gebaut wird, muß das Obdachlosenhaus doch ohnehin abgerissen werden."

Böcking:

"Hier geht es offensichtlich um die Unterbringung einer Person.

Hat die Verbandsgemeinde denn nicht geprüft, sie woanders unterzubringen?" Das müsse doch möglich sein.

Bürgermeister Günter Wolfram antwortete:

"Darum bemühen wir uns seit langem.

Doch es ist nicht gelungen."

Man dürfe den Ausbau auch nicht im Zusammenhang mit der einen Person sehen.

Hier werde Platz "für zwei, notfalls drei" Menschen geschaffen.

Es sei sinnvoll, Raum herzustellen, wo immer es möglich sei - "damit die Gemeinde für den Notfall gerüstet ist."

Hartmut Stein (SPD) pflichtete ihm bei:

"Die Verbandsgemeinde hat den gesetzlichen Auftrag, die Obdachlosen unterzubringen.

Und der wirtschaftliche Abschwung hat Obdachlosigkeit zur Folge."

Daher sei es sinnvoll, schon jetzt Wohnraum zu schaffen - "denn wenn wir die Obdachlosen dann in einer sonstigen Mietwohnung unterbringen, dann will ich die Nachbarn erleben, die nicht mit Recht sagen, die Verbandsgemeinde habe nicht rechtzeitig für Wohnraum gesorgt."

Das alles mochte Horst Weber (FWG) nicht nachvollziehen.

Der Hausbewohner sei "im Grunde gar kein Obdachloser" - was nach WR-Recherchen übrigens auch die Nachbarn in der Lamprechtstraße meinen.

Weber machte den Vorschlag, der Maßnahme nicht zuzustimmen.

"Ich sehe das persönlich nicht ein."

Es gebe noch andere Möglichkeiten der Unterbringung.

Außerdem stehe bei dem Haus der Abriß an.

"In Anbetracht der Kosten - 36.400 DM - halte ich den Ausbau für nicht erforderlich."

Diese Summe für die Gemeindekasse, so Weber, entspreche der Erhöhung der Abwassergebühren um 10 Pfennig.

"Eine geschmacklose Debatte", fand FDP-Bauckhage.

"Und eine gefährliche:

Diese Diskussion schürt Sozialneid - sie bereitet den Boden für andere, die eine andere oder gar keine Demokratie wollen."

Man solle das Ganze nicht an eine Person binden, die Verbandsgemeinde brauche Wohnraum - und wo sie ihn am besten schaffe, "sollte man der Gemeinde überlassen!" Dann kam es zur Abstimmung.

Mindestbietende Firmen nach der Ausschreibung waren Betriebe aus Atzelgift (Zimmerarbeiten, 7.543 DM), Weitefeld (Maurerarbeiten für 7.543 DM und Fenster für 2.810 DM), Daaden (Sanitärinstallation für 4.428 DM und Anstreicher- und Bodenbelagsarbeiten für 6.501) sowie aus Daaden-Biersdorf (Elektroinstallation, 7.635 DM).

SPD, CDU und FDP stimmten geschlossen für die Maßnahme, die vier FWG-Abgeordneten einstimmig dagegen.

Das frühere Haus der Familie Pfeifer in der Lamprechtstraße 7 nutzt die Gemeinde heute als Obdachlosenasyl.

21.12.92:

Niederfischbach.

(fr) Sie konnten die Säckchen doch noch packen.

Zunächst hatte es so ausgesehen, als ob bei der Weihnachtsfeier, die der Niederfischbacher Pfarrgemeinderat für die ortsansässigen Asylbewerber organisieren wollte, nicht jeder ein Säckchen vom Nikolaus bekommen würde:

Als der Pfarrgemeinderats-Ausschuß "Fremd" die Päckchen füllte, mußte er beim 37.

aufhören - der Etat war erschöpft.

Der Ausschuß beantragte daraufhin einen Zuschuß von der Ortsgemeinde.

Doch die Ratsmehrheit lehnte ab.

Der Grund:

Der Antrag wurde erst unmittelbar vor der Ratssitzung gestellt.

Bürgermeister Ewald Heckner:

"Wir würden den Zuschuß ja gerne gewähren.

Aber solche Anträge müssen einfach früh genug gestellt werden."

Er wolle, so Heckner, andere Bittsteller nicht benachteiligen.

Die CDU plädierte zwar für unbürokratische Hilfe, doch Heckner ließ sich nicht erweichen:

"Das geht prinzipiell nicht."

Dann kam SPD-Ratsmitglied und MdL Franz Schwarz auf die Idee, "einen Hut rumgehen zu lassen."

Ergebnis:

400 DM - damit konnte der Ausschuß sogar noch Säckchen für die Erwachsenen packen.

Die wurden jetzt am Sonntag verteilt.

Ehrengäste waren im Pfarrzentrum zwar keine dabei (u.a. Heckner und Schwarz waren eingeladen) - doch das störte zumindestens die deutschen und ausländischen Kinder wenig.

21.12.92:

Einzug in ihre neue Grundschule hielten kleine Alsdorfer schon jetzt - bei einem Tag der Offenen Tür.

Während sich ihre Eltern an einem Riesen-Kuchenbuffet labten, konnten sie in aller Ruhe in den neuen Stühlen probesitzen, die Tafeln ungehemmt testen und im Mehrzweckraum Papierflieger basteln.

Alle durften feststellen:

Die neue Schule ist hell und architektonisch luftig, sogar der Keller strahlt in angenehmen Beige-Tönen.

Und auch Autofahrer können sich freuen:

Der Parkplatz, auf dem die Schulkinder ein halbes Jahr provisorisch in Containern lernen mußten, ist nun wieder voll funktionsfähig.

21.12.92:

Herdorf-Sassenroth.

(fr) Eine der beständigsten Rockbands im Oberkreis ist die Betzdorfer Gruppe "Feedback".

Kurz vor dem 10jährigen Bühnenjubiläum müssen sie nun den Abgang ihres Keyboarders Hans-Jürgen Lenz verkraften - "es tut uns leid, daß er aufhört", so Gitarrist Hennig Bauseler, "aber er studiert und ist kürzlich Vater geworden.

Ihm fehlt einfach die Zeit - was wir verstehen."

Sein Abschiedskonzert gab Lenz jetzt in der Sassenrother Musikkneipe "bebop".

Und da trat auch sein Nachfolger erstmals auf:

Thomas "Thommy" Quast, der jüngere Bruder des Feedback-Sängers Martin Quast, der bisher schon als Saxophonist dabei war, war die Konzentration ins Gesicht geschrieben.

Doch er bestand sein Debüt gut.

Feedback kamen mit ihren stampfenden, melodischen, klassischen Hardrock, der sie seit jeher kennzeichnet.

Obwohl sie ihr Konzert, vom Betzdorfer Kulturverein "Lokschuppen" veranstaltet, mit nur einem einzigen Plakat beworben hatten, war der "bebop" gut gefüllt.

"Wir haben nicht mehr Reklame gemacht", so Gitarrist Bauseler, "damit nicht zu viele kommen.

Denn dann macht es hier weder dem Publikum noch uns Spaß."

Tatsächlich wird der "bebop" bei ausverkauften Konzerten leicht zum sauerstoffarmen Glutofen - die Fenster dürfen aus Lärmbelästigungs-Gründen nicht geöffnet werden, die Kneipe liegt mitten in einem Wohngebiet.

Bauseler konnte gegenüber der WR schon ankündigen, daß Feedback ihr 10jähriges mit einem Open-Air feiern werden.

Es wird wahrscheinlich am zweiten August-Wochenende stattfinden.

Austragungsort ist Siedenberg (bei Morsbach), wohin zu den jährlichen Open-Airs schon bis zu 1.000 Menschen kamen.

In diesem Jahr fiel das Konzert u.a. wegen des immensen Organisationsaufwands aus:

Das Siedenberg-Gelände besteht aus einer großen, abschüssigen Wiese - eine Bühne muß jeweils eigens zusammengezimmert werden.

30.12.92:

Kreis Altenkirchen.

(fr) Einsetzende Rezession, Fremdenzuzug, Finanznöte der Gemeinden und Städte, Verkehrsprobleme, Polizeireform, ein öffentlicher Kirchenstreit, Umweltschutz-Konflikte, ein neues Müllsystem und der kommende Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz, viele Demonstrationen und der frühe Tod eines bedeutenden Kommunalpolitikers - das Jahr 1992 war zwar ein friedliches, aber wahrlich kein ruhiges Jahr.

Über ihm flog der Schatten eines beginnenden wirtschaftlichen Abstiegs:

"Es wird uns lange Zeit nicht mehr so gut gehen wie in diesem Jahr" - diese Stimmung herrschte in den bürgervertretenden Räten vor.

Dennoch wurden noch diverse Großprojekte auf den Weg gebracht bzw.

abgeschlossen.

Und es war ein Jahr der überraschenden Wechsel:

In Kirchen wie in Hamm änderte sich das Parteibuch des Verbandsbürgermeisters.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit faßt die WR die wichtigsten Ereignisse des Jahres 1992 für Sie zusammen.

Hass - wohl kein Wort wurde 1992 so oft auf Plakate gemalt:

"Gegen Hass" war das Demonstranten-Motto des Jahres.

Daß Hunderte auf die Straße gingen, hat dazu beigetragen, daß der Kreis Altenkirchen im nationalen Vergleich wie eine Insel der Glückseligen erscheint:

Von Brandbomben werfenden Skinheads blieben wir 1992 verschont.

Doch der entscheidende Grund dafür liegt wohl eher in der Tatsache, daß es der Wirtschaft im Kreis immer noch gut geht - und daß sich zahllose Menschen in den vielen Vereinen für Kinder und Jugendliche kostenlos engagieren.

Hier, besonders in den Sportvereinen, findet sogar die seltene Integration von Ausländern statt.

Und sieht man dieses Foto, aufgenommen in Niederfischbach, bei einem der raren deutsch/ausländischen Feste, so kann man sich für 1993 nur wünschen:

"Werdet wie die Kinder."

Ödes Betzdorf.TXT (05-04-96 02:27:49):

1.4.96:

Kreis Altenkirchen/Betzdorf.

(fr) Im Kreis Altenkirchen wird weniger gebaut - zum ersten Mal seit 46 Jahren.

Und der negative Trend wird sich, laut Expertenmeinung, fortsetzen.

"Die Bautätigkeit im Kreis sinkt":

Keine verspätete Wahlkampfaussage - sondern das Ergebnis einer amtlichen Untersuchung.

Die hat die Geschäftsstelle des Gutachterausschusses durchgeführt, eine gesetzliche Einrichtung am Kreis-Katasteramt, der u.a. alle Grundstücksverträge vorgelegt werden müssen.

Die Geschäftsstelle errechnet Zahlen zur Wirtschaftssituation im Kreis Altenkirchen:

hauptsächlich die "Bodenrichtwerte", den Mietspiegel und "Bauindexreihen".

In Fakten gefaßt werden dadurch Grundstückspreise, Mietkosten - und eben die Bautätigkeit.

Die Untersuchung darüber läuft bereits seit 1913.

Sinkende Bautätigkeit wurde bisher nur in vier Krisenjahren registriert:

1929, 1930, 1948 und 1950.

Fast ein halbes Jahrhundert lang stieg die Kreis-Bauindexreihe seitdem stetig, jedes Vierteljahr.

Nun das erste Quartal mit Minus (1 Prozent).

"Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, aber wahrscheinlich wird sich dieser Trend fortsetzen.

Der Bedarf ist gedeckt", konstatiert Bernd Voll, langjähriger Geschäftsstellenleiter des Gutachterschusses.

15 Jahre lang hat er aus dieser exponierten Perspektive heraus die wirtschaftliche Entwicklung im Kreis beobachtet, seit Januar ist er der Büroleiter im Kreis-Katasteramt.

Nach seiner Einschätzung, die er freilich nicht als "amtliche" Einschätzung verstanden wissen will, ist die negative Entwicklung im Landkreis derzeit am stärksten in Betzdorf.

Daß es in der Sieg-und-Heller-Stadt nicht zum Besten steht, machten die Kommunalpolitiker bei der letzten Ratssitzung deutlich.

Die Bahnhofstraße als "Fußgängerzone, die gar keine ist" (CDU-Fraktionssprecher Eberhard Schuhen) wurde indes schon im letzten Karneval verspottet:

"...

bald gleicht sie", meinten Brucher Narren, "einer Geisterstraße im Wilden Westen!" Auch der Altenkirchener Gutachter Voll hat`s mit eigenen Augen gesehen:

"Ich bin mal durch Betzdorf gegangen - und entdeckte über 30 leerstehende Läden oder Büroräume."

Die Lage sei, so Fachmann Voll, "ganz extrem."

Bernd Voll, zudem kommunal gut informiert durch seinen Kreisvorsitz bei den Freien Wählern und dem Deutschen Beamtenbund:

"Ich würde keinem raten, dort zu investieren - Betzdorf entwickelt sich rückwärts."

Aufwärts gehe es dagegen im Unterkreis-Gebiet Horhausen-Krunkel-Willroth.

Der Grund, so Voll, sei nicht "die ICE-Geschichte" - sondern die Nähe zur Autobahn.

Wie steht der Kreis Altenkirchen im Landesvergleich da? "Immer noch besser als Eifel oder Hunsrück", so Voll, "der Entwicklung in Koblenz, Mainz und Ludwigshafen jedoch hinkt der Landkreis eher hinterher."

Gutachter Bernd Voll:

"Der Bedarf ist gedeckt."

Verlassene Läden in der Fußgängerzone Viktoriastraße:

Lage in Betzdorf "ganz extrem".

Ehemaliges Schaufenster an der Kirchstraße:

"Betzdorf entwickelt sich rückwärts."

Ödes Betzdorf2.TXT (13-04-96 20:08:02):

z.Hd.HerrnBerndVoll- Betzdorf/Altenkirchen.

RO.

Für große Aufmerksamkeit sorgte der RZ-Artikel über die sinkende Bautätigkeit im Kreis Altenkirchen und die Situation in Betzdorf.

Während Betzdorfer Geschäftsleute positiv reagierten, zog Gutachter Bernd Voll, der die Zahlen genannt und bewertet hatte, den Unmut der Verwaltung auf sich.

"Ich wurde", berichtet der Altenkirchener Voll, "von Betzdorfs Bürgermeister aus dem Urlaub angerufen ...

Meine Aussagen haben hohe Wellen geschlagen!" Besonders jene über Investitionen in Betzdorf.

"Wenn ich angesichts der vielen leerstehenden Läden nicht empfehlen kann, dort zu investieren", betont Voll, "dann spreche ich natürlich nicht gegen Investitionen im allgemeinen."

Investieren sei wichtig, damit es der Wirtschaft wieder besser gehe - "und auch an einigen Stellen in Betzdorf, etwa in Bruche, gibt es noch Nachholbedarf!" Daß indes so viele Geschäftsräume leer stehen, komme nicht von ungefähr.

12meterbrot.TXT (05-08-96 21:36:45):

(fr) Zwölf Meter AOK-Gesundheitsbrot hat ein Katzwinkeler Bäcker kostenlos für einen guten Zweck gebacken - und auch indianische Brötchen ("Alulas"), die innen grün sind und bei entsprechender Nachfrage bald permanent in Katzwinkel zu haben sein werden.

Die 50 Kilo Gesundheitsbrot (im Bild)wurden von Jörg Blatter, mit Unterstützung der AOK Altenkirchen, als gesunde Verpflegung für das Abenteuerzeltlager der JSRG Katzwinkel hergestellt.

Und da beim Camp ein "Indianer" mitwirkte, wurden auch noch traditionelle Brötchen der südamerikanischen Indianer in Katzwinkel gebacken.

Die "Alulas" sind eine alte Speise der Inkas - und enthalten viel Petersilie:

Wer sie aufbricht, der wird von einem "grünen Innern" überrascht.

25J TV Katzenbach.TXT (21-06-96 13:31:35):

Kirchen-Katzenbach.

(fr) Der Turnverein Katzenbach feiert in diesen Tagen sein 25jähriges Bestehen.

Am 30.

April veranstaltet der TV daher einen "Tanz in den Mai".

Zunächst fanden die Übungsstunden in der alten Katzenbacher Schule statt - und unter dem Dach des VfL Kirchen.

1974 schloß sich der Turnverein dann dem frischgegründeten Sportverein (SV) Katzenbach e.V.

als Abteilung an.

Seitdem die Fußballabteilung des SV nicht mehr besteht, stellen die derzeit 48 Turnerinnen die Mehrheit der insgesamt 78 SV-Mitglieder.

Daneben gibt es noch eine Tischtennis-Abteilung.

Abteilungs- und Übungsleiterin der Turnerinnen ist seit zwei Jahrzehnten Marianne Neuser, die 1984 auch zur SV-Vorsitzenden gewählt wurde.

In den Gründungsjahren leitete Ursula Panthel aus Kirchen den Turnverein.

Von den Gründungsmitgliedern sind noch heute Marlies Latsch, Marianne Neuser und Zita Stausberg aktiv dabei.

Geturnt wird dienstags von 20 bis 22 Uhr im Katzenbacher Bürgerhaus.

Anläßlich des Jubiläums findet am kommenden Dienstag im Bürgerhaus ein Tanz in den Mai statt, mit großer Tombola und einem Alleinunterhalter aus Freusburg.

Den Erlös der Festaktivität werden die Turnerinnen der Arbeitsgemeinschaft Spina Bifida ("offener Rücken") und Hydrocephalus (Störung des Gehirnwasserkreislaufs) spenden.

Die Katzenbacher Turnerinnen, mit der Vorsitzenden Marianne Neuser (vorne, 2.v.l.).

Adventsbasteln HIBA.TXT (01-12-96 20:36:29):

(fr)Der Advent ist da - und damit grassiert das "Bastelfieber":

Weihnachtsschmuck selbst machen, das tun viele Menschen in diesen Tagen mit Begeisterung.

Unser Bild entstand in der Sonderschule Wissen, wo behinderten Kindern aus dem Oberkreis Altenkirchen der nette Freizeitspaß nähergebracht wurde.

Helfer des HIBA, dem Wissener Hilfsdienst für Behinderte und ihre Angehörigen, nahmen sich Zeit und leiteten die Kinder an.

Trotz Schnee kamen viele und machten mit - darunter auch die Ökumenische Frauengruppe Kirchen, die jedoch bereits die Früchte ihrer Bastelarbeit präsentieren konnte.

Und die Frauen zeigten nicht nur ihre Werke, sondern "verschenkten" sie auch für einen guten Zweck:

Die ökumenische Gruppe veranstaltete einen Basar, dessen Erlös dem HIBA zugute kommt, der sich bereits seit genau einem Jahrzehnt um Behinderte und ihre Familien kümmert.

Anja Aepfelbach.TXT (28-12-96 21:45:52):

Betzdorf/Schutzbach.

(fr) Eine der besten Jugend-Tennisspielerinnen des Rheinlands war in diesem Jahr eine Betzdorferin:

Anja Aepfelbach - kommt die 17jährige noch weiter nach oben? Sieg auf Sand, in der Halle und im Team:

Die dreifache Rheinland-Meisterin 1996 rangiert in der Damen-Wertung bereits auf Platz 34 in Rheinland-Pfalz.

Die 1,85 Meter große Allroundspielerin schlägt stark auf und kann kämpfen.

Ein Knöchel-Bänderriß verdonnerte sie im Sommer 95 zu sechs Wochen Zwangspause - doch dann kam sie wieder.

Und gewann sechs Turniere hintereinander.

Anja Aepfelbach fing mit sechs Jahren an.

Mit 14 bereits spielte sie für ihren Verein TC Grün-Weiß Betzdorf in der höchsten Mädchenklasse (Rheinlandlliga) und wurde ins Damenteam berufen.

Letztes Jahr gelang der Aufstieg in die Verbandsliga.

Dabei macht die Betzdorferin, die mit ihren Eltern nach Schutzbach umgezogen ist, gar keinen Sport nebenher - "nur eine Stunde am Tag Zeitung austragen ..."

Als Nummer 4 der weiblichen Tennis-Jugend (Jahrgänge 78 und 79) von Rheinland-Pfalz braucht sie nun neue Herausforderungen und Gegnerinnen, an denen sie wachsen kann.

Anja gewann bereits größere Turniere, darunter den Mercedes-Benz-Cup in Alsdorf bei Aachen; "80 Prozent aller Endspiele hat sie 1996 gewonnen", errechnete ihr Vater Klaus Aepfelbach.

Fast jedes Wochenende im Sommer stand ein Turnier auf dem Programm, dann die Ligaspiele mit dem Team - insgesamt wurden 15.000 Kilometer für Tennis zurückgelegt:

"Samstags Trier, sonntags an die Weinstraße ..."

Das kostet nicht nur an der Tankstelle, auch Übernachtung und Verpflegung müssen finanziert werden.

Und 60 bis 80 Mark kostet eine Trainersstunde in der Halle.

Einen Sponsor, neben den Eltern, gibt es zwar - doch mehr als eine Ausrüstung pro Jahr ist für das Betzdorfer Sporthaus nicht drin.

Und der Tennis-Verband Rheinland unterstütze Anja mit keinem Pfennig, berichtet Vater Klaus.

"Obwohl sie dreimal in Folge Rheinlandmeisterin wurde, wurde sie noch nie zum Verbandstraining nach Koblenz eingeladen."

Warum? "Betzdorf ist für den Verband eine Diaspora, liegt wohl zu abseits - obwohl Anja nicht die einzige gute Spielerin hier ist!", ärgert sich Klaus Aepfelbach.

Die Förderung des Verbands hätte schon erfolgen müssen, sagt er, "als Anja noch 12, 13 war."

Ärgerlich war für Anja in diesem Jahr ausgerechnet auch ein Turnier, das zum Heimspiel werden sollte.

Beim Jugendturnier ihres Vereins war sie Favoritin, man erwartete den Sieg von ihr - endlich sollte nach 19 Jahren einmal eine Betzdorferin das Betzdorfer Turnier gewinnen.

Doch unter dem Erwartungsdruck verkrampfte Anja.

Und verlor das Finale.

Die sprichwörtliche Sache mit dem Kopf wurde auch bei Niederlagen gegen gute Damenspielerinnen deutlich.

"Solche Spielerinnen sind nicht unbedingt technisch besser, sondern cleverer", weiß Vater Klaus.

Mehr Schliff (darunter auch bessere Beinarbeit) soll sie in den USA bekommen.

Wenn Anja ihr Abi hat, in zwei Jahren - sie belegt die Leistungskurse Erdkunde, Englisch und Mathe -, will sie ein Sportstipendium in den Staaten ergattern.

Erste Kontakte sind schon geknüpft, über die ehemalige Betzdorfer Spielerin Martelize van Vuren, die immer noch mit Anja den Kontakt hält.

Ein US-Trainer hat bereits Interesse signalisiert - wichtig fürs Stipendium.

Ihrem Betzdorfer Verein, für den sie schon als Bambini spielte, will Anja jedoch bis dahin treu bleiben.

Schon letztes Jahr hielt sie der Betzdorfer Trainer reif für USA.

Doch die Eltern winkten ab:

"Die Schule geht vor", erklärt Mutter ......

Daß Anja noch besser werden kann, mehr Erfolge sammelt, Oberliga spielt, das halten die Eltern für möglich.

Doch ihre Tochter als Profi-Spielerin, das können sie sich nicht vorstellen.

Anjas Zukunftsziel ist denn auch kein Leben wie Steffi, die sie übrigens noch nie live gesehen hat, sondern ein Sportstudium.

Bild:

Anja Aepfelbach in der "Pokal-Ecke" ihres Jugendzimmers.

In ihrer Freizeit hört sie gerne Michael Jackson - und ist ein großer Fan des 1.

FC Köln.

Arbeitslose96.TXT (15-07-96 21:56:20):

Kreis Altenkirchen.

(fr) Den "bisher höchsten Arbeitslosenstand in einem Juni" muß das Arbeitsamt für die heimische Region vermelden.

Im Kreis Altenkirchen sind 4547 Menschen arbeitslos.

Das sind 1039 Menschen mehr als vor einem Jahr, mit knapp dreißig Prozent Steigerung der größte Zuwachs 1996 im Vergleich zum Vorjahresmonat, teilt das Arbeitsamt Neuwied weiter mit.

Die Arbeitslosenquote des "AK-Lands" liegt bei exakt neun Prozent.

Die Quote für die Landkreise Neuwied und Altenkirchen beträgt jetzt insgesamt 8,3 Prozent, wie im Mai - vor einem Jahr jedoch waren es noch 6,8 Prozent.

Jeder neunte Arbeitslose ist Ausländer.

Dies liegt laut Arbeitsamt auch daran, daß die Behörden weniger Arbeitserlaubnisse erteilen.

Gleichzeitig gibt es mehr offene Stellen.

Auf das erste Halbjahr gesehen, sind sechs Prozent mehr Angebote beim Arbeitsamt eingegangen als im Vorjahr.

Der Bedarf existiert hauptsächlich im verarbeitenden Gewerbe, hier besonders im Metallsektor, sowie beim Bau und Handel.

Im Baugewerbe gibt es mehr offene Stellen als Entlassungen.

Während im Arbeitsamtsbezirk insgesamt so viele Arbeitslose in neue Stellen vermittelt wurden wie noch nie in einem Juni der 90er Jahre, trübt der Kreis Altenkirchen dieses schöne Bild:

Weil das Stellenangebot hier rückläufig ist, flachte auch die Zahl der Vermittlungen ab.

Die Zahl der Kurzarbeiter ging hier jedoch auf 630 zurück.

Das sind 100 weniger als im Mai, aber 450 mehr als vor einem Jahr.

Die meiste Kurzarbeit fahren hier Firmen, die Metallwaren fertigen (200 Kurzarbeiter), Betriebe der Elektrotechnik (100), der Maschinenbau und die Holzwirtschaft (je 90).

Kurzarbeit "auf dem Bau" ist im Kreis Altenkirchen dagegen fast kein Thema mehr.

Seine Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung (ABM) konzentriert das Bezirks-Arbeitsamt derzeit zu 70 Prozent auf den Kreis Altenkirchen - und die Hälfte aller ABM-Stellen des Bezirks Neuwied/Altenkirchen entfallen auf den Bereich Betzdorf.

Hier konnte die Arbeitslosenquote um 0,2 Prozentpunkte auf 7,9 Prozent gedrückt werden.Während im Bezirk Betzdorf damit nun 2253 Menschen ohne Arbeit sind, stieg die Quote im Bereich Wissen um 0,4 Prozentpunkte auf 9,7 Prozent.

42 Menschen meldeten sich hier im Juni neu arbeitslos; insgesamt sind es nun 992 Arbeitslose im Wisser Land.

Im Bereich Altenkirchen ist die Arbeitslosenquote unverändert zweistellig:

Nur zwei Arbeitslose weniger - nun 1302 Menschen ohne Arbeit, die Quote nach wie vor 10,9 Prozent.

BürgerentschBrach.TXT (15-07-96 21:57:14):

Brachbach/Kreis Altenkirchen.

(fr) Zum ersten Mal im Kreis Altenkirchen wird ein Bürgerentscheid stattfinden - die Bürger können direkt entscheiden und, wenn sie mögen, das "Kommunalparlament überstimmen".

Beim Bürgerbegehren dagegen können die Einwohner durch eine Mehrheitsabstimmung lediglich den Gemeinderat dazu zwingen, erneut über ein Thema zu entscheiden.

Drei Bürgerbegehren hat es laut Kreisverwaltung bisher gegeben:

eines in einem Dorf bei Altenkirchen, dann das Betzdorfer Begehren gegen die geplanten Fußgängerröhre und eins in Brachbach.

Das hat der Gemeinderat jetzt beraten - und abgelehnt.

Somit kommt es in Brachbach zu einem Bürgerentscheid.

Entscheiden sollen die Bürger über eine Standortfrage:

Wohin soll ein Anbau, der Probenräume für Vereine bringt - an die Marienschule oder an die Mehrzweckhalle? Diese Frage wird nun per Mehrheitsentscheidung beantwortet, gemäß dem 1994 eingeführten Paragraph 17a der Gemeindeordnung.

Er schreibt unter anderem auch vor, daß der Bürgerentscheid nur gilt, wenn überhaupt genügend Interesse vorhanden ist:

Für die Entscheidung der Mehrheit muß mindestens jeder dritte stimmberechtigte Bürger gestimmt haben.

Nur dann hat der Bürgerentscheid den Stellenwert eines Gemeinderatsbeschlusses.

Die Bürgerentscheidung kann vom Gemeinderat erst drei Jahre später wieder geändert werden kann.

Im Fall Brachbach, bei einem Bauvorhaben, ein eher unerheblicher Aspekt.

Kommt aber nicht die nötige Stimmenzahl für eine Variante zusammen - ein Drittel der wahlberechtigten Bevölkerung -, ist der Gemeinderat lediglich gezwungen, erneut zu beraten.

Das tat er jetzt bereits, über die beiden Standorte wurde ausführlich diskutiert.

Denn es mußte entschieden werden, ob dem Ergebnis des Bürgerbegehrens stattgegeben wird.

Klar ist:

Beide Fraktionen im Rat sind für einen Anbau.

Zunächst war man sich auch einig und beschloß, wo er hin soll:

an die Marienschule.

Dafür hat das Land schon einen Zuschuß von 600000 Mark gewährt.

Doch dann bekam die CDU Zweifel, drei Fraktionsmitglieder initiierten ein Bürgerbegehren dagegen.

Einige Gründe dafür, laut Mitinitiator Thomas Hoffmann:

zu wenig Parkplätze, Lärmschutz nicht ausreichend, Nachbarschaftsstreit - an der Mehrzweckhalle dagegen existierten genügend Parkplätze und ein "natürlicher Schallschutz":

"Der Lärm", so Hoffmann, "geht auf den Schulhof."

Dort gebe es auch bereits Toiletten und eine Garderobe.

Außerdem sei die Heizung der Halle schon für einen geplanten Ausbau angelegt.

Ein großer Streitpunkt ist auch die Frage:

Welcher Verein in Brachbach hat eigentlich Platzbedarf? Die CDU meint, lediglich Musikverein und Frauenchor - die SPD zählt noch Volkshochschule und Rotes Kreuz dazu.

Diese Bedarfsermittlung sei nicht mit rechten Dingen zugegangen, behauptet die CDU:

"Dem Roten Kreuz wurde die Pistole auf die Brust gesetzt!" Außerdem meinen die Christdemokraten, der Auszug der Gemeindeverwaltung aus der Marienschule solle "künstlich Platzbedarf schaffen".

In diesem Zusammenhang bahnte sich ein weiterer Höhepunkt der Debatte an, als Altbürgermeister Walter Euteneuer (CDU) das Wort gegen Bürgermeister Dieter Heupel (SPD) ergriff:

"Wir sind von unserem Bürgermeister ja schon einige Skandale gewöhnt.

Aber daß wir kein Wort davon im Rat gehört haben, daß das Gemeindebüro jetzt ein Jugendraum mit Krabbelstube ist, ist ein Skandal ersten Ranges!" Als Euteneuer dann begann, hastig weitere "Skandale" aufzuzählen, drohte ihm Heupel mit Wortentzug und forderte, zur Tagesordnung zurückzukehren.

30 Zuschauer waren in der "Bärenschenke" dabei, sie hörten Behauptungen gegen Behauptungen; dabei war doch das meiste, so Verbandsgemeinde-Beigeordneter und Bauamtsleiter Dr. Ulf Roman Netzel, "in den Ausschüssen bereits hinlänglich geklärt.

Diese Diskussion enttäuscht mich."

Dazu flogen mögliche Kosten so wild durch den Saal, daß der Bauamtsleiter mahnen mußte:

"Sie sollten nicht über Kosten reden, die keiner kennt."

Der Bürger, der entscheiden soll, kann kaum durchblicken.

Einer meinte hinterher:

"Das Königlich-Bayerische Amtsgericht hat getagt ...".

Vielleicht hilft ja die Gemeindeordnung:

Laut Verwaltungsvorschrift 8 zum Paragraph "Bürgerentscheid" müssen Gemeinderat und Bürgermeister ihre Auffassungen ordentlich aufschreiben und öffentlich bekanntmachen.

"Auf die Sachlichkeit der Darstellung", verlangt die Vorschrift, "ist besonderer Wert zu legen."

Bodypainting.TXT (17-06-96 23:44:23):

Daaden.

(fr) Eine ungewöhnliche Freizeitbeschäftigung hat die Daadenerin Maria Glachtsiou:

Die 20jährige bemalt Körper von Mitmenschen - mit Schwamm, Pinsel und sogar im Airbrush-Spritzverfahren.

Warum malt sie nicht wie andere, auf Papier oder Leinwand? Maria Glachtsiou erklärt:

"Es fasziniert mich, auf einem menschlichen Körper künstlerisch etwas darzustellen."

Dabei sei die Herausforderung, die "Illusion der Echtheit" möglichst zu erreichen.

Dazu benutzt sie Wasserfarben, allerdings spezielle:

"Die normale Farbe aus dem Wasserkasten deckt nicht so gut", so Glachtsiou, "und sie ist auch nicht so atmungsaktiv."

Das noch Luft durchdringt, sei wichtig, denn wenn nach einem Ganzkörper-Bodypainting - das sechs Stunden dauert - das Körperbild auch noch mit Haarlack oder Puder fixiert wird, kann`s mit der Hautatmung schwierig werden.

Wie sich das auf der Haut anfühlt, beschreibt Modell Ria aus Daaden:

"Ein bißchen wie Matsch und Wasser, wie früher als Kind."

Fühlt man sich nackt? Ria:

"Man tritt als Person hinter der Kunst zurück.

Ich fühle mich weder nackt noch angezogen, sondern ästhetisch!" Obwohl "Körpermalerin" Maria Glachtsiou ihre Kunst versteht - als gelernte Visagistin -, hat sie es dennoch "in unserer Gegend schwer, Modelle zu finden.

Männer zum Beispiel fürchten, als homosexuell abgestempelt zu werden."

So ist es fraglich, ob die junge Künstlerin ihren größten Traum verwirklichen kann:

"Sehr gerne würde ich einmal drei Personen bemalen - aus drei Menschen beispielsweise eine Gitarre machen ..."

(*** Bild:

Maria Glachtsiou mit Modell Ria ***) BrachbachRat.TXT (15-07-96 21:59:24):

Kirchen.

(kt) Nach 40 Jahren im Schuldienst, davon die letzten sieben Jahre als Rektor der Hauptschule Kirchen, wurde Otto Wellnitz gestern in den Ruhestand verabschiedet.

"Er leidet sicherlich darunter", sagte Schulrat Friedhelm Zöllner in seiner Laudatio, "daß wir Schule so betreiben, daß wir Kindern erst Laufen und Sprechen beibringen und dann:

Stillsitzen und Mundhalten".

Wie ein roter Faden zog sich die Anerkennung für seine Integrationsfähigkeit und vor allem dafür, daß für Wellnitz immer das Wohl seiner Schüler im Vordergrund stand, durch die Ansprachen während der Feierstunde.

Er habe sich immer von der Maxime "Was dient dem Kind" leiten lassen, formulierte Konrektor Peter Düber.

Bürgermeister Günter Schönhof nannte Wellnitz eine "Vaterfigur", er sei immer vehement und konsequent für "seine Schule" eingetreten.

Schönhof beklagte, daß in Deutschland das Gefühl dafür verlorengegangen sei, "was für die Zunkuft wichtig ist".

Die Zeit der Schul-Reformen sei vorbei, bei den Bildungsausgaben befinde sich die BRD unter vergleichbaren Staaten auf den letzten Plätzen.

In Zeiten solch rauher See sei es bedauerlich, daß ein "so erfahrener Kapitän das Schiff verläßt".

Otto Wellnitz wurde Stolzenhagen (Pommern) geboren und studierte an der pädagogischen Akademie in Worms.

Von 1966 bis 1969 leitete er die Volksschule Fischbacherhütte, nach seiner Ernennung zum Hauptlehrer wechselte er 1969 als Konrektor an die Volksschule Kirchen.

Danach war er der erste Konrektor der 1970 gegründeten Hautschule Kirchen, die ab 1989 als Rektor leitete.

Burggartfest96.TXT (15-07-96 21:58:24):

Hachenburg.

(fr) Trotz Regenschauern kamen beachtlich viele Besucher zum Burggartenfest in Hachenburg.

Die Zuschauer erlebten ein stark reduziertes Programm - und zum Schluß eine skandalträchtige Performance.

"Die Geschichte des Lichts" war diesmal das Thema beim größten Themenfest in Rheinland-Pfalz.

Umgesetzt wurde das Motto nicht.

Lediglich einige Teelichter waren, wie bei früheren Festen, dekorativ aufgestellt - die wurden aufgrund der Witterung indes nicht angezündet.

Und ein geplantes Open-Air-Kino, der Stummfilm "Nosferatu" mit Live-Musikbegleitung, fiel aus.

Ebenso das Trio "Farfarello", das Theaterhaus Alpenrod, "Burr & Kleiber" sowie Santino de Bartolo.

Das Burggartenfest begann mit Auftrittschancen für heimische Nachwuchsbands.

Die "Scare Crowes" aus Betzdorf durften sich ebenso präsentieren wie die Hachenburger Band "Kill the bad days".

Während die Grungerocker "Scare Crowes" noch ein einigermaßen beachtliches Fan-Grüppchen nach Hachenburg locken konnten, spielten "Kill the bad days" ihren akustischen Poprock trotz Heimspiel annähernd ins Leere - bei ungemütlichem Nieselregen.

Wer dennoch mit Schirm bewaffnet im matschigen Burggarten aushielt, wurde belohnt:

Mit der dutzendköpfigen "Mardi Gras Brass Band", die mitreißenden Jazz, Blues und Soul bot, und der Top-Comedytruppe "U-Bahn-Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern"gab es zwei kulturelle Leckerbissen.

Und dann:

der unbestreitbare aber umstrittene Höhepunkt des Burggartenfests - das Theater "Antagon".

Darüber hatten sich die Besucher schon Stunden vor Beginn gewundert:

Die Bühne war ein Halbrund mit zwei Scheinwerfer-Türmen, worin eine große geheimnisvolle Metallkiste stand, die nicht nur angekokelt war - sondern auch per Kette mit einem Kran verbunden.

Gespannt fragten sich die Zuschauer, was sie wohl erwarten würde, als sphärische Technoklänge die Theatershow eröffneten.

Über eine halbe Stunde spannte man sie noch auf die Folter, dann erst ging es los.

Ein blonder Mann erschien im Soldatendress, stellte sich auf die Metallkiste und hielt eine kritische politische Rede.

Nach ausführlichen Allgemeinplätzen über das Unrecht in der Welt im allgemeinen und gegen Deutsche Bank sowie Internationalem Währungsfond im besonderen ("...

sie halten sich Arbeitssklaven ...") klatschte lediglich eine Zuschauerin.

Die "Message" des Stücks war damit klar, offensichtlich aber noch nicht ganz angekommen.

Dann endlich startete die Performance.

Der Kran zog den Deckel der Metallkiste langsam hoch.

Aus dem nur beinhohen Behältnis entstand dadurch eine große dreidimensionale Bühne auf drei Ebenen, die Zwischenböden durch Metallstreben verbunden.

Darin hingen regungslos in Ketten zehn Schauspieler, die sich vorher in die Kiste gekauert hatten - ein echter Aha-Effekt.

In dem Stück namens "Schreie Niemandsland" ging es darum, Unterdrückung, Folter und sonstiges Unrecht schauspielerisch darzustellen.

Während eine Stimme vom Band schreckliche Berichte vortrug, beispielsweise über ein Massaker an Indianern, stellten die Schauspieler die Szenen stumm in abstrakten Ausdruckstänzen nach.

Die Akteure prügelten sich in Gasmasken, banden einander mit schwarzen Schnüren fest oder wanden sich schrecklich in engen Gummi-Kostümen.

Aufsehenerregend:

der kirchenkritische Teil.

Während Mönchschoräle erklingen, hat eine Frau in purpurrotem Gewand die Hände zum Gebet gefaltet und schreit:

"Herr, befreie mich von meiner Lust!" Eine Bühnenetage unter ihr springt eine andere Schauspielerin umher, die nur mit handslangen Fingernägeln und einem durchsichtigen schwarzen Gewand bekleidet ist.

Über allem baumelt ein splitterfasernackter Mann mit dem Bauch nach vorne und dem Kopf nach unten, dazu hört man Kirchengeläut - der Nackte spielt eine Glocke.

Dann die Pointe:

Die "Nonne" läßt den Umhang fallen, lacht teuflisch-hysterisch auf.

Sie ist völlig nackt - und man sieht:

Sie ist schwanger.

Solche Szenen, auf Großstadtbühnen alltäglich, sieht man in kleinen Westerwald-Städtchen eher selten.

Veranstalter war die Stadtverwaltung, die Organisation hatte die offenbar sehr mutige Kulturreferentin Anette Bottenberg inne.

Beschwerden über das Stück hatte sie schon vorher erwartet.

Die Reaktion des Publikums vor Ort war indes erstaunlich tolerant:

Niemand pfiff, niemand buhte, keine empörten Zwischenrufe.

Stattdessen vereinzelte Lacher an den falschen Stellen - und langer Applaus am Schluß.

Camel-Trophy.TXT (13-12-96 21:28:27):

Herdorf-Dermbach.

(fr) 30 Tage durch den Dschungel schlagen - mit Jeep, Floß, Fahrrad und zu Fuß:

Von der "Camel-Trophy" träumen viele.

Und 20000 abenteuerlustige Deutsche bewerben sich jedes Jahr.

Doch vor dem Traum stehen mörderische Ausscheidungs-Torturen.

Ein Handballer der DJK Betzdorf ist kurz vor dem Ziel - der Herdorfer Carsten Stöcker, 26, hat es unter die letzten Vier geschafft.

"Auf den Fährten des alten Khan":

Unter diesem Motto steht diesmal die Trophy, die je zwei Teilnehmer aus 25 Nationen durch abgelegene Winkel der Mongolei führt.

Der harte Trip stellt sie auf extreme Zerreißproben.

"Ein Urlaub für Masochisten" nennt es Carsten Stöcker, 26.

"Aber so was kannst Du in keinem Reisebüro buchen."

Wer sich qualifiziert, dem winkt kein Geldpreis, lediglich eine komplette Abenteuer-Ausrüstung - und eine Herausforderung, die niemand kaufen kann.

Der Herdorfer, der dreimal die Woche im Kraftraum schwitzt, liebt das Abenteuer:

Zu seinen Hobbys zählt River-Rafting - im Schlauchboot durch reißende Flüsse).

Gerne auch springt und rutscht er rasant, im Neopren-Anzug und mit Sturzhelm, Gebirgsbäche herunter ("Canyoning").

Die Trophy-Ausrüstung bekommen schon die besten Qualifikanten.

Carsten Stöcker hat sie, denn auf dem Weg zum Finale mußte er sich bereits unter der heißen Wüstensonne von Dubai beweisen.

Los ging es jedoch in einem Mülheimer Autohaus.

Dort sollte Stöcker einen 25seitigen Test über Fahrzeugtechnik und Navigation bestehen.

Das gelang:

Werkzeugmechaniker hat er gelernt, das restliche Wissen holte er sich aus der Uni-Biblikothek.

Stöcker studiert in Siegen und holte parallel sein Vollabitur nach, nachdem er schon das Fachabi nachträglich absolvierte; bald ist er Wirtschaftsingenieur.

Sein Durchhaltevermögen mußte er in der Trophy-Quali auch auf sportlicher Ebene beweisen.

Nahe Berlin, auf ehemaligen Trainingsterrain der Nationalen Volksarmee, fand die nächste nationale Auswahl statt.

Von 100 sollten 16 weiterkommen, und dazu mußten sie auch drei Kilometer fahrradfahren.

"Toll, dachte ich", erinnert sich Stöcker, "denn Downhill-Mountainbiken ist mein Hobby!" Doch den Berg hoch ging es durch 30 Zentimeter tiefen Sand.

"Ich warf mein Rad immer vor mich und kraxelte nach", erzählt Stöcker - "und unten erwartete mich Matsch!" Dennoch fuhr er Bestzeit.

Technisches Verständnis war ebenso gefordert.

Stöcker mußte ein Differentialgetriebe auseinander- und wieder zusammenbauen.

Recht knifflig auch die Aufgabe "Reifenwechsel" - ohne Ersatzrad:

"Wir sollten einen neuen Schlauch einfügen."

Als Werkzeuge standen zwei Eisenstangen zur Verfügung.

Nach Orientierungslauf, Fahrtests und Pionieraufgaben stand dann fest:

Carsten Stöcker ist für die "National Selections" qualifiziert - und flog auf Camel-Kosten ins Scheichtum Dubai.

Bei 38 Grad im trockenen Wüstenstaub wurde die Qualifikation nun vollends zur Qual.

Eine Woche lang, zwölf Stunden täglich, mußte Stöcker alles aus sich herausholen.

"Morgens futterte ich höchstens eine Banane", berichtet er, "denn bei den Anstrengungen kam sowieso alles wieder hoch."

200 Meter hoch waren die Sanddünen, auf die Stöcker mit seinem Mountainbike hochstapfen mußte ("aber das Runterfahren war Klasse!").

Nächtliche Orientierungsfahrten mit dem Jeep endeten damit, daß das Gefährt im Dunkeln freizuschaufeln war.

"Doch andere Teilnehmer halfen uns, die Atmosphäre war total kameradschaftlich!" Seine Kameradschaft bewies Stöcker, als sich sein Partner die Bänder überdehnt hatte:

"Ich zog ihn samt Kanu ins Ziel, obwohl ich mir den Fuß an einem Holzfähnchen aufgerissen hatte."

Das war übrigens seine einzige Verletzung in der mörderischen Woche.

Und das Kanu war, direkt nach einem Sieben-Kilometer-Strandlauf, zum "Schatztauchen" nötig gewesen.

Durch "Drei-Meter-Brecher" mußten die Teilnehmer zurückpaddeln - die meisten kenterten, der Schatz war weg.

Der Herdorfer jedoch war clever hatte den "Schatz" festgetaut.

Seine Intelligenz stellte Stöcker auch bei einer nächtlichen Notfallübung unter Beweis:

Er nahm die Koordination der Hilfskräfte an sich und hielt den Funkverkehr aufrecht.

Das alles gab die nötigen Punkte, um am Ende tatsächlich das Ziel zu erreichen:

unter den besten Vier - er darf nun zu den "International Selections" in die spanische Sierra Nevada.

"Das", hat Stöcker erfahren, "soll noch dreimal härter werden."

Vorbereitet ist er durch Dubai bereits, tagelang die Klamotten nicht zu wechseln:

Es gibt nur einen Dress.

"Und die Toilette ist immer die große vorne rechts."

So wurde er denn auch vorsorglich mit einem Klappspaten ausgerüstet ...

Seine Chancen, an der Camel-Trophy teilzunehmen, stehen nun 50:50.

Eine Hepatitis-A-Impfung hat er sich schon mal geholt.

Warum will er in die Mongolei? Stöcker:

"Meine Freundin sagt:

`Du bist verrückt, Du gefährdest Dein Leben!` Aber es ist ein kalkulierbares Risiko.

Und ich will zeigen, daß ich es schaffen kann."

Seine sportlichen Herausforderungen in der Heimat hat Stöcker übrigens nicht vergessen.

Als er abends aus Dubai wiederkam, stand er am nächsten Tag schon wieder für seinen Verein auf dem Handballfeld.

Carsten mit einem Teil seiner Camel-Ausrüstung.

Zu seinen Hobbys zählt, neben viel Sport, das Sammeln von Baseball-Kappen (eine Auswahl im Hintergrund).

Ihr Redenschreiber

 

 

 

 

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© Frank Rosenbauer, http://www.rosenbauer.de