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Sie finden hier einige meiner früheren journalistischen Veröffentlichungen. Heute schreibe ich Ihre Rede zum Firmenjubiläum, Ihre Geburtstagsrede, Hochzeitsrede als Brautvater, Büttenreden etc.

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© Frank Rosenbauer 1991-2017

Kontakt: https://www.redegold.de

 

 

 

13.1.93:

Hamm/Kreis Altenkirchen.

(fr) Die Kreissparkasse Altenkirchen, zweitgrößtes Bankinstitut im Kreis, konnte 1992 die größte Jahres-Zuwachsrate ihrer Geschichte verzeichnen:

Um 9,5 Prozent stieg ihre Bilanzsumme - von 1,095 auf 1,198 Milliarden DM.

Das berichtete jetzt Sparkassendirektor Siegfried Klaus während einer Pressekonferenz in Hamm.

Hauptgrund des Wachstums:

Um 91 Millionen auf 1,053 Milliarden DM erhöhten sich die Kundeneinlagen.

3.500 Konten wurden neu eingerichtet (Gesamtzahl jetzt:

183.000 - mehr als die Einwohnerzahl des Kreises).

Allein 54 Millionen DM zusätzlich zahlten die Kunden auf ihre 120.000 Sparbücher ein.

Aber sie liehen auch mehr aus, so viel wie noch nie:

Kreditzusagen über 250 Millionen DM gab die Kreissparkasse im letzten Jahr, 106 Millionen DM davon an Privatpersonen.

Insgesamt stehen die Kunden nun mit weit über 2.500.000.000 DM in der Kreide.

Investiert hat die Kreissparkasse mehr als 7 Millionen DM, wie Klaus auf WR-Nachfrage erklärte.

Neubauten in Weyerbusch, Hamm und Kirchen wurden fertiggestellt, weitere ec-Automaten eingerichtet.

Die Kunden beanspruchten die "Geldautomaten" rund 250.000mal.

Pro Arbeitstag wickelte die Sparkasse 33.000 Buchungen ab.

Besonders beansprucht wurden die 320 Mitarbeiter (darunter 35 Azubis) durch das neue Zinsbesteuerungs-Gesetz:

Die Kunden reichten 50.000 Freistellungsanträge ein - 30.000 werden wahrscheinlich noch folgen.

Der Renner bei den Anlagearten, so Klaus, "waren wiederum die festverzinslichen Produkte mit kurzen Laufzeiten."

Am beliebtesten:

das "Sparkassenzertifikat" mit einjähriger Laufzeit.

Und der Aktienmarkt? "Er boomte nochmals", so Klaus - der Umsatz stieg fast um ein Drittel, auf 125 Millionen DM.

Die Kreissparkasse weist für 1992 einen Gewinn von 2,6 Millionen DM aus.

Für 1993 wird mit einem eher durchschnittlichen Geschäftsergebnis gerechnet - "die Konjunktur flacht ab", so Klaus, "und die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechtern sich."

30.

Sep 93:

Niederfischbach.

(fr) Insider kennen ihn europaweit:

Werner Lämmerhirt.

Der Mann mit der Gitarre, der nie "plugged" spielte, ist seit 25 Jahren im Geschäft der sparsamen Töne, stand lange im Dunstkreis von Hannes Wader - und früher auf seiner Popularitäts-Ebene.

Jetzt spielte er im Pfarrzentrum Niederfischbach.

Eingeladen hatte ihn Manfred Otterbach.

Der Alt-Pfadfinder organisierte das Konzert im Rahmen des 40jährigen Bestehens der örtlichen Pfadfinder - in erster Linie aber, so Otterbach, "um mal den Versuch zu starten, etwas Kultur in den Ort zu bringen.

Denn damit sieht es bei uns in Niederfischbach schlecht aus."

Der Versuch glückte, obwohl weder Kreis noch Verbandsgemeinde willig waren, durch einen kleinen Zuschuß die Eintrittspreise niedrig zu halten.

Die Ortsgemeinde dachte anders:

Sie will nicht bei kulturellen Kleckerbeträgen sparen, während sie Millionenprojekte trotz Rezession durchzieht - und unterstützte die Veranstaltung mit 350 DM.

So lag der Eintrittspreis am Ende bei fünfzehn Mark.

Und die beachtliche Zahl von 120 Menschen zahlten ihn.

Sie bereuten es nicht.

Werner Lämmerhirts tolle Stimme mit feinem Reibeisen-Touch, an Chris Rea erinnernd, gepaart mit seinem brillanten Spiel auf der akustischen Gitarre, begeisterte sie.

Dabei bat Lämmerhirt um Verständnis, daß er nicht die ganz komplizierten Nummern spielte - "ich habe gerade zwei Operationen an der Hand hinter mir."

Der Mann von der Weser ("da schwimmen so große Salmonellen drin, daß man persönlich Kontakt aufnehmen kann"), präsentierte sein breites Spiel-Spektrum, von Irish-Folk-Angehauchtem über leidenschaftliche Balladen bis zu (O-Ton) "Ragtime auf der Klampfe".

Da, beim Ragtime, seiner liebsten Harmonik, zeigte sich, wie sehr das auf Stühlen sitzende Publikum "mitging":

Auf einen kleinen Fingerzeig Lämmerhirts hin ploppten die Zuhörer den Rhythmus mit.<- 1.2.93:

So ein Pech mit dem Wetter hatten sie noch, die Liebenscheider.

In dem Westerwald-Dorf Liebenscheid, fünf Autominuten vom Truppenübungsplatz Stegskopf gelegen, sollte eigentlich am Wochenende wieder das traditionelle Schlittenhunde-Rennen stattfinden, bereits zum elften Mal.

Auch ohne Schnee - dann auf Rollen.

Doch der Wettbewerb - wohl der größte seiner Art weltweit - mußte ausfallen.

Denn der Boden war nach viel Regen morastig, gleichzeitig aber auch gefroren.

"Die Verletzungsgefahr für die Hunde", entschied die Rennleitung einen Tag vor dem Start, "ist zu groß."

Mitorganisator Wolfgang Pfeifer (Freiwillige Feuerwehr Liebenscheid):

"So ein Wetter hatten wir noch nie."

260 Fahrer ("Musher") hatten sich angemeldet.

Einige konnten nicht mehr rechtzeitig verständigt werden, so z.B. der Musher aus Den Haag mit dem größten Samojenen-Gespann Europas (im Bild, mit Wolfgang Pfeifer), der die sechstündige Fahrt in den Westerwald umsonst absolvierte.

Und auch viele Besucher mußten frühzeitig wieder nach Hause fahren - darunter einige aus Köln und Frankfurt.

Etwas Positives konnte wohl nur die Polizei dem Ausfall abgewinnen.

Denn sie entging so der Aufgabe, den chaotischen Verkehr beim Rennen zu kanalisieren:

Im letzten Jahr kamen 10.000 Besucher.

Die Polizei wußte damals nur noch ein Mittel:

Sie erklärte alle Liebenscheider Straßen kurzerhand zu Einbahnstraßen.

4.Jul93:

Hamm.

(fr) Jetzt ist es amtlich:

Der Bürgermeister von Hamm, Hans Schmidt (FWG), ist kein "Baumkiller".

Bei Baumaßnahmen am Rathaus waren alte Bäume beschädigt worden (die WR berichtete).

Weil die Gemeinde die Baumaßnahmen in Auftrag gegeben hatte, machte die hiesige Naturschutzorganisation "Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Mittlere Sieg" (ANS) den Bürgermeister für den "Baumfrevel" verantwortlich.

Sie bezeichnete den Verwaltungschef als "Baumkiller" und erstattete im Mai gegen ihn eine Strafanzeige bei der Kreisverwaltung.

Doch die war gar nicht zuständig und leitete die Anzeige an die Staatsanwaltschaft Koblenz weiter.

Das berichtete Bürgermeister Schmidt jetzt während einer Pressekonferenz.

"Ich rief im Juni in Koblenz an", so Schmidt weiter, "und dort erfuhr ich, daß das Verfahren eingestellt wurde."

Und zwar nicht etwa wegen Geringfügigkeit, "sondern weil ein hinreichender Tatverdacht fehlte."

Die Staatsanwaltschaft leitete daraufhin die Anzeige an die Untere Landespflegebehörde weiter - damit geprüft werde, ob Bürgermeister Schmidt eine Ordnungswidrigkeit begangen hat.

Die Altenkirchener Behörde teilte Schmidt nun am 6.

Juli mit, daß auch dies nicht der Fall ist.

Schon ein hinreichender Verdacht dazu bestehe nicht.

Schuld am "Baumfrevel" hat die Firma, die die Baumaßnahmen ausführte -das meinen der Bürgermeister, das Planerbüro und der eingeschaltete "Baumchirurg" (die WR berichtete).

Wie Bürgermeister Schmidt mitteilte, hat der Sanierungsausschuß der Gemeinde kürzlich einen diesbezüglichen Beschluß gefaßt:

Die Gemeinde wird gegenüber der Baufirma - die Gebrüder Schmidt aus Kirchen-Freusburg - Regreßansprüche geltend machen.

Kein "Baumkiller":Bürgermeister Hans Schmidt - das hat er Schwarz auf Weiß.

28.10.93:

Guten Morgen! Mit zwei vollgepackten Einkaufswagen stand Jupp am Samstagmittag vor einer Kasse des Wissener Petz-Markts.

469,94 DM waren zu bezahlen.

In solchen Situationen weiß Jupp die Vorteile des "electronic cash" zu schätzen:

Karte rein und die "Zahlung erfolgt".

Doch diesmal nicht:

"Das System", so die Kassiererin, "ist überlastet.

Jetzt geht gar nichts."

500 DM trägt Jupp aber nicht so gerne in der Tasche spazieren.

Die flinke Kasseuse riet ihm:

"Gehen Sie zur Bank!" Am Samstagmittag? Auch die ec-Automaten in Wissen hätten nur 400 DM ausgespuckt:

Jupp hat sein Konto in Hamm.

Einzige Chance:

Scheck-Zahlung.

Jupp und Gattin durchsuchten ihr Auto - konnten aber keine Schecks finden.

In letzter Verzweiflung stülpten die beiden ihre Portemonnaies um, legten auch das Kleingeld zusammen.

Und, welche Freude:

Genau 470 DM konnten sie zusammenkratzen.

Dennoch leicht gestresst, ging`s zurück an die Kasse.

Freudestrahlend präsentierte Stammkunde Jupp die Kohle - mußte aber dann von der Kassenfrau hören:

"Sie haben doch gesagt, sie würden mit Scheck bezahlen."

Was denn, was denn, so Jupp:

"Hier ist doch das Geld."

Die Dame blieb hart:

"Ich hab`s doch genau gehört:

Mit Scheck!" Die Ärmste hatte schon die Kassentaste "Scheck" gedrückt.

Jupps Naturell ist ohnehin ein impulsives.

Lautstark diskutierte er vor langer Warteschlange, schließlich nahm die Kassiererin doch das Geld.

Jupp wollte nur noch nach Hause - aber vernahm beim Rausgehen:

"Das nächste Mal gehen sie an eine andere Kasse!" Das war zuviel.

Mit den Worten "Das wird Ihnen noch leid tun" donnerte Jupp zum Marktleiter.

"Das ist doch ein Hausverbot, wie soll ich einkaufen, wenn nur diese Dame an der Kasse sitzt?!" Der Marktchef, mit Anstecker "Der freundliche Verkäufer" ausgerüstet, gab Jupp Recht und konnte ihn damit wieder langsam beruhigen.

Kundenfreundlichkeit war Jupp vom Wissener Petz ansonsten auch gewöhnt.

Bei einem früheren Einkauf wurde ihm ein Sack Weißkohl für 100 DM berechnet, obwohl er nur einen Blumenkohl gekauft hatte - und obwohl Jupp das erst zu Hause bemerkte, erhielt er sofort per Fax eine Gutschrift.

Genug Bargeld beim Großeinkauf mitzunehmen, rät trotzdem JUPP 10.1.93:

Kultursponsoring in Scheuerfeld:

Mit einem Scheck über 1.200 DM beendete Klaus Hemmersbach jetzt seine Tätigkeit als "Pate der Jugend" beim Musikverein Scheuerfeld.

Bei einer Jahreshauptversammlung hatte er sich spontan bereiterklärt, die Jugendabteilung des Vereins zwei Jahre lang als "Pate" zu unterstützen.

"Recht herzlichen Dank", sagte ihm der MV-Vorsitzende Karl-Heinz Becher und überreichte Hemmersbach ein Geschenk.

Der scheidende Gönner:

"Im Stillen habe ich die Hoffnung, daß sich noch viele Paten finden.

Jugendarbeit kostet viel Geld."

Momentan ist noch kein neuer Pate in Sicht.

"Eine Patenschaft", so Hemmersbach, "sollte eine Ehre und eine Verpflichtung sein."

Im Als Pate verabschiedet wurde Klaus Hemmersbach (Mitte) während eines Konzerts des MV in der Turnhalle.

Links im Bild Jugendleiter Dieter Strauch, rechts MV-Vorsitzender Karl-Heinz Becher.

24.12.93:

Betzdorf.

Da soll noch einer sagen, es gebe nicht genug Strecken für Offroad-Fans:

Gleich zwei stark befahrene Straßen nach Betzdorf-City sind momentan in einem Zustand, daß sich jeder Autofahrer wünscht, er sitze in einem Jeep.

Ein netter Test für die Stoßdämpfer ist derzeit der untere Struthof:

Wer per Auto von der B 62 zu Gymnasium oder Realschule gelangen möchte - oder unerlaubterweise durch die Anliegerstraße Eisenweg abkürzen will (!) -, der muß das über eine harte Schotterstrecke tun.

Schilder in Militär-Design weisen ihm den Weg.

Vorbei geht`s an einer verlassen wirkenden Bausstelle, an der Bagger parken.

Die sollen irgendwann eine neue Struthof-Zufahrt schieben - wann das sein wird, konnte das zuständige Straßenneubauamt Vallendar nicht mitteilen.

Auch nicht, wann die alte Straße wieder ohne Rütteln-Schütteln gangbar ist.

Doch immerhin verspricht die hiesige Neubauamt-Außenstelle Betzdorf:

"Zwischendurch kann die Straße auch mal schwarzgemacht werden" (geteert, Anm.

d.

Red.).

Eine weitaus anspruchsvollere Offroad-Passage empfängt den Autofahrer kurz vor Steineroth.

Hier, am neuen Gewerbegebiet Dauersberg, wo in der letzten Zeit immer wieder für Auto-Trecking-Spaß gesorgt wurde, sind zunächst lediglich 100 Meter Spurrillen zu bewältigen.

Doch nach der Pflicht folgt die Kür:

"Auf grün geht`s los", lautet die Devise - eine Ampel sorgt dafür, daß der Fahrer zunächst einen ausgiebigen Blick ins Tal genießen kann, bevor er dann die Berg-Anfahrt startet.

Drollig, wie manch einer durch wilde Lenkbewegungen vergeblich versucht, den Schlaglöchern auszuweichen.

Doch Obacht:

Dieser Parcours ist ein echter Engpaß.

Und was ein 4x4-Freak ist, dem sollte das hilflose Ausweichen ohnehin nicht zur Ehre gereichen.

Während die Straßenbauer die Strecke Steineroth nur gezwungenermaßen anlegten, hatte man beim Struthof ein weiches Herz für Offroader:

Die bisherige Zufahrtsstraße aus Betzdorf, die alte B62, ist noch in einem 1A-Zustand - sie wurde kurzerhand gesperrt.

6.3.93:

Niederfischbach.

(fr) Wasser wird in Niederfischbach teurer:

Der Rat beschloß jetzt, die "Gebrauchsgebühr" von 2,70 auf 2,90 DM pro Kubikmeter anzuheben.

Der wiederkehrende Beitrag ("Zählermiete" steigt von monatlich 5 auf 7 DM.

Die Gebührenerhöhung tritt rückwirkend zum 1.1.1993 in Kraft.

Bürgermeister Ewald Heckner begründete die Entscheidung mit gestiegenen Kosten und hohen Investitionen.

Der Niederfischbacher "Betzelseifen" wird verkehrsberuhigt.

Der Rat vergab den Planungsauftrag (9.369 DM) an ein Kirchener Ingenieurbüro.

Und wie die Schützenbruderschaft "St.

Hubertus" der Gemeinde mitteilte, wollen sie ihren neuen Pistolenstand nun nicht offen bauen, sondern überdachen - "auch angesichts der Lärmbelastung für den Betzelseifen."

Die Schützen baten für diese teurere Maßnahme schriftlich um einen weiteren Zuschuß der Gemeinde.

Für den 60.000-DM-Bau hätten sie bereits einen Kredit in Höhe von 45.000 DM aufnehmen müssen.

Der Verein wies darauf hin, daß er - bis auf Erd- und Verputzarbeiten - alle Arbeiten selbst ausgeführt habe.

Bisher habe man 7.341 ehrenamtliche Stunden geleistet.

Der Rat entschied, den üblichen 15-Prozent-Zuschuß zu gewähren (10.000 DM).

Außerdem erhält der Pfarrgemeinderats-Ausschuß "Fremd", der Asylbewerber betreut, einen Zuschuß über 400 DM.

Die Sportkegler bekommen 500 DM, als Gemeindeunterstützung für ihre Jugendarbeit und die Dorfmeisterschaften.

Eine Hecke und mehrere Bäume werden zwischen Kirchhofstraße und ehemaligen Friedhof angepflanzt.

Der Rat beauftragte einen Kirchener Betrieb für 72.300 DM.

Bereits früher hatte an der Stelle eine Hecke gestanden, doch sie mußte während Bauarbeiten entfernt werden.

Der Friedhof habe heute parkähnlichen Charakter, so Heckner.

"72.300 DM hört sich viel an - doch wir wollen schließlich unseren Ort verschönern, und billiger kriegen wir es nicht."

Die Asdorfbrücke Mühlenhardstraße wird saniert, beschloß der Rat einstimmig.

Der Bauauschuß war zu der Auffassung gekommen, daß ein Neubau nicht nötig ist.

"Die Brücke ist noch in einem relativ guten Zustand", so Heckner, "obwohl in den 40er Jahren viele US-Panzer darübergerollt sind."

Die Sanierung soll noch im Frühjahr beginnen, eine Siegener Firma wird sie für 67.600 DM durchführen.

Nicht zustimmen mochte der Rat einem Antrag der Grillhüttengemeinschaft Oberasdorf.

Sie wollen einen überdachten Grillplatz anbauen - und dafür einen Zuschuß von der Gemeinde.

Der Rat war nur willens, die Materialkosten mit 15 Prozent (1.215 DM) zu bezuschussen.

Nicht aber die Lohnkosten für die Bauarbeiter:

Die Grillhüttengemeinschaft will alles komplett von Firmen errichten lassen - und nicht in Eigenleistung mithelfen.

Alle Entscheidungen fällte der Rat einstimmig.

7.Juli93:

Betzdorf/Kreis Altenkirchen.

(fr) Die 583 organisierten CDU-Frauen im Kreis haben eine neue zweite Vorsitzende:

Die 39jährige Marita Märzheuser wurde zur neuen Vizin gewählt.

Beim Kreistag der Frauen-Union (FU) in Betzdorf erhielt die Steinebacherin 49 von 54 Stimmen.

Die bisherige Vizin, Gudrun Wurm aus Wissen, war nicht mehr zur Wahl angetreten.

Einstimmig bei zwei Enthaltungen:

Das war das Wiederwahl-Ergebnis von Hildegard Moschner, der Kreisvorsitzenden.

Die Katzenbacherin geht nun in ihr 15.

Amtsjahr.

Über ihr 14.

Jahr berichtete sie:

"Wir konnten unsere Mitgliederzahl konstant halten - trotz starker Einbrüche, die die CDU aufgrund von politischen und personellen Entscheidungen erleiden mußte."

Viele Politik-Veranstaltungen seien durchgeführt worden, unter anderem eine mit Bundestags-Präsidentin Prof.

Dr. Rita Süßmuth, der FU-Bundesvorsitzenden.

Erfolge der Frauen-Union im Kreis, so Moschner:

die politische Arbeit für Kinder.

Die FU-Kreischefin hob hier neben Altenkirchen besonders Kirchen als positives Beispiel hervor.

"Spielgeräte wurden an Krankenhaus und Rathaus aufgestellt."

Die Bemühungen um einen Betriebskindergarten im Kirchener Kreiskrankenhaus seien jedoch noch nicht erfolgreich gewesen - "die Gespräche laufen aber noch."

Außerdem habe die Frauen-Union erreichen können, daß die Kreissparkasse bei allen Neubauten auch Kinderecken einrichten wird.

Neue zweite Kreis-Vorsitzende der Frauen-Union ist Marita Märzheuser (2.v.r.).

Im Amt bestätigt wurden Vorsitzende Hildegard Moschner (3.v.r.) und Schriftführerin Regina Muschallik-Roth aus Dickendorf (r.).

Rechts im Bild CDU-Kreischef Dr. Alfred Beth, daneben FU-Kreistags-Referentin Elvira Bikel aus Worms, die frauenpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion.

3.1.93:

Hamm/Altenkirchen.

(fr) Im März soll der Wiederaufbau des asbestbelasteten Hauptgebäudes der Kreissparkasse beginnen - bis dahin werden die Abrißarbeiten, die vor wenigen Tagen anliefen, wahrscheinlich beendet sein.

Das berichtete jetzt Sparkassendirektor Dieter Klaus auf einer Pressekonferenz in Hamm.

Zunächst war die Sparkassen-Kreiszentrale von Asbest befreit worden.

Der Abriß wird nun etwa acht Wochen dauern:

das Gebäude wird "zurückgebaut".

Der Neubau, an gleicher Stelle am Altenkirchener Schloßplatz geplant, soll in zwei Jahren bezugsfertig sein.

Er passe sich, so Klaus, dem planerischen Konzept des Schloßplatzes an.

Die neue Zentrale, von einem Kölner Architekturbüro entworfen, wird geprägt durch ihre mehrgeschossige, glasüberdachte Innenhalle - und durch viel natürliches Licht.

Das Gebäude (Nutzfläche:

3.700 Quadratmeter) integriert das alte AOK-Haus.

Klaus bat um Verständnis, daß es bis zur Fertigstellung "weiterhin eng werden wird für Kunden und Mitarbeiter."

26.Juli93:

Hachenburg.

(fr) Minnesänger waren angekündigt in Hacheburg.

Doch die acht Herren, die in der ev.

Schloßkirche vor knapp 100 Zuhörern aufsangen, waren nicht in mittelalterliche Tracht gewandet - und sangen sogar Beatles-Songs.

So schlugen die Minnesänger ihren Bogen von 15.

bis zum 20.

Jahrhundert - von "Vexilla Regis Prodeunt", einem "Hymnus mit Fauxbourdonsatz", bis hin zu Pop und Gospel.

"Wir wollen nicht zwischen U- und E-Musik unterscheiden", meinen die Sänger aus Dresden, "sondern zwischen guter und schlechter."

Der hervorragende Chor, u.a. Erstplazierter beim diesjährigen Internationalen Chorwettbewerb Verona, bot übrigens a-cappella-Gesang total - oder auch doch nicht:

Die Minnesänger waren als Vokalartisten selbstverständlich in der Lage, Instrumente mündlich nachzuahmen.

8.2.93:

Hachenburg.

(fr) Kabarett brutal in Hachenburg:

Ein Abend mit Deutschlands bestem Promi-Imitator Stefan Wald, das merkten jetzt 400 Gäste in der Stadthalle, ist nicht nur Schenkelklopfen - das ist auch schwer verdaubar.

Zwischen seinen unglaublichen Mimik/Gestik/Stimm-Metamorphosen prügelt Wald den Besucher gnadenlos in die Realität zurück.

Wer sich gerade noch über einen dummen Kanzler krummgelacht hatte, der mußte übergangslos Walds Golfkrieg-Rückblick ertragen:

"Ich erinnere mich an das Foto eines Jungen, der weinend auf einer Trage liegt.

Seine Beinstümpfe bluten."

So etwas kühlt naturgemäß die Atmosphäre.

Doch indem Wald auf zwei Stunden Klamauk nonstop verzichtet, beweist er sich als Kabarettist mit Gewissen.

Und umso dümmer wirkt der Kanzler.

Und all die anderen.

Höhepunkt - natürlich - Boris Becker.

Mit einem Gespräch zwischen Sportstudio-Valerien und Bum-Bum-Becker wurde Wald berühmt.

In seinem neuen Programm, das in Hachenburg bundesweit die zweite Aufführung erlebte, setzt er ihn auf Alfred Bioleks Couch, wo Becker von seinem Kinohit "Der Transpirator" erzählt.

Seine Waffe:

das "TNR" - "Thermonuclear Racket".

Norbert Blüm, Heinz Schenk, Inge Meysel, Björn Engholm und und und - man möchte die Augen schließen, dann wäre es perfekt.

Doch dann verpaßte man das Erlebnis, die totale Verwandlung eines Menschen zu erleben.

Schon Walds Gang, Haltung und Mimik verrät sofort, wen er da satirisch beleidigt.

Man kann Stefan Wald nur mit einem Wort charakterisieren, ohne ihn zu gering zu werten:

Genial.

Nachdem seine beiden Hachenburger Auftritte flugs ausverkauft waren, gibt er eine Zusatz-Vorstellung am 21.

März.

Karten gibt es bei der Stadtverwaltung.

19.Jul93:

Kirchen-Wehbach.

(fr) Den Reinerlös ihres Straßenfestes spendeten jetzt die Bewohner der Wehbacher Wehbachstraße an die Arbeiterwohlfahrt (AWO).

Kreisvorsitzender Heinz-Günther Scheel durfte sich über 1.311,89 DM freuen.

Sie sollen in den Mobilen Sozialen Dienst der AWO fließen.

Im Wendehammer der Wehbachstraße, unter der Umgehungsstraßen-Brücke, hatte das Fest im Mai stattgefunden.

Zwei Alleinunterhalter - Melanie Kipping und Matthias Simon - spielten auf, Mittagessen, Kaffee und Kuchen wurden erlösbringend verkauft.

Es war das dritte Straßenfest in der Wehbachstraße.

Ins Leben gerufen wurde es von ehemaligen Bewohnern, die nun woanders leben.

Im letzten Jahr war der Erlös (2138 DM) gespendet worden an den Förderverein der Kinderabteilung im Kirchener Kreiskrankenhaus.

15 loz Einige Bewohner der Wehbachstraße waren mit dabei, als Anwohner Ulrich Simon (rechts) den Scheck stellvertretend für alle an den AWO-Kreisvorsitzenden Heinz-Günther Scheel überreichte.

(WR- horst)-> ACHTUNG ACHTUNG BILD IST VON BRIL! BAR LIEß SICH DER FINANZBEAMTE LEIDER NICHT ENTLOHNEN:

Horst-Günther Bril Obere Schwelbelstraße 15 57548 Kirchen Konto:

Kreissparkasse Altenkirchen (BLZ 500 73 510 30) Konto-Nummer:

106 068 729 1993:

Kaffeehaus-Musik und knallende Puszta-Peitschen in der Jahn-Turnhalle Daaden:

Seit 1985 fahren die Daadener Heimat- und Hobby-Freunde jährlich mit 250 Personen nach Budapest - und organisierten jetzt ein ungarisches Fest.

Eine ungarische Band aus Niederdielfen spielte auf, einige Mutige (darunter auch Vereinschef Alfred Schneider) versuchten sich im Peitschen-Knallen, Gulasch-Suppe wurde serviert, orginal ungarisches Paprika in Tüten und Landestracht konnte gekauft werden.

Die ungewohnte Atmosphäre in der Turnhalle genossen rund 200 Menschen.

20.1.93:

"Von Politikverdrossenheit wollen wir nichts wissen!" - derart selbstbewußt geht die Betzdorfer SPD ins neue Jahr.

Und so ließen sich die Sozialdemokraten für ihre erste Veranstaltung 1993 auch etwas Besonderes einfallen:

einen "ungarischen Abend".

Völkerverständigung sei ein politisches Ziel der SPD, sagte Stadtratssprecher Erich Nolrden.

Der Stadtverband besuchte bereits zahlreiche europäische Städte.

Im letzten Jahr waren die Genossen in Budapest - und so veranstalteten sie jetzt den ungarischen Abend, mit Kaffeehaus-Musik, Fahrt-Film und Gulaschsuppe.

Und freuten sich über guten Besuch:

120 Menschen kamen ins Kolpinghaus.

Die original ungarische Band "Ciganyzenekalla" aus Niederdielfen spielte im Kolpinghaus.

28.2.93:

Brachbach.

(fr) Auch weiterhin wird das "Umweltmobil" durch Brachbach fahren.

Bürgermeister Alex Maag erklärte in der letzten Sitzung des Gemeinderats, er sehe keine Chance, daß alle Wertstoffsäcke zukünftig bei der Gemeinde deponiert und abgeholt werden können.

Das hatte die CDU beantragt.

Denn es bei der Verteilung durchs Umweltmobil der AKE sei es zu Problemen gekommen.

Das war auch Bürgermeister Maag nicht verborgen geblieben ("viele erzürnte Anrufe") - doch er sagte, die AKE sei vertraglich zum Verteilen verpflichtet, und die Gemeinde könne daran nichts ändern.

Das verstanden CDU wie SPD im Rat zwar nicht ("In Kirchen geht es doch auch"), doch sie opponierten auch nicht, als der Bürgermeister sinngemäß meinte:

"Damit können wir diesen Antrag wohl abhaken."

Maag wies darauf hin, daß Bürger, die "zeitlich oder körperlich behindert" seien, die Säcke weiterhin per Gutschein bei der Gemeinde abholen können.

6.Sep.93:

Birnbach.

(fr) Die Reise in den Unterkreis war schon so etwas wie eine Reise in die Vergangenheit, jedenfalls auf den ersten Blick:

Hutterer öffneten in Birnbach ihre Privattüren für Besucher.

Sie präsentierten ihr bescheidenes Alltagsleben nach streng christlichen Regeln.

Dorthin, wo die Kleidung der Männer jenseits aller Modeströmung liegt und alle Frauen ein Kopftuch tragen, zog es nicht nur Besucher aus dem Oberkreis, sondern auch von viel weiter.

Schließlich ist der Birnbacher Bruderhof die einzige Siedlung der Hutterer in ganz Deutschland.

"Wir haben heute die Türen offen für alle, die nach einem Leben in Frieden und Einheit suchen."

Sechs Kilometer hinter der Kreisstadt - und schon der Parkplatz-Einweiser signalisiert nicht nur den Weg zur Stellfläche, sondern auch:

eine andere Welt.

Der Mann trägt groben Stoff in Schwarz und Erdfarben, aber auch ein Gesicht, auf dem trotz der enervierenden Wink-Tätigkeit verbindliche Freundlichkeit liegt.

Ist die Autotür zugeschlagen, eröffnet eine wunderschöne, großzügige Parkanlage den Weg zum Bruderhof.

Den Gang dorthin kreuzt eine einfache Kutsche, mit der junge Hutterer die kleinen Gäste spazierenfahren.

Daneben zieht eine Mutter in dunklem Tuch ihr Kind auf einem Wägelchen.

Eine gewohnte Szene in Birnbach - doch wenn die Mutter freundlich grüßt, blicken viele Westerwälder ignorierend zur Seite.

Ablehnung und Mißtrauen mußten die Hutterer spüren, als sie vor fünf Jahren kamen.

So öffnen sie jetzt einmal im Jahr ihre Türen, um zu zeigen:

Wir haben nichts zu verbergen.

Weil Sympathie auch über den Magen geht, gibt`s Kaffee und Kuchen, auch noch gratis, dazu.

Dann hält der "Diener am Wort", Jörg Barth, eine Rede.

So bezeichnen die Hutterer ihn, ihren Hausvater, und Barth freut sich über die vielen Gäste, mehr als 900 waren es.

Er bedauert aber, daß weder der Orts- noch der Verbandsbürgermeister erschienen sind.

Sie schrieben ihm, daß sie nicht kommen könnten.

Dabei hätte Barth doch gerne mit ihnen über das größte Problem seiner 100 Schützlinge gesprochen.

Sie wollen eine Werkstatt und einen Versammlungsraum mit Bibliothek anbauen, doch auf die Genehmigung warten sie schon lange - "und wohl auch noch zwei, drei Jahre", meint ein älterer Hutterer.

Was vorhanden ist, stand zur Besichtigung frei.

Offen waren sogar die Türen der Schlafzimmer.

Die Besucher sahen schnörkellose Wohnungen, in denen alle Lebensmitteldosen sorgsam beschriftet waren und die Wände höchstens geschmückt mit Kalendern und englischen Bibelsprüchen.

England und USA waren Exil für die Hutterer, als die Nazis sie aus Deutschland verjagten.

Die Pazifisten aus biblischer Überzeugung flohen zunächst nach Paraguay und Urugay.

Ältere Hausbewohner wie die 82jährige Alice haben die erzwungene Weltreise noch mitgemacht.

Mit dem Bruderhof Birnbach ließ sich die Glaubensgemeinschaft erstmals wieder in Deutschland nieder.

Als die Nazis mächtig wurden, hatten die Hutterer ihre Kinder auf Liechtensteiner Schulen geschickt, um sie der braunen Erziehung zu entziehen.

Wenn sich auch die Zeiten änderten:

Die Birnbacher Hutterer unterrichten heute ihre Kinder, bis sie sechs Jahre alt sind, selbst.

Der Gang durch den Bruderhof offenbart:

Ganz weltfremd, wie es scheinen mag, sind sie aber nicht, die Hutterer.

Im Schlafzimmer von Stephan Barth hängt zwar keine elektrische, sondern eine akustische Gitarre - aber, wie ein Blick auf die Kassetten-Sammlung verrät:

Grill mag den Heavy-Metal von "The Mission".

Im Erdgeschoß liegt Literatur, die die Weltkonstrukte der Hutterer beschreibt.

"Der Mann ist das Haupt der Familie, die Frau steht ihm zur Seite."

Interessiert erwerben Besucher die Glaubensbücher, die ihnen der 78jährige Hugo Brinkmann nahelegt.

Er ist Hutterer seit 1945 - doch hört lieber den Begriff "Bruderhöfer".

"Wir wollen uns nicht abgrenzen."

Jeder Tag auf dem Bruderhof, sagt der 78jährige, sei ein Tag der Offenen Tür.

Wer bleiben will, muß sich lebenslänglich verpflichten.

Er gibt sein gesamtes Vermögen an die Hutterer.

Aufgenommen wird er nur nach einer langen Praktikumszeit - und wenn alle Bruderhöfer einverstanden sind.

Menschen, die in zweiter Ehe leben, werden akzeptiert, aber lediglich, wenn ihr geschiedener Ehepartner schon tot ist.

Der ledige Bruderhöfer muß alleine übernachten, der verheiratete hat einen echten Lebensbund:

"In 500 Jahren Hutterer-Geschichte", sagt Hugo Brinkmann, "hat es noch keine Ehescheidung gegeben."

Und wie eine Ehe sei es, wenn ein Mensch den Hutterern beitritt.

Als der fröhliche Westfale das sagt, guckt er ganz ernst.

"Aber unser Hof ist kein Gefängnis", rückt er gerade.

"Gleichwohl strecken wir unsere Arme nach dem aus, der uns verlassen hat."

Bilder:

Der erste Kontakt zu den Hutterern erfolgte über den Kuchentisch.

Doch auch abseits davon waren sie immer zu einem Gespräch bereit.

Ein fröhlicher Westfale - und Hutterer:

Hugo Brinkmann.

Gar die Schlafzimmer durften besichtigt werden.

Von "Weltlichen" umvölkert:

Der Bruderhof der Hutterer in Birnbach.

6.sep93:

Niederfischbach.

(fr) Vieles wurde geboten beim Kinderfest im Niederfischbacher Tierpark, vom Glücksrad über die Rollenrutsche bis zum Clown und mehr.

Doch die Hauptattraktionen hatten vier oder zwei Beine, manchmal auch eins in der Luft:

Bei den Kindern waren die Tiere die Stars.

Vorsichtig wagten sie sich an die Gatter, mit gebührendem Respekt streckten sie Lamas, Gnus, Affen und Flamingos ein bißchen Futter hin - um dann überrascht zu erfahren, daß die meisten exotischen Tiere ja gar nicht so wild sind.

So auch die frisch im Tierpark beheimateten, stahlgrau befußten Säbelschnäbler (die WR berichtete).

Eine neue Erfahrung machte auch der Musikverein Niederfischbach, dirigiert von Johannes Leitner:

Das Orchester spielte erstmals auf der frisch gebauten Naturbühne des Tierparks.

1.11.93:

Herdorf.

(fr) Ende der 70er Jahre fand in der Herdorfer Disco "Penny Lane" eine Talentshow statt.

Eine junge Heike aus Kirchen siegte.

Der Diskjockey erkannte ihr Talent und ermöglichte ihr die Chance, sich auf einem DJ-Bundestreffen zu präsentieren.

Danach brach sie durch:

Mit dem Song "Die Glocken von Rom" durfte Heike Schäfer beim europäischen Eurovisions-Grandprix antreten.

Jetzt war wieder Talentshow in eben jener Disco.

Die heißt zwar heute "Starlight", doch der DJ war wieder derselbe wie vor 15 Jahren - und auch diesmal gewann ein junges Mädchen aus Kirchen.

Nein, das war kein billiges Karaoke, wo Un-Talente vorgeführt werden, damit das Publikum grölen kann.

DJ "Claus P.":

"Ich hasse Karaoke, wir haben alle vorher getestet".

Und Starlight-"Manager" Aleksandar Antonic (21) sagt:

"Wir wollen kein edles Publikum, aber auch keinen Abschaum."

In der halbedel gestylten Disco mit Bistro, die kürzlich laut Antonic für 500.000 DM renoviert wurde, wo Chef "Evangeli" persönlich den Einlaß regelt, dort sangen echte Talente.

Der junge Rolf Knautz aus Steinebach war "Born to be wild", Neurologe "Dr. Ecki" aus Dillenburg verkörperte auch stimmlich Roger Whittaker, ein Talip aus Geisweid agierte toll als Michael Jackson.

Und das Publikum buhte nicht etwa herum, vielmehr applaudierten die Herdorfer jedem Mutigen.

Und ganz besonders Nicoletta Zöller aus Kirchen.

Erst 16 Jahre alt, begeisterte sie rundum.

Als ihr Sieg feststand, sang sie nochmal "Eternal Flame" von den "Bangles" - auch optisch passend:

Eine gewisse Ähnlichkeit mit Bangles-Frontfrau Susanna Hoffs war nicht zu übersehen.

Nun will DJ Claus P.

- "bin seit Jahrzehnten im Geschäft, das ganze Siegerland kennt mich" - versuchen, die junge Kirchenerin, wie seinerzeit Heike Schäfer, ins Geschäft zu bringen.

Dafür wäre die "Newcomer-Party" beim Dortmunder Bundestreffen der DJs genau richtig - doch nur zehn Interpreten dürfen pro Monat mitmachen.

DJ Claus P.

ist dennoch zuversichtlich:

"Ich weiß auch nicht, aber mit den Talenten, die ich vorschlage, habe ich meistens Glück."<- 12.sep93:

Betzdorf.

Das Südwestdeutsche Kammerorchester (Pforzheim) konzertierte jetzt unter Leitung von Herbert Ermert aus Herkersdorf in der Betzdorfer Stadthalle.

Mit für Kammermusik recht umfangreicher Besetzung (vier Erste Geigen und vier Zweite Geigen, drei Bratschen, zwei Celli, ein Baß) und einem Dirigenten kam das Ensemble in die Sieg-und-Heller-Stadt.

Die Musiker eröffneten den Abend mit Franz Schuberts Ouvertüre c-moll (D-8).

Damit präsentierten sie einen ungewöhnlich spritzigen Schubert - und ihr überaus dynamisches Spiel schon zu Beginn.

Es folgten "Drei Fugen über den Namen BACH op.

60" von Robert Schumann.

Sicherlich kein Stück populärer Art, doch für Kenner ein Genuß.

Etwas "fürs Ohr" war dann wieder der nächste Programmpunkt:

Das Violinkonzert in d-moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Hier bewies Helena Bondarenko an der Violine ihr Können als Solistin.

Die Konzertmeisterin lieferte eine anspruchsvolle Interpretation, lebendig, virtuos vorgetragen.

Ihre Künstler-Kollegen bewiesen bei orchester-tutti-Stellen, daß sie ihr kaum nachstehen.

Nun hatte sich das Orchester freigespielt, bei Alexander Borodins "Nocturno für Streichorchester" flossen die Klangmassen in Strömen.

Daß nordische Klassik nicht trist sein muß, daß sie neben Sibelius` populären "Finlandia" noch andere Facetten aufweist, bewies der grandiose Abschluß des Abend.

Edward Grieg, "Aus Holbergs Zeit":

Norwegische Landschaftsbeschreibungen mit weitem Klangspektrum.

Das Südwestdeutsche Kammerorchester konnte sein nuancenreiches Spiel hier voll entfalten.

Mit dem "Lyrischen Andante" von Max Reger als Zugabe wurde ein Abend beschlossen, der als gelungen gelten darf.

19.sep93:

Herdorf.

(fr) Das Herdorfer Schützenhaus an der Stahlert konnte sie kaum alle fassen, die diesjährigen Kaiser, Könige und Insignien-Erwerber beim SV Herdorf:

In vier Klassen hatte der Schützenverein seine Majestäten bestimmt.

Schützenchef Reinhard Stinner und Ehrenvorsitzender Josef Solbach krönten sie nun.

Doch beim Höhepunkt, der Siegerehrung im Kaiser-Schießen, das die Herdorfer alle fünf Jahre ausrichten, wurde Solbach selbst gekrönt.

Er hatte sich nämlich gegen neun ehemalige Vereinskönige durchgesetzt und zunächst den Stoß und dann das ganze Holztier von der Stange geschossen.

Gemeinsam mit seiner Kaiserin Margarete bekam Josef Solbach die Kaiserkette.

Befreundete Schützenvereine aus Altenseelbach, Salchendorf und Struthütten weilten der kleinen Zeremonie bei.

Die Krone beim Kaiserschießen holte sich Wolfgang Schupp, das Zepter der Vereinsvorsitzende Reinhard Stinner.

Den Reichsapfel errang Erwin Faßbender, den linken Flügel Karl Stinner und den rechten Helmut Schmidt.

Schmidt schoß auch einmal den linken Flügel ab - beim Königsschießen.

Da siegte, gegen 23 Mit-Aspiranten, Michael Hartig (Königin:

Sandra Stolz).

Vorjahreskönig Reinhard Stinner konnte immerhin die Krone mit nach Hause nehmen, Mario Benth das Zepter, Arnold Christian den rechten Flügel, Titus Sayn den Stoß - und der spätere Kaiser Josef den Reichsapfel.

Auch ein Schwarzpulver-König wurde ausgeschossen.

24 Schützen machten mit.

Andreas Braun errang die Krone, Erwin Faßbender das Zepter, den Stoß König Michael, Uwe Langenbach den Reichsapfel, den linken Flügel Wolfgang Schupp und den rechten Marco Solbach.

Was dann noch übrig war, schoß Wolfgang Vogt ab.

Ehefrau Margit darf sich nun Schwarzpulver-Königin nennen.

Beim Nachwuchs-Kampf gab`s ein Kuriosum:

Mit seinem ersten Schuß holte Bewerber Thomas Kretzer eine Insignie, und zwar die Krone.

Ganz gewinnen konnte er nicht, das gelang dagegen Tim Dufner versus ein Dutzend Konkurrenten.

Seine Jungschützen-Königin:

Yvonne Weber.

Auch bei deren Krönung gab das "Original Hellertal-Duo" einen Tusch - und nach der Marathon-Ehrung spielte es noch lange weiter:

Die acht Majestäten baten zum Tanz ...

Alle neuen Herdorfer Schützen-Majestäten mit ihrem Vereinschef im Bild.

13.sep93:

Oberdreis b.

Höchstenbach.

(fr) Das laut Veranstalter "vom Programm her größte Festival im Westerwald" ging jetzt in Oberdreis über die Zeltbühne.

Hier, zehn Autominuten von der Altenkirchener Kreisgrenze entfernt, im tiefen Westerwald, ist das, was manch einer "kulturelle Provinz" nennt.

Doch eine große Wiese ist vorhanden - und vor Ort die Musikkneipe "Bongo Bongo".

In dem urig umgestalteten Tante-Emma-Laden erscheinen seit geraumer Zeit immer wieder Künstler, die den Weg nach Oberdreis wert sind.

Herunter von der B 8, über schnurgerade Straßen an kleinen Dörfern und einer alten Tonzeche vorbei, und schon steht man vor Künstlern wie Bernard Allison.

Der Sohn der Blueslegende Luther Allison gilt als bedeutendster Vertreter des "electric blues":

Seine Vorbilder heißen nicht nur Stevie Ray Vaughn, sondern auch Jimi Hendrix und Deep Purple.

Allisons Stimme ist dreckig, sein Gitarrenspiel göttlich.

Nach seinem furiosen Gig hielt er, wie alle Künstler, die nach Oberdreis kommen, den "Bongo-Bongo-Becher" an die Lippen.

Nach dem Stiefeltrinken - das Publikum zählt traditionsgemäß die Sekunden mit - tobte noch einmal die Menge.

Zum großen Festival, "Sunsplash", kehrte Allison zurück, eigens für diesen Auftritt flog er aus Paris ein.

Ihn erwarteten über 1.000 Zuhörer, die von heimischen Stimmungsmachern, den mitreißenden "Booze Brothers" aus Hachenburg, bereits bestens angeheizt waren.

Sogar fünfjährige Kinder tanzten da schon ausgelassen vor der Bühne, das kopfwedelnde "Headbanging" perfekt beherrschend.

Allison nahm auch ihre Eltern im Sturm.

Seine Songs sind beinahe permanente, höllisch schnelle Gitarren-Soli.

Spielfreunde pur:

Allison bringt sein Gerät sogar zum Sprechen.

Die Gitarre fragte - ohne technische Hilfsmittel -:

"Are you allright?" Die Antwort war klar.

Am Ende wandelte Allison, solispielend, minutenlang durch die Masse.

Zweieinhalb Stunden Blues von der härtesten Sorte gingen mit Hautkontakt zu Ende - und auch der erste Sunsplash-Tag.

Reggae dominierte die anderen beiden Festival-Tage.

Am letzten Abend spielten fünf Rasta-Bands hintereinander - und als ob das nicht genug wäre, brachte abschließend auch noch der englische Reggae-DJ "Macka B."

die Menge in Bewegung.

Und das alles auf einer Dorfwiese.

Noch nie hatte hier ein Festival stattgefunden.

Doch Orts- und Verbandsbürgermeister vertrauten dem "Bongo Bongo"-Chef, den auch sie, wie alle, nur "Ole" nennen.

Der Wirt:

"Die haben zu mir gesagt:

,Ole, mach mal!`" Und Ole machte.

Mit 40 Helfern, darunter die örtliche Feuerwehr und das Rote Kreuz, stellte er ein Festival auf die Beine, auf das manche Stadt stolz sein könnte.

14 internationale Gruppen wurden engagiert, ein 2000-Mann-Zelt errichtet.

Drumherum postierten sich, wie bei großen Festivals üblich, Stände mit allerlei Mode, Schmuck und Utensilien.

Schade, daß das Wetter nicht richtig mitspielte, so kamen nur 1.600 Fans.

Der erste Abend war ein bißchen, der zweite total verregnet.

Es war ja auch schon fast Herbst.

"Ole" dazu:

"Die letzten fünf Jahre war im September immer schönes Wetter."

Nur der dritte Tag war trocken.

Die Rastas hatten Sonne mitgebracht.

6.3.93:

Niederfischbach.

(fr) Weiter bleibt unklar, ob die Konrad-Adenauer-Straße bei ihrer Sanierung mit einer Fahrradspur ausgestattet wird.

Ein klassischer Radweg, darüber sind sich beide Fraktionen im Rat bereits einig, wird nicht möglich sein.

Die Junge Union Niederfischbach hatte Mitte Dezember den Vorschlag gemacht, sogenannte "Suggestiv-Streifen" auf die Straße zu zeichnen.

Es handelt sich dabei um eine gestrichelte Linie.

Vorteil für den Autofahrer:

Er darf die so markierte Radspur mitbenutzen, wenn kein Radfahrer auf ihr fährt.

Die CDU-Fraktion brachte nun den JU-Vorschlag in den Gemeinderat.

"Leicht durchführbar, preiswert - aber effektiv" - so pries Sprecher Manfred Schlechtriemen die Idee.

"Was verstehen Sie denn unter preiswert?", erwiderte ihm SPD-Sprecher Helmut Meyer.

Er bemängelte, daß die CDU keine Kosten nannte.

Schlechtriemen erinnerte daran, daß seine Fraktion lediglich beantragte, erst einmal die Straßenverwaltung zu dem Vorschlag zu hören.

Tatsächlich war in dem Antrag nicht einmal von einem Grundsatzbeschluß pro Radspur die Rede.

Schlechtriemen:

"Geben Sie doch zu, Herr Meyer, es bereitet ihnen Bauchschmerzen, einem CDU-Antrag zuzustimmen."

Nach langer Diskussion gelang es dann Ratsmitglied Franz Schwarz (SPD), einen Kompromiß zu finden, dem beide Fraktionen zustimmten.

Der Landtagsabgeordnete Schwarz:

"Nach meinen Erfahrungen wäre es besser, mit dem Ganzen bis Sanierungsbeginn zu warten - aus finanztaktischen Gründen."

4.Sep93:

Daaden.

(fr) "Es ist eine schwere Strecke - aber nur Mut:

dafür gibt`s auch schöne Ausblicke."

Mit diesen Worten wurden 150 Radler auf den Weg geschickt, die beim fünften Radfahrtag des Aktionskreis Daaden mitmachten.

Mutig mußten die Teilnehmer nicht deshalb sein, weil sie auch über eigentlich gesperrte Strecken am Truppenübungsplatz fuhren - das war vorher natürlich angemeldet worden.

Sondern:

"Am Anfang", so Hauptorganisator Achim Kämpflein, "geht`s nur bergauf."

Nach 18, 25 oder 50 Kilometern zwischen Alsdorf und Emmerzhausen - durch den, so der Aktionskreis, "schönsten Teil des Westerwalds" - erhielt jeder eine Urkunde und ein Getränk.

Die Klassensieger wurden nicht über die schnellste Zeit bestimmt, sondern durch ein Geschicklichkeitsfahren.

Außerdem wurden Einkaufsgutscheine im Gesamtwert von 1.000 DM verlost.

10.1.93:

Eitorf.

(fr) Nicht nur im Kreis Altenkirchen verschwinden Arbeitsplätze.

Auch im benachbarten Rhein-Sieg-Kreis - doch dort werden die Kulturtreibenden aktiv:

Als bekannt wurde, daß 500 von 1800 Arbeitsplätzen der Eitorfer Stoßdämpfer-Firma "Boge" abgebaut werden sollen, erklärten sich sieben Bands spontan bereit, kostenlos auf einem großen Solidaritätskonzert zu spielen.

Die IG-Metall veranstaltete das Festival in der großen Siegpark-Halle, 1.300 Besucher kamen, die Finanzexpertin der SPD-Bundestagsfraktion, Ingrid Matthäus-Maier, sprach - und die Bands sangen:

"Power to the people of Boge!" Absoluter Abräumer war mit bekannten Metal-Knallern die Formation "Ten Beers After" (nicht verwandt oder verschwägert mit der gleichnamigen Betzdorfer Gruppe) - und am Schluß standen alle Musiker gemeinsam auf der Bühne und sangen:

"Arsch huh - Zäng ussenanner!" Nachahmenswert.

15.3.93:

Überall fahren sie jetzt wieder:

Das prächtige Wetter lockte am Wochenende zahllose Radfahrer auf die Straßen.

70 auf einmal starteten in Alsdorf.

Ein Autohaus sponsert dort seit drei Jahren die Saisoneröffnungsfahrt der Radsportler von SC Scheuerfeld und SF Wallmenroth.

In drei Klassen starteten die Radler:

Amateure (80-Kilometer-Strecke, Durchschnittstempo über 30 km/h), Ausdauer (50 Kilometer, 25 km/h) und Hobby (35 Kilometer, 20 bis 22 km/h).

Die 80-Kilometer-Strecke:

Betzdorf-Wissen-Morsbach-Friesenhagen-Freudenberg-Niederfischbach-Kirchen-Betzdorf.

Wieder zurück in Alsdorf, empfing das Autohaus die Sportler mit Essen und Getränken.

4.2.93:

Kreis Altenkirchen.

(fr) Wo sie erscheinen, kommt die Nostalgie.

Wenn die Betzdorfer "Rentnerband" die Saiten berührt, berührt sie auch die Herzen der alten Menschen - und schöne Erinnerungen erhellen die Gesichter.

Sie spielen das "Vergißmeinicht", die "Herzen im Dreivierteltakt" und den "Kakadu aus Maribu".

Während der 79jährige Ferdi Schneider hochkonzentriert in die Tasten greift, seine Hingabe bringt das Bierglas auf dem Piano ins Wanken, rührt Drummer Paul Schütz (67) die Stöcke eher cool.

Geduckt spielt der 65jährige Kirchener Paul Baldus das Saxophon, kaum zu sehen hinter seinem Notenbuch.

"1000 Takte Tanz".

Lediglich das Schifferklavier bedient ein Junger - nur Ersatzmann für Willi Schütz.

Der Grünebacher, bald wird er 79, liegt momentan im Krankenhaus.

"Aber der kommt wieder", meint Kollege Ferdi, "er kann s doch auch nicht lassen."

Und ganz vorne steht der Geiger Franz Stolz aus Herdorf, 78 Jahre alt.

Sein Vibrato schwingt noch genauso wie 1931, als er einer der Stars der Tanzcafes war - wie sie alle.

Wer Anfang der 30er zwischen Sieg und Westerwald tanzen wollte, der zog gen Betzdorf.

Nirgendwo in der Region, auch nicht in Siegen, war mehr los - als in Betzdorf, Alsdorf, und Kirchen.

Gäste reisten bis aus Eitorf an.

Hier spielten die besten Musiker.

Etwa der Herdorfer Klemens Käppel mit seiner "singenden Säge".

Oder der Wehbacher Medizinstudent Paul Weinand und seine zwei Kollegen, die ihre Geigen dreistimmig erklingen ließen.

Aber auch der "Lange Gäffgen", der im Cafe Buchenscheidt mit Sprachrohr sang:

"Mädchen, wo sitzt Dein Schmerz - im Portemonnaie oder im Herz?" Bürgergesellschaft, Druidenschlösschen, Waldhof, Jägerheim oder Bender in Grünebach, wo der blinde Titus die Klaviersaiten vibrieren ließ - sie waren sonntags von vier bis Mitternacht immer voll.

Obwohl kein Wohlstand herrschte:

Viele Gäste hatten nur fünf Groschen in der Tasche, während das Bier 25 Pfennig kostete - plus 5 Pfennig "Aufsatz" für die Musik.

So kam es auch selten zu Schlägereien.

"Nur die Herdorfer", erinnert sich Pianist Schneider, "machten schon mal Zores."

Aber da gab es ja resolute Wirtinnen wie Martha Monzen in der Betzdorfer Rathaus-Wirtschaft, die mit jedem fertig wurden.

Unter den Musikern gab es übrigens kollegiale Konkurrenz, und sie beschränkte sich nicht auf die Fingerfertigkeit.

Die Macht der Medien, schon 1930:

Die Säle füllte der, der die Schlager, die montags im Kino liefen, schon am nächsten Sonntag präsentieren konnte.

Das Fernsehen war nicht erfunden, ein Radio hatte nicht jeder - junge und alte Menschen bevölkerten die Tanzcafes.

Für die Jugendlichen indes waren sie der beste Ort, um die Liebe zu finden.

Ein launiger Spruch war nicht nötig, um Mädchen zum Tanz zu bitten:

Eine Verbeugung genügte.

Auch Ferdi Schneider, der Betzdorfer Pianist der Rentnerband, fand seine Anna im Tanzcafe.

Er erinnert sich aber auch an die dunklen Schatten, die bald auf die Tanzcafes fielen.

Geworfen wurden sie von denen, die mit einem schrecklichen Krieg auch die Idylle der Tanzveranstaltungen stoppten.

Nur wer ins ideologische Bild der braunen Machthaber paßte, durfte noch auftreten.

Die Nazis verboten auch das Abspielen "undeutschen" Liedguts.

So verstummte u.a. der "weiße Marabu", ein Tophit der 30er:

"Sprach der weiße Marabu / ein liebes Mädel macht beim Küssen die Augen zu / dann merkst du gleich im Nu / wie recht hat doch der weiße Marabu / Denn selbst im Dunkeln findest du die heißen Lippen noch / und küßt ihn noch und noch."

Diese Zeilen waren von einem Sonntag auf den anderen tabu - weil sie ein Jude, Paul Abraham, verfaßt hatte.

Die meisten Musiker von damals sind heute tot.

Und die Lebenden spielen den weißen Marabu nicht mehr vor Publikum.

Auch Ferdi Schneider gab, 46jährig, die Tanzmusik auf und griff nun im Betzdorfer Altenzentrum sakral in die Orgel-Tasten.

"Eines Tages fragte mich die Schwester Oberin Antonie", so Schneider, "ob ich Klavier beim Karneval spielen könne."

Das war 1978.

Bald hatten sich viele Tanzcafe-Veteranen um Schneider versammelt, darunter auch der legendäre Schlagzeuger "Piccolo".

Seitdem sind sie wieder zu hören, auf Festen, Geburtstagen und Tanztees.

Geübt wird zuhause nicht mehr:

"Wenn wir zusammen sind, klappt das."

Und dann spielen sie manchmal auch den lasziven "Blauen Engel" - "aber nur", meint Ferdi Schneider, "wenn wir unter uns sind."

Die "Rentner-Band" bei einem Auftritt im Altenkirchener Haus Felsenkeller.

Auch die jungen Besucher waren vom Charme der Nostalgie begeistert.

30.

Sep 93:

Betzdorf.

(fr) "Ihr habt gezeigt:

Technik und Kunst sind nicht unvereinbar!" Dieses dicke Lob zollte Juryleiter Klaus Engelbertz (RWE Siegen) den Schülern der Betzdorfer Hauptschule.

Sie gewannen einen Fotowettbewerb der RWE, die der Stromversorger zum 10jährigen Bestehen der Beratungsstelle (die WR berichtete) in Betzdorf ausgeschrieben hatte.

500 DM überreichte Beratungsstellen-Leiterin Katrin Stenske stellvertretend an Ulrich Gall_, den betreuenden Lehrer der Foto-Arbeitsgemeinschaft der Hauptschule, in der sich Schüler in ihrer Freizeit mit dem Fotografieren beschäftigen.

Der zweite Preis, dotiert mit 300 DM, erhielt das Betzdorfer Gymnasium.Die dortige Foto-AG, unter Leitung von Kunsterzieher Dirk Körner, hatte Arbeiten eingereicht, die denen der Hauptschule in nichts nachstanden - ganz im Gegenteil -, aber nicht so gut illustriert und dokumentiert waren.

Platz 3 und 100 DM gingen an die Bertha-von-Suttner-Realschule.

Wettbewerbs-Arbeit des Gymnasiums:

"Kunst und Technik sind nicht unvereinbar" Beratungsstellen-Leiterin Katrin Stenske (2.v.r) überreichte den 500-DM-Scheck an Lehrer Ulrich Gall_.

Da freuten sich die AG-Mitglieder Stefan Stockschläder und Markus Reuber (v.l.).

Ganz rechts im Bild Juryleiter Klaus Engelbertz.

9.2.93:

Kreis Altenkirchen.

(fr) Während Grund- und Hauptschulen von den Verbandsgemeinden finanziert werden, ist für alle weiterführenden Schulen der Landkreis verantwortlich.

Wie der Kreis die Lage in den einzelnen Gemeinden sieht - und ob er investieren will -, darüber gab nun Auskunft der für Schulen zuständige Kreis-Beigeordnete, Nikolaus Roth.

Während eines DGB-Seminars in der Ev.

Sozialakademie Friedewald erinnerte Roth zunächst daran, daß der Kreis vier Realschulen, drei Gymnasien, vier Sonderschulen und zwei Berufsbildende Schulen unterhält.

Die Kooperative Gesamtschule Altenkirchen rechnete er somit - "bei differenzierter Betrachtung" - zur Schulform Gymnasium.

Obwohl der Kreis einige Gebäude saniert habe (u.a. zwei Realschulen), und einen Fachklassentrakt im Gymnasialbereich sowie eine Sporthalle neu gebaut habe - "die Schulgebäude im Kreis", so Roth, "haben ein durchschnittliches Alter von mehr als 20 Jahren erreicht."

Der Unterhalt sei somit teuer, ebenso die notwendigen Sanierungen.

Außerdem seien die Brandschutz- und Unfallverhütungs-Gesetze strenger geworden, was ebenfalls große Kosten verursache.

An Neubauten, machte Roth deutlich, sei deshalb momentan nicht zu denken.

Und dabei steigen die Schülerzahlen.

Beispiel Hauptschule:

Obwohl sie ständig an Akzeptanz verliert, wird sie im nächsten Schuljahr voraussichtlich 2.879 Schüler aufnehmen müssen - "ein Höchststand", so Roth.

Während prognostiziert wird, daß bundesweit die Schülerzahlen noch bis ins Jahr 2000 steigen werden, trifft es den Kreis Altenkirchen schlimmer:

"Die jeweiligen Hochstände", sagte Roth, "dürften im Landkreis Altenkirchen zwei bis fünf Schuljahre früher erreicht werden."

Die Schulen werden laut Roth in Kürze an die Grenze ihrer Kapazität stoßen - einige seien dort schon angelangt.

Besonders hart trifft es die Kooperative Gesamtschule Altenkirchen, deren Orientierungsstufe im nächsten Schuljahr wahrscheinlich aus zehn (statt bisher neun) Klassen bestehen wird.

Roth gab zu:

Der Kreis wird diese Schule voraussichtlich nicht so sanieren können, wie es eigentlich notwendig wäre.

"Akute Kapazitätsengpässe", konstatiert der Beigeordnete.

Eine Ausnahme bilde Betzdorf:

Entlastung für die Bertha-von-Suttner-Realschule prognostiziert Roth.

Nach der Generalsanierung der Geschwister-Scholl-Realschule (Kosten:

rund 17 Millionen DM) erwartet er, daß die Schülerströme verstärkt in Richtung Scholl-Realschule fließen werden.

Ob das Betzdorfer Gymnasium indes durch die Regionalschule Daaden entlastet werde, bleibe abzuwarten.

Fürs Gymnasium kündigte Roth einige Sanierungsmaßnahmen an.

"Keinen Handlungsbedarf" sieht der Kreis-Beigeordnete für den Schulstandort Wissen.

In den vergangenen sechs Schuljahren sank etwa die Schülerzahl an der Realschule von 420 auf 280.

Sollten sich die Eltern ihre Kinder jedoch weiterhin vermehrt aufs Gymnasium schicken, könnten Engpässe entstehen.

Nikolaus Roth machte diese Aussagen während eines DGB-Seminars, das sich mit dem Thema "Schulentwicklungsplanung" beschäftigte.

Zunächst antwortet Roth gewohnt diplomatisch auf die Frage, ob der Kreis eine solche Planung in Auftrag geben solle.

Die anwesenden Lehrer forderten dies jedoch energisch.

Nach dreistündiger Diskussion hatten sie ihn aus der Reserve gelockt:

Eine Schulentwicklungsplanung, erklärte der sonst verbal eher vorsichtige Beigeordnete, sei abzulehnen - "wenn die teure Studie fertig ist, kann sie schon wieder überholt sein."

8.2.93:

"Gruss aus Kirchen-Sigambria!" Urlaubsgrüße, wie 1906, schickt heute niemand mehr von hier - umso interessanter ist ein Rückblick.

Noch bis Ende des Monats stellt das Fotogeschäft im Einkaufsmarkt auf der Sigambria historische Fotografien aus.

Und kaum jemand geht an ihnen achtlos vorbei:

"Als ich die Bilder aufhing, bekam ich Probleme", so Geschäftsführerin Waltraud Poppelreuter, "denn sofort bildete sich eine Menschentraube."

Wer die Exponate des Heimatvereins ansieht, den packt die Wehmut:

Die Sigambria, die heute von der B 62 passiert wird, war früher ein idyllisches Erholungsgebiet - Ausflügler paddelten mit Booten über die Sieg.

15.3.93:

Reizende Gesellschaft in Brachbach:

Wieder veranstaltete der Heimatverein "Glück Auf" 1986 ein Skatturnier.

Noch reizender wurde die Gesellschaft dadurch, daß Vorsitzender Alois Schmidt auch eine Frau unter den Teilnehmern begrüßen konnte.

Doch das schöne Wetter setzte den Veranstaltern zu:

Bei prächtigem Sonnenschein kamen weniger Skatfreunde als erwartet in den Heimatvereins-Pavillion in der Wiesenstraße.

Nachdem alle Teilnehmer 54 Spiele absolviert hatten, stand der Sieger fest:

Heinz Link.

Zweiter wurde Peter Hussing, Dritter Leander Braun.

5.sep93:

Hamm.

(fr) Im Hammer Wohngebiet "Wolbert", unterhalb der Thomas-Mann-Straße, soll ein Spielplatz entstehen.

Das beschloß der Gemeinderat jetzt einstimmig.

Doch nicht ohne Diskussion:

Die Ausstattung, groß oder klein, war strittig - und Bürgermeister Hans Schmidt (FWG) gestand ein, daß die Verwaltung einen Verfahrensfehler begangen hat.

Der Bauausschuß vergab nämlich schon die Bauaufträge, noch bevor der Rat überhaupt entschieden hatte.

Zwar hatte der Gemeinderat zugestimmt, daß für den Spielplatz 50.000 DM im Haushalt eingeplant werden - doch wie der Platz aussehen soll, das war noch nicht beschlossen.

Eigentlich müßte nun das Verfahren von vorne beginnen.

Doch die SPD, die den Fehler entdeckt hatte, verlangte dies nicht:

Der Bau solle zügig beginnen.

Und das im großen Stil.

Wolfgang Fricke (SPD) forderte eine "große Lösung", da kleine Spielplätze nichts bringen würden.

"Das sieht man beim Spielplatz am Edeka-Markt."

Man solle sich besser auf einige Punkte konzentrieren.

Für "große Lösungen" sei in absehbarer Zeit kein Geld da, meinte Dr. Hans-Werner Christmann (FWG) - "wenn auch die Gerüchte nicht stimmen, die derzeit kursieren, daß die Gemeinde Hamm bankrott ist."

Am Ende stimmte auch die SPD einer "abgespeckten" Planung zu:

Wippe, Schaukel, Sandkasten, Sitzbänke, Fußballtor, Basketball-Korb.

Die Details sollen zunächst noch im Bauauschuß besprochen werden.

20.10.93:

Hachenburg.

(fr) Neue alte Mäuse in Hachenburg:

Das junge Ensemble der bekannten Bonner "Springmäuse" stellte sich jetzt im Westerwald vor.

Über 450 Besucher waren an den Kabarettisten interessiert, füllten die kleine Hachenburger Stadthalle bis zum Anschlag.

Sie sahen und hörten ein recht witziges Programm, bei dem Politisches kaum vorkam - und wenn, dann nicht mit dem Dampfhammer, sondern über nette Umwege.

Die Springmäuse wuselten über die Bühne, flitzten in den Umbaupausen herum; und die Pausen gab es oft:

Schnell wechselten die Szenen, kurzweilig war es.

Und im zweiten Programmteil sogar phantastisch:

Die quirligen Springmäuse improvisierten auf Zuschauer-Zurufe.

Wenn auch wohl nicht alles tatsächlich unvorbereitet von der Bühne kam - die Zuschauer brüllten vor Lachen.

Ein gelungener Ausklang des dritten "Hachenburger Sommers", der wieder viel Kultur-Prominenz in das kleine Städtchen brachte:

Peter Horton, Hot Chocolate, Bad Boys Blue, Hannes Wader, Jule Neigel, das Original Naabtal Duo und viele Blues-Stars waren darunter.

Der Kultursommer wird endgültig beschlossen am kommenden Sonntag, vom verkaufsoffenen "Löwenfest".

4.10.93:

Betzdorf/Niederfischbach.

(fr) Eine kleine "Baumwoll-Plantage" ist in Betzdorf und Niederfischbach entstanden - allerdings weit verstreut.

Denn ein Modehaus verteilte in beiden Orten knapp 400 Samen der Baumwollpflanze.

Überwiegend Kinder pflanzten und gossen den Samen, kümmerten sich später sorgsam um den Keimling.

Am besten machten dies der sechsjährige Jan Stockschläder aus Gilsbach und die Niederndorferin Sarah Keßler (sieben Jahre).

Sie wurden nun für die schönsten und größten Baumwoll-Pflanzen ausgezeichnet.

Als Gewinn erhielten sie von Modehaus-Juniorchef Claus Burghaus ein Baumwoll-T-Shirt - und zwar von jener Firma, die die Baumwoll-Werbeaktion bundesweit durchführen ließ.

Die Textil-GmbH, bekannt für ihre Socken und Unterhosen, wollte damit ihr Motto "Natur pur" an den Kunden bringen.

Als Hauptpreis schrieb sie einen viertägigen New-York-Trip aus, an dessen Verlosung Jan Stockschläder und Sarah Keßler als lokale Gewinner teilnehmen dürfen.<- Erfolgreiche Baumwoll-Pflanzerin:

Sarah Keßler bekommt für ihr Gewächs ein Bauwoll-T-Shirt.

Rechts im Bild Claus Burghaus, links Ursula Zart aus Katzwinkel, die den Preis stellvertretend für den jungen Jan Stockschläder in Empfang nahm.

6.6.94:

Wissen.

(rose) Die Lichterzüge im Kreis Altenkirchen waren kein Strohfeuer - immer noch engagieren sich Menschen, um dem rechtsextremen Gedankengut ihre Verachtung zu demonstrieren:

In Wissen fand jetzt ein großes Rockfestival gegen Rechts statt.

Und das an einem ganz besonderen Ort.

Nämlich in der Stadionhalle - wo bekanntlich die "Republikaner" vor einigen Jahren eine Versammlung abhalten durften.

Mittlerweile ist man sensibler geworden, öffentliche Wahlkampf-Auftritte der Ultrarechten hat es im Kreis bisher nicht gegeben.

Jüngst verhinderte die Altenkirchener Verwaltung eine Veranstaltung der Reps, die sich am 1.

Juni in der Stadthalle der Kreisstadt versammeln wollten.

Sicherlich haben auch die großen öffentlichen Anti-Fremdenhaß-Aktionen zur hiesigen Sensibilisierung beigetragen.

Dennoch werden sie kritisiert.

Was auch die Wissener Veranstalter wissen:

"Viele Leute meinen, daß mit solchen Aktionen nur die erreicht werden", so Juso Martin Reuber, "die sowieso gegen Rechts sind."

Doch:

"Gerade die wollen wir noch einmal, vor der Wahl, aufrütteln! Nächste Woche ist es möglich, daß die Braunen draußen bleiben."

Dafür kämpfen wollen die Jusos, das Fetenteam "Biwak" und die Wissener Initativgruppe gegen Fremdenfeindlichkeit.

Sie haben sich in der Inititative "Die Wissener für Toleranz" zusammengeschlossen.

Das Festival in der vorbelasteten Stadionhalle war ihre erste große Aktion.

Konkreter Anlaß dazu:

Nazi-Parolen auf türkischen Geschäften in Wissen.

Auch am Bahnhof, erinnert Juso Reuber, sind rechtsextreme Schmierereien zu beobachten.

"Linksextreme Sprüche stehen jedoch daneben", so der Birken-Honigsessener Jungsozialist, "das ist ebenfalls nicht in Ordnung - wir wollen einen Aufruf machen, damit das unterbleibt."

Dem Aufruf zum Rock gegenRechts folgten etwa 350 Zuhörer (Hauptorganisator Walter Stinner:

"Wir sind zufrieden") und sechs Bands.

Gratis spielten die Betzdorfer Gruppen Pengborn, Scare Crowes, Ten Beers After und Lokus Live (Alsdorf); aus dem Wisserland kamen The Endzeit und, als Topact, Avenue.

Sogar ein linker Liedermacher aus Morsbach, Sascha Palazzo, war dabei.

Die Anlage stellte kostenlos das heimische Party-Team "Brüllwürfel", das Licht besorgten ohne Entgelt die Katzwinkler Burkhard Quast und Rosi Brühl.

Der Erlös aus der langen Rocknacht kommt der Wissener Organisation HIBA zugute, die sich um Behinderte kümmert.

Damit wollen die "Wissener für Toleranz" darauf aufmerksam machen, daß neben Ausländern auch behinderte Menschen zu Opfern rechtsextremer Gewalt werden können.<- Rock gegen Rechts:

Der Kirchener Enrique Alejandre, Bassist der Grunge-Band "Scare Crowes", verlas eine Botschaft gegen Fremdenhaß - in spanisch, seiner Muttersprache.

26.

Juli 94:

"Macht den Glockenturm auf, Hochwürden!" Darum bittet Dieter Krämer, der Haupt-Naturschutzwart des Westerwaldvereins.

Kirchtürme, aber auch andere Turmbauten sowie Scheunen, Dachböden, alte Trafogebäude sollen geöffnet werden - für eine "weiße Nachtschönheit":

die bis zu 39 Zentimeter große Schleiereule (tyto alba).

Denn die "fliegende Königin der Nacht" steht vor dem Aussterben.

Schuld daran ist weniger, daß sie durch die zunehmende Verstädterung der Landschaft immer schlechter Nahrung findet - als die Schließung vieler Turm- und Dachfenster.

In den durch Menschenhand geschaffenen "Kunstfelsen" hatte die Schleiereule früher nach der nächtlichen Mäusejagd unterschlüpfen können.

Und im Winter jagen:

Weil die aus den Tropen stammende Vogelart nicht winterhart wurde, also keine Fettreserven anlegen kann, muß sie auch in der kalten Jahreszeit nach Beute suchen - in harten Wintern sterben bis zu 90 Prozent der Schleiereulen.

Scheunen werden dann zu überlebenswichtigen Jagdrevieren.

Ausschau wird besonders nach Mäusen gehalten, die den Speiseplan der Schleiereule zu zwei Dritteln ausmachen.

Unterschlupf in "Kunstfelsen" suchen ebenfalls ihre Artverwandten, wie Dohle, Mauersegler, Turmfalke und Steinkauz.

Diese Tiere stehen gleichfalls vor der Ausrottung.

Ihnen wieder eine Lebenschance zu geben, darum bittet Dieter Krämer, Haupt-Naturschutzwart des Westerwaldvereins, alle Naturfreunde.

Und insbesondere jene in den Kirchengemeinden, denn Gotteshäuser sind ideale Lebensräume für die die gefährdeten Geschöpfe.

Turmfalken bevorzugen obere Turmteile, Schleiereulen den Glockenstuhl und den Speicher über dem Kirchenschiff.

Die nötigen Öffnungen müssen etwa zwölf Zentimeter breit und achtzehn Zentimeter hoch sein.

Zugluft sollte dabei jedoch nicht entstehen, falls Fledermäuse im Dach leben; "Die Fledermäuse", so Krämer, "als Flugakrobaten die geheimnisvollsten der einheimischen Säugetiere, sind dagegen sehr empfindlich und wandern ab."

Das können Brutkästen verhindern (1,20 Meter lang, 70 Zentimeter breit und hoch), die hinter der Öffnung postiert werden - und somit auch dafür sorgen, daß die Greifvögel nicht im Dachraum herumflattern.

Krämer hält solche Nistkästen bereit und bietet seine Beratung allen Naturfreunden an (Telefon 02682/4383).

Der engagierte Umweltschützer hofft, daß sein Aufruf auf Resonanz stößt - weiß er doch, wie gerne Schleiereulen derart angebrachte Brutkästen annehmen:

Nach einer Untersuchung des Agraramts Soest von 1993 sind innerhalb eines Jahres rund 90 Prozent der Kästen besetzt.

4.Juli94:

Betzdorf.

(fr) Als Trostpreis gab`s einen Kanaldeckel und ein Stoff-Schaf:

Mit 48 zu 56 Punkten unterlag Betzdorf gegen Heidenheim, im Städte-Live-TV-Spiel "Spaß auf der Gass".

Doch Spaß hat es wahrlich gemacht.

Und ein großes Spektakel war es auch.

Hunderte verfolgten den actionreichen Wettkampf, eine Art "Spiel ohne Grenzen", auf dem Schützenplatz - und live war er im dritten Fernsehprogramm des Südwestfunks zu sehen.

Erste Szene:

Bürgermeister Michael Lieber wird auf einer Sänfte in die Arena getragen.

Betzdorfer Cheerleader, natürlich in grün-weiß, empfangen ihn und die 63köpfige Stadtmannschaft.

Auch das Heidenheimer Team läuft derart ein.

Aber wird noch lautstarker empfangen:

Unter den Heidenheimer Besuchern sorgt eine Guggenmusik-Truppe für Stimmung.

Der Betzdorfer jedoch erwischen den besseren Start:

Nach zwei Spielrunden liegen sie vorne.

Der folgende Wasserschlepp-Wettbewerb geht aber verloren.

Die Wende zugunsten der Heidenheimer bringt ein Memory-Spiel, bei dem die beiden Bürgermeister gegeneinander antreten:

8 zu 0 verliert Lieber - allerdings sehr unglücklich.

Und dann wird es wirklich witzig.

Die SWF-Leute haben sich ein tolles Spiel ausgedacht:

Weil Heidenheim als Stadt der Schäfer gilt, ziehen sich je zehn von jedem Team ein Schafskostüm ohne Sehschlitz an; auf allen Vieren kriechend müssen sie blind, nur durch Zuruf gesteuert, ins Gatter finden.

So krabbeln sie - nach dem Startsignal "Auf die Gass, und ...

Spaß!" - über den heubestreuten, labyrinthmäßig mit Zäunen dekorierten Schützenplatz.

Für die Teilnehmer zwar gar nicht so lustig - bei Bullenhitze im Schafsfell schwitzend -, für die Zuschauer aber um so mehr.

Denn ein Betzdorfer verliert jede Orientierung.

Das arme Schaf, Startnummer 19, kriecht völlig falsch, donnert in die Bandenwerbung, reißt Zäune um und rennt schließlich in die Cheerleader ...

Die Runde geht an Heidenheim.

Beim nächsten Spiel müssen gegenseitig Dialekt-Worte erraten werden.

Die Heidenheimer identifizieren korrekt "Klunk" als Krug, "Dung" (Brot) und "Dilldapp" (Kreisel).

Bei einem anderen Wettbewerb erfährt der Fernsehzuschauer Wissenswertes über die Städte.

Interessant:

Als der damalige Skandalfilm "Die Sünderin" 1951 im Betzdorfer Kino lief, gingen dagegen 2.000 (!)Demonstranten auf die Straße - schon am nächsten Tag wurde der Streifen abgesetzt.

Bei "Spass auf der Gass" kommt es dann zum Höhepunkt, bei dem alle Einwohner gefordert sind:

Möglichst viele müssen mit Modelleisenbahnlok, Trillerpfeife und Signalstab erscheinen.

Die Accessoires dürfen auch selbstgemacht sein; die Aufgabe war am Vorabend gestellt worden.

Während der Heidenheimer Bauhof eilig 300 Utensilien bastelte, konterte Betzdorf mit Werbemaßnahmen:

Ein Flugzeug drehte Kreise mit einem Banner, mit Megaphonen und Schildern wurden die Bürger auf dem Boden unterrichtet.

Ergebnis:

Heidenheim 490 Teilnehmer, Betzdorf 505.

Auch das folgende Zuschauer-Spiel (durch Fußball-Wurf muß eine Ballon-Weltkugel bewegt werden) gewinnen die Betzdorfer.

Ein Heidenheimer ist so sauer, daß er nach Spielende die Moderatorin Stefanie Ludwig mit einem Ball bewirft - was ihr das Mikro aus der Hand reißt.

"Das", meint sie souverän, "ist Spaß auf der Gass!" Nun war der Spaß auch schon vorbei - und die Betzdorfer hatten verloren.

Als Trostpreis gab`s u.a. einen Kanaldeckel für die Fußgängerzone.

Aufschrift:

"Betzdorf war dabei."<- 1.Juni 94:

Niederfischbach.

(fr) Der Männergesangverein Niederfischbach feiert in diesen Tagen sein 75jähriges Bestehen.

Begonnen hat es so:

"Es wurde beschlossen, eine Gesangsgruppe zu gründen, wo sich gleich 20 Mann anmeldeten.

Ein Harmonium wurde von Ehrenmitglied A.

Hensel zum Mietpreis von 10,00 M geliehen."

Weiter heißt es in der Chronik:

"Als Dirigent hatte sich in lobenswerter Weise Herr Aloys Böhmer mal gratis zur Verfügung gestellt."

Daraus wurde ein langes Dirigat:

50 Jahre lang wachte Böhmer darüber, daß seine Schützlinge den rechten Ton trafen.

Anschließend übernahm sein Sohn Klemens die Chorleitung, die er auch heute noch inne hat.

Zurück ins Gründungsjahr 1911:

Damals sang man noch innerhalb des "Maiverein Immergrün".

Erste Erfolge bei Wertungssingen brachten 1925 das Selbstbewußtsein, sich als eigenständiger Chor vom Maiverein abzuspalten.

Schon drei Jahre später war das Vereinslokal Imhäuser zu klein geworden, um dem mittlerweile auf 50 Sänger gewachsenen MGV gerecht zu werden.

Die Sangesfreunde wählten als neues Domizil die Gaststätte Köhler, wo sie noch heute proben - und bedient werden von Anna Krabben, die in der Vereinschronik besondere Erwähnung findet:

"Sie sorgt seit vielen Jahren dafür, daß die Sangesbrüder nicht verdursten."

Anna Krabben ist das erste weibliche Mitglied des Männergesangvereins.

Sie hat ihren MGV nicht erlebt, wie er eine Operette aufführte:

1930 war die MGV-Finanzlage schlecht - und so kam, um die Vereinskasse aufzubessern, "Das Mädel vom Neckarstrand" erfolgreich zur Aufführung.

1932 ist das erfolgreichste Gesangs-Jahr des MGV:

Bei einem Wettstreit in Morsbach gewannen die Niederfischbacher zwei 1.

und einen 2.

Preis sowie den Dirigentenpreis.

Im Zenith angelangt, nahm der "Leistungswille" plötzlich ab.

Gründungsvorsitzender Josef Müller, der laut Nazi-Dekret nun als "Vereinsführer" firmierte, mußte mangelndes Engagement feststellen - eine Versammlung von 1937 hatte nur einen Tagesordnungspunkt:

"Auflösung des Vereins".

Trotz Kriegsnot konnte der Verein schon 1946 wieder auferstehen, mit 40 Sängern.

Das erste Konzert brachte einen Gewinn von 1.000 Reichsmark, der den Angehörigen der Gefallenen und Vermißten gespendet wurde.

Wieder führten die Männer Operetten auf.

Und 1955 war der MGV Emmerich zu Gast:

"Der Besuch des Konzertes war schlecht", notierte der Chronist - "die Feier mit den Gästen ein voller Erfolg."

Die nächsten Jahre brachten dem Verein seine bisher schwerste Krise:

schlechter Probenbesuch, keine Gesangserfolge - 1960 legte Vorsitzender Aloys Köhler aus Protest sein Amt nieder.

Für ihn kam Josef Kühn.

Er konnte das MGV-Team neu motivieren:

Gemeinsam mit dem MGV Geilenkirchen gaben die Niederfischbacher ihr bestes Konzert seit Kriegsende.

Kühn wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Doch das Tief war noch nicht überwunden.

1968 stand die Auflösung zweimal zur Abstimmung.

Im Jubiläumsjahr 1969 - Fest zum 50jähriges Bestehen - rissen sich die Sänger aber wieder am Riemen.

Überschattet wurde das Jubeljahr von dem Tod des Dirigenten Aloys Böhmer.

In den folgenden Jahren entwickelte sich der MGV prächtig.

Er nahm einen immer bedeutenderen Platz im Niederfischbacher Leben ein - den er bis heute bewahren konnte.<- Ein Bild aus längst vergangenen Tagen - doch immer noch nimmt der MGV einen wichtigen Platz im Niederfischbacher Leben ein.

"Mal gratis zur Verfügung gestellt" - und daraus wurden dann 50 Jahre MGV-Dirigat:

Aloys Böhmer.

27.4.94 Kirchen.

(rose) Die heimischen Sekretärinnen wollen sich zusammenschließen:

Ein Klub Siegerland-Westerwald des BDS (Bund Deutscher Sekretärinnen) soll gegründet werden.

Doch bisher läßt sich dieser Versuch eher schleppend an:

Von zweihundert Damen, die Initiatorin Barbara Sandmann angeschrieben hat, fanden sich nur sieben bereit, dem BDS-Klub beizutreten.

Ein erstes, sehr attraktives Jahresprogramm soll nun die Sekretärinnen locken.

Derzeit gibt es noch keinen Vorstand.

Barbara Sandmann, Sekretärin des Hauptgeschäftsführers der IHK Betzdorf-Kirchen, hat die Clubleitung kommissarisch übernommen.

Sie betont:

"Eine Mitgliedschaft bringt viel."

So führe der Austausch untereinander zu mehr Routine im Beruf.

Und da die IHK Räume bereitstellt, könne der Klub maßgeschneiderte Lehrgänge anbieten.

Die Betzdorferin wirbt um Mitglieder:

"Überlastet sind wir alle.

Man muß sich die Zeit nur einteilen."

Auch das könne beim Klub - unter dem Stichwort "Zeitmanagement" - besser gelernt werden.

45 BDS-Klubs gibt es bereits deutschlandweit, insgesamt hat der Verband etwa 2.600 Mitglieder - und ist damit Europas größter Sekretärinnen-Verband.

Doch die hiesige Resonanz ist zu gering, um einen Ortsverein zu etablieren.

Daher wurde der Klub als regionale Vereinigung im Dreiländereck konzipiert.

Einzugsbereich:

Eine halbe Stunde Autofahrzeit um die IHK Betzdorf-Kirchen herum.

Für Siegener Terrain hat Ute Peters vorerst die Federführung übernommen, für den Westerwald die Mudenbacherin Illona Willems.

Kommissarische Kassiererin ist Petra Stockschläder aus Betzdorf.

Die Sekretärinnen hoffen, bis Anfang 1995 genügend Damen interessieren zu können, damit eine Gründungsversammlung stattfinden kann.

Um dieses Ziel zu erreichen, stellten die sieben Mitglieder ein beachtliches erstes Programm zusammen.

Am 30.

Mai referiert Peter Buser aus Zürich zum Thema "Führung nach oben" ("da wird manche Sekretärin schmunzeln").

Am 14.

Juni heißt es dann "Geschäftsreisen fest im Griff":

Vertreter der Lufthansa und einesBetzdorfer Reisebüros verraten Tips und Tricks.

In diesem Zusammenhang weist Barbara Sandmann darauf hin, daß der Klub "immer Sponsoren sucht".

Weiter auf dem Programm stehen die Themen "Öffentlichkeitsarbeit, internationale Gepflogenheiten, Small talk" (18.

Juni), ein Videoseminar "Erfolgstraining/Kommunikationstraining" (6.

September) und "Streßbewältigung im Sekretariat" (im Oktober).

Selbstverständlich kommt auch beim Sekretärinnen-Klub die Geselligkeit nicht zu kurz:

Ein "Jahresausklang mit adventlichem Abendessen" ist bereits fest eingeplant.<- Ein fröhliches Grüppchen engagierter Sekretärinnen will einen BDS-Klub Siegerland/Westerwald etablieren - doch das läßt sicher eher schleppend an.

Im Bild v.l.:

vorne Ute Peters, Illona Willems, Doris Adamczyk (Alpenrod); hinten Barbara Sandmann, Petra Stockschläder und Sigrid Wagener-Schöler (Siegen).

Frank Rosenbauer 1.5.94 Hachenburg.

(rose) Mal ganz anders enterten 280 Menschen die Nacht zum 1.

Mai:

mit Blues.

Und zwar mit hochklassigem.

Ein - trotz zahlreicher Maitänze - total ausverkaufter Saal der Hachenburger Altstadt-Kneipe "Stern" erlebte einen 58jährigen Bluesveteran:

Carey Bell, ehemals Harpspieler in der Muddy-Waters-Band, getourt mit Howlin` Wolf und Willie Dixon.

Der schwarze Mann vom Mississippi:

Backen, die sich beim Beblasen der Mundharmonika drei Finger dick ausstülpten; und Lippen, mit denen er sein Arbeitsgerät gut und gerne längsseits zu schlucken vermöchte - und die er originell schlackern konnte.

Unterstützt wurde Bell von "Stormy Monday", einer international gefragten deutschen Bluesband.

Sie spielten u.a. bereits mit Eric Burdon, Ten Years After, vor 15.000 Zuhörern bei einem Antinuklear-Festival in Bilbao und vor 10.000 in Essen gegen Rassismus.

Vor anderthalb Jahren nahmen die Deutschen mit dem Amerikaner eine CD auf, die sogar in "Down Beat" besprochen wurde, einem der wichtigsten US-Musikmagazine.

Dabei haben sie sich zum Ziel gesetzt, ihren Blues von "überflüssigen Baumwollflusen zu befreien" - mit Rock, Funk und Reggae.

Das wurde sofort deutlich, als sie Bühne betraten:

drei Bläser sorgten für funkige Klänge.

Und die Show besorgte der Sänger.

Mit giftgrüner Hose, signalroter Baseball-Kappe, drei goldenen Ketten um den fülligen Leib wirbelte er in Meatloaf-Manier über die Bühne - und oftmals mitten durchs Publikum.

Das, bereits mächtig angeheizt von der deutschen Vorgruppe "B.B.

& The Blues Shacks", brachte er mächtig in Wallung.

Als dann endlich der Star die "Blues in den Mai" erschien, Carey Bell, brachte er die angeblich überflüssigen Baumwollflusen mit.

Der Sound wandelte sich in wunderbar traditionellen Blues, alte Klassiker kamen zur Aufführung.

Das Besondere:

Wenn Songs wie "I`m ready" von Muddy Waters erklangen, war allen bewußt:

Carey Bell hat sie früher schon einmal gespielt - und zwar gemeinsam mit den Blueslegenden.

Zum furiosen Ende tanzten Bell und Band so ausgelassen auf der Bühne herum, daß die Lautsprecherboxen beinahe umkippten.

Und das fachkundige Publikum tobte.

Auch die letzten Reihen feierten frenetisch zum Abschluß von viereinhalb Stunden (!) Superblues in einer heißen Nacht.

1.6.94:

Oberkreis Altenkirchen.

(fr) Welche Gemeinde ist die "schwärzeste", welche am meisten "rot gefärbt"? Und wo haben die kleinen Parteien ihre Pfründe? Im Blick auf die Kommunalwahl hat die WR zusammengestellt, wo lokalpolitische Hochburgen liegen - und auch die "Diasporagebiete" der Parteien entdeckt.

Zugrunde liegen die Wahlstimmen der letzten Kommunalwahlen im Oberkreis.

Berücksichtigt sind nicht die stark personengebunden Ergebnisse bei den Ortsgemeinderäten, sondern jene des Verbandsgemeinderats.

Die Hochburgen:

CDU 1. Friesenhagen (73,4 %) 2. Fensdorf (67,9 %) 3. Kausen (63,4 %) 4. Grünebach (63 %) 5. Elben (62,5 %) SPD 1. Etzbach (66,4 %) 2. Bitzen (65,6 %) 3. Forst (59,3 %) 4. Fürthen (58,2 %) 5. Mauden (57,7 %) FDP 1. Daaden (18,1 %) 2. Mauden (17,0 %) 3. Breitscheidt (16,7 %) 4. Hamm (15,7 %) 5. Birkenbeul (13,3 %) FWG 1. Niederirsen (29,5 %) 2. Birkenbeul (28,8 %) 3. Selbach (Sieg) (26,0 %) 4. Birken-Honigsessen (21,7 %) Seelbach b.

Hamm (21,7 %) Grüne 1. Seelbach b.

Hamm (14,4 %) 2. Bruchertseifen (6,9 %) 3. Herdorf (6,4 %) 4. Forst (5,8 %) 5. Alsdorf (5,5 %) Katzwinkel (5,5 %) Die schlechtesten Ergebnisse erzielte die CDU - die auf Verbandsgemeinde-Ebene überall Stimmen verlor - in Bitzen (11,2 Prozent) und mit 12,7 Prozent in Breitscheidt, Gründungsort der Kreis-SPD.

Die Sozialdemokraten, die bis auf Hamm in allen Verbandsgemeinden hinzugewannen, haben den schlechtesten Stand in Friesenhagen (15,5 Prozent) und mit 12,9 Prozent in Kausen.

Die kleinen Parteien traten bei der letzten Kommunalwahl nicht in allen Gemeinden an.

In Brachbach taten sie es - und da hatten sie es am schwersten.

Die FDP ging am schlimmsten in Selbach (0,8 %) und Brachbach (1,1 %) unter.

Die FWG erlebte ihr größtes Debakel ebenfalls in Brachbach sowie im Nachbarort Mudersbach (jeweils 1,0 %).

Unter jenen Orten, in denen sich die Grünen zur Wahl stellten, wurde das am wenigsten in den Dörfern Niederirsen (0,9 %) und Selbach (1,4 %) honoriert.

Bleibt zu erwarten, ob die Hochburgen auch solche bleiben.

Bei der letzten Wahl war der Trend zu erkennen, daß sich die Stimmen immer gleichmäßiger verteilen.

Das bekam besonders die CDU zu spüren, die zum Beispiel in Friesenhagen ihr höchstes Ergebnis erzielte - aber gleichwohl dort 8,3 Prozent verlor.

21.sep94 Hamm.

(fr) Ein Hammer Sportverein produziert fast wie am Fließband Europa- und Weltmeister - nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit.

Die Selbstverteidigungs-Sportunion e.V.

(SVSU) ist mittlerweile im zwanzigsten Vereinsjahr.

Sie brachte, als erster Verein zwischen Sieg und Westerwald, das Kickboxen in die heimische Region.

Ist der Geruch des Exotischen zwar immer noch nicht ganz verschwunden, so kann man heute dennoch stolz bilanzieren:

Zahlreiche große Titelgewinne - und 2.800 Menschen lernten im Verein, sich selbst zu verteidigen.

Unter dem Strich steht noch etwas Erfreuliches:

"Bis jetzt", so Trainer Salomon "Sally" Brenke, "noch kein Bruch."

Blaue Flecken ja - "aber Kickboxen ist nicht verletzungsgefährlicher als Fußball", meint Brenke.

Im Kampf wird Hand-, Fuß-, Kopf-, Mund-, Tief- und Schienbein-Schutz getragen.

"Und sobald die Nase blutet, wird der Kampf abgebrochen", erklärt der Trainer.

"Bluter müssen sich deshalb die Nase zuätzen lassen."

Freilich sei das Kickboxen gleichwohl effektiv.

"Wer traditionelle, technikbetonte Arten der Selbstverteidigung lernt, etwa Judo, der braucht ungefähr anderthalb Jahre, bis er sich verteidigen kann.

Der Kickboxer aber lernt sofort alles."

Brenke wörtlich:

"Ein paar Wochen Training, dann hat Otto Normalbürger auf der Straße keine Chance mehr."

Bei Turnieren wird so gezählt:

Ein Punkt für Tritte in den Bauch, zwei Punkte für Schläge gegen den Kopf - und drei Punkte, wenn der Kämpfer beim Kopftreffer mit beiden Füßen vom Boden abhebt.

Motto, so Brenke:

"Alles was die Kiste hält - druff!" Ein Vollkontakt-Kampf dauert höchstens vier Minuten.

Schon sechsjährige Kinder sind im Verein zugelassen; und auch viele junge Frauen und Mädchen haben bei der SVSU gelernt, sich zur Wehr zu setzen.

"Der Vorteil des Kickboxens:

Hier wird von vorneherein auf Angriff trainiert.

Dadurch sinkt im Alltag die Hemmschwelle, die Technik auch tatsächlich einzusetzen."

Momentan zählt der Verein unter seinen 160 Mitgliedern etwa 60 weibliche, wovon 15 das Kickboxen lernen; die anderen üben sich im Ho-sin-do, der technikbetonten Urform des Taekwondo.

Die Hammer SVSU gehört zu einer Handvoll Vereine in Deutschland, die diese 2.000 Jahre alte koreanische Kampftechnik weiter pflegen.

Wollen sich die Trainer weiterbilden, müssen sie nach Frankfurt fahren.

Hier wohnt ein Altmeister aus Korea - der einzige in Deutschland, der den besten Hammern noch etwas beibringen kann.

Es gibt sehr viele verschiedene Arten von asiatischer Selbstverteidigung - "Hunderte Organisationen existieren, und viele richten Weltmeisterschaften aus", so Henke, "darum sagt ein großer Titel manchmal auch nichts aus."

Stolz sind die Westerwälder darum auf ihre Siege, die sie bei Turnieren der Welt-Dachorganisation WAKO errungen haben.

Die "World Association of Kickboxing Organization" hat Kinohelden wie Chuck Norris und Jean Claude van Damme hervorgebracht.

Wer hier siegreich tritt, der kann was.

Zu den WAKO-Erfolgreichen der SVSU gehören die junge Sandra Fischer aus Berodt (zweifache Weltmeisterin), Oliver Bellersheim aus Rettersen (Europameister) und Uwe Goldau (WM-Dritter).

Trainer Sally Brenke wurde Dritter bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr, sein Bruder Ricardo, der das SVSU-Training in Altenkirchen leitet, bereits 1979 in Miami Vizeweltmeister.

Während sich die Hammer oft im Fachmagazin "Kick" wiederfinden, sind sie ein wenig betrübt, daß ihre Erfolge der heimischen Öffentlichkeit kaum bekannt sind; "manchmal", meint ein langjähriges Vereinsmitglied, "scheint eine Fußball-Kreisliga-D wichtiger zu sein."<- Siegreiche Hammer Kickboxer der SVSU (vor einer Pokalauswahl).

Den Takt gibt Trainer Sally Brenke (3.v.r.) vor:

"Alles was die Kiste hält - druff!" Die zweifache Weltmeisterin Sandra Fischer in Aktion (links im Bild, mit Kickbox-Kameradin Nilgün Göksin).

10.4.94:

Ausverkaufte Musical-Premiere in Betzdorf Bikerpärchen als "Samariter" Betzdorf.

(rose) Ein Familienvater wird auf einem Rastplatz brutal überfallen, bleibt blutend liegen.

Der Politiker und die Studentin, die vorbeikommen, sehen den Verletzten zwar - gehen aber weiter.

Erst ein Rockerpärchen leistet Erste Hilfe.

Das ist die Schlüsselszene des Musicals "Lokaltermin", jetzt in Betzdorf uraufgeführt:

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter in moderner Fassung (die WWR berichtete im Vorfeld).

700 Zuschauer bei der Premiere in der ausverkauften Aula des Betzdorfer Gymnasiums waren begeistert.

Denn das Autoren-Ehepaar Schmalenbach aus Leun (bei Wetzlar) stellte mit jungen Schauspielern, Sängern und Tänzern aus ganz Deutschland ein professionelles Musical auf die Bühne - und die christliche Message wurde wenig frömmelnd mitgeteilt.

Alltagssprache dominierte, bei den Sprechszenen gab es keine Drehbuchvorgaben.

So geriet ein Wortgefecht zwischen Rechtsextremen und Ausländern - mit anschließender "Massenschlägerei" - beinahe unheimlich realistisch.

Effektvoll auch der Auftritt der "Samariter":

Das Bikerpärchen donnerte mit einer dicken Chopper mitten durch die Zuschauer ...

Schlüsselszene des Musicals:

Ein Bikerpärchen hilft dem Verletzten.

( rose) Authentisches Wortgefecht:

Rechtsextreme Jugendliche greifen ein farbiges Mädchen an - andere Deutsche stehen ihr bei.

( rose) 1.august94:

Scheuerfeld.

(fr) Bei einem Betzdorfer Juwelier liegen zwei neue Eheringe, bis aufs Hochzeitsdatum fertig graviert.

Die Ringe lagern dort seit einem Jahr.

Doch niemand darf sie anziehen.

Eines der beiden Schmuckstücke würde gerne die heitere Studentin Kerstin, 25, überstreifen.

Sie verliert nur selten ihre Fröhlichkeit - aber was ihr der deutsche Behördenapparat in Liebesdingen antut, findet sie "völlig unglaublich."

2.000 Mark und viele Nerven hat sie bisher der Wunsch gekostet, den Mann ihrer Wahl heiraten zu dürfen.

Mittlerweile pensioniert ist der Betzdorfer Standesbeamte, der das Aufgebot entgegennahm:

Seit nunmehr über einem Jahr wartet Kerstin auf die Erlaubnis zur Hochzeit.

Ihr Traummann und Verlobter, Edrix Mohammed, ist ein afrikanischer Asylbewerber.

Edrix stammt aus Nigeria und lebt in Herdorf.

Kerstin stammt aus dem Sauerland und lebt in Scheuerfeld.

Heirat ausgeschlossen? Selbstverständlich nicht, befand das Standesamt - wenn die entsprechenden Dokumente, hauptsächlich vom anderen Kontinent, beigebracht werden.

Alle elf nötigen Schriftstücke lieferte das Paar denn auch ab.

Die Betzdorfer Behörde war zufrieden:

"Man sagte uns", erinnert sich Kerstin, "in zwei Wochen sei die Sache über die Bühne."

Doch das entscheidende Papier fehlte noch.

Und das mußten nicht nigerianische Amtmänner, sondern deutsche Staatsdiener ausstellen.

Sechszehn Wochen lang tat sich nichts.

Der Name des Dokuments, das nur auf hochrichterlichen Beschluß des Oberlandesgerichts (OLG) Koblenz abgestempelt wird:

"Befreiung von der Beibringung des Ehefähigkeitszeugnisses".

Was ein "Ehefähigkeitszeugnis" ist, "weiß ich bis heute nicht", schmunzelt Kerstin, die ihre westfälische Fröhlichkeit noch nicht verloren hat.

Dennoch entschloß sie sich, rechtlichen Beistand zu suchen.

Denn mittlerweile war der Asylantrag ihres Verlobten abgelehnt worden, der 29jährige Nigerianer in Deutschland lediglich noch geduldet.

Die Abschiebung drohte.

Rechtsanwältin Anke Schneider (Kirchen) fragte nach.

Antwort:

Die Papiere müssen "legalisiert" werden.

"Das hatte uns vorher keiner gesagt", so Kerstin.

Die "Legalisierung" fand umgehend statt:

Die Schriftstücke wanderten vom Koblenzer Gericht zurück nach Afrika, von dort einzeln wieder ans OLG und landeten schließlich da, wo sie Monate zuvor Richtung Koblenz losgeschickt worden waren:

in Betzdorf, auf dem Standesamt.

Die entscheidende Erlaubnis aber fehlte immer noch.

"Warum sind die Papiere bloß in Betzdorf", wundert sich Kerstin, "die Beamten dort, die sehr hilfsbereit sind, wissen doch nach all der Zeit, daß wir keine ,Scheinehe` vorhaben."

Und auch den anderen Behörden sollte klar sein, findet die Sozialpädagogik-Studentin, daß sie nicht heiraten will, um eine drohende Zwangsrückkehr von Mohammed zu verhindern - "schließlich war sein Asylantrag noch gar nicht abgelehnt, als wir das Aufgebot bestellten!" "Wir hätten es auch einfacher haben können", weiß Kerstin:

"Eine kleine Reise nach Holland - und ruck-zuck wären wir ein Ehepaar gewesen.

Doch wir dachten, das sei in unserem Staat nicht nötig."

Bitter meint die junge Frau:

"Unser Fehler war, daß wir den regulären Weg gegangen sind."

Der führte vom Standesamt durch Oberlandesgericht, Kripo, Ausländerbehörde, afrikanische Ämter und Nigerias Botschaft.

Und ist immer noch nicht zuende.

Seit einer Woche nun ist die Lage noch heikler:

Die Duldung wurde nicht mehr verlängert.

Dadurch verlor der Nigerianer, der seit anderthalb Jahren erwerbstätig ist, seine feste Arbeitsstelle bei "Lignotock" in Scheuerfeld.

* Einen Tag, nachdem die WR mit den Verlobten gesprochen hatte, nahm ihre Situation eine unerwartete, glückliche Wendung:

der von Abschiebung bedrohte Edrix Mohammed wird seine Duldung wiedererhalten - und auch die Genehmigung zur Hochzeit kam aus heiterem Himmel.

Happy-End nach einem Jahr Behördenstreit.

Bilder:

Kerstin & Edrix Kerstin mit "Hochzeits-Aktenberg"

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© Frank Rosenbauer, http://www.rosenbauer.de